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APOSTOLISCHES SCHREIBEN EVANGELII NUNTIANDI
SEINER HEILIGKEIT PAPST
Ehrwürdige Brüder, geliebte Söhne und Töchter! Gruß und Apostolischen Segen! Einführung BESONDERER EINSATZ FÜR DIE EVANGELISIERUNG 1. Die Verkündigung des Evangeliums an die Menschen unserer Zeit, die von Hoffnung erfüllt, aber gleichzeitig oft von Furcht und Angst niedergedrückt sind, ist ohne Zweifel ein Dienst, der nicht nur der Gemeinschaft der Christen, sondern der ganzen Menschheit erwiesen wird. Darum erscheint Uns die Pflicht, die Brüder zu bestärken – diese haben Wir vom Herrn empfangen mit dem Amt des Nachfolgers Petri (1), und sie ist für Uns eine „tägliche Sorge“ (2), ein Lebens- und Arbeitsprogramm sowie eine grundlegende Verpflichtung Unseres Pontifikates –, darum erscheint Uns also diese Pflicht noch vornehmer und dringlicher, wenn es sich darum handelt, unsere Brüder zu bestärken, die mit der Evangelisierung beauftragt sind, damit sie in diesen Zeiten der Unsicherheit und der Verwirrung ihre Sendung mit immer mehr Liebe, Eifer und Freude erfüllen. AUS DREIFACHEM ANLASS 2. Das gerade wollen Wir hier tun zum Abschluß des Heiligen
Jahres, in dessen Verlauf die Kirche, „die mit ihrer ganzen Kraft bemüht ist,
das Evangelium allen Menschen zu verkünden“ (3), nichts anderes gewollt hat,
als ihr Amt als Botin der Frohbotschaft Jesu Christi zu erfüllen, die mit den
beiden grundlegenden Leitworten angekündigt wurde: „Ziehet den neuen Menschen
an“ (4) und „Laßt euch mit Gott versöhnen“ (5). OFT BETONTES THEMA WÄHREND UNSERES PONTIFIKATS 3. Wir haben wiederholt die Bedeutung des Themas der Evangelisierung hervorgehoben, lange vor den Tagen der Synode. „Die Verhältnisse der Gesellschaft“, sagten Wir vor dem Kardinalskollegium am 22. Juni 1973, „legen uns allen die Verpflichtung auf, die Methoden zu überprüfen und mit allen Mitteln uns zu bemühen herauszufinden, wie man dem modernen Menschen die christliche Botschaft nahebringen kann, in der allein er die Antwort auf seine Fragen zu finden vermag und die Kraft für seinen Einsatz zu menschlicher Solidarität“ (7). Wir fügten hinzu, daß es, um auf die vom Konzil an Uns gerichteten Forderungen eine gültige Antwort zu geben, unbedingt notwendig ist, Uns das überlieferte Glaubensgut vor Augen zu stellen, das die Kirche in seiner unantastbaren Reinheit bewahren, aber auch den Menschen unserer Zeit in einer möglichst verständlichen und überzeugenden Weise darbieten muß. IN DER LINIE DER SYNODE VON 1974 4. Diese Treue gegenüber einer Botschaft, deren Diener Wir
sind, und gegenüber den Menschen, denen Wir sie unversehrt und lebendig
übermitteln müssen, ist der Kernpunkt der Evangelisierung. Sie stellt drei
brennende Fragen, die die Synode von 1974 beständig vor Augen hatte: EINLADUNG ZUR BESINNUNG 5. Wir alle sehen die Dringlichkeit, auf diese Frage eine
loyale, ehrliche und mutige Antwort zu geben und konsequent zu handeln. In
Unserer „Sorge für alle Kirchen“ (8) möchten Wir Unseren Brüdern, Söhnen und
Töchtern helfen, auf diese Fragen eine Antwort zu geben. I. Von Christus, dem Urheber der Evangelisierung, zu einer evangelisierenden Kirche ZEUGNIS UND SENDUNG JESU 6. Das Zeugnis, das der Herr von sich selbst gibt und das der
hl. Lukas in seinem Evangelium niedergelegt hat: „Ich muß die Frohbotschaft
vom Reiche Gottes verkünden“ (12), hat ohne Zweifel eine große Bedeutung, denn
es erklärt mit einem Wort die ganze Sendung Jesu: „Dazu bin ich gesandt worden“
(13). Diese Worte erhalten ihren vollen Sinn, wenn man sie mit den
vorhergehenden Versen zusammen sieht, wo eben Christus auf sich selbst das
Wort des Propheten Jesaja anwendet: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er
hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Armen die Frohbotschaft zu bringen“
(14). JESUS, DER URHEBER DER EVANGELISIERUNG 7. Die Bischöfe haben im Verlauf der Synode sehr oft diese Wahrheit hervorgehoben: Jesus selbst, Frohbotschaft Gottes (15), ist der allererste und größte Künder des Evangeliums gewesen. Er ist es bis zum Äußersten gewesen: bis zur Vollkommenheit und zur Hingabe seines irdischen Lebens. Evangelisieren: Welche Bedeutung hatte dieser Imperativ für Christus? Es ist bestimmt nicht leicht, in einer vollständigen Synthese den Sinn, den Inhalt und die Wege einer solchen Evangelisierung wiederzugeben, wie sie Christus aufgefaßt und ins Werk gesetzt hat. Eine solche Synthese wird übrigens niemals ganz vollkommen sein können. Es möge Uns hier somit genügen, auf einige wesentliche Gesichtspunkte hinzuweisen. DIE VERKÜNDIGUNG DES REICHES GOTTES 8. Christus, der Künder der Frohbotschaft, verkündet an erster Stelle ein Reich, das Reich Gottes, das von solcher Bedeutung ist, daß im Vergleich zu ihm alles „der Rest“ wird, der „hinzugegeben wird“ (16). Nur das Reich also ist ein absoluter Wert und relativiert alles andere. Der Herr liebt es, unter vielen verschiedenen Formen das Glück zu beschreiben, diesem Reich anzugehören; ein widersprüchlich erscheinendes Glück, das aus Dingen erwächst, die die Welt verschmäht (17); die Forderungen des Reiches und seine „Magna Charta“ (18), die Herolde des Reiches (19), seine Geheimnisse (20), seine Kinder (21), die Wachsamkeit und die Treue, die von jedem gefordert werden, der seine endgültige Ankunft erwartet (22). DIE VERKÜNDIGUNG DES BEFREIENDEN HEILS 9. Als Kernstück und Mittelpunkt seiner Frohbotschaft verkündet Christus das Heil, dieses große Gottesgeschenk, das in der Befreiung von der Sünde und vom Bösen, in der Freude, Gott zu erkennen und von ihm erkannt zu werden, ihn zu schauen und ihm anzugehören. Dies alles beginnt bereits während des Lebens Christi und wird durch seinen Tod und seine Auferstehung endgültig erworben; es muß aber mit Geduld im Verlauf der Geschichte fortgeführt werden, um dann voll verwirklicht zu werden am Tage der endgültigen Ankunft Christi, von dem niemand weiß, wann er sein wird, außer dem Vater (23). UM DEN PREIS EINES OPFERBEREITEN EINSATZES 10. Dieses Reich und dieses Heil, Grundbegriffe der Evangelisierung Jesu Christi, kann jeder Mensch erhalten als Gnade und Erbarmung, und dennoch muß sie ein jeder mit Gewalt an sich reißen – sie gehören den Gewalttätigen, sagt der Herr (24) –, durch Anstrengung und Leiden, durch ein Leben nach dem Evangelium, durch Verzicht und Kreuz, durch den Geist der Seligpreisungen. Vor allem aber reißt sie ein jeder an sich durch eine totale innere Umkehr, die das Evangelium mit dem Namen „metanoia“ bezeichnet, durch eine radikale Bekehrung, durch eine tiefe Umwandlung in der Gesinnung und im Herzen (25). UNERMÜDLICHE PREDIGT 11. Diese Verkündigung des Reiches Gottes vollzog Christus durch unermüdliches Predigen, in Worten, von denen man sagen muß, daß sie ihresgleichen nicht haben: „Seht, eine neue Lehre, mit Vollmacht vorgetragen!“ (26); „und alle gaben ihm Beifall und waren voll Staunen über die Anmut seiner Worte, die aus seinem Munde kamen“ (27); „so wie dieser hat noch nie ein Mensch gesprochen“ (28). Seine Worte enthüllen das Geheimnis Gottes, seinen Plan und seine Verheißung, und verwandeln deshalb das Herz des Menschen und sein Schicksal. VERKÜNDIGUNG DURCH ZEICHEN 12. Gleichermaßen verwirklicht aber Christus diese Verkündigung durch ungezählte Zeichen, die das Staunen der Volksmenge erregen und sie gleichzeitig zu ihm hinziehen, um ihn zu sehen, ihn zu hören und sich von ihm umformen zu lassen: Heilung von Kranken, Verwandlung des Wassers in Wein, Brotvermehrung, Auferweckung von Toten. Ferner auch vor allem durch jenes Zeichen, dem er große Bedeutung beimißt: den Einfachen, den Armen wird das Evangelium verkündet, sie werden seine Jünger, sie vereinigen sich „in seinem Namen“ in der großen Gemeinschaft jener, die an ihn glauben. Denn dieser Jesus, der erklärte: „Ich muß die Frohbotschaft vom Reiche Gottes verkünden“ (29), ist der gleiche Jesus, von dem Johannes der Evangelist sagte, daß er gekommen ist und sterben mußte, „um die zerstreuten Kinder Gottes zu einer einzigen Gemeinschaft zusammenzuführen“ (30). So vollendet er seine Offenbarung, indem er sie ergänzt und bekräftigt durch jede Bezeugung, die er von sich selbst gibt, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder und ganz besonders durch seinen Tod, durch seine Auferstehung und durch die Sendung des Geistes der Wahrheit (31). FÜR EINE EVANGELISIERTE UND EVANGELISIERENDE GEMEINSCHAFT 13. Jene, die aufrichtig die Frohbotschaft annehmen, vereinigen sich also kraft dieser Annahme und des gemeinsamen Glaubens im Namen Jesu, um gemeinsam das Reich zu suchen, es aufzubauen, es zu leben. Sie bilden eine Gemeinschaft, die ihrerseits evangelisiert. Der Auftrag, der den Zwölf gegeben wurde – „Gehet hin, verkündet die Frohbotschaft“ –, gilt auch, wenngleich in anderer Art, für alle Christen. Dies ist auch der Grund, warum Petrus diese letzteren nannte „ein zu eigen erworbenes Volk, um die Großtaten Gottes zu verkünden“ (32), jene Großtaten, die ein jeder in seiner eigenen Sprache hören konnte (33). Im übrigen gilt die Frohbotschaft vom Reich, das kommt und das angefangen hat, für alle Menschen aller Zeiten. Jene, die sie empfangen haben, jene, die sie zu einer Gemeinschaft des Heils versammelt, können und müssen sie mitteilen und ausbreiten. EVANGELISIERUNG, DIE EIGENTLICHE AUFGABE DER KIRCHE 14. Die Kirche weiß um diese ihre Aufgabe. Sie hat ein lebendiges Bewußtsein, daß das Wort des Heilands – „Ich muß die Frohbotschaft vom Reich Gottes verkünden“ (34) – voll und ganz auch von ihr gilt. Mit dem hl. Paulus fügt sie gern hinzu: „Von der Verkündigung des Evangeliums bleibt mir kein Ruhm. Es ist meine Pflicht. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!“ (35). Am Ende der großen Versammlung im Oktober hörten Wir zu Unserer Freude und Unserem Trost das klare Wort: „Wir wollen erneut bekräftigen, daß die Aufgabe, allen Menschen die Frohbotschaft zu verkündigen, die wesentliche Sendung der Kirche ist“ (36), eine Aufgabe und Sendung, die die umfassenden und tiefgreifenden Veränderungen der augenblicklichen Gesellschaft nur noch dringender machen. Evangelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren, d.h. um zu predigen und zu unterweisen, Mittlerin des Geschenkes der Gnade zu sein, die Sünder mit Gott zu versöhnen, das Opfer Christi in der heiligen Messe immer gegenwärtig zu setzen, welche die Gedächtnisfeier seines Todes und seiner glorreichen Auferstehung ist. WECHSELSEITIGE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN KIRCHE UND EVANGELISIERUNG 15. Wer immer im Neuen Testament die Ursprünge der Kirche
