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ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER AM NATIONALKONGRESS
DER LEBENSHILFEZENTREN

Sala Regia
Freitag, 6. November 2015

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Liebe Brüder und Schwestern
aus der Bewegung für das Leben!

Ihr seid aus allen Teilen Italiens nach Rom gekommen, um an eurem Nationalkongress teilzunehmen und euren Einsatz zu erneuern, das menschliche Leben zu schützen und zu fördern. Ich begrüße euch alle herzlich, begonnen bei eurem Präsidenten, dem ich für seine einleitenden Worte zu dieser Begegnung danke. Ich ermutige euch, euer wichtiges Werk zugunsten des Lebens von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende fortzusetzen und auch die Notlagen im Auge zu behalten, die viele Brüder und Schwestern zu bewältigen und zuweilen zu erdulden haben.

In der Dynamik des Lebens steht alles in Beziehung zueinander, und man muss die persönliche und gesellschaftliche Sensibilität sowohl gegenüber der Annahme eines neuen Lebens als auch gegenüber Situationen der Armut und der Ausbeutung fördern, die die Schwachen und Benachteiligten treffen. Wie zum einen »ein erzieherischer Weg, die Schwachen anzunehmen, die uns umgeben […], nicht machbar scheint, wenn man einen menschlichen Embryo nicht schützt« (Enzyklika Laudato si), so ist zum anderen das »Leben selbst ein Geschenk, das vor verschiedenen Formen des Niedergangs geschützt werden muss« (ebd., 5). Denn wir müssen schmerzlich feststellen, dass es sehr viele von notvollen Lebenssituationen geprüfte Menschen gibt, die unsere Aufmerksamkeit und unseren solidarischen Einsatz brauchen.

Euer Dienst ist kein bloßer Sozialdienst, der doch notwendig und edel ist. Dem verwundeten menschlichen Leben zu dienen bedeutet für die Jünger Christi, auf die bedürftigen Menschen zuzugehen, an ihrer Seite zu sein, ihre Schwäche und ihr Leid auf sich zu nehmen, damit sie sich wieder erheben können. Wie viele Familien sind aufgrund von Armut, Krankheit, Arbeitslosigkeit und fehlender Wohnung verletzlich! Wie viele alte Menschen leiden unter der Last von Schmerz und Einsamkeit! Wie viele junge Menschen sind orientierungslos, bedroht von Abhängigkeiten und anderen Formen der Sklaverei. Sie warten darauf, wieder Vertrauen in das Leben zu gewinnen!

Diese an Leib und Seele verwundeten Menschen sind ein Bild des Mannes aus dem Evangelium, der auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho Räubern in die Hände fällt, die ihn ausrauben und niederschlagen. Er erlebte zuerst die Gleichgültigkeit einiger und dann die Nähe des barmherzigen Samariters (vgl. Lk 10,30-37). Auf diesem Weg, der durch die Wüste des Lebens führt, gibt es auch in unserer Zeit noch viele Verletzte durch die Wegelagerer der heutigen Zeit, die sie nicht nur ihres Hab und Gutes berauben, sondern auch ihrer Würde. Und angesichts des Schmerzes und der Not dieser unserer wehrlosen Brüder und Schwestern drehen sich einige weg oder gehen weiter, während andere stehenbleiben und mit großherziger Hingabe auf ihren Hilfeschrei antworten. Ihr habt euch als Mitglieder der Bewegung für das Leben in 40-jähriger Aktivität bemüht, den barmherzigen Samariter nachzuahmen. Angesichts der verschiedenen Bedrohungen des menschlichen Lebens wart ihr an der Seite der Schwächen des Nächsten, habt ihr euch eingesetzt, damit diejenigen, die in prekären Situationen leben, nicht ausgegrenzt und »weggeworfen« werden. Durch das engmaschige Netz der in ganz Italien verbreiteten »Zentren für das Leben« wart ihr für viele Menschen Anlass zu Hoffnung und Neugeburt.

Ich danke euch für das Gute, das ihr getan habt und mit großer Liebe tut. Ich ermutige euch, vertrauensvoll diesen Weg weiterzugehen und barmherzige Samariter zu sein! Werdet nicht müde, euch für die Verteidigung der Schutzlosesten einzusetzen, die ein Recht haben, zum Leben geboren zu werden, wie auch für alle, die ein gesünderes und würdevolleres Leben erstreben. Insbesondere muss man sich auf verschiedenen Ebenen und mit Ausdauer für die Förderung und den Schutz der Familie einsetzen, die erste Ressource der Gesellschaft, vor allem in Bezug auf das Geschenk der Kinder und die Bekräftigung der Würde der Frau. In diesem Zusammenhang möchte ich unterstreichen, dass ihr in eurer Aktivität stets alle angenommen habt, ohne Ansehen von Religion oder Nationalität. Die hohe Zahl vor allem immigrierter Frauen, die sich an eure Zentren wenden, zeigt, dass die Frau trotz der Probleme und negativen Beeinflussung in der Lage ist, in ihrem Inneren das Bewusstsein für die Liebe, das Leben und die Mutterschaft siegen zu lassen.

Liebe Brüder und Schwestern, ich bin sicher, dass eure Aktivität und vor allem eure Spiritualität vom bevorstehenden Heiligen Jahr der Barmherzigkeit in besonderer Weise profitieren werden. Es möge für euch ein starker Impuls zur inneren Erneuerung sein, um »barmherzig zu sein, wie es auch unser Vater ist« (vgl. Lk 6,36). Einen jeden von euch und all eure guten Vorhaben vertraue ich Maria an, der Mutter der Lebenden. Ich begleite euch mit meinem Segen und bitte euch, für mich zu beten.

 



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