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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST LEO XIV.
NACH FRANKREICH UND BESUCH AM SITZ DER UNESCO
(ORGANISATION DER VEREINTEN NATIONEN FÜR BILDUNG, WISSENSCHAFT UND KULTUR)

25.–28. SEPTEMBER 2026

PRESSEKONFERENZ AUF DEM RÜCKFLUG NACH ROM

Montag, 28. September 2026

[Multimedia]

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Matteo Bruni

Guten Abend, Heiligkeit, vielen Dank für diese Reisetage, vielen Dank für diese intensive Reise. Es war sicherlich eine mit Spannung erwartete Reise, eine Reise, die viele Franzosen aufgrund Ihrer Anwesenheit und Ihrer Worte sehr glücklich gemacht hat, und ich glaube, dass Sie mit Ihren Worten auch tiefe Saiten im Herzen des französischen Volkes angeschlagen haben. Und ich meine, dass Sie auch viele Katholiken und viele Christen glücklich gemacht haben, die sich in ihrem Glauben bestärkt gefühlt haben. Aber vielleicht wollen Sie uns zunächst sagen, wie Sie diese Reise empfunden haben.

Leo XIV. [ENG]

Ich werde zunächst auf Englisch beginnen. Und wenn es einer Übersetzung bedarf, können wir dabei helfen. Zunächst nochmals vielen Dank für die Arbeit, die Sie geleistet haben. Ich glaube, Sie hatten in den letzten vier Tagen ziemlich viel zu tun, und in gewisser Weise war es ein sehr intensives Programm.

Diese vier Tage waren im wahrsten Sinne des Wortes gesegnete Tage. Fast schon Wunder, würde ich sagen, besonders die Zeit in Lourdes, als ich mit so vielen kranken und leidenden Menschen beisammen war, zu sehen, wie sich die Gnade der Gegenwart Gottes auf vielfältige Weise offenbart und die Herzen der Menschen berührt, ihr Leben verwandelt und – um einen Ausdruck zu verwenden, den ich dort erwähnt habe – den Kranken, den Älteren und denen, die in manchen Teilen der Gesellschaft ausgegrenzt sind, ihre Würde zurückgegeben hat.

Es gab also während dieser vier Tage viele Zeichen, Ausdrucksformen, Symbole. Und persönlich empfand ich es als großen Segen, das Privileg gehabt zu haben, nach Frankreich zu reisen, um vor allem junge Menschen zu ermutigen, die offensichtlich auf der Suche nach etwas sind.

Das wurde im Stadion ganz deutlich: An diesem Abend versammelten sich 80.000 junge Menschen aus ganz Frankreich, und ihre Begeisterung, ihre Freude und das Gefühl der Hoffnung, das sie ausstrahlten – aber vor allem, glaube ich, haben sie diese Hoffnung auch selbst empfangen und werden sie mit anderen teilen können.

Bei all dem, was wir in diesen vier Tagen gefeiert und erlebt haben, würde ich sagen, dass dies einige der Höhepunkte waren – ohne andere ausklammern zu wollen, aber diese waren doch von besonderer Bedeutung. Ich freue mich sehr, dass Sie mich auf dieser Reise begleitet habt, und wenn Sie einige Frage haben.

Matteo Bruni

Die erste Frage kommt von Cyriac Zeller. Er arbeitet für die französische Medienagentur I-Media.

Cyriac Zeller [ENG]

Guten Abend, Heiligkeit. Gestern haben uns die Opfer, mit denen Sie sich getroffen haben, während einer Pressekonferenz berichtet, dass Sie ihnen gegenüber den systemischen Charakter des sexuellen Missbrauchs in der Kirche eingeräumt hätten. Ist das tatsächlich der Fall? Könnten Sie Ihre Haltung dazu erläutern? Halten Sie den sexuellen Missbrauch in der Kirche für systemisch bedingt?