nachliest, folgt Schritt auf Schritt ihrer Geschichte, beobachtet, wie sie
lebt und handelt, und sieht, daß sie ihrem innersten Wesen nach zur
Evangelisierung verpflichtet ist: – Die Kirche entsteht aus der
Evangelisierung durch Jesus und die Zwölf. Sie ist deren normales, gewolltes,
ganz unmittelbares und sichtbares Ergebnis: „So geht denn hin und macht alle
Völker zu Jüngern“ (37). Oder, „die nun sein Wort annahmen, wurden getauft,
und gegen dreitausend schlossen sich ihnen an . . . Und der Herr führte ihnen
täglich jene zu, die das Heil erlangen sollten“ (38). – Geboren folglich aus
der Sendung, ist die Kirche ihrerseits durch Christus gesandt. Die Kirche
bleibt in der Welt, da der Herr der Glorie zum Vater heimkehrt. Sie bleibt als
ein Zeichen, das gleichzeitig dunkel und leuchtend ist für seinen Hingang und
sein Verbleiben. Sie führt seine Gegenwart ununterbrochen fort. Es ist vor
allem seine Sendung und sein Dienst der Evangelisierung, zu deren Fortsetzung
sie berufen ist (39). Denn die Gemeinschaft der Christen ist niemals in sich
selbst abgeschlossen. In ihr hat das eigentliche Leben – Leben des Gebetes,
Hören auf das Wort und die Unterweisung der Apostel, gelebte brüderliche Liebe,
Austeilen des Brotes (40) – nur seinen vollen Sinn, wenn es zum Zeugnis wird,
die Aufmerksamkeit auf sich zieht und zur Umkehr führt, zur Predigt wird und
die Frohbotschaft verkündet. So ist es die ganze Kirche, die die Sendung zur
Evangelisierung empfängt, und die Mitwirkung jedes einzelnen ist für das Ganze
von Wichtigkeit. UNTRENNBARE VERBINDUNG ZWISCHEN DER KIRCHE UND CHRISTUS 16. Es besteht daher eine enge Verbindung zwischen Christus,
der Kirche und der Evangelisierung. Während dieser Zeit der Kirche hat die
Kirche die Aufgabe zu evangelisieren. Diese Aufgabe wird nicht ohne sie, noch
weniger im Gegensatz zu ihr, durchgeführt. II. Was besagt Evangelisieren? VIELSCHICHTIGE UND EVANGELISIERENDE TÄTIGKEIT 17. In der evangelisierenden Tätigkeit der Kirche gibt es
sicher Elemente und Aspekte, die es stets zu erhalten gilt. Einige sind so
bedeutend, daß man dazu neigt, sie einfach mit der Evangelisierung
gleichzusetzen. Man hat so die Evangelisierung als Verkündigung Christi an
diejenigen, die ihn noch nicht kennen, als Predigt, als Katechese, als
Spendung der Taufe und anderer Sakramente zu definieren vermocht. Keine
partielle und fragmentarische Definition entspricht jedoch der reichen,
vielschichtigen und dynamischen Wirklichkeit, die die Evangelisierung
darstellt; es besteht immer die Gefahr, sie zu verarmen und sogar zu
verstümmeln. Es ist unmöglich, sie zu erfassen, wenn man sich nicht darum
bemüht, alle ihre wesentlichen Elemente in die Betrachtung mit einzubeziehen.
ERNEUERUNG DER MENSCHHEIT 18. Evangelisieren besagt für die Kirche, die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen und sie durch deren Einfluß von innen her umzuwandeln und die Menschheit selbst zu erneuern: „Seht, ich mache alles neu!“ (46). Es gibt aber keine neue Menschheit, wenn es nicht zuerst neue Menschen gibt durch die Erneuerung aus der Taufe (47) und ein Leben nach dem Evangelium (48). Das Ziel der Evangelisierung ist also die innere Umwandlung. Wenn man es mit einem Wort ausdrücken müßte, so wäre es wohl am richtigsten zu sagen: die Kirche evangelisiert, wenn sie sich bemüht, durch die göttliche Kraft der Botschaft, die sie verkündet (49), zugleich das persönliche und kollektive Bewußtsein der Menschen, die Tätigkeit, in der sie sich engagieren, ihr konkretes Leben und jeweiliges Milieu umzuwandeln. BEREICHE DER MENSCHHEIT 19. Bereiche der Menschheit, die umgewandelt werden sollen: Für die Kirche geht es nicht nur darum, immer weitere Landstriche oder immer größere Volksgruppen durch die Predigt des Evangeliums zu erfassen, sondern zu erreichen, daß durch die Kraft des Evangeliums die Urteilskriterien, die bestimmenden Werte, die Interessenpunkte, die Denkgewohnheiten, die Quellen der Inspiration und die Lebensmodelle der Menschheit, die zum Wort Gottes und zum Heilsplan im Gegensatz stehen, umgewandelt werden. EVANGELISIERUNG DER KULTUREN 20. Vielleicht können wir dies zusammenfassend auf folgende
Weise ausdrücken: Es gilt – und zwar nicht nur dekorativ wie durch einen
oberflächlichen Anstrich, sondern mit vitaler Kraft in der Tiefe und bis zu
ihren Wurzeln – die Kultur und die Kulturen des Menschen im vollen und
umfassenden Sinn, den diese Begriffe in Gaudium et spes (50) haben, zu
evangelisieren, wobei man immer von der Person ausgeht und dann stets zu den
Beziehungen der Personen untereinander und mit Gott fortschreitet. VORRANGIGE BEDEUTUNG DES GELEBTEN ZEUGNISSES 21. Die Verkündigung muß vor allem durch ein Zeugnis erfolgen.
Das geschieht z. B., wenn ein einzelner Christ oder eine Gruppe von Christen
inmitten der menschlichen Gemeinschaft, in der sie leben, ihre Verständnis-
und Annahmebereitschaft, ihre Lebens- und Schicksalsgemeinschaft mit den
anderen, ihre Solidarität in den Anstrengungen aller für alles, was edel und
gut ist, zum Ausdruck bringen. Ferner auch dadurch, daß sie auf ganz einfache
und spontane Weise ihren Glauben in Werte bekunden, die über den
allgemeingängigen Werten stehen, und ihre Hoffnung in etwas, das man nicht
sieht und von dem man nicht einmal zu träumen wagt. Durch dieses Zeugnis ohne
Worte wecken diese Christen in den Herzen derer, die ihr Leben sehen,
unwiderstehliche Fragen: Warum sind jene so? Warum leben sie auf diese Weise?
Was – oder wer – ist es, das sie beseelt? Warum sind sie mit uns? In der Tat,
ein solches Zeugnis ist bereits stille, aber sehr kraftvolle und wirksame
Verkündigung der Frohbotschaft. Es handelt sich hier um eine Anfangsstufe der
Evangelisierung. Die Fragen nämlich, die vielleicht die ersten sind, die sich
viele Nichtchristen stellen, seien es Menschen, denen Christus niemals
verkündet worden ist, Getaufte, die nicht praktizieren, Menschen, die zwar in
christlichen Ländern, aber keineswegs nach christlichen Grundsätzen leben,
oder auch solche, die leidvoll etwas oder jemanden suchen, den sie erahnen,
ohne ihn mit einem Namen benennen zu können. NOTWENDIGKEIT EINER AUSDRÜCKLICHEN VERKÜNDIGUNG 22. Doch ist dieses Zeugnis niemals ausreichend, denn auch
das schönste Zeugnis erweist sich auf die Dauer als unwirksam, wenn es nicht
erklärt, begründet – das, was Petrus „Rechenschaft gegenüber seiner Hoffnung“
(52) nennt – und durch eine klare und eindeutige Verkündigung des Herrn Jesus
Christus entfaltet wird. Die Frohbotschaft, die durch das Zeugnis des Lebens
verkündet wird, wird also früher oder später durch das Wort des Lebens
verkündet werden müssen. Es gibt keine wirkliche Evangelisierung, wenn nicht
der Name, die Lehre, das Leben, die Verheißungen, das Reich, das Geheimnis von
Jesus von Nazaret, des Sohnes Gottes, verkündet werden. FÜR EINE LEBENDIGE, GEMEINSCHAFTLICHE ZUSTIMMUNG 23. Die Verkündigung erhält in der Tat ihre volle Dimension nur, wenn sie gehört, aufgenommen und angeeignet wird und in dem, der sie so annimmt, die Zustimmung des Herzens bewirkt. Zustimmung zu den Wahrheiten, die der Herr aus Barmherzigkeit geoffenbart hat, gewiß. Aber mehr noch, Zustimmung zu dem Lebensprogramm – dem eines nunmehr verwandelten Lebens –, das er vorlegt. Mit einem Wort, Zustimmung zu dem Reich, d. h. zur „neuen Welt“, zum neuen Zustand der Dinge, zur neuen Weise des Seins, des Lebens, des Zusammenlebens, die das Evangelium eröffnet. Eine solche Zustimmung, die nicht abstrakt und körperlos bleiben kann, offenbart sich konkret durch einen sichtbaren Eintritt in eine Gemeinschaft von Gläubigen. So treten also jene, deren Leben umgewandelt ist, in eine Gemeinschaft ein, die selbst ein Zeichen der Umwandlung, ein Zeichen des neuen Lebens ist: es ist die Kirche, das sichtbare Sakrament des Heiles (53). Seinerseits wiederum kommt der Eintritt in die kirchliche Gemeinschaft durch viele andere Zeichen zum Ausdruck, die das Zeichen der Kirche ausweiten und entfalten. In der Dynamik der Evangelisierung bringt derjenige, der das Evangelium als das errettende Wort (54) annimmt, diesen Schritt gewöhnlich in folgenden sakramentalen Gesten zum Ausdruck: Zustimmung zur Kirche, Empfang der Sakramente, die diese Zustimmung durch die Gnade, die sie vermitteln, bezeugen und bekräftigen. ANSTOSS ZU NEUEM APOSTOLAT 24. Schließlich wird derjenige, der evangelisiert worden ist,
auch seinerseits wieder evangelisieren. Dies ist der Wahrheitstest, die Probe
der Echtheit der Evangelisierung: Es ist undenkbar, daß ein Mensch das Wort
