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BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DER BEGEGNUNG
"NEUE WEGE ZU EINER GANZHEITLICHEN ÖKOLOGIE:
FÜNF JAHRE NACH LAUDATO SI’"

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Einen herzlichen Gruß richte ich an alle Teilnehmer dieser Internationalen Begegnung, die im Rahmen des besonderen Jahres aus Anlass des fünften Jahrestags der Enzyklika Laudato si’ stattfindet. Ich spreche der ökologischen Initiative der Fokolar-Bewegung »EcoOne« sowie den Vertretern des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen und der Internationalen Katholischen Klimabewegung meinen Dank für ihre Mitarbeit zur Ermöglichung dieses Treffen aus.

Euer Treffen zum Thema »Neue Wege zu einer ganzheitlichen Ökologie: Fünf Jahre nach Laudato si’« verfolgt den Ansatz einer relationalen Sicht auf die Menschheit und die Sorge für unsere Welt, ausgehend von verschiedenen – ethischen, wissenschaftlichen, sozialen und theologischen – Aspekten. Mit dem Hinweis auf die Überzeugung von Chiara Lubich, dass die Welt das Charisma der Einheit in sich trage, glaube ich, dass diese ihre Sicht Leitmotiv für Eure Arbeit sein kann, in der Erkenntnis, dass »alles miteinander verbunden ist« und dass »eine Sorge für die Umwelt gefordert ist, die mit einer echten Liebe zu den Menschen und einem ständigen Engagement angesichts der Probleme der Gesellschaft verbunden ist« (Laudato si’, 91). Zu diesen Problemen gehört die dringende Notwendigkeit eines neuen, inklusiveren sozio-ökonomischen Paradigmas, welches die Wahrheit widerspiegeln kann, dass wir »eine einzige Menschheit sind, als Weggefährten vom gleichen menschlichen Fleisch, als Kinder der gleichen Erde, die uns alle beherbergt« (Fratelli tutti, 8).

Diese Solidarität unter uns und mit der uns umgebenden Welt erfordert einen entschlossenen Willen, konkrete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, die die Würde aller Menschen in ihren menschlichen, familiären und Arbeitsbeziehungen fördert sowie zugleich die strukturellen Ursachen der Armut bekämpft und sich für den Schutz der natürlichen Umwelt einsetzt. Die Verwirklichung einer ganzheitlichen Ökologie erfordert eine tiefgreifende innere Umkehr, sowohl auf persönlicher als auch auf gemeinschaftlicher Ebene. Wenn Ihr die großen Herausforderungen in Augenschein nehmt, die wir in diesem Augenblick zu bewältigen haben – einschließlich des Klimawandels, der Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung und dem Beitrag, den die Religionen gegen die Umweltkrise leisten können –, ist es grundlegend, mit der Logik der Ausbeutung und des Egoismus zu brechen und einen genügsamen, einfachen und demütigen Lebensstil zu praktizieren (vgl. Laudato si’, 222-224).

Ich hoffe, dass Eure Arbeit dazu beitragen kann, in den Herzen unserer Brüder und Schwestern als Kinder Gottes eine gemeinsame Verantwortung füreinander entstehen zu lassen und ebenso ein verstärktes Engagement, um gute Verwalter der Schöpfung, seiner Gabe, zu sein (vgl. Gen 2,15).

Liebe Freunde, erneut danke ich Euch für Euer Bemühen und Eure gemeinsamen Anstrengungen, um neue Wege zu einer ganzheitlichen Ökologie zu suchen, für das Gemeinwohl der Menschheitsfamilie und der Welt. Während ich meine mit dem Gebet verbundenen besten Wünsche für Eure Beratungen bei diesem Treffen zum Ausdruck bringe, rufe ich von Herzen auf Euch, Eure Familien und Eure Mitarbeiter den Segen Gottes herab, Quelle der Weisheit, der Stärke und des Friedens. Und ich bitte Euch, in Eurem Gebet meiner zu gedenken.

Rom, St. Johannes im Lateran, 23. Oktober 2020

Franziskus

 


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