Leo XIV. [ENG]

Ohne jemandem widersprechen zu wollen, und ich halte dies für sehr wichtig, möchte ich zunächst sagen, dass ich bei meinem Treffen mit diesen sieben Opfern gebeten hatte, dass sie mir dabei helfen, anderen Opfern gegenüber die Bereitschaft – meine eigene und die der Kirche – zum Ausdruck zu bringen, ihnen zuzuhören, sie auf ihrem Weg der Heilung zu begleiten und den Schmerz anzuerkennen, der in ihrem Leben durch Missbrauch verursacht wurde. Mehrere von ihnen sprachen von systemischem Missbrauch. Ich persönlich ziehe es vor, dies anders zu formulieren, obwohl ich durchaus über einige Organisationen innerhalb der Kirche gesprochen habe, die bisweilen – wenn Sie so wollen – als System missbräuchlich gewesen sind.

Aber ich halte es für wichtig, hier zu unterscheiden. Sexueller Missbrauch ist in erster Linie ein menschliches Problem. Wenn es innerhalb der Kirche geschieht, kommt tatsächlich eine ganz andere Dimension hinzu, weil das Glaubensleben der Menschen tief verletzt und manchmal sogar zerstört ist.

Die Kirche trägt also eine besondere Verantwortung, sie zu begleiten und ihnen zu helfen, Heilung zu finden. In diesem Sinne habe ich mit ihnen darüber gesprochen, dass die Kirche in gewisser Weise als verantwortlich angesehen worden ist, dass sie aber meiner Meinung nach auch entscheidend mithelfen kann, dass sie Heilung finden.

Matteo Bruni

Vielen Dank, Cyriac. Die zweite Frage, Heiligkeit, kommt von Xavier Normand, der für die französische Zeitschrift Le Pelerin arbeitet.

Xavier Normand [FRA-ENG]

Heiliger Vater, guten Abend. Zunächst einmal möchte ich Ihnen für Ihre Apostolische Reise nach Frankreich danken. Während vier Tagen lebte unser Land im Rhythmus der allgemeinen Begeisterung, die Ihre Ankunft ausgelöst hat. Das ist in Frankreich eine echte Meisterleistung. Vielen Dank, Heiliger Vater.

Ich werde meine Frage auf Englisch fortsetzen. Das Motto Ihrer Apostolischen Reise lautete: »Damit die Welt das Leben hat«. Das Thema der Sterbebegleitung kam in Ihren Ansprachen immer wieder zur Sprache. Ich glaube sogar, dass Sie es in mehr als der Hälfte Ihrer Ansprachen in Frankreich angesprochen haben. Ich denke dabei insbesondere an die Rede im Élysée-Palast und an die gestrige in Lourdes, als Sie sagten, dass das, was legal ist, nicht unbedingt sittlich richtig ist – dies ist ein klarer Verweis auf die kürzlich erfolgte Legalisierung der Sterbehilfe in Frankreich gewesen. In Frankreich gilt auch das Prinzip der „Laizität“, also der Trennung von Religion und Politik. Glauben Sie, dass diese Grenze, wenn es darauf ankommt und viel auf dem Spiel steht, im Namen des Vorrangs des Gewissens überschritten werden sollte? Und wenn ja, haben Sie diese Grenze überschritten?

Leo XIV. [ENG]

Vielen Dank für Ihre Frage. Ich würde sagen, dass ich über die Auffassung, die die Kirche hinsichtlich der Trennung von Kirche und Politik bzw. von Kirche und Staat hat, nicht hinausgegangen bin. Und ich möchte Sie einladen, Magnifica Humanitas zu lesen oder noch einmal zu lesen, wo ich im ersten Teil, in den ersten Kapiteln, über die Soziallehre der Kirche spreche. Wenn die Kirche vom Schutz des Lebens spricht, wenn sie Fragen der Soziallehre anspricht, mischen wir uns nicht in die Politik ein, sondern beziehen das Evangelium auf das Leben der Menschen.

Es mag Politiker geben, wenn man so will von Links oder Rechts, und Situationen, wo sie sagen: „Nein, Religion sollte ausschließlich im privaten Bereich stattfinden. Lasst die Menschen in ihrem Privatleben tun, was sie wollen, aber als Staat müssen wir eine Trennung haben“. Als ich nach Frankreich gereist bin, habe ich dies in erster Linie getan, um das Evangelium zu verkünden, die Frohe Botschaft zu verkünden und das zu bekräftigen, was Jesus Christus selbst sagt, wenn er sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, also die Wahrheit, die Jesus uns anbietet.