Gottes annimmt und in das Reich eintritt, ohne auch von sich aus Zeugnis zu
geben und dieses Wort zu verkünden. Am Schluß dieser Erwägungen über den Sinn
der Evangelisierung muß noch eine letzte Bemerkung gemacht werden, die Wir für
die nachfolgenden Überlegungen als klärend erachten. III. Der Inhalt der Evangelisierung SEKUNDÄRE ELEMENTE UND WESENTLICHER INHALT 25. In der Botschaft, die die Kirche verkündet, gibt es natürlich eine Reihe sekundärer Elemente. Ihre Darstellung hängt stark von den sich wandelnden Umständen ab. Auch ändern sie sich selbst. Doch gibt es ebenso den wesentlichen Inhalt, die lebendige Substanz, die man nicht verändern noch mit Schweigen übergehen kann, ohne die Evangelisierung selbst schwer zu entstellen. ZEUGNIS FÜR DIE LIEBE DES VATERS 26. Es ist nützlich, daran zu erinnern: Evangelisieren besagt, zuallererst, auf einfache und direkte Weise Zeugnis zu geben von Gott, der sich durch Jesus Christus geoffenbart hat im Heiligen Geist. Zeugnis davon zu geben, daß er in seinem Sohn die Welt geliebt hat; daß er in seinem menschgewordenen Wort allen Dingen das Dasein gegeben und die Menschen zum ewigen Leben berufen hat. Dieses Zeugnis von Gott wird vielleicht für viele den unbekannten Gott (55) mitbezeichnen, den sie anbeten, ohne ihm einen Namen zu geben, oder den sie auf Grund eines verborgenen Antriebs ihres Herzens suchen, wenn sie erfahren, wie hohl alle Idole sind. Es wird aber erst zur wirklichen Evangelisierung, wenn aufgezeigt wird, daß der Schöpfer für den Menschen keine anonyme und ferne Macht ist: er ist der Vater: „Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es“ (56). Also sind wir untereinander Brüder in Gott. MITTELPUNKT DER BOTSCHAFT: DAS HEIL IN JESUS CHRISTUS 27. Die Evangelisierung wird auch immer – als Grundlage, Zentrum und zugleich Höhepunkt ihrer Dynamik – klar verkünden müssen, daß in Jesus Christus, dem menschgewordenen, gestorbenen und auferstandenen Sohne Gottes, das Heil einem jeden Menschen angeboren ist als ein Geschenk der Gnade und des Erbarmens Gottes selbst (57). Dabei geht es nicht etwa um ein diesseitiges Heil nach dem Maß der materiellen Bedürfnisse oder auch der geistigen, die sich im Rahmen der zeitlichen Existenz erschöpfen und sich mit den zeitlichen Wünschen, Hoffnungen, Geschäften und Kämpfen gänzlich decken, sondern um ein Heil, das alle Grenzen übersteigt, um sich dann in einer Gemeinschaft mit dem einen Absoluten, mit Gott, zu vollenden: ein transzendentes, eschatologisches Heil, das seinen Anfang gewiß schon in diesem Leben hat, aber sich erst in der Ewigkeit vollendet. UNTER DEM ZEICHEN DER HOFFNUNG 28. Die Evangelisierung muß folglich die prophetische Verkündigung eines Jenseits enthalten, das eine tiefe, endgültige Berufung des Menschen ist, die zugleich eine Fortsetzung und ein völliges Übersteigen des jetzigen Zustandes darstellt: jenseits der Zeit und der Geschichte, jenseits der Wirklichkeit dieser Welt, deren Gestalt vergeht, und der Dinge dieser Welt, deren verborgene Dimension eines Tages offenbar werden wird; jenseits des Menschen selbst, dessen wahres Geschick sich nicht in seiner zeitlichen Gestalt erschöpft, sondern erst offenbar werden wird im ewigen Leben (58). Die Evangelisierung enthält somit auch die Verkündigung einer Hoffnung auf die Verheißungen, die von Gott im Neuen Bund in Jesus Christus gegeben worden sind; die Verkündigung der Liebe Gottes zu uns und unsere Liebe zu Gott; die Verkündigung der Bruderliebe zu allen Menschen – der Fähigkeit zur Hingabe und zum Verzeihen, zum Verzicht und zur Hilfe des Bruders –, die aus der Liebe Gottes entspringt und den Kern des Evangeliums bildet; die Verkündigung des Geheimnisses des Bösen und des Strebens nach dem Guten. Gleichermaßen – und das ist stets vordringlich die Verkündigung von der Suche nach Gott selbst durch das Gebet, vor allem durch Anbetung und Danksagung, aber auch durch die Gemeinschaft mit jenem sichtbaren Zeichen der Begegnung mit Gott, das die Kirche Jesu Christi ist. Diese Gemeinschaft findet dann ihrerseits ihren Ausdruck im Vollzug der anderen Zeichen des in der Kirche lebenden und wirkenden Christus, nämlich der Sakramente. Die Sakramente so zu leben, daß in ihrer Feier ihre ganze Fülle zum Ausdruck kommt, bedeutet nicht, wie einige behaupten, ein Hindernis aufzurichten oder einen Irrweg der Evangelisierung hinzunehmen, sondern ihr ihre ganzheitliche Vollendung zu geben. Denn die Evangelisierung besteht in ihrer Gesamtheit über die Verkündigung einer Botschaft hinaus darin, die Kirche einzupflanzen, die es aber ohne dieses sakramentale Leben nicht gibt, welches seinen Höhepunkt in der Eucharistie hat (59). BOTSCHAFT, DIE DAS GANZE LEBEN ERFASST 29. Doch wäre die Evangelisierung nicht vollkommen, würde sie nicht dem Umstand Rechnung tragen, daß Evangelium und konkretes Leben des Menschen als Einzelperson und als Mitglied einer Gemeinschaft einander ständig beeinflussen. Darum fordert die Evangelisierung eine klar formulierte Botschaft, die den verschiedenen Situationen jeweils angepaßt und stets aktuell ist, und zwar über die Rechte und Pflichten jeder menschlichen Person, über das Familienleben, ohne das kaum eine persönliche Entfaltung möglich ist (60), über das Zusammenleben in der Gesellschaft, über das internationale Leben, den Frieden, die Gerechtigkeit, die Entwicklung; eine Botschaft über die Befreiung, die in unseren Tagen besonders eindringlich ist. EINE BOTSCHAFT DER BEFREIUNG 30. Es ist bekannt, mit welchen Worten auf der letzten Synode zahlreiche Bischöfe aus allen Kontinenten, vor allem die Bischöfe der Dritten Welt, mit einem pastoralen Akzent gerade über die Botschaft der Befreiung gesprochen haben, wobei die Stimme von Millionen von Söhnen und Töchtern der Kirche, die jene Völker bilden, miterklungen ist. Völker, wie Wir wissen, die sich mit all ihren Kräften dafür einsetzen und kämpfen, daß all das überwunden wird, was sie dazu verurteilt, am Rande des Lebens zu bleiben: Hunger, chronische Krankheiten, Analphabetismus, Armut, Ungerechtigkeiten in den internationalen Beziehungen und besonders im Handel, Situationen eines wirtschaftlichen und kulturellen Neokolonialismus, der mitunter ebenso grausam ist wie der alte politische Kolonialismus. Die Kirche hat, wie die Bischöfe erneut bekräftigt haben, die Pflicht, die Befreiung von Millionen Menschen zu verkünden, von denen viele ihr selbst angehören; die Pflicht zu helfen, daß diese Befreiung Wirklichkeit wird, für sie Zeugnis zu geben und mitzuwirken, damit sie ganzheitlich erfolgt. Dies steht durchaus im Einklang mit der Evangelisierung. IN NOTWENDIGER VERBINDUNG MIT DER ENTFALTUNG DES MENSCHEN 31. Zwischen Evangelisierung und menschlicher Entfaltung – Entwicklung und Befreiung – bestehen in der Tat enge Verbindungen: Verbindungen anthropologischer Natur, denn der Mensch, dem die Evangelisierung gilt, ist kein abstraktes Wesen, sondern sozialen und wirtschaftlichen Problemen unterworfen; Verbindungen theologischer Natur, da man ja den Schöpfungsplan nicht vom Erlösungsplan trennen kann, der hineinreicht bis in die ganz konkreten Situationen des Unrechts, das es zu bekämpfen, und der Gerechtigkeit, die es wiederherzustellen gilt. Verbindungen schließlich jener ausgesprochen biblischen Ordnung, nämlich der der Liebe: Wie könnte man in der Tat das neue Gebot verkünden, ohne in der Gerechtigkeit und im wahren Frieden das echte Wachstum des Menschen zu fördern? Wir haben es für nützlich erachtet, das selbst hervorzuheben, indem Wir daran erinnert haben, daß es unmöglich hinzunehmen ist, „daß das Werk der Evangelisierung die äußerst schwierigen und heute so stark erörterten Fragen vernachlässigen kann und darf, die die Gerechtigkeit, die Befreiung, die Entwicklung und den Frieden in der Welt betreffen. Wenn das eintreten würde, so hieße das, die Lehre des Evangeliums von der Liebe zum leidenden und bedürftigen Nächsten vergessen“ (61). Dieselben Stimmen, die während der genannten Synode mit Eifer, Klugheit und Mut dieses brennende Thema berührt haben, haben zu unserer großen Freude auch die klärenden Prinzipien aufgezeigt, um die Bedeutung und den tiefen Sinn der Befreiung richtig zu verstehen, so wie sie Jesus von Nazaret verkündet und verwirklicht hat und sie die Kirche lehrt. WEDER EINSCHRÄNKUNG NOCH ZWEIDEUTIGKEIT 32. Wir dürfen uns in der Tat nicht verheimlichen, daß viele
hochherzige Christen, die für die dramatischen Fragen aufgeschlossen sind, die
sich mit dem Problem der Befreiung stellen, in der Absicht, die Kirche am
Einsatz für die Befreiung zu beteiligen, oft versucht sind, ihre Sendung auf
die Dimensionen eines rein diesseitigen Programmes zu beschränken: ihre Ziele
auf eine anthropozentrische Betrachtungsweise; das Heil, dessen Bote und
Sakrament sie ist, auf einen materiellen Wohlstand; ihre Tätigkeit, unter
Vernachlässigung ihrer ganzen geistlichen und religiösen Sorge, auf
Initiativen im politischen und sozialen Bereich. Wenn es aber so wäre, würde
die Kirche ihre grundlegende Bedeutung verlieren. Ihre Botschaft der Befreiung
hätte keine Originalität mehr und würde leicht von ideologischen Systemen und
politischen Parteien in Beschlag genommen und manipuliert. DIE BEFREIUNG DURCH DAS EVANGELIUM 33. Von der Befreiung, die die Evangelisierung verkündet und
