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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS IN DIE MONGOLEI 
[31. August - 4. September 2023]

HEILIGE MESSE

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS 

Steppen-Arena (Ulaanbaatar)
Sonntag, 3. September 2023

[Multimedia]

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Mit den Worten des Psalms haben wir gebetet: »Gott, […], es dürstet nach dir meine Seele. Nach dir schmachtet mein Fleisch wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser« (Ps 63,2). Diese wunderbare Gebetsanrufung begleitet unsere Lebensreise durch alle Wüsten, die wir durchqueren müssen. Und gerade in diesem dürren Land erreicht uns eine gute Nachricht: Wir sind auf unserer Reise nicht allein; unsere Dürren haben nicht die Macht, unser Leben für immer öde werden zu lassen; der Schrei unseres Durstes bleibt nicht ungehört. Gott, der Vater, hat seinen Sohn gesandt, uns lebendiges Wasser zu geben, um den Durst unserer Seele zu stillen (vgl. Joh 4,10). Und Jesus – wir haben es gerade im Evangelium gehört – zeigt uns den Weg, um den Durst zu stillen: Es ist der Weg der Liebe, den er bis zum Ende, bis zum Kreuz, gegangen ist. Er ruft uns, ihm auf diesem Weg zu folgen, „indem wir das Leben verlieren, um es neu zu finden“ (vgl. Mt 16,24-25).

Verweilen wir gemeinsam bei diesen beiden Aspekten: Der Durst, der uns innewohnt, und die Liebe, die unseren Durst stillt.

Zunächst einmal geht es für uns darum, den Durst zu erkennen, der uns innewohnt. Der Psalmist klagt Gott seine innere Trockenheit, weil sein Leben einer Wüste gleicht. Seine Worte haben in einem Land wie der Mongolei einen besonderen Klang: Ein riesiges Gebiet, reich an Geschichte, ein Land reich an Kultur, aber auch gezeichnet von der Einsamkeit der Steppe und von der Trockenheit der Wüste. Viele von euch sind an die Schönheit und die Mühsal des Wanderns gewöhnt, eine Betätigung, die an einen wesentlichen Aspekt der biblischen Spiritualität erinnert, der durch die Gestalt Abrahams verkörpert wird und ganz allgemein dem Volk Israel und jedem Jünger des Herrn eigen ist: Alle, wir alle sind nämlich „Nomaden Gottes“, Pilger auf der Suche nach Glück, Wanderer, die nach Liebe dürsten. Die Wüste, die der Psalmist anspricht, bezieht sich also auf unser Leben: Wir sind jenes dürre Land, das nach klarem Wasser dürstet, nach einem Wasser, das unseren Durst in der Tiefe stillt. Es ist unser Herz, das sich danach sehnt, das Geheimnis wahrer Freude zu entdecken, jener Freude, die uns selbst inmitten existenzieller Dürre begleiten und Halt geben kann. Ja, wir haben einen unstillbaren Durst nach Glück in uns; wir sind auf der Suche nach einem Sinn und einer Richtung in unserem Leben, nach einer Motivation für die Tätigkeiten, denen wir jeden Tag nachgehen; und vor allem dürsten wir nach Liebe, denn nur die Liebe erfüllt uns wirklich. Sie macht, dass es uns gut geht – die Liebe macht, dass es uns gut geht – sie öffnet uns für das Vertrauen, indem sie uns die Schönheit des Lebens kosten lässt. Liebe Brüder und Schwestern, der christliche Glaube entspricht diesem Durst; er nimmt ihn ernst; er beseitigt ihn nicht, er versucht nicht, ihn mit Palliativa oder Surrogaten zu lindern: nein! Denn in diesem Durst liegt unser großes Geheimnis: Er öffnet uns für die Begegnung mit dem lebendigen Gott, dem Gott der Liebe, der uns entgegenkommt, um uns zu seinen Kindern und untereinander zu Brüdern und Schwestern zu machen.