Der Schutz des Lebens ist, wie Sie alle wissen, etwas, das die Kirche lehrt und woran sie fest glaubt. Auf der einen Seite wissen wir natürlich, dass in Frankreich kürzlich ein Gesetz verabschiedet worden ist und dass auch in anderen Ländern Europas und in anderen Teilen der Welt derzeit intensiv über Fragen diskutiert wird, die das Ende des Lebens betreffen. Aber gerade an einem Ort wie Lourdes, wo Menschen auf der Suche nach etwas viel Tieferem sind und erkennen, dass ihr Leben – selbst inmitten von Krankheit, Behinderung oder Schmerzen verschiedener Art – einen Sinn hat, möchte die Kirche diesen Menschen – weil Jesus selbst es so gewollt hat – nahe sein und die Werte bekräftigen, die das Leben selbst für uns alle beinhaltet.

Ich würde also sagen: Wenn man das unter Politik versteht, dann habe ich das getan. Aber es ging mir nicht darum, mich in die französische Politik einzumischen, es ging vielmehr darum, zu lehren, woran die Kirche wirklich glaubt.

Matteo Bruni

Danke, Heiligkeit. Die nächste Frage kommt von Íñigo Domínguez vom EL PAÍS

Íñigo Domínguez [SPA]

Guten Abend, Heiligkeit, vielen Dank, dass Sie diesen Moment mit uns teilen. Sie haben auch auf dieser Reise schon oft über die Wegwerfkultur gesprochen, die uns umgibt, und über die Ausgrenzung derer, die als nicht produktiv gelten, darunter ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. In Spanien gibt es derzeit einen Fall, der all dies in gewisser Weise verkörpert und im Land große Empörung ausgelöst hat: den Fall von Mari Carmen, einer 87-jährigen Frau mit Behinderung, deren Wohnung in Madrid geräumt wurde, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen konnte. Diese wurde ihr auf einen Schlag um das Fünffache erhöht. Ich weiß nicht, ob Sie diesen Fall kennen, den Fall von Mari Carmen. Aber auf jeden Fall: Wie denken Sie über das Wohnungsproblem, das in ganz Europa und weltweit besteht, wo Immobilienspekulationen die Bewohner aus den Städten verdrängen und junge Menschen sich keine Wohnung leisten können? Was ist Ihre Meinung zu dieser ganzen Problematik?

Leo XIV. [SPA]

Ich glaube, das ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir als Gemeinschaft der Kirche oder als Menschen auch für Personen, die keinen Glauben haben, nach gerechteren Lösungen suchen müssen, damit solche Fälle nicht mehr vorkommen. Ich kenne das nicht, worauf Sie sich beziehen, aber mir scheint, es geht um eine Situation, in der die Nachbarn, die Gemeinde, die Pfarrei, die Diözese oder der Staat sich zu Wort melden und sich die Frage stellen müssten: Wie ist es möglich, dass so etwas passiert? Wo liegt das Problem in einem System, das es zulässt, dass eine ältere Frau, die zudem eine Behinderung oder sonstige Einschränkungen hat, aus ihrem eigenen Haus hinausgeworfen wird? Die Kirche spricht viel über das „Wegwerfen” und auch über Gerechtigkeit. Sie lädt ein, fördert und versucht, in allen die Fähigkeit zu wecken, mit mehr Menschlichkeit zu reagieren, dem Schmerz und dem Leid anderer gegenüber wirklich einfühlsam zu sein. Das Problem der Wohnungsnot, das heute in vielen Ländern besteht, ist ein Problem, das keine Pfarrei, keine Diözese und auch nicht die Kirche allein lösen kann. Aber ich glaube, dass darin eine große Herausforderung liegt, bei der wir auch von den Politikern und den Behörden verlangen müssen, dass sie nach einer Lösung suchen. Denn das Problem nimmt offensichtlich zu und oft wird erst im Notfall reagiert. Allerdings wir müssen uns anschauen, was tatsächlich die systemischen Ursachen dieses Problems sind und wie wir helfen können.

Matteo Bruni

Heiligkeit, die nächste Frage kommt von Manuela Tulli von der Nachrichtenagentur ANSA.

