Index   Back Top Print

[ DE ]

PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"

 

Rückkehr zum ersten Galiläa

 Freitag, 7. Februar 2014

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 8, 21. Februar 2014

 

Jesus soll kraftvoll und klar verkündet und bezeugt werden, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wobei man stets zur Quelle der »ersten Begegnung« mit ihm zurückkehren und auch dazu imstande sein soll, die Erfahrung der »Nacht der Seele« zu durchleben. Das von Papst Franziskus entworfene »Bild des Jüngers« entspricht den Zügen Johannes des Täufers. Und gerade mit der Gestalt des Vorläufers befasste sich die Predigt des Papstes in der heiligen Messe am Freitag, 7. Februar, in der Kapelle des Hauses Santa Marta im Vatikan.

Ausgehend von der Verkündigung und dem Tod des Johannes, über die im Markusevangelium (6,14-29) berichtet wird, sagte der Papst, dass Johannes »ein Mann ist, dessen Leben nur kurze Zeit gedauert hat, wenig Zeit, um das Wort Gottes zu verkünden«. Er war »der Mann, den Gott sandte, um seinem Sohn den Weg zu bereiten«. Aber »Johannes nimmt ein übles Ende«, er wird auf Befehl des Herodes geköpft. Er wird »zum Preis, der für ein Schauspiel bezahlt wird, das dem Hof während eines Gelages dargeboten wird«. Und, so kommentierte der Papst, »wenn es einen Hof gibt, dann kann man alles nur Erdenkliche tun: Korruption, Laster, Verbrechen. Die Höfe begünstigen diese Dinge.«

Der Papst entwarf dann ein Profil Johannes des Täufers, indem er auf drei charakteristische Wesenszüge hinwies: »Was hat Johannes getan? Vor allem«, so erläuterte er, »kündigte er den Herrn an. Er kündigte an, dass der Heiland, der Herr, nah war; dass das Reich Gottes nah war.« Eine Verkündigung, die er »voller Kraft vorbrachte: er taufte und forderte alle Menschen zur Umkehr auf«. Johannes »war ein starker Mann, und er kündigte Jesus Christus an: er war der Prophet, der unmittelbar vor Jesus Christus kam. So kurz vor ihm, dass gerade er es war, der« die anderen Menschen auf Jesus »hinwies«. Und tatsächlich habe er, als er Jesu ansichtig wurde, ausgerufen: »Dieser da ist es!«

Der zweite Wesenszug seines Zeugnisses, so erläuterte der Papst, »besteht darin, dass er sich nicht dessen moralische Autorität anmaßte«, obwohl man ihm »auf einem Silbertablett die Möglichkeit« angeboten habe, »zu sagen: Ich bin der Messias!« In der Tat »verfügte Johannes über sehr viel moralische Autorität, sehr viel! Alles Volk strömte zu ihm. Das Evangelium sagt, dass sich ihm die Schriftgelehrten« näherten, um ihn zu fragen: »Was sollen wir tun?« Dasselbe habe auch das Volk getan, und die Soldaten. »Kehrt um!«, habe die Antwort des Johannes gelautet, und: »Betrügt nicht!« Auf die »Stärke« des Johannes hätten auch »die Pharisäer, die Schriftgelehrten« geschaut und hätten ihn als »einen aufrichtigen Mann« erkannt. »Deshalb sind sie zu ihm gegangen, um ihn zu fragen: Aber, bist du der Messias?« Für Johannes sei das »der Augenblick der Versuchung und der Eitelkeit gewesen«. Er hätte antworten können: »Aber darüber darf ich nicht sprechen… «, um am Ende »die Frage im Raum stehen zu lassen. Oder er hätte sagen können: Ich weiß nicht … mit falscher Bescheidenheit«. Statt dessen »war Johannes eindeutig« und habe bekräftigt: »Nein, ich bin es nicht! Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen.«

