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HEILIGE MESSE MIT BISCHOFSWEIHEN

PREDIGT VON PAPST LEO XIV.

Lateranbasilika
Samstag, 2. Mai 2026

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Liebe Brüder und Schwestern,

wenn wir uns an Christus binden, werden wir zu einem stabilen und einladenden Haus: Das ist die Freude, die wir vor allem in der Osterzeit erfahren, und ganz besonders heute, da wir vier neue Weihbischöfe der Diözese Rom weihen.

Diese Ortskirche hat dank ihrer besonderen Verbindung zu Christus, dem Auferstandenen und Lebendigen, der das Fundament des geistlichen Gebäudes aus lebendigen Steinen bildet, also des heiligen Gottesvolkes, eine besondere Berufung zur Universalität und zur Nächstenliebe. Sich Christus zu nähern bedeutet somit, einander näherzukommen und gemeinsam in der Einheit zu wachsen: Das ist das Geheimnis, das uns umfasst und auch die Stadt von innen heraus verwandelt. Im Dienst an dieser Dynamik, die von den Aposteln Petrus und Paulus nach Rom gebracht wurde, werden unsere Brüder Andrea, Stefano, Marco und Alessandro zum Bischof geweiht. Es ist ein Fest des Volkes, denn sie kommen aus diesem Volk und aus dem Presbyterium, das sich liebevoll um sie kümmert.

Unsere Diözesangemeinschaft versammelt sich heute im Gebet um den Heiligen Geist, der die neuen Bischöfe salben wird, damit sie sich ganz dem Dienst am Evangelium Christi weihen. Er ist der verworfene Stein, der, »von Gott auserwählt«, zum »Eckstein« geworden ist (1Petr 2,4.7; vgl. Ps 118,22).

Den ersten Christen muss diese Metapher, die ihnen aus einem Psalm so vertraut war, besonders aufschlussreich erschienen sein. Jesus, der Messias, war nicht nur deshalb verworfen worden, weil er nicht als Sohn Gottes anerkannt wurde, sondern auch, weil er die Gestalt eines Geschöpfes angenommen hatte, die als Gottes unwürdig angesehen wurde. Getreu diesem Weg barmherziger Liebe suchte er die verstoßenen Schafe auf, setzte sich mit ihnen an den Tisch und entwaffnete die Hände und Herzen derer, die sie steinigen wollten. Wie es das in dieser Liturgie verkündete Evangelium sagt, hat der Sohn auf diese Weise das Antlitz des Vaters gezeigt: In ihm finden seine Werke ihre Erfüllung. »Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist?« (Joh  14,8-9).

Kirche, die du in Rom lebst, der verworfene Stein ist das Herz der messianischen Verkündigung gegenüber jenen, die die Gesellschaft verworfen hat und weiterhin verwirft. Er ist das Herz unserer Verkündigung, unserer Sendung. Wir haben gesehen, wie der Heilige die Unreinen berührte, wie der Gerechte den Sündern vergab, wie das Leben die Kranken heilte, wie der Meister die schmutzigen und müden Füße seiner Jünger wusch.

In dieser Stadt, der Hauptstadt des großen Reiches, wurde der verworfene Stein zum Banner einer neuen Hoffnung, nämlich der Hoffnung auf das Reich Gottes, so wie es die Seligpreisungen in Aussicht stellen und das Magnifikat besingt. Indem die Logik der Herrschaft umgekehrt wird – jene derer, die den sinnlosen Ehrgeiz verfolgen, die Architektur der Erde zu bestimmen –, geschieht es in Christus, dass die Ausgestoßenen ihre Würde wiederfinden und sich für das Reich Gottes auserwählt sehen. »Wenn es nicht so wäre«, sagt Jesus zu seinen Jüngern, »hätte ich euch dann gesagt: ›Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?‹ Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.« (Joh 14,2-3)

Liebe Schwestern und Brüder, genau deshalb wird man bis heute zu Steinen, die von den Menschen verworfen und von Gott erwählt sind: Wenn man sich mit seinem Leben und seinen Worten den Plänen widersetzt, die die Schwachen unterdrücken, die Würde jedes Menschen missachten, die Konflikte ausnutzen, um die Stärksten auszuwählen, während sie diejenigen vernachlässigen, die zurückbleiben, denen nichts gelingt, und diejenigen, die versagen, als Abfall der Geschichte betrachten. Jesus ist als unbewaffneter und entwaffnender Prophet unter uns gewandelt, und als er verworfen wurde, hat er seinen Stil nicht geändert.

Und nun wende ich mich an euch, liebe Brüder, die ihr von heute an Weihbischöfe dieser Kirche sein werdet, deren Sorge mir als Gabe anvertraut wurde; an euch, die ihr mir gemeinsam mit dem Kardinalvikar helfen könnt, für das römische Volk ein Abbild des Guten Hirten zu sein und der Nächstenliebe des ganzen heiligen Gottesvolkes, das über die Erde verstreut ist, vorzustehen.

Ich ermutige euch, zu den verworfenen Steinen dieser Stadt zu gehen und ihnen zu verkünden, dass in Christus, unserem Eckstein, niemand davon ausgeschlossen ist, ein aktiver Teil des heiligen Gebäudes, das die Kirche ist, und der Geschwisterlichkeit unter den Menschen zu werden. In diesem Bild hallt der Aufruf des Apostolischen Schreibens Evangelii gaudium von Papst Franziskus wider: eine Kirche zu sein, die ein »Feldlazarett« ist, Seelsorger auf der Straße zu sein, die materiellen und existenziellen Peripherien im Herzen zu tragen. Als Priester habt ihr diesen Aufruf angenommen, gemeinsam mit den Pfarrgemeinden, die ihr begleitet habt. Nun kommt ein neuer Ruf, eine weitere Berufung, die immer denselben Kern hat: Niemand, wirklich niemand darf sich als von Gott verworfen betrachten, und ihr werdet Verkünder dieser frohen Botschaft sein, die im Zentrum des Evangeliums steht. Lasst den Geist der Prophetie in euch wirken: Gebt euch nicht mit den Privilegien zufrieden, die euch eure Stellung bieten könnte, folgt nicht der weltlichen Logik der ersten Plätze, seid Zeugen Christi, der nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (vgl. Mk 10,45). Ihr werdet Propheten in eurem Dienst sein, wenn ihr Männer des Friedens und der Einheit seid, die mit Banden der Gnade und Barmherzigkeit die weiten und bevölkerungsreichen Räume dieser Diözese zusammenfügen, die Unterschiede in Einklang bringen, aufnehmend, zuhörend, vergebend.

Lasst euch nicht suchen, sondern lasst euch finden. Und sorgt dafür, dass sich die Priester, Diakone, Ordensfrauen und Ordensmänner sowie die im Apostolat tätigen Laien niemals allein fühlen. Helft ihnen, in ihren verschiedenen Diensten die Hoffnung wiederzubeleben und sich als Teil ein und derselben Sendung zu fühlen. Wisst immer, unermüdlich, die Menschen und Gemeinschaften zu motivieren, indem ihr in aller Einfachheit die Schönheit des Evangeliums in Erinnerung ruft.

Mögen die Armen Roms, die Pilger und die Besucher, die aus aller Welt hierherkommen, in den Einwohnern dieser Stadt, in ihren Institutionen und in ihren Hirten jene Mütterlichkeit finden, die das wahre Antlitz der Kirche ist. Die Salus Populi Romani, Muttergottes vom Vertrauen, möge uns auf unserem Weg stets leiten und beschützen.