Manuela Tulli [ITA]

Guten Abend, Heiligkeit, Sie haben heute und auch während dieser gesamten Reise die Notwendigkeit des Dialogs betont, und auch in Ihrer Ansprache zu Europa haben Sie von der Illusion der Wiederaufrüstung gesprochen, aber zugleich gesagt, man müsse den Mut haben, Verzicht zu üben und Opfer zu bringen – zum höheren Wohl des Friedens. Der Konflikt in Europa ist jener zwischen Russland und der Ukraine: Was meinten Sie, als Sie von diesen Opfern sprachen? Und außerdem: Sie glauben an Verhandlungen, denn Sie haben Ihre Gesandten geschickt – zuerst war Erzbischof Gallagher dort, in diesen Tagen ist Kardinal Zuppi vor Ort –, aber wie kann man mit einem Staat sprechen, der nicht nur die Ukraine, sondern auch andere europäische Staaten angreift, bombardiert und bedroht? Danke.

Leo XIV. [Antwort auf SPA]

Danke. Zunächst wären die Grundsätze der Soziallehre der Kirche hervorzuheben, wo man versucht, Gewalt, Hass, Aufrüstung und die Gefahren, die in der heutigen Welt bestehen – einschließlich derjenigen, die von einigen Staatschefs ausgehen, die erneut von Atomwaffen und von Kriegen sprechen, die vor allem im Hinblick auf das menschliche Leben immer zerstörerischer werden –, nicht zu fördern. Weiterhin aufzurüsten, Geld für diese gewaltige Rüstungsindustrie auszugeben, die bereits seit vielen Jahrzehnten besteht – nicht erst seit letztem Jahr oder seit fünf Jahren –, und weiterhin die Militärausgaben zu erhöhen. Einige bereichern sich enorm mittels einer Industrie, die den Krieg fördert. Dabei könnten mit diesen tausenden Millionen Euros oder Dollars Probleme wie der Hunger in der Welt, die Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit usw. gelöst werden. Alle suchen nach einer Stimme, die einen anderen Weg aufzeigen kann – einen Weg, der nicht darin besteht, noch mehr Geld für Waffen auszugeben, was nur die Spannungen immer weiter verschärft und zum Ausbruch eines weiteren Krieges oder Konflikts führen könnte. Und wir sehen die Gewalt, die diese Mächte immer mit Macht durchsetzen wollen, anstatt den Dialog zu suchen und Verhandlungen zur Lösung von Differenzen zu fördern, die natürlich bestehen können; im Gegenteil, wir nähern uns immer mehr einem Krieg oder mehreren Kriegen oder Konflikten, wie wir sie in der heutigen Welt sehen. Ich kenne keine anderen Wege, und es geht nicht darum, ob man politisch ist oder nicht, aber es braucht eine Stimme, die versucht, die Werte der Menschenwürde, der Bedeutung des Lebens und der Möglichkeit, mehr für Gesundheit und Bildung und weniger für Waffen auszugeben, zu fördern; und ich glaube, dass die Kirche die Verantwortung hat, diese Werte zu fördern, indem sie immer wieder führende Politiker – wie die aus Russland und der Ukraine sowie anderer Länder – einlädt, zu kommen, sich zusammenzusetzen, miteinander zu reden und nach Lösungen für die Probleme zu suchen, ohne diese Kriege fortzusetzen, die längst keinen Sinn mehr haben. In dieser Hinsicht erhebt die Kirche weiterhin ihre Stimme. Wir können niemanden zwingen, manchmal scheint es vielleicht nutzlos zu sein, aber wir werden weiterreden, wir werden weiter einladen, wir werden weiterhin das Evangelium verkünden.

Matteo Bruni

Danke, Heiligkeit. Die nächste Frage kommt von Justin McLellan vom National Catholic Reporter.

Justin McLellan

Vielen Dank. Heiliger Vater, ich werde meine Frage auf Englisch stellen. In Paris haben Sie über die dringende Notwendigkeit ethischer Unterscheidung im Zusammenhang mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz gesprochen, und nach zahlreichen Cyberangriffen durch außer Kontrolle geratene KI-Agenten haben mehrere führende Vertreter der Technologiebranche gewarnt, dass diese Technologie die Welt zerstören könnte. Wie besorgt sind Sie, dass KI katastrophale Risiken für die Menschheit darstellen oder diese sogar vollständig auslöschen könnte und was müssen die Staaten tun, insbesondere die Vereinigten Staaten und China, um sicherzustellen, dass ihre Technologien für die Menschheit sicher sind?

