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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"

  

 In einem sanften, leisen Säuseln

 Freitag, 13. Juni 2014

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 26, 27. Juni  2014

 

Bevor der Herr uns eine Sendung anvertraut, bereitet er uns vor, indem er uns durch einen Prozess der Läuterung und der Entscheidungsfindung auf die Probe stellt. Die Geschichte des Propheten Elija hat den Papst in der Messe, die er am Freitagmorgen, 13. Juni, in der Kapelle der »Casa Santa Marta« gefeiert hat, zum Nachdenken über diese Grundregel des christlichen Lebens angeregt. »In der ersten Lesung« – so der Papst mit Bezug auf den Abschnitt aus dem Ersten Buch der Könige (19,9.11-16) – »haben wir die Geschichte von Elija gehört: wie der Herr einen Propheten vorbereitet, wie er in seinem Herzen wirkt, damit dieser Mann dem Wort des Herrn treu ist und den Willen des Herrn tut.«

Der Prophet Elija »war ein starker Mensch mit großem Glauben. Er hatte dem Volk vorgeworfen, Gott zu verehren und zugleich die Götzen zu verehren: Aber wenn es die Götzen verehrte, dann verehrte es Gott schlecht! Und wenn es Gott verehrte, dann verehrte es die Götzen schlecht!« Darum habe Elija gesagt, dass das Volk »nach zwei Seiten schwankt«, keine Stabilität besitze und nicht fest im Glauben sei. In seiner Sendung »war er mutig« und habe am Ende die Propheten des Baal auf dem Berg Karmel herausgefordert und sie besiegt. »Und um die Geschichte zu beenden, hat er sie alle getötet« und habe so dem Götzendienst »in jenem Teil des Volkes Israel« ein Ende gesetzt. Elija also »war glücklich, weil die Kraft des Herrn mit ihm war«.

»Am Tag darauf jedoch«, so der Papst weiter, »bedrohte ihn die Königin Isebel – sie war die Frau des Königs, aber sie war die eigentliche Herrscherin – und sagte zu ihm, dass sie ihn töten würde.« Angesichts dieser Bedrohung »geriet Elija in solche Angst, dass er sehr niedergeschlagen war: Er ging weg und wollte sterben.« Ausgerechnet der Prophet, der am Tag zuvor »so mutig gewesen war und gesiegt hatte« über die Propheten des Baal, »ist heute niedergeschlagen, will nicht essen und will sterben, so deprimiert war er«. Und all das, erläuterte der Papst, »wegen der Drohung einer Frau«. Also hatten »die 400 Propheten des Götzen Baal ihn nicht erschreckt, diese Frau dagegen schon!« Diese Geschichte »zeigt uns, wie der Herr vorbereitet « auf die Sendung. Denn Elija »ging deprimiert in die Wüste, um zu sterben und legte sich hin, um auf den Tod zu warten. Aber der Herr ruft ihn.« Er fordere ihn auf, etwas Brot zu essen und zu trinken, denn, so sage er zu ihm, »du musst noch weit gehen«. Elija also »isst, trinkt, aber dann legt er sich wieder hin, um zu sterben. Und der Herr ruft ihn noch einmal: Geh voran, geh voran!«

Das Problem sei, dass Elija »nicht wusste, was er tun sollte, aber er spürte, dass er auf den Berg steigen sollte, um Gott zu finden. Er war mutig und ist dorthin gegangen, mit der Demut des Gehorsams. Denn er war gehorsam.« Selbst im Zustand der Niedergeschlagenheit und »mit großer Angst« ist Elija »auf den Berg gestiegen, um Gottes Botschaft, Gottes Offenbarung zu empfangen: Er betete, weil er gut war, aber er wusste nicht, was geschehen würde. Er wusste es nicht, er war dort und wartete auf den Herrn.« Im Alten Testament heiße es: »Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus Doch der Herr war nicht im Sturm.« Elija, erläuterte der Papst, »merkte, dass der Herr nicht dort war«. Weiter heiße es in der Schrift: »Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben.« Elija, so der Papst, »wusste also zu erkennen, dass der Herr nicht im Erdbeben war und nicht im Sturm war«. Und weiter berichte das Erste Buch der Könige nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.« Und »als er es hörte, merkte Elija«, dass »es der Herr war, der vorüberging, hüllte sein Gesicht in den Mantel und betete den Herrn an«. Denn, so der Bischof von Rom, »der Herr war nicht im Wind, im Erdbeben oder im Feuer, sondern in jenem sanften, leisen Säuseln: im Frieden «. Oder »wie es im Original genau heißt, mit einem wunderschönen Ausdruck: Der Herr war in einer Spur klangvoller Stille.«

Elija also »kann erkennen, wo der Herr ist, und der Herr macht ihn bereit mit der Gabe der Unterscheidung«. Dann vertraut er ihm seine Sendung an: »Du warst auf die Probe gestellt, du hast dich der Prüfung der Depression unterzogen «, der Niedergeschlagenheit, »des Hungers; deine Unterscheidungsgabe wurde auf die Probe gestellt«, aber jetzt – so heiße es in der Schrift – »geh deinen Weg durch die Wüste zurück, und begib dich nach Damaskus! Bist du dort angekommen, salbe Hasaël zum König über Aram! Jehu, den Sohn Nimschis, sollst du zum König von Israel salben, und Elischa … salbe.« Genau das sei die Sendung, die Elija erwarte, erläuterte der Papst. Und der Herr habe ihn jenen langen Weg zurücklegen lassen, um ihn auf die Sendung vorzubereiten. Vielleicht, so könne man einwenden, wäre es »viel leichter gewesen zu sagen: Du warst so mutig, jene 400 zu töten, jetzt geh und salbe diesen!« Aber »der Herr bereitet die Seele vor, bereitet das Herz vor, und er bereitet es in der Prüfung vor, er bereitet es im Gehorsam vor, er bereitet es in der Beharrlichkeit vor«.

Und »so ist das christliche Leben«, betonte der Papst. Denn »wenn der Herr uns eine Sendung, eine Arbeit anvertrauen will, dann bereitet er uns darauf vor, sie gut zu tun«, genau »wie er Elija vorbereitet hat«. Das Wichtige »ist nicht, dass er dem Herrn begegnet ist«, »sondern der ganze Weg, der zu der Sendung führt, die der Herr ihm anvertraut «. Und genau »das ist der Unterschied zwischen der apostolischen Sendung, die der Herr uns schenkt, und einer menschlichen, ehrbaren, guten Aufgabe«. Also »wenn der Herr eine Sendung schenkt, lässt er uns stets in einen Prozess der Läuterung, einen Prozess der Unterscheidung, einen Prozess des Gehorsams, einen Prozess des Gebets eintreten«. So, betonte er noch einmal, »ist das christliche Leben«, also »die Treue zu diesem Prozess, uns vom Herrn führen zu lassen«.

In der Geschichte von Elija sei eine große Lehre enthalten. Der Prophet »hatte Angst, und das ist sehr menschlich«, denn Isebel »war eine böse Königin, die ihre Feinde tötete«. Elija »hat Angst, aber der Herr ist mächtiger«, und er lasse ihn verstehen, dass er »die Hilfe des Herrn braucht in der Vorbereitung auf die Sendung«. Elija also »geht, gehorcht, leidet, denkt nach, betet und findet den Herrn«. Papst Franziskus schloß mit einem Gebet: »Der Herr schenke uns die Gnade, uns jeden Tag auf dem Weg unseres Lebens vorbereiten zu lassen, damit wir das Heil Jesu bezeugen können.«

 


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