Index   Back Top Print

[ DE  - EN  - ES  - FR  - IT  - PT ]

VIDEOBOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
ZUR 75. SITZUNG DER GENERALVERSAMMLUNG
DER VEREINTEN NATIONEN

25. September 2020

[Multimedia]


 

Herr Präsident,

der Friede sei mit Ihnen allen! Sehr herzlich grüße ich Sie, Herr Präsident, sowie alle Delegationen, die an dieser bedeutsamen 75. Generalversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen. Insbesondere richte ich meinen Gruß an den Generalsekretär, Herrn António Guterres, an die teilnehmenden Staats- und Regierungschefs sowie an alle, die der Generaldebatte folgen. Der 75. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen bietet Gelegenheit, den Wunsch des Heiligen Stuhls, dass diese Organisation ein wahres Zeichen und Werkzeug der Einheit unter den Staaten sein und der ganzen Menschheitsfamilie dienen möge, erneut zum Ausdruck zu bringen.[1]

Gegenwärtig wird unsere Welt von der Covid-19-Pandemie heimgesucht, die zum Verlust vieler Menschenleben geführt hat. Diese Krise verändert unseren Lebensstil, stellt unsere Wirtschafts-, Gesundheits- und Sozialsysteme in Frage und macht unsere Schwäche als Geschöpfe deutlich. In der Tat ruft die Pandemie uns auf, »diese Zeit der Prüfung als eine Zeit der Entscheidung zu nutzen […]: die Zeit zu entscheiden, was wirklich zählt und was vergänglich ist, die Zeit, das Notwendige von dem zu unterscheiden, was nicht notwendig ist«.[2] Sie kann eine wirkliche Chance zur Umkehr, zur Veränderung darstellen, um unseren Lebensstil und unsere wirtschaftlichen und sozialen Systeme zu überdenken, die die Distanz zwischen Armen und Reichen vergrößern, infolge einer ungerechten Verteilung der Ressourcen. Sie kann jedoch auch eine Möglichkeit zum »defensiven Rückzug« bieten, mit individualistischen und elitären Wesenszügen. Wir stehen also vor der Entscheidung für einen von zwei möglichen Wegen: Einer führt zur Stärkung des Multilateralismus, als Ausdruck einer erneuerten globalen Mitverantwortung, einer Solidarität auf der Grundlage der Gerechtigkeit und der Erfüllung des Friedens und der Einheit der Menschheitsfamilie, Gottes Plan für die Welt; der andere zieht die Haltungen der Selbstgenügsamkeit, des Nationalismus, des Protektionismus, des Individualismus und der Isolierung vor und grenzt die Armen, die Schwachen, die Bewohner der existentiellen Randgebiete aus. Und natürlich schadet das der ganzen Gemeinschaft, weil es ein selbstverletzendes Verhalten für alle ist. Und das darf nicht die Oberhand haben. Die Pandemie hat die dringende Notwendigkeit deutlich gemacht, die öffentliche Gesundheit zu fördern und das Recht eines jeden Menschen auf medizinische Grundversorgung umzusetzen.[3]

Daher appelliere ich erneut an die politisch Verantwortlichen sowie an den Privatsektor, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um den Zugang zu den Impfstoffen gegen Covid-19 und die wesentlichen technologischen Mittel zu garantieren, die notwendig sind, um die Kranken zu behandeln. Und wenn jemand privilegiert werden muss, dann sollen es jene Menschen sein, die arm und verwundbar sind – jene, die gewöhnlich diskriminiert werden, weil sie weder Macht noch wirtschaftliche Mittel besitzen. Die gegenwärtige Krise hat uns auch gezeigt, dass die Solidarität nicht nur ein Wort oder ein leeres Versprechen sein darf. Außerdem zeigt sie uns, wie wichtig es ist, die Versuchung zu vermeiden, unsere natürlichen Grenzen zu überschreiten. »Die menschliche Freiheit ist in der Lage, die Technik zu beschränken, sie zu lenken und in den Dienst einer anderen Art des Fortschritts zu stellen, der gesünder, menschlicher, sozialer und ganzheitlicher ist.«[4]