Leo XIV. [ENG]

Vielen Dank. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich in Panik bin: Nein, das bin ich nicht. Ich schlafe nachts ruhig. Ich bin jedoch der Meinung, dass die von vielen Experten und Spezialisten auf dem Gebiet der KI geäußerten Bedenken ernst genommen werden sollten.

Ich glaube nicht, dass es sich dabei um Fake News handelt, wie manche behaupten, mit denen versucht wird, finanzielle oder sonstige Vorteile zu erzielen. Interessanterweise habe ich gerade heute gelesen, dass der Chef von NVIDIA behauptet, er habe einen Weg gefunden, in die KI bestimmte Leitplanken, wenn man so will, oder Begrenzungen einzubauen, damit sie nicht über ihre jeweiligen Bereiche hinausgehen und den Schaden anrichten, von dem die Leute sprechen.

Er ist jedoch derselbe, der sagt, dass es keine Beschränkungen und keine staatlichen Regulierungen geben sollte, usw. Das ist ein Problem, über das wir meiner Meinung nach miteinander sprechen müssen. Wir müssen weiterhin politische Entscheidungsträger, führende Köpfe aus dem Bereich der KI, soziale Organisationen und Verbände einladen, sich zusammenzusetzen und zu prüfen, was bereits geschieht und was in Zukunft auf uns zukommen könnte.

Einfach zu sagen: „Ach, das wird schon nicht passieren“, und die Augen davor zu verschließen, ist wahrscheinlich nicht die verantwortungsvollste Weise, darauf zu antworten. Der Vatikan hat eine eigene Kommission zum Thema künstliche Intelligenz eingerichtet, die zunächst damit begann, zu koordinieren, was wir selbst beim Heiligen Stuhl tun, wie wir KI einsetzen und um zu verstehen, welche die Risiken und Vorteile sind.

Seit der Veröffentlichung von Magnifica Humanitas haben wir jedoch zahlreiche Anfragen von Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Fachgebieten erhalten. Daher bemühen wir uns weiterhin, den Dialog, die Forschung und die Untersuchung zu fördern, um Wege zu finden, die sicherstellen, dass die KI nicht an einen Punkt gelangt, an dem sie die Menschheit zerstören oder aus dem Gespräch verdrängen könnte.

Ich bin relativ optimistisch, dass dies gelingen kann. Ich glaube, es gibt genügend Menschen, die sich ernsthaft dafür interessieren und bereit sind, sich tiefer mit diesen Fragen zu beschäftigen, den Fragen der Macht, wer zuerst am Ziel ist, was passiert, wenn KI zu dem wird, was man als Allgemeine künstliche Intelligenz bezeichnet und so weiter und so fort. Aber wir müssen weiter daran arbeiten; wir können uns nicht einfach zurücklehnen und so tun, als würde nichts passieren.

Matteo Bruni

Danke, Heiligkeit. Vielleicht eine letzte Frage: Ludwig Ring-Eifel, KNA.

Ludwig Ring-Eifel

Heute sind wir in Metz sehr nahe an der deutschen Grenze gewesen, aber bisher sind Sie noch nicht nach Deutschland gekommen. Meine Grundfrage lautet daher: Wann können wir Sie auf der anderen Seite der Grenze erwarten – und vor dem Hintergrund zweier Entwicklungen, die Ihnen vielleicht ebenfalls Sorgen bereiten: dem stetigen Rückgang der katholischen Kirche in Deutschland und dem erstaunlichen Aufstieg extremistischer Parteien in Deutschland, die den Konsens für Europa zu zerreißen drohen, von dem Sie heute in Metz gesprochen haben.

Leo XIV. [ENG]

Vielen Dank für die Frage. In aller Bescheidenheit möchte ich sagen, dass ich erst seit etwa fünfzehn Monaten Papst bin. Es gibt viele Orte, die ich noch nicht besucht habe. Ich habe eine Einladung erhalten. Ich hoffe, wieder dorthin zu reisen – ich bin zwar schon dort gewesen, aber nicht als Papst, doch ich hoffe, Deutschland zu besuchen, so wie ich auch viele andere Orte besuchen möchte. Allerdings habe ich noch keinen Zeitplan.