zu verwirklichen sucht, muß vielmehr folgendes gesagt werden: AUSRICHTUNG AUF DAS REICH GOTTES 34. Das ist der Grund, warum in der Verkündigung der Befreiung und in der Solidarität mit denen, die sich für sie einsetzen und für sie leiden, die Kirche es nicht hinnimmt, daß ihre Sendung nur auf den Bereich des Religiösen beschränkt wird, indem sie sich für die zeitlichen Probleme des Menschen nicht interessiert; sie bekräftigt jedoch den Vorrang ihrer geistlichen Sendung; sie weigert sich, die Verkündigung des Reiches Gottes durch die Verkündigung der menschlichen Befreiungen zu ersetzen, und behauptet, daß auch ihr Beitrag zur Befreiung unvollkommen wäre, wenn sie es vernachlässigte, das Heil in Jesus Christus zu verkünden. NACH EINER BIBLISCHEN SICHT DES MENSCHEN 35. Die Kirche verbindet die menschliche Befreiung und das
Heil in Jesus Christus eng miteinander, ohne sie jedoch jemals gleichzusetzen,
denn sie weiß aufgrund der Offenbarung, der geschichtlichen Erfahrung und
durch theologische Reflexion, daß nicht jeder Begriff von Befreiung zwingend
schlüssig und vereinbar ist mit einer biblischen Sicht des Menschen, der Dinge
und Ereignisse; daß es für die Ankunft des Reiches Gottes nicht genügt, die
Befreiung herbeizuführen sowie Wohlstand und Fortschritt zu verwirklichen. NOTWENDIGKEIT EINER BEKEHRUNG 36. Die Kirche erachtet es gewiß als bedeutend und dringlich, Strukturen zu schaffen, die menschlicher und gerechter sind, die Rechte der Person mehr achten, weniger beengend und unterdrückend sind; sie ist sich aber dessen bewußt, daß die besten Strukturen, die idealsten Systeme schnell unmenschlich werden, wenn nicht die unmenschlichen Neigungen im Herzen des Menschen geläutert werden, wenn nicht bei jenen, die in diesen Strukturen leben oder sie bestimmen, eine Bekehrung des Herzens und des Geistes erfolgt. AUSSCHLUSS VON GEWALTTÄTIGKEIT 37. Die Kirche kann nicht die Gewalttätigkeit, vor allem nicht die Waffengewalt – die unkontrollierbar ist, wenn sie entfesselt wird –, und auch nicht den Tod von irgend jemandem als Weg zur Befreiung akzeptieren, denn sie weiß, daß die Gewalttätigkeit immer Gewalt hervorruft und unwiderstehlich neue Formen der Unterdrückung und der Sklaverei erzeugt, die oft noch drückender sind als jene, von denen sie zu befreien vorgibt. Wir sagten es bereits deutlich während Unserer Reise nach Kolumbien: „Wir ermahnen euch, euer Vertrauen weder auf die Gewalttätigkeit noch auf die Revolution zu setzen; eine solche Haltung widerspricht dem christlichen Geist und kann den sozialen Fortschritt, nach dem ihr euch berechtigterweise sehnt, auch eher verzögern als fördern“ (63) „Wir müssen feststellen und erneut bekräftigen, daß die Gewalttätigkeit nicht christlich ist noch dem Geist des Evangeliums entspricht, daß die plötzlichen oder gewaltsamen Veränderungen der Strukturen eine Täuschung und in sich unwirksam wären und ganz gewiß nicht mit der Würde des Volkes in Einklang stünden“ (64). SPEZIFISCHER BEITRAG DER KIRCHE 38. Nach diesen Überlegungen geben Wir Unserer Freude darüber
Ausdruck, daß die Kirche ein immer lebendigeres Bewußtsein von ihrer eigenen,
grundlegend biblischen Weise erwirbt, in der sie zur Befreiung der Menschen
beitragen kann. Und was tut sie? Sie sucht immer mehr Christen heranzubilden,
die sich für die Befreiung der anderen einsetzen. Sie gibt diesen Christen,
die als „Befreier“ tätig werden, eine vom Glauben geprägte Einstellung, eine
Motivation zur Bruderliebe und eine Soziallehre, die ein echter Christ nicht
außer acht lassen kann, sondern die er als Grundlage für seine Überlegungen
und seine Erfahrung nehmen muß, um sie in die Tat umzusetzen im eigenen
Handeln, im Zusammenwirken mit anderen und dadurch, daß man dafür eintritt.
Das alles muß, ohne daß es mit taktischem Verhalten noch mit Unterordnung
unter ein politisches System verwechselt werden darf, den Eifer des
engagierten Christen kennzeichnen. Die Kirche bemüht sich, den christlichen
Einsatz für die Befreiung stets in den umfassenden Heilsplan einzuordnen, den
sie selbst verkündet. DIE RELIGIONSFREIHEIT 39. In dieser echten Befreiung, die mit der Evangelisierung verbunden ist und sich um die Verwirklichung von Strukturen bemüht, die die menschliche Freiheit schützen, muß die Gewährleistung aller Grundrechte des Menschen mit eingeschlossen sein, unter denen der Religionsfreiheit eine erstrangige Bedeutung zukomMt Wir haben erst kürzlich von der Aktualität dieser Frage gesprochen, als Wir darauf hingewiesen haben, „wie viele Christen noch heute, nur weil sie Christen, weil sie Katholiken sind, mit Gewalt systematisch unterdrückt werden! Das Drama der Treue zu Christus und der Freiheit der Religion setzt sich noch weiter fort, wenn es auch oft durch allgemeine Erklärungen zugunsten der menschlichen Person und Gesellschaft verschleiert wird“ (66). IV. Die Wege der Evangelisierung AUF DER SUCHE NACH GEEIGNETEN WEGEN 40. Die offenkundige Bedeutung des Inhalts der
Evangelisierung darf jedoch nicht die Bedeutung ihrer Wege und Mittel
verdecken. DAS ZEUGNIS DES LEBENS 41. Ohne alles zu wiederholen, was Wir schon vorher gesagt haben, ist es doch gut, folgendes hervorzuheben. Für die Kirche ist das Zeugnis eines echt christlichen Lebens mit seiner Hingabe an Gott in einer Gemeinschaft, die durch nichts zerstört werden darf, und gleichzeitig mit einer Hingabe an den Nächsten in grenzenloser Einsatzbereitschaft der erste Weg der Evangelisierung, „Der heutige Mensch“, so sagten wir kürzlich zu einer Gruppe von Laien, „hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind“ (67). Als der hl. Petrus das Bild eines reinen und ehrbaren Lebens zeichnete, brachte er das deutlich zum Ausdruck: „Ohne zu reden, gewannen sie diejenigen, welche sich weigerten, an das Wort zu glauben“ (68). Die Evangelisierung der Welt geschieht also vor allem durch das Verhalten, durch das Leben der Kirche, das heißt durch das gelebte Zeugnis der Treue zu Jesus, dem Herrn, durch das gelebte Zeugnis der Armut und inneren Loslösung und der Freiheit gegenüber den Mächten dieser Welt, kurz, der Heiligkeit. EINE LEBENDIGE PREDIGT 42. Sodann ist es nicht überflüssig, auf die Bedeutung und
Notwendigkeit der Verkündigung hinzuweisen. „Wie sollen sie an den glauben,
von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündet?.
. . So gründet der Glaube in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi“
(69). Dieses Gesetz, einst vom Apostel Paulus aufgestellt, behält auch heute
noch seine ganze Kraft. WORTLITURGIE 43. Diese Verkündigung, die Evangelisierung ist, nimmt, vom Eifer angetrieben, fast unbegrenzt vielfältige Formen an. In der Tat: unzählbar sind die Ereignisse des Lebens und die menschlichen Situationen, die Gelegenheit bieten, still und doch sehr wirksam vernehmbar zu machen, was der Herr uns in der jeweiligen konkreten Situation zu sagen hat. Es genügt echte innere Wachsamkeit, um die Botschaft Gottes aus den Ereignissen herauszulesen. Da die vom Konzil erneuerte Liturgie großen Wert auf die „Liturgie des Wortes“ legt, wäre es ein Irrtum, die Homilie nicht mehr als ein gültiges und durchaus geeignetes Mittel zur Evangelisierung zu betrachten. Die Bedingungen und Möglichkeiten der Homilie muß man gut kennen und tief ausschöpfen, damit sie ihre ganze pastorale Wirksamkeit erlangen. Von allem muß man jedoch von ihrer Bedeutung überzeugt sein und sich ihr mit Liebe widmen. Diese Verkündigung, die in besonderer Weise in die eucharistische Feier eingefügt ist – von der sie selbst verstärkte Macht und Kraft erhält –, nimmt in der Evangelisierung ganz sicher einen vorrangigen Platz ein, und zwar insoweit als sie den tiefen Glauben des Priesters selbst zum Ausdruck bringt und von Liebe durchdrungen ist. Damit die versammelte Gemeinde der Gläubigen eine österliche Kirche sei, welche das Fest des mitten unter ihnen anwesenden Herrn feiert, erwartet und empfängt sie sehr viel von dieser Predigt: sie soll einfach sein, klar, direkt, auf die Menschen bezogen, tief in den Lehren des Evangeliums verwurzelt und treu dem Lehramt der Kirche, beseelt von einem gesunden apostolischen Eifer, der aus ihrem besonderen Charakter erwächst, voller Hoffnung, den Glauben stärkend, Frieden und Einheit stiftend. Viele pfarrlichen und andere Gemeinschaften leben und festigen sich dank der Predigt an jedem Sonntag, weil sie diese Eigenschaft aufweist. Fügen wir noch hinzu, daß dank der liturgischen Erneuerung die Feier der Eucharistie nicht der einzige geeignete Ort für die Homilie ist. Sie gehört auch – und das sollte nicht vernachlässigt werden in die Feier aller Sakramente, ferner in die Wortgottesdienste, zu denen sich die Gläubigen versammeln. Immer wird die Homilie eine bevorzugte Gelegenheit sein, das Wort des Herrn anderen mitzuteilen. DIE KATECHESE 44. Ein Weg, der bei der Evangelisierung nicht vernachlässigt werden darf, ist der der katechetischen Unterweisung. Der menschliche Verstand, vor allem der der Kinder und Jugendlichen, muß durch eine systematische religiöse Unterweisung die fundamentalen Gegebenheiten und den lebensspendenden Inhalt der Wahrheit zu erfassen lernen, die Gott uns hat überliefern lassen und die die Kirche im Laufe ihrer langen Geschichte auf immer vielfältigere Art auszudrücken suchte. Daß diese Unterweisung dazu dienen soll, christliche Lebensgewohnheiten zu formen und nicht nur Sache des Verstandes zu bleiben, ist unbestritten. Sicherlich wird die Bemühung um die Evangelisierung großen Nutzen bringen im Bereich der der Kirche anvertrauten katechetischen Unterweisung, und zwar in den Schulen, wo dies möglich ist, und auf jeden Fall in den christlichen Familien, wenn die Katecheten über geeignetes Lehrmaterial verfügen, das mit Sachverstand und unter der verantwortlichen Leitung der Bischöfe den heutigen Erfordernissen angepaßt ist. Die Unterrichtsmethoden müssen dem Alter, der Kulturstufe und der Aufbaufähigkeit der einzelnen entsprechen, um stets die wesentlichen Wahrheiten dem Gedächtnis dem Verstand und dem Herzen einzuprägen versuchen, die unser ganzes Leben durchformen sollen. Es ist notwendig, gute Katecheten – Pfarrkatecheten, Lehrer und Eltern – heranzubilden, die sich um eine Vervollkommnung in dieser hohen und unerläßlich notwendigen Kunst der religiösen Unterweisung bemühen. Andererseits stellt man fest, daß unter den gegenwärtigen Umständen die katechetische Unterweisung in der Form eines Katechumenats immer dringlicher wird; denn zahlreiche Jugendliche und Erwachsene entdecken nach und nach, von der Gnade berührt, das Antlitz Christi und empfinden das Bedürfnis, sich ihm zu schenken. Dabei soll jedoch die religiöse Erziehung der Kinder nicht vernachlässigt werden. BENUTZUNG DER MASSENMEDIEN 45. Wie Wir bereits gesagt haben, kann in unserer Zeit, die