Wir müssen all diese Aspekte auch in den Debatten über das schwierige Thema der künstlichen Intelligenz (KI) berücksichtigen. Wenn wir uns das vergegenwärtigen, denke ich auch an die Auswirkungen auf die Arbeit, einen Sektor, der destabilisiert ist durch einen Arbeitsmarkt, der immer mehr von Ungewissheit und der allgemeinen »Roboterisierung« geprägt ist. Besonders notwendig ist es, neue Formen der Arbeit zu finden, die das menschliche Potential tatsächlich zufriedenstellen können und gleichzeitig unsere Würde bestätigen. Um eine menschenwürdige Arbeit zu gewährleisten, muss das vorherrschende wirtschaftliche Paradigma geändert werden, das nur danach strebt, den Unternehmensprofit zu steigern. Mehr Menschen Arbeit anzubieten sollte eines der wichtigsten Ziele eines jeden Unternehmers sein, ein Erfolgskriterium der Produktionstätigkeit. Der technologische Fortschritt ist nützlich und notwendig, solange er dazu dient, die Arbeit menschenwürdiger, sicherer, weniger belastend und aufreibend zu machen. All das verlangt einen Kurswechsel, und dafür haben wir bereits die Ressourcen und die kulturellen, technologischen Mittel, und wir haben das soziale Bewusstsein. Zweifellos braucht dieser Wandel einen stärkeren ethischen Rahmen, der in der Lage ist, die »so verbreitete und unbewusst gefestigte ›Wegwerfkultur‹« zu überwinden.[5] Am Ursprung dieser Wegwerfkultur steht ein großer Mangel an Achtung gegenüber der Würde des Menschen, eine ideologische Propaganda mit einem verkürzten Menschenbild, eine Leugnung der Universalität seiner Grundrechte, und ein Wunsch nach absoluter Macht und Kontrolle, der die heutige moderne Gesellschaft beherrscht. Nennen wir es beim Namen: Auch das ist ein Attentat gegen die Menschlichkeit.

In der Tat ist es schmerzlich zu sehen, wie viele Grundrechte immer noch ungestraft verletzt werden. Die Liste dieser Verletzungen ist sehr lang und lässt uns zu dem schrecklichen Bild einer vergewaltigten, verletzten, der Würde, der Freiheit und der Möglichkeit zur Entwicklung beraubten Menschheit gelangen. In diesem Bild erleiden auch die Gläubigen der Religionen alle möglichen Arten von Verfolgung, einschließlich des Völkermords aufgrund ihres Glaubens. Unter den Gläubigen der Religionen sind auch wir Christen Opfer: Wie viele leiden auf der ganzen Welt, sind zuweilen gezwungen, aus dem Land ihrer Vorfahren zu fliehen, isoliert von ihrer reichen Geschichte und ihrer Kultur. Wir müssen auch zugeben, dass die humanitären Krisen zu einem »Status quo« geworden sind, in dem die Rechte auf Leben, auf Freiheit und auf persönliche Sicherheit nicht gewährleistet sind. Tatsächlich zeigen die Konflikte auf der ganzen Welt, dass der Gebrauch von Explosionswaffen, vor allem in bevölkerungsreichen Gebieten, langfristige dramatische humanitäre Auswirkungen hat.

In diesem Sinne werden die konventionellen Waffen immer weniger »konventionell« und entwickeln sich immer mehr zu »Massenvernichtungswaffen«, die Städte, Schulen, Krankenhäuser, religiöse Stätten sowie Infrastrukturen und grundlegende Dienste für die Bevölkerung zerstören. Außerdem sehen viele sich gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Oft werden Flüchtlinge, Migranten und Vertriebene in ihren Heimat-, Durchgangs- oder Zielländern alleingelassen, ohne jede Möglichkeit, ihre eigene Lebenssituation oder die ihrer Familie zu verbessern. Noch schlimmer ist, dass Tausende auf dem Meer abgefangen und gezwungen werden, in Gefangenenlager zurückzukehren, wo sie mit Folter und Missbrauch konfrontiert sind. Viele sind Opfer von Menschenhandel, sexueller Sklaverei oder Zwangsarbeit, werden in erniedrigenden Arbeiten ausgebeutet, ohne einen gerechten Lohn. Diese unerträgliche Wirklichkeit wird zweifellos heute von vielen absichtlich ignoriert! Die vielen wichtigen internationalen Bemühungen, auf diese Krisen eine Antwort zu geben, beginnen mit einem großen Versprechen, unter anderem mit den beiden Globalen Pakten für die Flüchtlinge und für die Migration, aber vielen fehlt die notwendige politische Unterstützung, um erfolgreich zu sein. Andere scheitern, weil einzelne Staaten ihren Verantwortungen und Pflichten ausweichen. Zweifellos ist die gegenwärtige Krise eine Chance: Sie ist eine Chance für die Vereinten Nationen, sie ist eine Chance, um eine geschwisterlichere und mitfühlendere Gesellschaft hervorzubringen. Dazu gehört es, die Rolle der Wirtschafts- und Finanzeinrichtungen, wie jene von Bretton Woods, neu zu überdenken. Sie müssen eine Antwort geben auf die rasche Zunahme der Ungleichheit zwischen den Superreichen und den permanent Armen. Ein Wirtschaftsmodell, das die Subsidiarität fördert, die wirtschaftliche Entwicklung auf lokaler Ebene unterstützt und in Bildung und Infrastruktur investiert, die den örtlichen Gemeinschaften zugutekommt, schafft die Grundlagen für den wirtschaftlichen Erfolg und gleichzeitig für die Erneuerung der Gemeinschaft und der Nation allgemein.