Ich arbeite noch am Programm für das nächste Jahr und die einzige Reise, die definitiv geplant ist, ist der Weltjugendtag in Korea. Wir arbeiten also daran. Aber danke für Ihre Geduld und für die Frage.

Sie sagten, dass die Kirche in Deutschland im Sterben liegt, oder zahlenmäßig kleiner wird. Das hat man in der Vergangenheit auch über Frankreich gesagt und doch haben wir gesehen, was in den letzten vier Tagen passiert ist. Ich glaube, dass es in Deutschland, wenn wir den wahren missionarischen Geist und den richtigen Weg dafür finden, immer noch sehr, sehr viele Menschen gibt, die ihren christlichen und katholischen Glauben leben und feiern wollen.

Und deshalb bin ich diesbezüglich optimistisch, auch wenn ich mir der Probleme und der verschiedenen Dinge bewusst bin, die die Kirche sehr hart getroffen haben; doch es hat auch die evangelische oder protestantische Kirche sehr hart getroffen und es hat die Gesellschaft auf ganz ähnliche Weise getroffen. Aber ich hoffe, dass wir etwas erreichen. Ich hoffe, weiterhin mit den Verantwortlichen der Kirche in Deutschland zusammenzuarbeiten und Wege zu finden, um darauf zu reagieren. Es wäre interessant zu untersuchen und zu analysieren, ob und wie möglicherweise ein Zusammenhang besteht, beispielsweise zwischen dem Wachstum dieser weit rechts stehenden Gruppen. Aber auch die extreme Rechte ist derzeit zersplittert, wie man sieht, wird die eine spezielle Gruppe mit anderen sogenannten rechtradikalen Gruppen noch extremer.

Gleichzeitig gibt es Anzeichen für eine gewisse Verbindung dieser rechtsextremen Standpunkte mit einer bestimmten Art von Religion, die – was nicht nur meine Ansicht ist, sondern auch von den Verantwortlichen der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland gesagt wurde – kein authentischer Ausdruck des Christentums ist.

Und damit kommen wir wieder auf die Werte des Evangeliums zurück, bei denen es nicht um Hass und Spaltung geht, sondern um Verständnis, Mitgefühl und Begleitung. Ich hoffe zutiefst – und die Kirche kann hoffentlich auch dazu beitragen –, dass wir Wege finden, die Mehrheit der Menschen guten Willens anzusprechen, die verstehen werden, wie wichtig ihr Engagement ist, auch bezüglich der Teilnahme an politischen Prozessen, welche sie befähigt, klare Entscheidungen für das Gemeinwohl zu treffen und nicht für extremistische Ideen, die vielleicht viel mehr Schaden anrichten werden, als uns derzeit überhaupt bewusst ist.

Ich denke also, dass wir alle die Menschen in diesem Sinne ermutigen werden. Noch einmal, es ist unsere Aufgabe als Kirche, im Sinne der Soziallehre der Kirche, über das zu sprechen, zu lehren und zu predigen, was wir glauben, nämlich diese lebensspendenden Werte und nicht Zerstörung, Spaltung und Hass.

Matteo Bruni

Vielen Dank, Heiligkeit, danke für Ihre Worte, für Ihre Bereitschaft und ganz herzlichen Dank für diese gemeinsamen Reisetage.

Leo XIV. [ENG]

Ich danke Ihnen allen noch einmal für Ihren Dienst und möchte diese Gelegenheit nutzen, um den vielen Menschen im Hintergrund zu danken, die nicht den Beifall erhalten wie der Papst, wenn er irgendwo vorbeikommt, die aber einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen dieser Reise geleistet haben: die Mitarbeiter des Heiligen Stuhls, jene in Frankreich, die französischen Bischöfe und viele, viele Laien, die an der Organisation der verschiedenen Aktivitäten mitgewirkt haben.

Deshalb möchte ich diesen allen und Ihnen ein besonderes Wort des Dankes aussprechen. Vielen herzlichen Dank.