von den Massenmedien oder sozialen Kommunikationsmitteln geprägt ist, bei der
ersten Bekanntmachung mit dem Glauben, bei der katechetischen Unterweisung und
bei der weiteren Vertiefung des Glaubens auf diese Mittel nicht verzichtet
werden. UNERLÄSSLICHER PERSÖNLICHER KONTAKT 46. Darum bleibt neben dieser Verkündigung des Evangeliums in umfassendster Weise die andere Form seiner Vermittlung, nämlich von Person zu Person, weiterhin gültig und bedeutsam. Der Herr hat sich ihrer oft bedient – seine Gespräche mit Nikodemus, Zachäus, der Samariterin, Simon dem Pharisäer und anderen bezeugen es. Dasselbe sehen wir bei den Aposteln. Wird es im Grund je eine andere Form der Mitteilung des Evangeliums geben als die, in der man einem anderen seine eigene Glaubenserfahrung mitteilt? Die Dringlichkeit, die Frohbotschaft den vielen zu verkünden, darf nicht jene Form des Mitteilens übersehen lassen, in welcher das ganz persönliche Innere des Menschen angesprochen wird, berührt von einem ganz besonderen Wort, das er von einem anderen empfängt. Wir können nicht genug jene Priester loben, die sich im Sakrament der Buße oder im pastoralen Gespräch als Führer der Menschen auf den Wegen des Evangeliums erweisen, sie in ihrem Bemühen stärken, sie aufrichten, wenn sie gefallen sind, und ihnen immer mit Klugheit und steter Verfügbarkeit beistehen. DIE ROLLE DER SAKRAMENTE 47. Man wird nicht nachdrücklich genug darauf hinweisen
können, daß sich die Evangelisierung nicht in der Verkündigung und der
Erklärung einer Lehre erschöpft. Denn die Evangelisierung muß das Leben
erreichen – das natürliche Leben, dem sie vom Horizont des Evangeliums her,
der sich in ihr eröffnet, einen neuen Sinn verleiht, und dann das
übernatürliche Leben, welches nicht die Verneinung, sondern die Läuterung und
Erhöhung des natürlichen Lebens ist. Dieses übernatürliche Leben kommt
lebendig zum Ausdruck in den sieben Sakramenten und der ihnen eigenen
wunderbaren Ausstrahlung der Gnade und Heiligkeit. DIE VOLKSFRÖMMIGKEIT 48. Damit rühren wir auch an einen Gesichtspunkt in der
Evangelisierung, den man nicht unbeachtet lassen kann. Wir möchten etwas sagen
zu jener Wirklichkeit, die man heute oft als Volksfrömmigkeit bezeichnet.
Sowohl in jenen Gebieten, in denen die Kirche seit Jahrhunderten eingewurzelt
ist, als auch dort, wo sie im Begriff ist, Wurzel zu fassen, findet man beim
Volk besondere Ausdrucksformen des Glaubens und der Suche nach Gott. Lange
Zeit wurden sie für minderwertig gehalten und abfällig beurteilt, doch werden
sie heute vielenorts neu entdeckt. Bei der letzten Synode haben die Bischöfe
mit pastoralem Realismus und bemerkenswerter Eindringlichkeit deren tieferen
Sinn deutlich gemacht. V. Die Adressaten der Evangelisierung EINE WELTWEITE BESTIMMUNG 49. Die letzten Worte Jesu im Evangelium nach Markus geben
der Evangelisierung, mit der der Herr die Apostel beauftragt, eine grenzenlose
Universalität: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet der gesamten
Schöpfung das Evangelium“ (73). TROTZ ALLER HINDERNISSE 50. Im Laufe einer zweitausendjährigen Geschichte sahen sich
die christlichen Generationen in einzelnen Epochen mit den verschiedensten
Hindernissen gegen diese universale Mission konfrontiert. Auf der Seite der
Träger der Evangelisierung gab es die Versuchung, unter den verschiedensten
Vorwänden den Bereich des missionarischen Einsatzes einzuengen. Auf der Seite
derer, an die sich die Evangelisierung richtete, gab es oft menschlich
unüberwindbare Widerstände. Im übrigen müssen wir zu unserem Schmerz
feststellen, daß das Bemühen der Kirche um Evangelisierung stark behindert,
wenn nicht gar unmöglich gemacht wird durch öffentliche Mächte. Selbst heute
noch kommt es vor, daß die Verkünder des Wortes ihrer Rechte beraubt sind,
verfolgt, bedroht und ausgestoßen nur deswegen, weil sie Jesus Christus und
sein Evangelium predigen. Aber wir haben Vertrauen, daß trotz dieser
schmerzlichen Prüfungen das Wirken dieser Glaubensboten schließlich in keinem
Gebiet der Welt fehlen wird. ERSTE VERKÜNDIGUNG DER FERNSTEHENDEN 51. Jesus Christus und sein Evangelium denen zu verkünden,
die ihn noch nicht kennen, ist seit dem ersten Pfingsttag das grundlegende
Programm, welches die Kirche, als von ihrem Gründer empfangen, sich zu eigen
gemacht hat. Das ganze Neue Testament, vor allem die Apostelgeschichte,
bezeugt für jene besondere Zeit und irgendwie exemplarisch diese
missionarische Anstrengung, die dann die ganze Geschichte der Kirche prägen
sollte. ERNEUTE VERKÜNDIGUNG AN DIE ENTCHRISTLICHTE WELT 52. Wenn sich diese erste Verkündigung auch vornehmlich an jene richtet, die von der Frohbotschaft Jesu noch nichts gehört haben, oder an Kinder, so erweist sie sich in gleicher Weise immer notwendiger angesichts der heute häufig zu beobachtenden Entchristlichung, und zwar für sehr viele, die zwar getauft sind, aber gänzlich außerhalb eines christlichen Lebensraumes stehen, dann für einfache Menschen, die zwar einen gewissen Glauben haben, seine Grundlagen aber kaum kennen, ferner für Intellektuelle, die das Bedürfnis spüren, Jesus Christus in einem anderen Licht kennenzulernen als bei der Unterweisung in ihrer Kinderzeit, und schließlich für viele andere. DIE NICHTCHRISTLICHEN RELIGIONEN 53. Diese erste Verkündigung wendet sich an die unübersehbar
große Zahl der Menschen, die nichtchristlichen Religionen angehören. Die
Kirche respektiert und schätzt die nichtchristlichen Religionen. Sie sind ja
lebendiger Ausdruck der Seele breitester Gruppen. In ihnen wird die Gottsuche
von Millionen deutlich, ein unvollkommenes Suchen, aber oft gelebt mit großer
Aufrichtigkeit und Lauterkeit des Herzens. Sie besitzen einen eindrucksvollen
Schatz tief religiöser Schriften. Zahllose Generationen von Menschen haben sie
beten gelehrt. In ihnen finden sich unzählbar viele „Samenkörner des Wortes
Gottes“ (74). Sie sind, um ein treffendes Wort des Zweiten Vatikanischen
Konzils aufzugreifen, das von Eusebius von Caesarea stammt, eine echte „Vorbereitung
auf das Evangelium“ (75). GLAUBENSHILFE FÜR DIE GLÄUBIGEN 54. Indes läßt die Kirche auch nicht nach in der
unermüdlichen Sorge für jene, welche den Glauben bereits empfangen haben und
oft schon seit Generationen Verbindung mit dem Evangelium haben. Da sucht sie
den Glauben derer, die man schon Gläubige nennt, zu vertiefen, zu festigen, zu
stärken und immer noch reifer zu machen, damit sie noch lebendiger glauben.
DIE NICHTGLAUBENDEN 55. Bezeichnend ist auch die Besorgnis, die auf der genannten
Synode spürbar wurde, im Hinblick auf zwei Bereiche, die zwar untereinander
sehr verschieden sind, sich aber gleichen angesichts der Herausforderung, die
beide je auf ihre Weise für die Evangelisierung bilden. DIE NICHTPRAKTIZIERENDEN 56. Ein zweiter Bereich: das sind die Nichtpraktizierenden,
eine heute große Zahl von Getauften, die vielfach ihre Taufe nicht
ausdrücklich verleugnen, sie aber als Nebensache betrachten und nicht leben.
Daß es Nichtpraktizierende gibt, ist eine sehr alte Erscheinung in der
Geschichte des Christentums; das gehört zu einer natürlichen Schwäche, zu dem
tiefen Widerstreit, der leider unser Innerstes durchzieht. Aber sie nimmt
heute neue Formen an. Die Gründe dafür liegen häufig in einer für unsere Zeit
typischen Entwurzelung. Ein weiterer Grund liegt darin, daß die Christen heute
Seite an Seite mit den Nichtglaubenden leben und ständig die Rückwirkungen des
Unglaubens zu spüren bekommen. Mehr als früher suchen Nichtpraktizierende ihre
Position dadurch zu erklären und zu rechtfertigen, daß sie sich auf ein
religiöses Inneres, auf die Eigenverantwortung oder auf persönliche Echtheit
berufen. VERKÜNDIGUNG AN ALLE MENSCHEN 57. Wie Christus zur Zeit seiner Verkündigung und die Zwölf
am ersten Pfingsttag, so sieht sich auch die Kirche einer unzählbaren Menge
von Menschen gegenüber, die des Evangeliums bedürfen, ja ein Recht darauf
haben; denn Gott „will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis
der Wahrheit gelangen“ (79). KIRCHLICHE BASISGEMEINSCHAFTEN 58. Die letzte Synode hat sich sehr mit den kleinen
Gemeinschaften oder „Basisgemeinschaften“ befaßt, denn in der Kirche von heute
ist häufig von ihnen die Rede. Was sind sie und warum sollten sie in
besonderer Weise Adressaten der Evangelisierung und zugleich auch deren Träger
sein? VI. Die Träger der Evangelisierung DIE GANZE KIRCHE MISSIONARISCH AUSGERICHTET 59. Wenn Menschen in der Welt das Evangelium des Heiles
verkünden, so geschieht dies im Auftrag, im Namen und mit der Gnade Christi,
des Erlösers. „Wie soll jemand verkündigen, wenn er nicht gesandt ist?“ (81),
so schrieb derjenige, der zweifellos einer der größten Glaubensboten war.
