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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"

 

Eine handwerkliche Liebe

 Montag, 13. Januar 2014

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 4, 24. Januar 2014

 

Gott bereitet den Weg für jeden Menschen. Er tut dies voller Liebe: einer »handwerklichen Liebe«, insofern er sie persönlich für einen jeden zubereitet. Und er ist bereit dazu, jedes Mal dann einzugreifen, wenn dieser Weg zu korrigieren ist, gerade so, wie es eine Mutter und ein Vater tun. So lautet die Überlegung, die Papst Franziskus am Montag früh, 13. Januar, im Verlauf der Messe in der Kapelle von Santa Mart anstellte.

Der Papst ging aus von der Geschichte aus dem Markusevangelium (1,14-20), wo davon berichtet wird, wie Jesus nach der Verhaftung des Johannes nach Galiläa ging und den Eindruck hervorrief, dass er einen neuen Abschnitt seines Weges beginnen wollte. »Und er verkündet das Evangelium«, so merkte der Papst an, »in genau denselben Worten, die Johannes gebraucht hatte: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um! Jesus sagt haargenau dasselbe, was Johannes gesagt hatte. Johannes hatte Jesus den Weg bereitet. Und Jesus schlägt diesen Weg ein.«

»Die Wege bereiten, auch unsere Leben vorbereiten, ist gerade das, was Gott tut, was die Liebe Gottes für einen jeden von uns tut«, erläuterte der Bischof von Rom. »Er«, so fuhr er fort, »macht uns nicht in einer spontanen Eingebung zu Christen. Er bereitet unseren Weg, bereitet unser Leben schon seit langer Zeit vor.« Und unter nochmaligem Verweis auf die Schriftlesung fügte er hinzu: »Es scheint, dass Simon, Andreas, Jakobus und Johannes hier endgültig auserwählt worden seien«; das heiße aber keineswegs, dass sie von diesem Augenblick an auch »unerschütterlich treu« gewesen seien. In Wirklichkeit hätten gerade sie Fehler gemacht: sie hätten »dem Herrn höchst unchristliche Vorschläge« gemacht, ja ihn sogar verleugnet. Und Petrus mehr noch als jeder andere. Sie hätten Angst bekommen, so erläuterte der Papst, und seien »weggelaufen, sie haben den Herrn verlassen«.

Das, was Jesus seit vielen Generationen fortsetzt, so sagte der Papst weiter, sei eine Vorbereitungsarbeit. Und zur Bestätigung dessen verwies der Papst auf Hanna, die zweite Frau des Elkana, die in der ersten Schriftlesung zitiert worden war (1 Sam 1.1-8). Diese Frau »war unfruchtbar, sie weinte«, wenn die erste Frau, Peninna, die Kinder hatte, sie verspottete. Aber in Hannas Tränen sei bereits die Vorbereitung der Geburt des großen Samuel vorgezeichnet gewesen. »So bereitet uns der Herr seit vielen Generationen vor«, präzisierte der Papst. »Und wenn die Dinge nicht gut gehen, dann mischt er sich in die Geschichte ein« und bringt sie in Ordnung. In Jesu eigenem Stammbaum, so erinnerte er, gebe es »Sünder und Sünderinnen. Aber was hat der Herr getan? Er hat sich eingemischt; er hat den Weg korrigiert, er hat die Dinge in Ordnung gebracht. Denken wir etwa an den großen David, der erst ein großer Sünder und dann ein großer Heiliger war. Der Herr weiß. Wenn der Herr zu uns sagt: ich habe dich aus aller Ewigkeit geliebt, dann meint er genau dies. Der Herr hat schon seit vielen Generationen ›an uns‹ gedacht.« Und so begleite er uns und empfinde dieselben Gefühle wie wir, wenn wir uns anschicken, zu heiraten, wenn wir ein Kind erwarten: »er erwartet uns und er begleitet uns« in jedem einzelnen Augenblick unserer Geschichte.

»Das«, so betonte der Papst, »ist die ewige Liebe des Herrn. Ewig, aber ganz konkret. Eine durchaus auch ›handwerkliche‹ Liebe, denn er macht die Geschichte und bereitet den Weg für einen jeden von uns. Und das ist die Liebe Gottes.«

Darauf wandte sich der Papst an eine Gruppe von Priestern, die aus Anlass ihres sechzigjährigen Weihejubiläums konzelebriert hatten, und sagte: »Denkt an die sechzig Jahre, in denen ihr die heilige Messe gefeiert habt. Wie viele Dinge haben sich ereignet. Wie viele Dinge. Der Herr war da, um den Weg auch für jene zu bereiten, die uns nicht bekannt sind, die er aber kennt.« Er sei »der Herr der Vorbereitung, der uns schon immer liebt und uns niemals verlässt.« Vielleicht, so gab er zu, »ist dies ein nicht gerade leicht zu glaubender Glaubensakt, das ist wahr. Denn unser

Vernunftdenken bringt uns dazu, zu sagen: Aber warum sollte der Herr – angesichts all der vielen Menschen, mit denen er zu tun hat – an mich denken?« Und doch »hat er mir den Weg bereitet, über unsere Mütter, unsere Großmütter, unsere Väter, unsere Großväter, und die Urgroßeltern: so tut der Herr. Und das ist seine Liebe: konkret, ewig und auch ganz handwerklich.

»Lasst uns beten«, lautete die abschließende Aufforderung, »und bitten wir dabei um die Gnade, die Liebe Gottes zu verstehen. Aber ganz versteht man sie nie, nicht wahr? Man spürt sie, man weint, aber verstehen – man versteht sie nicht. Auch das läßt uns erkennen, wie groß diese Liebe ist«.



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