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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST LEO XIV.
NACH FRANKREICH UND BESUCH AM SITZ DER UNESCO
(ORGANISATION DER VEREINTEN NATIONEN FÜR BILDUNG, WISSENSCHAFT UND KULTUR)

25.–28. SEPTEMBER 2026

ROSENKRANZGEBET UND LICHTERPROZESSION

ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV.

Heiligtum "Unsere Liebe Frau von Lourdes"
Sonntag, 27. September 2026

[Multimedia]

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Wir sind heute Abend hier versammelt, um der Bitte nachzukommen, die die Muttergottes durch die heilige Bernadette an die Priester gerichtet hat: »Man soll in Prozessionen hierher kommen«. Wie bewegend ist es, zu sehen, wie das Gottesvolk über Generationen hinweg mit Liebe und Vertrauen auf die liebevolle Einladung der Jungfrau Maria antwortet. Wie tröstlich ist es, Christen innig und gläubig Lieder singen zu hören und zu sehen, wie sie mit einer Kerze in der Hand auf ihre himmlische Mutter zugehen, die Mutter, die Jesus am Kreuz auch uns zur Mutter gegeben hat.

Dieses Licht, das uns leitet und anzieht, ist das Licht der Hoffnung, das uns auf unserem Lebensweg nie verlässt. Dieser ist zwar oft gesäumt von Prüfungen, aber auch schon durchdrungen von der Freude darüber, dass wir von Jesus geliebte und erlöste Kinder Gottes sind. Kranke Menschen sind besondere Zeugen dieser Verwandlung des Lebens durch den Glauben und die Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Um das wirklich zu verstehen, muss man hierherkommen und gemeinsam mit euch, liebe Kranke, an dieser Prozession teilnehmen. Wie Papst Pius XII. sagte: »Niemand hat jemals an einem einzigen Ort auf der Erde eine solche Prozession des Leidens gesehen, noch nie einen solchen Glanz des Friedens, der Gelassenheit und der Freude!« (Enzyklika Le pèlegrinage de Lourdes, 2. Juli 1957).

Wenn dieses Wunder, dass im Leiden Gelassenheit und Freude aufkommen kann, möglich ist, dann deshalb, weil Gott uns die Gnade schenkt, unseren Blick auf eine fernere Zukunft zu richten, die jenseits unseres irdischen Horizonts liegt: eine Zukunft unendlicher Glückseligkeit in Gott, die uns sicher zuteilwird, wenn wir im Glauben und in der Liebe standhaft bleiben. Dazu ermutigt uns der heilige Paulus: »Die Leiden der gegenwärtigen Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll« (Röm 8,18). Behaltet diese goldenen Worte stets im Gedächtnis, liebe Kranke: Die Leiden der gegenwärtigen Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.

Wir sind also gerufen, unseren Weg treu fortzusetzen, immer weiter, solange uns noch Lebenstage auf dieser Welt geschenkt sind. Maria geht uns darin voran. Und wir werden voll Vertrauen zu ihr eilen, zu ihr, deren Unbefleckte Empfängnis wie ein Leuchtfeuer in der Nacht erstrahlt. »So ist sie das Zeichen für den Sieg der Liebe und des Guten, für den Sieg Gottes. Sie gibt unserer Welt die Hoffnung, die sie braucht. Richten wir heute Abend unseren Blick auf Maria, die so glorreich und so menschlich ist, und lassen wir uns von ihr zu Gott, dem Sieger, führen« (Benedikt XVI., Predigt bei der Lichterprozession, 13. September 2008).

»Ich bin die Unbefleckte Empfängnis«! Genau so hat sich Maria hier selbst bezeichnet, in größter Demut, aber voller Dankbarkeit gegenüber Gott für das einzigartige Privileg, das ihr zuteilwurde und das für uns die Morgenröte der Erlösung darstellt. Jesus hat durch die Verdienste seines Leidens und seiner Auferstehung seine Mutter vor jedem Makel der Erbsünde bewahrt. Er macht sie zu einer neuen Eva, über die der Teufel niemals Macht haben wird und mit der alles neu beginnt, alles wieder möglich wird – für die Welt, wie für jeden einzelnen von uns.

Deshalb sind ihre Hilfe und ihre Fürsprache für den Christen, der die durch das Blut Jesu erwirkte Gnade der Erlösung annehmen und gegen das Böse kämpfen will, nicht zweitrangig. Sie ist der Meerstern – Stella maris –, der uns in der Bedrängnis beisteht, wie der heilige Bernhard schön gesagt hat: »Du, der du dich fern vom Festland fühlst und inmitten von Stürmen und Unwettern auf den Wellen dieser Welt hin- und hergetrieben wirst, wende deinen Blick nicht vom Licht dieses Sterns ab, wenn du nicht untergehen willst. […] Folge ihr, dann wirst du dich nicht verirren. Rufe sie an, dann kannst du nicht verzweifeln, denk an sie, dann irrst du nicht. Hält sie dich fest, kannst du nicht fallen. Schützt sie dich, dann fürchte nichts! Führt sie dich, wirst du nicht müde. Ist sie dir gnädig, dann kommst du sicher ans Ziel!« (Hl. Bernhard von Clairvaux, Hom. II super Missus est, 17).

Nun, liebe Brüder und Schwestern, Pilger und Kranke, die ihr aus Frankreich und aus der ganzen Welt gekommen seid, um an dieser innigen und friedvollen Lichterprozession teilzunehmen, kommen wir mit unseren wichtigsten und drängendsten Anliegen und legen sie Unserer Lieben Frau zu Füßen: unsere persönlichen Anliegen und unsere Bitten für die Welt. In der Betrachtung ihrer Unbefleckten Empfängnis kommt in unseren Herzen eine unerschütterliche Freude und Hoffnung auf: denn sie ist glorreich und mächtig – mit der Sonne bekleidet, mit dem Mond unter den Füßen und von Sternen gekrönt; und zugleich ist sie demütig, uns ganz nahe, sie ist die Mutter Jesu, sie ist unsere Mutter.

O Unbefleckte Jungfrau, mach, dass dieses Licht, das wir heute Abend in unseren Händen halten, niemals in unserem Leben erlischt, sondern die Zukunft erhellt und uns schon heute empfänglich macht für die Verheißungen des ewigen Lebens.