Niemand kann also den Glauben verkünden, ohne gesandt zu sein. EIN ZUTIEFST KIRCHLICHES TUN 60. Sendung und Auftrag der Kirche zur Evangelisierung der
Welt müßten in uns eine doppelte Überzeugung begründen. DIE PERSPEKTIVE DER GESAMTKIRCHE 61. An diesem Punkt unserer Überlegungen möchten Wir nun mit
euch, liebe Brüder, Söhne und Töchter, bei einer Frage verweilen, die in
unseren Tagen besonders wichtig geworden ist. Die ersten Christen gaben bei
ihrer Liturgiefeier, in ihrem Zeugnis vor den Richtern und Henkern und in
ihren apologetischen Schriften gern ihrem tiefen Glauben an die Kirche dadurch
Ausdruck, daß sie diese als im ganzen Universum ausgebreitet hinstellten. Sie
waren sich voll bewußt, einer großen Gemeinschaft anzugehören, der weder Raum
noch Zeit Grenzen setzen konnten: „vom gerechten Abel bis zum letzten
Auserwählten“ (85), „bis an die Grenzen der Welt“ (86), „bis ans Ende der
Zeiten“ (87). DIE PERSPEKTIVE DER TEILKIRCHE 62. Dennoch nimmt diese universale Kirche in den Teilkirchen
konkrete Gestalt an, die ihrerseits aus einer bestimmten Menschengruppe
bestehen, die eine bestimmte Sprache sprechen, einem kulturellen Erbe
verbunden sind, einer Weltanschauung, einer geschichtlichen Vergangenheit und
einer bestimmten Ausformung des Menschlichen. Offenheit für die Reichtümer der
Teilkirche trifft beim Menschen unserer Zeit auf besondere Empfänglichkeit.
ANPASSUNG UND TREUE IN DER SPRACHE
63. Die wahrhaft eingewurzelten Teilkirchen, die sich sozusagen verschmolzen
haben mit den Menschen, aber auch mit den Wünschen, Reichtümern und Grenzen,
mit der Art zu beten, zu lieben, Leben und Welt zu betrachten, wie sie für
eine bestimmte Menschengruppe charakteristisch sind, haben die Aufgabe, das
Wesentliche der Botschaft des Evangeliums sich tief zu eigen zu machen und es
ohne den geringsten Verrat an seiner wesentlichen Wahrheit in eine Sprache zu
übersetzen, die diese Menschen verstehen, um es dann in dieser Sprache zu
verkünden. ÖFFNUNG ZUR GESAMTKIRCHE 64. Diese Bereicherung setzt aber voraus, daß die Teilkirchen
ihr tiefes Offensein für die universale Kirche beachten. Es ist im übrigen
bemerkenswert, daß gerade die einfachsten, am meisten dem Evangelium
verbundenen Christen, die zugleich den wahren Sinn für die Kirche gewonnen
haben, ganz spontan auf diese universale Dimension der Kirche ansprechen. Sie
empfinden instinktiv und sehr stark deren Notwendigkeit und erkennen sich
darin leicht wieder. Sie zittern mit der Kirche und leiden in ihrem tiefsten
Inneren, wenn man sie im Namen von Theorien, die sie nicht verstehen, nötigen
möchte, sich auf eine Kirche ohne diese Universalität einzustellen, auf eine
lediglich regionale Kirche ohne Horizont. DAS UNVERÄNDERLICHE GLAUBENSGUT 65. Eben in diesem Sinn wollten Wir beim Abschluß der dritten Generalversammlung der Synode ein klares Wort voll väterlicher Zuneigung sprechen und die Rolle des Nachfolgers Petri als sichtbares, lebendiges und dynamisches Prinzip der Einheit zwischen den Kirchen und damit der Universalität der einen Kirche erneut betonen (93). Wir hoben ebenfalls die schwere Verantwortung hervor, die Uns auferlegt ist, die Wir aber mit Unseren Brüdern im Bischofsamt teilen, den Inhalt des katholischen Glaubens, den der Herr den Aposteln anvertraut hat, unversehrt zu bewahren. Wenn dieser Inhalt in alle Sprachen übertragen wird, darf er dabei weder verändert noch verstümmelt werden. Wenn er mit den Symbolen, wie sie jedem Volk eigen sind, geschmückt wird, wenn man ihn in theologischen Ausdrucksformen darlegt, die auf die jeweiligen Kultur- und Sozialräume und auch auf die verschiedenen Rassenunterschiede Rücksicht nehmen, muß er doch Inhalt des katholischen Glaubens bleiben, so wie das kirchliche Lehramt ihn übernommen hat und weitergibt. VERSCHIEDENE AUFGABEN
66. Die ganze Kirche ist daher zur Evangelisierung aufgerufen, und daher
finden sich in ihrem Innern verschiedene Aufgaben, die im Dienst der
Glaubensverkündigung zu erfüllen sind. Die Verschiedenheit der Dienste
innerhalb der Einheit der gleichen Sendung macht Reichtum und Schönheit der
Evangelisierung aus. Wir wollen diese Dienstaufgaben hier und im folgenden nur
kurz berühren. DER NACHFOLGER PETRI 67. Der Nachfolger des Petrus ist so nach dem Willen Christi
in besonderer Weise mit dem Dienstamt beauftragt, die geoffenbarte Wahrheit zu
lehren. Das Neue Testament zeigt uns Petrus oft „erfüllt vom Heiligen Geist“,
wie er im Namen aller das Wort ergreift (98). Eben deswegen spricht der hl.
Leo der Große von ihm als demjenigen, der im Apostolat den ersten Platz
verdient (99). Ferner zeigt auch die Stimme der Kirche den Papst „auf der
höchsten Stelle – in apice, in specula – des Apostolates“ (100). Das Zweite
Vatikanische Konzil wollte dies bekräftigen, indem es erklärte, der „Auftrag
Christi, aller Kreatur das Evangelium zu predigen (vgl. Mk 16, 15),
gilt mit und unter Petrus zuerst und unmittelbar den Bischöfen“ (101). BISCHÖFE UND PRIESTER 68. Vereint mit dem Nachfolger des Petrus, empfangen die
Bischöfe als Nachfolger der Apostel kraft ihrer Bischofsweihe die Vollmacht,
innerhalb der Kirche die geoffenbarte Wahrheit zu lehren. Sie sind die Lehrer
des Glaubens. ORDENSLEUTE 69. Die Ordensleute finden ihrerseits in ihrem gottgeweihten
Leben ein besonderes Mittel wirksamer Evangelisierung. Durch ihr tiefstes
Wesen fügen sie sich in den Dynamismus der Kirche ein, ergriffen vom Absoluten,
das Gott ist, und zur Heiligkeit aufgerufen. Von dieser Heiligkeit geben sie
ZeugnJes Sie leben in konkreter Weise die Kirche, die danach trachtet, der
Unbedingtheit der Seligpreisungen zu entsprechen. Sie sind durch ihr Leben ein
Zeichen der gänzlichen Verfügbarkeit für Gott, die Kirche und ihre Brüder und
Schwestern. Darin kommt ihnen besondere Bedeutung zu beim Gesamtzeugnis der
Kirche, das, wie Wir betont haben, vor allem in der Evangelisierung besteht.
Dieses stille Zeugnis der Armut und Entäußerung, der Reinheit und Transparenz,
der Hingabe im Gehorsam kann zugleich eine Herausforderung an Welt und Kirche
selbst werden, eine beredte Predigt, die sogar den Nichtchristen guten Willens,
die für gewisse Werte aufgeschlossen sind, nahegehen kann. LAIEN 70. Die Laien, die ihrer besonderen Berufung gemäß ihren Platz mitten in der Welt haben und die verschiedensten zeitlichen Aufgaben erfüllen, müssen darin eine besondere Form der Evangelisierung vollziehen. Ihre erste und unmittelbare Aufgabe ist nicht der Aufbau und die Entwicklung der kirchlichen Gemeinschaft – hier liegt die besondere Aufgabe der Hirten –, sondern sie sollen alle christlichen, vom Evangelium her gegebenen Möglichkeiten, die zwar verborgen, aber dennoch in den Dingen der Welt schon vorhanden sind und aktiv sich auswirken, verwirklichen. Das eigentliche Feld ihrer evangelisierenden Tätigkeit ist die weite und schwierige Welt der Politik, des Sozialen und der Wirtschaft, aber auch der Kultur, der Wissenschaften und Künste, des internationalen Lebens und der Massenmedien, ebenso gewisse Wirklichkeiten, die der Evangelisierung offenstehen, wie Liebe, Familie, Kinder- und Jugenderziehung, Berufsarbeit, Leiden usw. Je mehr vom Evangelium geprägte Laien da sind, die sich für diese Wirklichkeiten verantwortlich wissen und überzeugend in ihnen sich betätigen, sie mit Fachkenntnis voranbringen und sich bewußt bleiben, daß sie ihre gesamte christliche Substanz, die oft verschüttet und erstickt erscheint, einsetzen müssen, um so mehr werden diese Wirklichkeiten, ohne etwas von ihrer menschlichen Tragweite zu verlieren oder zu opfern, geradezu eine oft verkannte transzendente Dimension offenbaren, in den Dienst der Erbauung des Reiches Gottes treten und damit in den Dienst des Heiles in Jesus Christus. FAMILIE 71. Beim Apostolat der Laien muß unbedingt auch das
evangelisierende Wirken der Familie genannt werden. Sie hat sich in den
verschiedenen Abschnitten der Geschichte den schönen Namen einer „Hauskirche“106
verdient, den das Zweite Vatikanische Konzil erneut bekräftigt hat. Das
bedeutet, in jeder christlichen Familie müßten sich die verschiedenen Aspekte
der Gesamtkirche wiederfinden. Außerdem muß die Familie wie die Kirche ein
Raum sein, wo das Evangelium ins Leben übersetzt wird und wo daher dieses
Evangelium aufleuchtet. JUGEND 72. Die Umstände legen uns an diesem Punkt eine besondere Aufmerksamkeit für die Jugendlichen nahe. Ihre große Zahl und ihre wachsende Präsenz in der Gesellschaft, die Probleme, mit denen sie ringen, sollten alle zu dem Bemühen aufrufen, sie begeistert und klug zugleich das Ideal des Evangeliums kennen und leben zu lehren. Im übrigen gilt natürlich, daß die Jugendlichen, selbst im Glauben und im Gebet fest begründet, immer mehr selber zu Aposteln für die Jugend werden müssen. Die Kirche zählt sehr auf diesen Beitrag, und auch wir selbst haben schon zu wiederholten Malen Unser großes Vertrauen in sie zum Ausdruck gebracht. VERSCHIEDENE DIENSTÄMTER 73. Die aktive Präsenz der Laien innerhalb der irdischen
Wirklichkeiten erhält somit ihre volle Bedeutung. Dennoch darf man nicht die
andere Dimension vernachlässigen oder vergessen: die Laien können sich auch
berufen fühlen oder berufen werden zur Mitarbeit mit ihren Hirten im Dienst
der kirchlichen Gemeinschaft, für ihr Wachstum und ihr volles Leben. Sie
können dabei sehr verschiedene Dienstaufgaben übernehmen, ja nach der Gnade
und den Charismen, die der Herr ihnen jeweils schenkt. VII. Der Geist der Evangelisierung DRINGENDER AUFRUF 74. Dieses Gespräch mit euch, geliebte Mitbrüder, Söhne und
Töchter, möchten Wir nicht ohne einen dringenden Hinweis auf die innere
Haltung beschließen, die die Träger der Evangelisierung kennzeichnen muß. IN DER KRAFT DES HEILIGEN GEISTES 75. Ohne das Wirken des Heiligen Geistes wird die Evangelisierung niemals möglich sein. Auf Jesus von Nazaret kommt der Heilige Geist bei der Taufe herab, als die Stimme des Vaters mit den Worten „Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich mein Wohlgefallen“ (107) vernehmbar seine Auserwählung und Mission offenbart. „Vom Geiste geführt“, durchlebt er in der Wüste die entscheidende Auseinandersetzung und letzte Prüfung vor Beginn dieser Sendung (108). „In der Kraft des Geistes kehrt er nach Galiläa zurück“ (109) und setzt in Nazaret den Anfang seiner Predigt, indem er auf sich selbst die Jesaja-Stelle anwendet: „Der Geist des Herrn ruht auf mir“. „Heute“, so verkündet er, „hat sich dieses Schriftwort vor euren Ohren erfüllt“ (110). Bei der Sendung der Jünger hauchte er sie an und sprach: „Empfanget den Heiligen Geist“ (111). Erst nachdem der Heilige Geist am Pfingstfest auf sie
herabgekommen war, brachen die Apostel zu den Grenzen der Erde auf, um mit dem
großen Evangelisierungswerk der Kirche zu beginnen. Petrus deutet dieses
Ereignis als die Verwirklichung der Weissagung des Joël: „Ich werde meinen Geist
ausgießen“ (112). Petrus ist vom Heiligen Geiste erfüllt, um vor dem Volk von
Jesus, dem Sohne Gottes, zu sprechen (113). Auch Paulus wird „vom Heiligen
Geiste erfüllt“ (114), ehe er sich dem Apostolischen Dienst hingibt; ebenso
Stephanus, als er für das Diakonat erwählt wird und später zum Blutzeugnis
(115). Der Geist, der Petrus, Paulus oder die Zwölf sprechen läßt und ihnen die
Worte eingibt, die sie verkünden sollen, kommt auch „auf die, die das Wort hören“
(116), herab. „Durch die Hilfe des Heiligen Geistes“ geschieht es, daß die
Kirche „wächst“ (117). Der Heilige Geist ist die Seele der Kirche. Er ist es,
der den Gläubigen den tiefen Sinn der Lehre Jesu und seines Geheimnisses erklärt.