Und damit kommen wir zum zweiten Aspekt: die Liebe, die unseren Durst stillt. Zuerst war da unser existenzieller, tiefer Durst, und jetzt denken wir an die Liebe, die unseren Durst löscht. Das ist der Inhalt des christlichen Glaubens: Gott, der Liebe ist, ist dir, mir und uns allen in seinem Sohn Jesus nah geworden, er möchte dein Leben, deine Mühen, deine Träume, deinen Durst nach Glück teilen. Es ist wahr, manchmal fühlen wir uns wie ein wüstes Land, vertrocknet und ohne Wasser, aber es ist ebenso wahr, dass Gott für uns sorgt und uns klares, durststillendes Wasser anbietet, das lebendige Wasser, das in uns hervorsprudelt, sodass es uns erneuert und uns von der Gefahr des Vertrocknens befreit. Dieses Wasser schenkt uns Jesus. Wie der heilige Augustinus sagt: »Wenn wir uns im Dürstenden erkennen, werden wir uns auch in jenem erkennen, dessen Durst gestillt ist« (Zu Psalm 62, 3). Wenn wir auch die Wüste, die Einsamkeit, die Mühsal, die Öde viele Male in unserem Leben erleben, so dürfen wir dies nicht vergessen: »Damit wir in dieser Wüste nicht scheitern – ergänzt Augustinus – benetzt Gott uns mit dem Tau seines Wortes [...]. Er lässt uns zwar Durst verspüren, aber dann kommt er, um ihn zu stillen. [...] Gott hat sich unserer erbarmt und uns einen Weg in der Wüste eröffnet: unseren Herrn Jesus Christus«, und dies ist der Weg in der Wüste des Lebens. »Und er hat uns einen Trost in der Wüste besorgt: die Prediger seines Wortes. Er hat uns Wasser in der Wüste angeboten, indem er seine Prediger mit Heiligem Geist erfüllt hat, damit in ihnen eine Quelle des Wassers entsteht, die bis zum ewigen Leben reicht« (ebd.). Diese Worte, meine Lieben, erinnern an eure Geschichte: In den Wüsten des Lebens und in der Mühsal, eine kleine Gemeinschaft zu sein, lässt der Herr euch das Wasser seines Wortes nicht fehlen, insbesondere durch Prediger und Missionare, die gesalbt vom Heiligen Geist, dessen Schönheit aussäen. Und das Wort führt uns immer wieder zum Wesentlichen, zum Wesentlichen des Glaubens zurück: sich von Gott lieben zu lassen, um aus unserem Leben eine Gabe der Liebe zu machen. Denn nur die Liebe stillt wirklich unseren Durst. Vergessen wir nicht: nur die Liebe stillt unseren Durst wirklich.

Das ist es, was Jesus dem Apostel Petrus im heutigen Evangelium sehr eindrücklich sagt. Dieser akzeptiert nicht, dass Jesus leiden, von den Anführern des Volkes angeklagt werden, den Leidensweg durchschreiten und dann am Kreuz sterben muss. Petrus reagiert, Petrus protestiert, er möchte Jesus davon überzeugen, dass er sich irrt, denn seiner Meinung nach – und so hätten wir auch gedacht – darf der Messias nicht als Besiegter enden und schon gar nicht als Gekreuzigter sterben, wie ein von Gott verlassener Übeltäter. Aber der Herr weist Petrus zurecht, denn diese seine Denkweise ist „der Welt gemäß“, sagt der Herr, und nicht Gott gemäß (vgl. Mt 16,21-23). Wenn wir glauben, dass Erfolg, Macht und materielle Dinge genügen, um die Dürre unseres Lebens zu beheben, ist dies eine weltliche Mentalität, die zu nichts Gutem führt, sondern uns noch vertrockneter zurücklässt als zuvor. Jesus hingegen weist uns den Weg: »Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden« (Mt 16,24-25).