Und hier erneuere ich meinen Aufruf, dass »angesichts der Umstände […] alle Staaten in die Lage versetzt werden sollten, die notwendigsten Maßnahmen in Angriff zu nehmen, indem die Schulden, welche die Bilanzen der ärmsten Länder belasten, teilweise oder sogar ganz erlassen werden«.[6] Die internationale Gemeinschaft muss sich bemühen, den wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten ein Ende zu setzen. »Wenn die multilateralen Krediteinrichtungen die verschiedenen Nationen beraten, ist es wichtig, sich die höheren Konzepte der steuerlichen Gerechtigkeit, die für ihre Verschuldung verantwortlichen öffentlichen Haushalte und vor allem die tatsächliche Förderung der Ärmsten im Sozialgefüge, die sie zu Protagonisten macht, vor Augen zu führen«[7]. Wir haben die Verantwortung, die Hilfen für die Entwicklung der armen Nationen und die Reduzierung der Schulden der stark verschuldeten Nationen einander anzupassen.[8] »Eine neue Ethik setzt voraus, sich der Notwendigkeit bewusst zu sein, sich alle gemeinsam dafür einzusetzen, Steueroasen zu schließen, Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu vermeiden, die die Gesellschaft berauben, sowie den Nationen zu sagen, wie wichtig es ist, das Recht und das Gemeinwohl gegen die Interessen der Unternehmen und der mächtigen multinationalen Konzerne zu verteidigen.«[9] Dies ist auch ein günstiger Augenblick, um die internationale Finanzarchitektur zu erneuern.[10] Herr Präsident, ich denke daran, dass ich vor fünf Jahren die Gelegenheit hatte, mich anlässlich des 70. Jahrestages ihrer Gründung an die Generalversammlung zu wenden. Mein Besuch fand in einer Zeit statt, in der ein wirklich dynamischer Multilateralismus herrschte, in einem vielversprechenden Augenblick großer Hoffnung, unmittelbar vor der Annahme der Agenda 2030. Einige Monate später wurde auch das Pariser Abkommen zum Klimawandel unterzeichnet. Wir müssen jedoch ehrlich zugeben, dass – wenngleich einige Fortschritte erzielt worden sind – die geringe Fähigkeit der internationalen Gemeinschaft, ihre vor fünf Jahren gegebenen Versprechen einzuhalten, mich noch einmal wiederholen lässt, dass »wir jede Versuchung meiden müssen, einem Nominalismus zu verfallen, der sich in Deklarationen erschöpft und einen Beruhigungseffekt auf das Gewissen ausübt. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Institutionen wirklich effektiv sind im Kampf gegen all diese Plagen«[11].

Ich denke auch an die gefährliche Situation in Amazonien und an seine indigenen Völker. Das erinnert uns daran, dass die Umweltkrise unauflöslich mit einer sozialen Krise verbunden ist und dass der Umweltschutz einen ganzheitlichen Ansatz erfordert, um Armut und Ausgrenzung zu bekämpfen.[12] Gewiss ist es ein positiver Schritt, dass die ganzheitliche ökologische Sensibilität und der Wunsch zu handeln gewachsen sind. »Wir dürfen die zukünftigen Generationen nicht mit den Problemen belasten, die von den vorhergehenden verursacht worden sind. […] Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob bei uns der politische Wille vorhanden ist […], die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu mildern sowie den ärmsten und schwächsten Bevölkerungsgruppen zu helfen, die am meisten davon betroffen sind«[13]. Der Heilige Stuhl wird seine Aufgabe auch weiterhin erfüllen. Als konkretes Zeichen für die Sorge um unser gemeinsames Haus habe ich kürzlich die Änderung von Kigali am Montreal-Protokoll unterzeichnet.[14] Herr Präsident, wir dürfen die verheerenden Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Kinder, auch auf die minderjährigen unbegleiteten Migranten und Flüchtlinge, nicht übersehen. Die Gewalt gegen Kinder, einschließlich der schrecklichen Plage des Missbrauchs von Kindern und der Pornographie, ist ebenfalls dramatisch angestiegen. Außerdem können Millionen von Kindern nicht in die Schule zurückkehren. In vielen Teilen der Welt droht in dieser Situation eine Zunahme der Kinderarbeit, der Ausbeutung, der Misshandlung und der Unterernährung. Leider fördern die Länder und die internationalen Einrichtungen auch die Abtreibung als einen der sogenannten »wesentlichen Dienste« im Rahmen der humanitären Antwort.