Er ist derjenige, der heute wie in den Anfängen der Kirche in all jenen am Werk
ist, die das Evangelium verkünden und sich von ihm ergreifen und führen lassen;
er legt ihnen Worte in den Mund, die sie allein niemals finden könnten, und
bereitet zugleich die Seele des Hörers auf den Empfang der Frohbotschaft und der
Verkündigung des Gottesreiches vor. DIE ECHTHEIT DES LEBENSZEUGNISSES 76. Betrachten wir nun die Person des Verkündigers selbst.
Oft wird heute gesagt, unser Jahrhundert verlange geradezu nach Echtheit.
Besonders von der Jugend sagt man, sie habe einen Abscheu vor allem
Gekünstelten, Unechten und suche vor allem Wahrheit und Transparenz. DAS BEMÜHEN UM EINHEIT 77. Die Kraft der Evangelisierung wird sehr geschwächt, wenn
die Verkündiger des Evangeliums unter sich durch vielfältige Spaltungen
entzweit sind. Ist das nicht eine der Hauptwurzeln des Unbehagens in der
heutigen Evangelisierung? Wenn in der Tat das von uns verkündete Evangelium
von Lehrstreitigkeiten, von ideologischen Gegensätzen oder von gegenseitigen
Verurteilungen unter Christen zerrissen erscheint, weil sie unterschiedliche
Auffassungen über Christus und die Kirche haben, ja und dies sogar wegen
unterschiedlicher Auffassungen von der Gesellschaft und den vom Menschen
geschaffenen Institutionen geschehen kann – wie sollen dann die Empfänger
unserer Verkündigung nicht verwirrt und auf Irrwege geführt werden oder gar an
dieser Verkündigung Ärgernis nehmen? IM DIENST DER WAHRHEIT 78. Das Evangelium, mit dem Wir betraut sind, ist auch Wort
der Wahrheit. Eine Wahrheit, die frei macht (126) und die allein den Frieden
des Herzens vermittelt, das ist es, was die Menschen suchen, wenn Wir ihnen
die Frohbotschaft verkünden: Wahrheit über Gott, Wahrheit über den Menschen
und seine geheimnisvolle Bestimmung, Wahrheit über die Welt; eine schwierige
Wahrheit, die wir im Worte Gottes suchen und von der, noch einmal gesagt, gilt,
daß Wir weder ihre Meister noch ihre Besitzer sind, sondern nur die Verkünder,
die Diener. VON LIEBE BESEELT 79. Das Werk der Evangelisierung setzt im Verkündiger eine
stets wachsende brüderliche Liebe zu den Menschen voraus, denen er das
Evangelium verkündet. Das Vorbild eines Trägers der Evangelisierung, der
Apostel Paulus, schreibt an die Thessalonicher das folgende Wort, das für uns
alle ein Programm darstellt: „Weil wir euch zugetan waren, wollten wir euch
nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem
eigenen Leben, denn ihr wart uns sehr lieb geworden“ (127). Was ist das für
eine Liebe? Sehr viel mehr als die eines Erziehers, es ist die Liebe eines
Vaters; ja, noch mehr: die Liebe einer Mutter (128). Das ist die Liebe, die
der Herr von jedem Verkündiger der Frohbotschaft erwartet, von jedem, der die
Kirche aufbauen will. Ein Zeichen dieser Liebe wird sicher die Sorge sein, die
Wahrheit mitzuteilen und in die Einheit einzuführen. Ein Zeichen der Liebe
wird es ebenso sein, sich ohne Vorbehalt und Abkehr der Verkündigung Jesu
Christi zu weihen. Führen Wir noch einige weitere Zeichen dieser Liebe an. MIT DEM EIFER DER HEILIGEN 80. Unser Aufruf läßt sich hier nun vom Eifer der größten
Prediger und Verkünder des Evangeliums inspirieren, die ihr Leben dem
Apostolat gewidmet haben. Unter ihnen möchten Wir in besonderer Weise an jene
erinnern, die Wir im Verlauf des Heiligen Jahres der Verehrung der Gläubigen
vorgestellt haben. Sie haben es verstanden, nicht wenige Hindernisse der
Evangelisierung zu überwinden. Schluss DIE AUSSTRAHLUNG DES HEILIGEN JAHRES 81. Damit habt ihr, liebe Brüder, Söhne und Töchter, den Ruf vernommen, der aus der Tiefe Unseres Herzens kommt und ein Echo der Stimme jener Mitbrüder ist, die sich zur dritten Generalversammlung der Bischofssynode versammelt hatten. Es sind Überlegungen, die Wir zum Ende dieses Heiligen Jahres an euch richten wollten. Dieses hat Uns erlaubt, mehr denn je zuvor die Nöte und Anliegen einer sehr großen Zahl von Brüdern – Christen wie Nichtchristen – zu vernehmen; sie alle erwarten von der Kirche das Wort des Heils. Möge das Licht des Heiligen Jahres, das über den Einzelkirchen und über Rom für Millionen mit Gott versöhnter Menschen aufgeschienen ist, gleichermaßen auch nach dem Heiligen Jahr weiter erstrahlen in einem Seelsorgsprogramm für die kommenden Jahre, die den Vorabend eines neuen Jahrhunderts, ja sogar den Vorabend des dritten Jahrtausends des Christentums bedeuten. In diesem Programm möge die Verkündigung des Evangeliums den grundlegenden Gedanken darstellen. MARIA, LEITSTERN DER EVANGELISIERUNG 82. Das ist der Wunsch, den Wir voller Freude den Händen und dem Herzen der allerseligsten Jungfrau Maria anvertrauen, der ohne Erbsünde Empfangenen, an diesem Tag, der ihr in besonderer Weise geweiht ist und der zugleich der 10. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils ist. Am Pfingstmorgen hat sie den Beginn der Evangelisierung mit ihrem Gebet unter dem Wirken des Heiligen Geistes eingeleitet. Möge sie der Leitstern einer sich selber stets erneuernden Evangelisierung sein! Die Kirche muß diese getreu dem Auftrag des Herrn durchführen und vollenden – ganz besonders in dieser unserer zugleich schwierigen und hoffnungsvollen Zeit! Im Namen Christi segnen Wir euch, eure Gemeinden, eure Familien, alle, die zu euch gehören, mit den Worten des hl. Paulus an die Philipper: „Ich danke meinem Gott jedesmal, wenn ich an euch denke; immer, in jedem meiner Gebete, bitte ich mit Freude für euch alle; ich danke, weil ihr euch gemeinsam für das Evangelium eingesetzt habt. . . Ich habe euch ins Herz geschlossen, denn ihr habt alle Anteil an der Gnade, die mir gewährt ist durch . . . die Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums. Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit der herzlichen Liebe, die Christus Jesus zu euch hat“ (135). Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 8. Dezember, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, des Jahres 1975, dem dreizehnten Unseres Pontifikates. PAULUS PP. VI
