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BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
ZUR KAMPAGNE DER GESCHWISTERLICHKEIT IN BRASILIEN

 

Liebe Brüder und Schwestern in Brasilien!

Mit dem Beginn der Fastenzeit sind wir zu einer Zeit des intensiven Nachdenkens und der Überprüfung unseres Lebens eingeladen. Jesus, der Herr, lädt uns ein, mit ihm in der Wüste auf den österlichen Sieg über Sünde und Tod zuzugehen, und wird selbst auch in dieser Zeit der Pandemie zum Weggefährten an unserer Seite.

Er ruft uns und lädt uns ein, für die Verstorbenen zu beten, ein Lob anzustimmen für den selbstlosen Dienst so vieler Mitarbeiter im Gesundheitswesen sowie die Solidarität unter den Menschen guten Willens zu fördern. Er lädt uns ein, für uns selbst und unsere Gesundheit zu sorgen und füreinander da zu sein, wie er es uns im Gleichnis vom barmherzigen Samariter lehrt (vgl. Lk 10,25-37). Wir müssen die Pandemie überwinden, und wir werden dies in dem Maße tun, in dem wir in der Lage sind, Spaltungen zu überwinden und uns um das Leben zu vereinen. Wie ich in meiner jüngsten Enzyklika Fratelli tutti gesagt habe: »Ist die Gesundheitskrise einmal überstanden, wäre es die schlimmste Reaktion, noch mehr in einen fieberhaften Konsumismus und in neue Formen der egoistischen Selbsterhaltung zu verfallen« (Nr. 35). Damit dies nicht geschieht, ist die österliche Bußzeit eine große Hilfe für uns, denn sie ruft uns durch Gebet, Fasten und Almosen zur Umkehr auf.

Wie es schon seit mehreren Jahrzehnten Tradition ist, veranstaltet die Kirche in Brasilien die Kampagne der Brüderlichkeit als konkrete Hilfe, um diese Zeit der Vorbereitung auf Ostern zu leben. In diesem Jahr 2021 sind die Gläubigen unter dem Thema »Geschwisterlichkeit und Dialog: Einsatz für die Liebe« eingeladen, sich »hinzusetzen und dem anderen zuzuhören« und so die Hindernisse einer Welt zu überwinden, die sehr oft »eine taube Welt« ist. Wenn wir zum Dialog bereit sind, verwirklichen wir »das Paradigma einer aufnahmebereiten Haltung«, in der man »den Narzissmus überwindet« und »den anderen willkommen heißt« (ebd., 48). Und das Fundament für diese erneuerte Kultur des Dialogs ist Jesus, der »unser Friede ist und der vereint, was getrennt war« (vgl. Eph 2,14).

Indem die Kampagne der Brüderlichkeit den Dialog als Einsatz aus Liebe fördert, verweist sie außerdem darauf, dass die Christen als erste aufgerufen sind, mit gutem Beispiel voranzugehen, angefangen von der Praxis des ökumenischen Dialogs. Mit der sicheren Überzeugung, dass »wir Pilger sind und dass wir gemeinsam pilgern«, können wir im ökumenischen Dialog wirklich »das Herz ohne Ängstlichkeit dem Weggefährten anvertrauen, ohne Misstrauen, und vor allem auf das schauen, was wir suchen: den Frieden im Angesicht des einen Gottes« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 244). Hoffnung weckt daher die Tatsache, dass die Kampagne der Brüderlichkeit in diesem Jahr zum fünften Mal gemeinsam mit allen Kirchen stattfindet, die zum Nationalrat der christlichen Kirchen Brasiliens (Conic) gehören.

In der Treue zum einen Herrn Jesus Christus, der uns das Gebot gegeben hat, einander so zu lieben, wie er uns geliebt hat (vgl. Joh 13,34), leisten die brasilianischen Christen »ausgehend von der Wertschätzung jedes Menschen als Geschöpf mit der Berufung zur Gotteskindschaft […] einen wertvollen Beitrag zum Aufbau von Geschwisterlichkeit und zur Verteidigung der Gerechtigkeit in der Gesellschaft« (Enzyklika Fratelli tutti, 271). Die Fruchtbarkeit unseres Zeugnisses wird auch von unserer Dialogfähigkeit abhängen sowie davon, Aspekte der Einheit zu finden und sie in Aktionen für das Leben, insbesondere für das Leben der Schwächsten, umzusetzen. Indem ich die Gnade einer fruchtbaren Kampagne der Ökumenischen Brüderlichkeit wünsche, erteile ich jedem und jeder Einzelnen den Apostolischen Segen und bitte euch, nie aufzuhören, für mich zu beten.

Rom, St. Johannes im Lateran

Franziskus

 


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