Brüder, Schwestern, der beste Weg von allen ist dieser: das Kreuz Christi zu umarmen. Das Herzstück des Christentums ist diese verstörende Nachricht, diese außerordentliche Nachricht: Wenn du dein Leben verlierst, wenn du es im Dienen großzügig hingibst, wenn du es riskierst, indem du es in Liebe einsetzt, wenn du es zu einem kostenlosen Geschenk für andere machst, dann erhältst du es überreich zurück, es gießt eine Freude in dich ein, die nicht vergeht, einen Frieden im Herzen, eine innere Stärke, die dich erhält. Und wir brauchen inneren Frieden.

Das ist die Wahrheit, die Jesus zu entdecken uns einlädt, die Jesus euch allen, dem Land der Mongolei, offenbaren möchte: Es nützt nicht groß, reich oder mächtig zu sein, wenn man glücklich sein möchte. Nein! Nur die Liebe stillt den Durst unseres Herzens, nur die Liebe heilt unsere Wunden, nur die Liebe schenkt uns wahre Freude. Und das ist der Weg, den Jesus uns gelehrt und uns eröffnet hat.

Brüder und Schwestern, hören also auch wir auf das Wort, das der Herr zu Petrus sagt: »Tritt hinter mich« (Mt 16,23), das heißt: Werde mein Jünger, geh denselben Weg, den ich gehe, und denke nicht mehr nach Art der Welt. Dann werden wir mit der Gnade Christi und des Heiligen Geistes auf dem Weg der Liebe gehen können. Auch dann, wenn lieben bedeutet, sich selbst zu verleugnen, gegen persönliche und weltliche Egoismen zu kämpfen sowie das Risiko einzugehen, in Geschwisterlichkeit zu leben. Denn wenn es auch stimmt, dass all das Mühe und Verzicht verlangt und manchmal bedeutet, das Kreuz zu besteigen, so ist es doch noch zutreffender, dass, wenn wir unser Leben um des Evangeliums willen verlieren, es der Herr uns im Überfluss schenkt, voller Liebe und Freude, für die Ewigkeit.

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Dankesworte am Ende der Heiligen Messe

 „Steppe-Arena“, Ulaanbaatar, 3. September 2023

 

Diese beiden Brüder im Bischofsamt, der emeritierte Bischof von Hongkong und der derzeitige Bischof von Hongkong: Ich möchte ihre Anwesenheit zum Anlass nehmen, einen herzlichen Gruß an das edle chinesische Volk zu richten. Dem ganzen Volk wünsche ich das Beste und dass es immer vorwärts geht, immer vorankommt! Und die chinesischen Katholiken bitte ich, gute Christen und gute Bürger zu sein. Zu allen. Dankeschön.

Danke für Ihre Worte, Eminenz, und danke für euer Geschenk! Sie haben gesagt, dass in diesen Tagen mit Händen greifbar war, wie lieb mir das Volk Gottes in der Mongolei ist. Es ist wahr, ich bin voller Erwartung zu dieser Pilgerreise aufgebrochen, mit dem Wunsch, euch zu begegnen und euch kennenzulernen und nun danke ich Gott für euch, denn er liebt es, durch euch im Kleinen große Dinge zu vollbringen. Danke, denn ihr seid gute Christen und rechtschaffene Bürger. Geht voran, mit Sanftmut und ohne Angst, da ihr die Nähe und die Unterstützung der ganzen Kirche spürt und vor allem den zärtlichen Blick des Herrn, der niemanden vergisst und mit Liebe auf jedes seiner Kinder blickt.

Ich grüße die Mitbrüder im Bischofsamt, die Priester, die gottgeweihten Brüder und Schwestern und alle Freunde, die aus verschiedenen Ländern hierhergekommen sind, besonders aus den verschiedenen Regionen des riesigen asiatischen Kontinents, in welchem ich die Ehre habe, mich aufzuhalten und den ich mit großer Zuneigung umarme. Mein besonderer Dank gilt denjenigen, die dieser Ortskirche mit ihrer geistlichen und materiellen Unterstützung helfen.