Es ist traurig zu sehen, wie einfach und nützlich es für einige geworden ist, das Leben auszulöschen als Lösung von Problemen, die sowohl für die Mutter als auch für das ungeborene Kind gelöst werden müssen. Ich bitte daher die zivilen Autoritäten inständig, dass sie den Kindern, deren Rechte und grundlegende Würde, insbesondere das Recht auf Leben und auf Bildung, verletzt werden, besondere Aufmerksamkeit schenken. Ich kann nicht umhin, den Appell der mutigen jungen Frau Malala Yousafzai in Erinnerung zu rufen, die uns vor fünf Jahren in der Generalversammlung daran erinnert hat, dass »ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift die Welt verändern können«. Die ersten Erzieher des Kindes sind seine Mutter und sein Vater: die Familie, die die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als »die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft«[15] beschreibt. Allzu oft ist die Familie Opfer ideologischer Kolonialismen, die sie verwundbar machen und letztlich bei vielen ihrer Angehörigen, besonders bei den wehrlosesten – Kindern und alten Menschen – ein Gefühl der Entwurzelung und der Verwaisung hervorrufen. Die Auflösung der Familie spiegelt sich wider in der Zersplitterung der Gesellschaft, die das Engagement gegen gemeinsame Feinde verhindert. Es ist an der Zeit, unsere Ziele neu zu überdenken und uns wieder für sie einzusetzen.

Und eines dieser Ziele ist die Förderung der Frau. In diesem Jahr begehen wir den 25. Jahrestag der Weltfrauenkonferenz in Peking. Auf allen Ebenen der Gesellschaft spielen die Frauen eine wichtige Rolle durch ihren einzigartigen Beitrag, und nehmen mit großem Mut die Zügel in die Hand im Dienst am Gemeinwohl. Dennoch bleiben viele Frauen auf der Strecke: als Opfer von Sklaverei, Menschenhandel, Gewalt, Ausbeutung und erniedrigender Behandlung. Ihnen und allen, die von ihren Familien getrennt leben, bringe ich meine brüderliche Nähe zum Ausdruck. Und ich fordere erneut größere Entschlossenheit und mehr Einsatz im Kampf gegen diese perversen Praktiken, die nicht nur die Frauen, sondern die ganze Menschheit erniedrigen, die sich mit ihrem Schweigen und ihrem Mangel an konkretem Handeln zur Komplizin macht. Herr Präsident, wir müssen uns fragen, ob man den wichtigsten Bedrohungen des Friedens und der Sicherheit – darunter Armut, Epidemien und Terrorismus – erfolgreich entgegenwirken kann, wenn das Wettrüsten, einschließlich des atomaren Wettrüstens, weiterhin wertvolle Ressourcen verschwendet, die besser für das Wohl der ganzheitlichen Entwicklung der Völker und zum Schutz der natürlichen Umwelt eingesetzt werden sollten. Es ist notwendig, das existierende Klima des Misstrauens zu durchbrechen. Wir erleben derzeit eine Erosion des Multilateralismus, die sich als noch schwerwiegender erweist im Licht der neuen Formen der Militärtechnologie[16], wie die tödlichen Systeme der »Lethal Autonomous Weapons« (LAWS), die das Wesen des Krieges unumkehrbar verändern, indem sie ihn noch mehr vom menschlichen Handeln trennen.

