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HEILIGE MESSE MIT PRIESTERWEIHEN

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS

Petersdom
Sonntag, 25. April 2021

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Liebe Brüder und Schwestern,

diese unsere Brüder und Söhne sind zum Priestertum berufen worden. Bedenken wir aufmerksam, welches Dienstamt sie in der Kirche übernehmen werden. Wie ihr ja wisst, ist Jesus, der Herr, der einzige Hohepriester des Neuen Bundes. Aber in ihm ist auch das ganze heilige Volk Gottes ein priesterliches Volk. Doch will der Herr Jesus unter all seinen Jüngern einige von ihnen in besonderer Weise auserwählen, damit sie zum Wohl aller Menschen in seinem Namen das priesterliche Amt in der Kirche öffentlich ausüben und so seine persönliche Sendung des Lehrers, Priesters und Hirten fortführen.

Nach reiflicher Überlegung nehmen wir nun diese unsere Brüder in die Gemeinschaft der Presbyter auf, damit sie im Dienst Christi, des Lehrers, des Priesters und des Hirten dazu beitragen, den Leib Christi, die Kirche, aufzubauen als Volk Gottes und heiliger Tempel des Heiligen Geistes. Ihr, liebe Söhne, werdet nun in die Gemeinschaft der Presbyter aufgenommen. Bedenkt, dass ihr bei der Ausübung des Lehramtes an der Sendung Christi, des einzigen Lehrers, teilhaben werdet.

[Nach diesen Worten, die in der italienischen Ausgabe des Pontificale Romanum für die Priesterweihe vorgesehen sind, setzte der Papst die Predigt in freier Rede fort und sagte:]

Ihr werdet Hirten sein wie er. Das ist es, was er von euch will. Hirten. Hirten des heiligen gläubigen Gottesvolkes. Hirten, die mit dem Volk Gottes gehen: manchmal vor der Herde, manchmal mitten unter ihr und manchmal dahinter. Aber sie sind immer dort, beim Volk Gottes. Zu einer gewissen Zeit – in der Ausdrucksweise einer gewissen Zeit – sprach man von der »kirchlichen Laufbahn«, was nicht dieselbe Bedeutung hatte wie heute. Das ist keine »Karriere«: Es ist ein Dienst, ein Dienst wie der, den Gott an seinem Volk getan hat. Und dieser Dienst Gottes an seinem Volk hat »Merkmale«, hat einen Stil, ein Stil, dem ihr folgen müsst. Einen Stil der Nähe, einen Stil des Mitleids und einen Stil der Zärtlichkeit. Das ist der Stil Gottes. Nähe, Mitleid, Zärtlichkeit.

Die Nähe. Die vier Formen des Naheseins eines Priesters, es sind vier. Nähe zu Gott im Gebet, in den Sakramenten, in der heiligen Messe. Mit dem Herrn sprechen, dem Herrn nahe sein. Er ist uns nahe gekommen in seinem Sohn. Die ganze Geschichte seines Sohnes. Er war auch euch nahe, jedem von euch, im Lauf eures Lebens bis zu diesem Augenblick. Auch in den schlimmen Augenblicken der Sünde, er war da. Nähe. Seid dem heiligen gläubigen Volk Gottes nahe! Aber vor allem Gott nahe im Gebet. Ein Priester, der nicht betet, löscht langsam das Feuer des Heiligen Geistes in sich aus. Nähe zu Gott.

Zweitens: Nähe zum Bischof, und in diesem Fall zum »Vize-Bischof«. Nahe sein, denn im Bischof werdet ihr Einheit haben. Ihr seid, ich möchte nicht sagen »Diener« – denn ihr seid Diener Gottes –, sondern »Mitarbeiter« des Bischofs. Nähe. Ich erinnere mich an einen Fall vor langer Zeit, als ein Priester das Pech hatte – sagen wir es einmal so –, dass ihm ein »Ausrutscher« passiert ist… Das erste, an das er gedacht hat, war den Bischof anzurufen. Auch in den schlimmen Momenten ruft man den Bischof an, um ihm nahe zu sein. Nähe zu Gott im Gebet, Nähe zum Bischof. »Aber ich mag diesen Bischof nicht…« Aber er ist dein Vater. »Aber der Bischof behandelt mich schlecht…« Sei demütig, geh’ zum Bischof! Drittens: die Nähe unter euch. Und ich möchte euch etwas vorschlagen, was ihr an diesem Tag tun könnt: Niemals schlecht über einen priesterlichen Mitbruder reden. Wenn ihr etwas gegen einen anderen habt, dann seid Männer, habt Mumm: Geht zu ihm und sagt es ihm ins Gesicht! »Aber das ist etwas sehr Schlimmes… Ich weiß nicht, wie er es aufnehmen wird…« Geh zum Bischof, er wird dir helfen. Aber niemals, niemals schlecht reden. Seid keine Schwätzer. Verfallt nicht dem Tratsch. Unter euch soll Einheit herrschen: im Priesterrat, in den Kommissionen, bei der Arbeit. Nähe unter euch und zum Bischof.