So fiel er nicht in die Versuchung, sich »den Titel anzueignen, er eignete sich die Aufgabe nicht an«. Er sagte ganz klar: »Ich bin eine Stimme, nur das. Das Wort kommt später. Ich bin eine Stimme!« Und das, so fasste der Papst zusammen, »ist das Zweite, was Johannes getan hat: nicht diese Würde rauben«. Er war »ein Mann der Wahrheit«. »Das Dritte, was Johannes getan hat«, so fuhr der Papst fort, »war die Nachfolge Christi, Jesus nachahmen. So sehr, dass zu jener Zeit die Pharisäer und Schriftgelehrten glaubten, dass er der Messias sei.« Selbst »Herodes, der Johannes hatte töten lassen, glaubte, dass Jesus Johannes sei«. Gerade dies zeigt, wie weit der Täufer »den Weg Jesu gegangen ist, gerade auf dem Weg der Erniedrigung«. Denn »Johannes hat sich erniedrigt bis zum Ende, bis zum Tod«. Und er sei einem »gleichermaßen schändlichen Tod« entgegengegangen wie der Herr: »Jesus wie ein Räuber, wie ein Dieb, wie ein Krimineller am Kreuz«, und Johannes als Opfer eines »schwachen und wollüstigen Mannes«, der sich »vom Hass einer Ehebrecherin, von der Laune einer Tänzerin« beeinflussen lässt. Es seien zwei »demütigende Arten, zu sterben«.

Genau wie Jesus, so sagte der Papst weiter, »hatte auch Johannes sein Getsemani, seine Angst im Gefängnis, als er glaubte, sich geirrt zu haben«. Aus diesem Grund »schickt er seine Jünger, um Jesus fragen zu lassen: Sag mir, bist du es oder habe ich geirrt und es ist da ein anderer?« Das sei die Erfahrung der »Nacht der Seele«, der »Nacht, die läutert«. Und »Jesus hat Johannes so geantwortet, wie der Vater Jesus antwortete: indem er ihn tröstete«. Als er über »die Nacht des Mannes Gottes, der Frau Gottes« sprach, erinnerte Papst Franziskus an das Zeugnis »der seligen Mutter Teresa von Kalkutta. Diese Frau, die von aller Welt gelobt wurde, die Nobelpreisträgerin! Aber sie wusste, dass in langen Momenten ihres Lebens in ihrem Inneren nichts als Nacht gewesen war.« Auch »Johannes durchquerte diese Nacht«, aber er war »der Ankündiger Jesu Christi; er eignete sich die Prophezeiung nicht an«, er wurde zum »Nachahmer Christi«. In Johannes haben wir also »die Ikone« und »die Berufung eines Jüngers«. Die »Quelle dieser Haltung des Jüngers« sei bereits in der biblischen Geschichte vom Besuch Marias bei Elisabet erkennbar, als »Johannes vor Freude im Leib« seiner Mutter »hüpfte«. Jesus und Johannes waren in der Tat »Vettern« und »vielleicht haben sie sich später auch getroffen«. Aber jene erste »Begegnung erfüllte das Herz des Johannes mit Freude, mit sehr großer Freude. Und sie verwandelte ihn in einen Jünger«, in den »Mann, der Jesus Christus ankündigte, der sich nicht selbst an den Platz Jesu Christi stellte und der dem Weg Jesu Christi folgte«.

Abschließend empfahl Papst Franziskus eine Gewissensprüfung »im Hinblick auf unsere Jüngerschaft «, mit Hilfe einiger Fragen: »Verkünden wir Jesus Christus? Nützen wir unser Christ-Sein, als wäre es ein Privileg, oder nicht?« Hierzu sei es wichtig, das Beispiel des Johannes anzusehen, der »sich nicht der Prophezeiung bemächtigte«. Und schließlich noch eine weitere Frage: »Gehen wir auf dem Weg Jesu Christi, dem Weg der Demütigung, der Demut, der Erniedrigung für seinen Dienst?« Wenn wir feststellen sollten, dass wir hierin »nicht standhaft« seien, dann sollten wir uns, so der Papst, »folgendes fragen: Wann hat meine Begegnung mit Jesus Christus stattgefunden, jene Begegnung, die mich mit Freude erfüllt hat?« Es sei eine Art, im Geiste zurückzukehren zu jener ersten Begegnung mit dem Herrn, »zurückzukehren zum ersten Galiläa der Begegnung: jeder von uns hat eines!« Das Geheimnis, so sagte der Papst, bestehe gerade darin, »dorthin zurückzukehren: dem Herrn wieder zu begegnen und weiterzugehen auf diesem sehr schönen Weg, auf dem er wachsen soll und wir kleiner werden müssen«.



Copyright © Dicastero per la Comunicazione - Libreria Editrice Vaticana