Die perverse Logik, die persönliche und soziale Sicherheit auf Waffenbesitz zurückführt, muss entlarvt werden. Eine solche Logik dient nur dazu, den Profit der Kriegsindustrie zu mehren, während sie ein Klima des Misstrauens und der Angst unter den Menschen und den Völkern nährt. Und insbesondere die »nukleare Abschreckung« schürt einen Geist der Angst, der auf der Bedrohung der gegenseitigen Vernichtung gründet und letztlich die Beziehungen zwischen den Völkern vergiftet und den Dialog behindert.[17] Deshalb ist es so wichtig, die wichtigsten internationalen Rechtsmittel zur nuklearen Abrüstung zu unterstützen: die Nichtverbreitung und das Verbot. Der Heilige Stuhl hofft, dass die bevorstehende Konferenz zur Revision des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen zu konkretem Handeln führt, in Übereinstimmung mit unserem gemeinsamen Anliegen »zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Beendigung des nuklearen Wettrüstens herbeizuführen und auf die nukleare Abrüstung gerichtete wirksame Maßnahmen zu ergreifen«[18].

Außerdem müssen in unserer konfliktgeladenen Welt die Vereinten Nationen zu einer immer wirksameren Werkstatt des Friedens werden. Und das erfordert, dass die Mitglieder des Sicherheitsrates, insbesondere die ständigen Mitglieder, mit größerer Einheit und Entschlossenheit handeln. In diesem Sinne ist die kürzlich erfolgte Annahme des globalen Waffenstillstands in der gegenwärtigen Krise eine sehr edle Maßnahme, die zu ihrer beständigen Umsetzung den guten Willen aller erfordert. Und ich betone auch noch einmal, wie wichtig es ist, die internationalen Sanktionen zu reduzieren, die es den Staaten erschweren, ihrer Bevölkerung angemessene Unterstützung zukommen zu lassen. Herr Präsident, aus einer Krise geht man nicht genauso hervor, wie man vorher war: Entweder wir gehen besser oder schlechter daraus hervor. Daher ist es in diesem kritischen Augenblick unsere Pflicht, die Zukunft unseres gemeinsamen Hauses und unseres gemeinsamen Projekts zu überdenken. Das ist eine schwierige Aufgabe, die Ehrlichkeit und Konsequenz im Dialog verlangt, um den Multilateralismus und die Zusammenarbeit zwischen den Staaten zu verbessern.

Diese Krise hebt die Grenzen unserer Unabhängigkeit und unsere gemeinsame Schwäche noch stärker hervor und sie führt uns dahin, deutlich zu erklären, wie wir aus ihr hervorgehen wollen: besser oder schlechter. Denn, ich wiederhole, aus einer Krise geht man nicht genauso hervor, wie man vorher war: Entweder wir gehen besser oder wir gehen schlechter daraus hervor. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass wir nicht ohne den anderen oder – noch schlimmer – einer gegen den anderen leben können. Die Vereinten Nationen wurden geschaffen, um die Nationen zu vereinen, um sie einander anzunähern, gleichsam als Brücke zwischen den Völkern; benutzen wir sie, um die Herausforderung, der wir gegenüberstehen, in eine Gelegenheit zu verwandeln, um noch einmal gemeinsam die Zukunft aufzubauen, die wir uns wünschen.

Und Gott segne uns alle! Danke, Herr Präsident.

 


[1]Vgl. Ansprache an die Generalversammlung der Vereinten Nationen, 25. September 2015; Benedikt XVI., Ansprache an die Generalversammlung der Vereinten Nationen, 18. April 2008.

[2] Besondere Andacht in der Zeit der Epidemie, 27. März 2020.

[3] Vgl. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 25.1.

[4] Enzyklika Laudato si’, 112.

[5] Ansprache an die Generalversammlung der Vereinten Nationen, 25. September 2015.

[6] Botschaft »Urbi et Orbi«, 12. April 2020.

[7] Ansprache an die Teilnehmer am Seminar »Neue Formen der Solidarität«, 5. Februar 2020.

[8] Vgl. ebd.

[9] Ebd.

[10] Vgl. ebd.

[11] Ansprache an die Generalversammlung der Vereinten Nationen, 25. September 2015.

[12] Vgl. Enzyklika Laudato si’, 139.

[13] Botschaft an die Teilnehmer an der 25. Sitzungsperiode der Partnerstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, 1. Dezember 2019.

[14] Vgl. Botschaft an die 31. Versammlung der Teilnehmerstaaten des Montreal-Protokolls, 7. November 2019.

[15] Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 16.3.

[16] Vgl. Ansprache über Atomwaffen, Atombombenpark, Nagasaki, 24. November 2019.

[17] Vgl. ebd.

[18] Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, Präambel.

 

 

 

 



© Copyright - Libreria Editrice Vaticana