Und viertens: Für mich ist nach der Nähe zu Gott die wichtigste Nähe die zum heiligen gläubigen Gottesvolk. Niemand von euch hat studiert, um Priester zu werden. Ihr habt die kirchlichen Wissenschaften studiert, wie die Kirche sagt, dass man es tun muss. Aber ihr seid erwählt worden, aus dem Volk Gottes genommen. Der Herr hat zu David gesagt: »Ich habe dich von der Herde weggeholt.« Vergesst nicht, woher ihr gekommen seid: aus euren Familien, aus eurem Volk… Verliert nicht den Spürsinn des Gottesvolkes.

Paulus sagte zu Timotheus: »Denk an deine Mutter, an deine Großmutter…« Ja, woher du gekommen bist. Und jenes Volk Gottes… Der Verfasser des Hebräerbriefs sagt: »Denkt an jene, die euch den Glauben verkündet haben.« Priester des Volkes, keine Funktionäre! Die vier Formen der Nähe des Priesters: Nähe zu Gott, Nähe zum Bischof, Nähe unter euch, Nähe zum Volk Gottes. Der Stil der Nähe ist der Stil Gottes. Aber der Stil Gottes ist auch ein Stil des Mitleids und der Zärtlichkeit. Das Herz nicht vor den Problemen verschließen. Und ihr werdet viele Probleme zu sehen bekommen! Wenn die Menschen zu euch kommen, um von ihren Problemen zu sprechen, dann weil sie begleitet werden wollen… Verliert Zeit, indem ihr zuhört und tröstet! Mitleid, das dich zur Vergebung führt, zur Barmherzigkeit. Bitte: Seid barmherzig, seid Vergebende! Denn Gott vergibt alles, er wird nicht müde zu vergeben. Wir sind es, die müde werden, um Vergebung zu bitten. Nähe und Mitleid. Aber zärtliches Mitleid, mit jener familiären, brüderlichen, väterlichen Zärtlichkeit… mit jener Zärtlichkeit, die dich spüren lässt, dass du im Haus Gottes bist. Ich wünsche euch diesen Stil, diesen Stil, der der Stil Gottes ist.

Und dann habe ich bereits in der Sakristei etwas angedeutet. Aber ich möchte es auch hier vor dem Volk Gottes kurz sagen. Bitte, haltet euch fern von der Eitelkeit, vom Stolz des Geldes. Der Teufel kommt »durch die Taschen«. Denkt daran. Seid arm, wie auch das heilige gläubige Volk Gottes arm ist. Arme, die Arme lieben. Seid keine Karrieristen! Die »kirchliche Karriere«… Dann wirst du ein Funktionär, und wenn ein Priester beginnt, den Unternehmer zu spielen, sowohl der Pfarrei als auch des Kollegs… wo auch immer, dann verliert er die Nähe zum Volk, er verliert jene Armut, die ihn dem armen und gekreuzigten Christus ähnlich sein lässt, und so wird er ein Unternehmer, ein Unternehmer-Priester und kein Diener. Ich habe eine Geschichte gehört, die mich sehr bewegt hat. Ein sehr intelligenter, sehr praktisch veranlagter, sehr fähiger Priester, der viel Verwaltungsarbeit verschiedener Art erledigte und der mit dem Herzen sehr an dieser Aufgabe hing, hat eines Tages, als er sah, dass einer seiner Angestellten, ein älterer Mann, einen Fehler gemacht hatte, diesen zurechtgewiesen und rausgeworfen. Und dieser alte Mann starb deswegen. Jener Mann war zum Priester geweiht worden und endete als gnadenloser Unternehmer.

Habt immer dieses Bild vor Augen, immer dieses Bild: Hirten, die Gott, dem Bischof, unter euch und dem Volk Gottes nahe sind. Hirten: Diener als Hirten, nicht Unternehmer. Und haltet euch vom Geld fern! Und dann denkt daran, dass dieser Weg der vier Arten des Naheseins schön ist, dieser Weg, Hirten zu sein, denn Jesus tröstet die Hirten, weil er der Gute Hirt ist. Und sucht Trost in Jesus, sucht Trost bei der Muttergottes – vergesst die Mutter nicht –, sucht den Trost immer dort: von dort getröstet werden.

Und legt die Kreuze – es wird deren einige in eurem Leben geben – in die Hände Jesu und der Muttergottes. Und habt keine Angst, habt keine Angst! Wenn ihr dem Herrn, dem Bischof, einander und dem Volk Gottes nahe seid, dann werdet ihr den Stil Gottes haben – Nähe, Mitleid und Zärtlichkeit. Habt keine Angst, alles wird gut werden.

 



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