(1) Vgl. Lk 22, 32 (2) 2 Kor 11, 28 (3) Vgl. Ad Gentes, 1: AAS 58, 1966, S. 947 (4) Vgl. Eph 4, 24; 2, 15; Kol 3, 10; Gal 3, 27; Röm 13, 14; 2 Kor 5, 17 (5) 2 Kor 5, 20 (6) Vgl. Papst Paul VI., Ansprache zum Abschluß der dritten Generalversammlung der Bischofssynode am 26. Oktober 1974: AAS 66, 197, S. 634–635; 637 (7) Papst Paul VI., Ansprache an das Kardinalskollegium am 22. Juni 1973: AAS 65, 1973, S. 383. (8) 2 Kor 11, 28 (9) 1 Tim 5, 17 (10) 2 Tim 2, 15 (11) Vgl. 1 Kor 2, 5 (12) Lk 4, 43 (13) Ebd. (14) Lk 4, 18; Vgl. Jes 61, 1 (15) Vgl. Mk 1, 1; Röm 1, 1-3 (16) Vgl. Mt 6, 33 (17) Vgl. Mt 5, 3-12 (18) Vgl. Ebd. 5-7 (19) Vgl. Ebd. 10 (20) Vgl. Ebd. 13 (21) Vgl. Ebd. 18 (22) Vgl. Ebd. 24-25 (23) Vgl. Ebd. 24, 36; Apg 1, 7; 1 Thess 5, 1-2 (24) Vgl. Mt 11, 12; Lk 16, 16 (25) Vgl. Mt 4. 17 (26) Mk 1, 27 (27) Lk 4, 22 (28) Joh 7, 46 (29) Lk 4, 43 (30) Joh 11, 52 (31) Vgl. Dei Verbum, Nr. 4: AAS 58, 1966, S. 818-819 (32) Vgl. 1 Petr 2, 9 (33) Vgl. Apg 2, 11 (34) Lk 4, 43 (35) 1 Kor 9, 16 (36) Vgl. Erklärung der Synodalväter, Nr. 4: L'Osservatore Romano vom 27. Oktober 1974, S. 6 (37) Mt 28, 19 (38) Apg 2, 41. 47 (39) Vgl. Lumen Gentium, Nr. 8: AAS 57, 1965, S. 11; Ad Gentes, Nr. 5: AAS 58, 1966, S. 951-952 (40) Vgl. Apg 2, 42-46; 4, 32-35; 5, 12-16 (41) Vgl. Ebd. 2, 11; 1 Petr 2, 9 (42) Vgl. Ad Gentes, Nr. 5, 11, 12: AAS 58, 1966, S. 951-952, 959-961 (43) Vgl. 2 Kor 4, 5; AUGUSTINUS, Sermo XLVI, De Pastoribus: CCL XLI, S. 529-530 (44) Lk 10, 16; Vgl. CYPRIAN De Unitate Ecclesiae, 14: PL 4, 527; AUGUSTINUS Enarrat. 88, Sermo 2, 14: PL 37, 1140; JOHANNES CHRYSOSTOMUS Hom. de capto Eutropio, 6: PG 52, 402 (45) Eph 5, 25 (46) Offb 21, 5; Vgl. 2 Kor 5, 17; Gal 6, 15 (47) Vgl. Röm 6, 4 (48) Vgl. Eph 4, 23-24; Kol 3, 9-10 (49) Vgl. Röm 1, 16; 1 Kor 1, 18; 2, 4 (50) Vgl. Gaudium et Spes, Nr. 53: AAS 58, 1966, S. 1075 (51) Vgl. TERTULLIAN, Apologeticum, 39: CCL 1, S. 150.153; MINUCIUS FELI, Octavius, 9 und 31: CSLP, Turin 1963 (2), S. 11.13, 47.48 (52) 1 Petr 3, 15 (53) Vgl. Lumen Gentium, Nr. 1, 9, 48: AAS 57, 1965, S. 5, 12-14, 53-54; Gaudium et Spes, Nr. 42, 45: AAS 58, 1966, S. 1060-1061, 1065-1066; Ad Gentes, Nr. 1, 5: AAS 58, 1966, S. 947, 951-952 (54) Vgl. Röm 1, 16; 1 Kor 1, 18 (55) Vgl. Apg 17, 22-23 (56) 1 Joh 3, 1; Vgl. Röm 8, 14-17 (57) Vgl. Eph 2, 8; Röm 1, 16; Vgl. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE Declaratio ad fidem tuendam in mysteria Incarnationis et SS. Trinitatis a quibusdam recentibus erroribus (21. Februar 1972): AAS 64, 1972, S. 237-241 (58) Vgl. 1 Joh 3, 2; Röm 8, 29; Phil. 3, 20-21; Vgl. Lumen Gentium, Nr. 48-51: AAS 57, 1965, S. 53-58 (59) Vgl. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE Declaratio circa Catholicam Doctrinam de Ecclesia contra nonnullos errores hodiernos tuendam (24, Juni 1973): AAS 65, 1973, S. 396-408 (60) Vgl. Gaudium et Spes, Nr. 47-52: AAS 58, 1966, S. 1067-1074; PAPST PAUL VI. Humanae vitae: AAS 60, 1968, S. 481-503 (61) Papst Paul VI., Ansprache zur Eröffnung der dritten Generalversammlung der Bischofssynode (27. September 1974): AAS 66, 1974, S. 562 (62) Papst Paul VI., Ansprache zur Eröffnung der dritten Generalversammlung der Bischofssynode (27. September 1974): AAS 66, 1974, S. 562 (63) Papst Paul VI., Ansprache an die «Campesinos» von Kolumbien (23. August 1968): AAS 60, 1968, S. 623 (64) Papst Paul VI., Ansprache zum „Tag der Entwicklung“ in Bogotá (23. August 1968): AAS 60, 1968, S. 627; Vgl. AUGUSTINUS, Epistola 229, 2: PL 33, 1020 (65) Papst Paul VI., Ansprache zum Abschluß der dritten Generalversammlung der Bischofssynode (26. Oktober 1974): AAS 66, 1974, S. 637 (66) Papst Paul VI., Ansprache bei der Generalaudienz am 15. Oktober 1975: L'Osservatore Romano, 17. Oktober 1975, S. 1 (67) Papst Paul VI., Ansprache an die Mitglieder des Laienrates (2. Oktober 1974): AAS 66, 1974, S. 568 (68) Vgl. 1 Petr 3, 1 (69) Röm 10, 14. 17 (70) Vgl. 1 Kor 2, 1-5 (71) Röm 10, 17 (72) Vgl. Mt 10, 27; Lk 12, 3 (73) Mk 16, 15 (74) Vgl. Justinus I Apologia, 46, 1-4; II Apologia, 7 (8), l-4; 10, 1-3; 13, 3-4: Florilegium Patristicum II, Bonn 1911-2, S. 81, 125, 129, 133; Clemens von Alexandrien, Stromata I, 19, 91, 94: S. Ch. 30, S. 117-118, 119-120; Ad Gentes, Nr. 11: AAS 58, 1966, S. 960; Lumen Gentium, Nr. 17: AAS 57, 1965, S. 21 (75) Eusebius von Caesarea, Praeparatio Evangelica, I, 1: PG 21, 26-28; Vgl. Lumen Gentium, Nr. 16: AAS 57, 1965, S. 20 (76) Vgl. Eph 3, 8 (77) HENRI DE LUBAC, Le drame de l'humanisme athée, Ed. Spes, Paris 1945. (78) Vgl. Gaudium et Spes, Nr. 59: AAS 58, 1966, S. 1080 (79) 1 Tim 2, 4 (80) Mt 9, 36; 15, 32 (81) Röm 10, 15 (82) Dignitatis Humanae, Nr. 13: AAS 58, 1966, 939; S. Vgl. Lumen Gentium, Nr. 5: AAS 57, 1965, S. 7-8; Ad Gentes, Nr. 1: AAS 58, 1966, S. 947 (83) Vgl. Ad Gentes, Nr. 35: AAS 58, 1966, S. 983 (84) AUGUSTINUS, Enarrat. in Ps. 44, 23: CCL XXXVIII, S. 510; Vgl. Ad Gentes, Nr. 1: AAS 58, 1966, S. 947 (85) GREGOR DER GROSSE, Homil. in Evangelia, 19, 1: PL 76, 1154 (86) Apg 1, 8; Vgl. Didachè, 9, 1: FUNK, Patres Apostolici, 1, 22 (87) Mt 28, 20 (88) Vgl. Ebd. 13, 32 (89) Vgl. Ebd. 47 (90) Vgl. Joh 21, 11 (91) Vgl. Ebd. 10, l-16 (92) Vgl. Sacrosanctum Concilium, Nr. 37-38: AAS 56, 1964, S. 110; Vgl. auch die liturgischen Bücher und andere Dokumente, die vom Hl. Stuhl zur Durchführung der vom selben Konzil gewollten Liturgiereform veröffentlicht worden sind. (93) Papst Paul VI., Ansprache zum Abschluß der dritten Generalversammlung der Bischofssynode (26. Oktober 1974): AAS 66, 1974, S. 636 (94) Vgl. Joh 15, 16; Mk 3, 13-19; Lk 6, 13-16 (95) Vgl. Apg 1, 21-22 (96) Vgl. Mk 3, 14 (97) Vgl. Ebd. 3, 15; Lk 9, 2 (98) Apg 4, 8; Vgl. Ebd. 2, 14; 3, 12 (99) Vgl. Leo der Große, Sermo 69, 3; Sermo 70, 1-3; Sermo 94, 3; Sermo 95, 2: S. Ch. 200, S. 50-52; 58-66; 258-260; 268 (100) Vgl. I. Ökum. Konzil von Lyon, Konst. Ad apostolicae dignitatis: Conciliorum Oecumenicorum Decreta, Ed. Istituto per le Scienze Religiose, Bologna 19733, S. 278; Ökum. Konzil von Wien, Konst. Ad providam Christi, ebd., S. 343; V. Ökum. Laterankonzil, Konst. In apostolici culminis, ebd., S. 608; Konst. Postquam ad universalis, ebd., S. 609; Konst. Supernae dispositionis, ebd., S. 614; Konst. Divina disponente clementia, ebd., S. 638 (101) Ad Gentes, Nr. 38: AAS 58, 1966, S. 985 (102) Vgl. Lumen Gentium, Nr. 22: AAS 57, 1965, S. 26 (103) Lumen Gentium, Nr. 10, 37: AAS 57, 1965, S. 14, 43; Ad Gentes, Nr. 39: AAS 58, 1966, S. 986; Presbyterorum Ordinis, Nr. 2, 12, 13: AAS 58, 1966, S. 992, 1010, 1011 (104) Vgl. 1 Thess 2, 9 (105) Vgl. 1 Petr 5, 4 (106) Lumen Gentium, Nr. 11: AAS 57, 1965, S. 16; Apostolicam Actuositatem, Nr. 11: AAS 58, 1966, S. 848; Johannes Chrysostomus, In Genesim Serm. VI, 2; VII, 1: PG 54, 607-608 (107) Mt 3, 17 (108) Ebd. 4, 1 (109) Lk 4, 14 (110) Lk 4, 18. 21; Vgl. Jes 61, 1 (111) Joh 20, 22 (112) Apg 2, 17 (113) Vgl. Ebd. 4, 8 (114) Vgl. Ebd. 9, 17 (115) Vgl. Ebd. 6, 5. 10; 7, 55 (116) Vgl. Ebd. 10, 44 (117) Vgl. Ebd. 9, 31 (118) Vgl. Ad Gentes, Nr. 4: AAS 58, 1966, S. 950-951 (119) Joh 17, 21 (120) Vgl. Apg 20, 28 (121) Vgl. Presbyterorum Ordinis, Nr. 13: AAS 58, 1966, S. 1011 (122) Vgl. Hebr. 11, 27 (123) Ad Gentes, Nr. 6: AAS 58, 1966, 954955; S. Vgl. Unitatis Redintegratio, Nr. 1: AAS 57, 1965, S. 90-91 (124) Bulle Apostolorum Limina, VII: AAS 66, 1974, S. 305 (125) Röm 5, 5 (126) Vgl. Joh 8, 32 (127) 1 Thess 2, 8; Vgl. Phil. 1, 8 (128) Vgl. 1 Thess 2, 7. 11; 1 Kor 4, 15; Gal 4, 19 (129) Vgl. 1 Kor 8, 9-13; Röm 14, 15 (130) Vgl. Röm 12, 11 (131) Vgl. Dignitatis Humanae, Nr. 4: AAS 58, 1966, S. 933 (132) Ebd. 9-14: AAS 58, 1966, S. 935-940 (133) Vgl. Ad Gentes, Nr. 7: AAS 58, 1966, S. 955 (134) Vgl. Röm 1, 16 (135) Phil. 1, 3-4. 7-8
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