In diesen Tagen waren zu allen Ereignissen bedeutende Regierungsdelegationen anwesend. Ich danke dem Herrn Präsidenten und den Autoritäten für die herzliche Aufnahme und alle geleistete Vorbereitungsarbeit. Eure traditionelle Herzlichkeit war für mich mit Händen zu greifen. Danke!

Dann grüße ich von Herzen die Brüder und Schwestern anderer christlichen Konfessionen und Religionen: Lasst uns weiterhin gemeinsam in der Geschwisterlichkeit wachsen, als Samenkörner des Friedens in einer Welt, die trauriger Weise von zu vielen Kriegen und Konflikten heimgesucht wird.

Und mein aufrichtiger Dank gilt all denen, die hier viel und lange gearbeitet haben, um diese Reise schön und möglich zu machen und denjenigen, die sie mit ihrem Gebet vorbereitet haben.

Eminenz, Sie haben uns daran erinnert, dass das Wort „Danke“ in der mongolischen Sprache vom Verb „sich freuen“ kommt. Mein Dank entspricht dieser wunderbaren Intuition der Landessprache, denn er ist voller Freude. Mein großer Dank gilt euch, dem mongolischen Volk: für das Geschenk der Freundschaft, das ich in diesen Tagen empfangen habe, für eure authentische Fähigkeit, auch die einfachsten Aspekte des Lebens zu schätzen, die Beziehungen und Traditionen mit Weisheit zu bewahren und das Alltagsleben mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu pflegen.

Die Messe ist Danksagung, „Eucharistie“. Sie in diesem Land zu feiern, hat mich an das Gebet des Jesuitenpaters Pierre Teilhard de Chardin erinnert, das er vor genau 100 Jahren in der Wüste Ordos, nicht weit von hier, an Gott gerichtet hat. Es lautet so: »Mein Gott, ich werfe mich vor Deiner Gegenwart in dem brennend gewordenen Universum nieder, und unter den Zügen all dessen, dem ich heute begegnen werde, und all dessen, was mir heute geschehen wird, und all dessen, was ich heute verwirklichen werde, verlange ich Dich und erwarte ich Dich». Pater Teilhard war mit geologischen Studien beschäftigt. Er verlangte brennend danach, die Heilige Messe zu feiern, aber er hatte weder Brot noch Wein bei sich. Also verfasste er seine „Messe über die Welt“, in der er seine Opfergabe folgendermaßen zum Ausdruck brachte: »Empfange, Herr, diese totale Hostie, die die von deiner Anziehung bewegte Schöpfung Dir im neuen Sonnenaufgang darbietet». Und ein ähnliches Gebet war in ihm bereits gereift, als er sich während des Ersten Weltkrieges an der Front befand, wo er als Krankenträger tätig war. Dieser oft unverstandene Priester hatte erkannt, dass die Eucharistie immer «in einem gewissen Sinn – in einem gewissen Sinn – auf dem Altar der Welt» gefeiert wird und dass sie «das Lebenszentrum des Universums, der überquellende Ausgangspunkt von Liebe und unerschöpflichem Leben» (Enzyklika Laudato si’, 236) ist, auch in einer Zeit wie unserer, die von Spannungen und Kriegen geprägt ist. Beten wir daher heute mit den Worten von Pater Teilhard: »Funkelndes Wort, brennende Macht, Du, der Du das Viele knetest, um ihm Dein Leben einzuhauchen, senke, ich bitte Dich, auf uns Deine mächtigen Hände, Deine zuvorkommenden Hände, Deine allgegenwärtigen Hände herab».

Brüder und Schwestern in der Mongolei, danke für euer Zeugnis, bayarlalaa! [Danke!]. Gott segne euch. Ihr seid in meinem Herzen und ihr werdet in meinem Herzen bleiben. Bitte erinnert euch meiner in euren Gebeten und in euren Gedanken. Danke.



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