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JOHANNES PAUL II.

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 30. Mai 1979

 

1. Schon in den ersten Sätzen der Apostelgeschichte lesen wir, daß Jesus nach seinem Leiden und seiner Auferstehung „sich ihnen durch viele Erweise als lebend vor Augen gestellt hat; vierzig Tage· hindurch ist er ihnen erschienen und hat über das Reich Gottes gesprochen“ (Apg 1, 3). Damals kündigte er an, daß sie schon bald „mit heiligem Geist getauft“ würden (Apg 1, 5). Und vor seinem endgültigen Abschied hat er, wie der Verfasser der Apostelgeschichte, der hl. Lukas, in seinem Evangelium bemerkt, sie angewiesen: „... Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet seid“ (Lk 24, 49). Deshalb „kehrten die Apostel“, nachdem er sie, in den Himmel auffahrend, verlassen hatte, „nach Jerusalem zurück“ (Lk 24, 52), wo sie – wie uns wiederum die Apostelgeschichte berichtet – „alle einmütig im Gebet verharrten, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu“ (Apg 1, 14). Der Ort dieses gemeinsamen, vom Meister ausdrücklich empfohlenen Gebetes war natürlich der Tempel in Jerusalem, wie wir am Schluß des Lukasevangeliums lesen (Lk 24, 53). Aber es war auch der Abendmahlssaal, wie man der Apostelgeschichte entnehmen kann. Der Herr Jesus hatte zu ihnen gesagt: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1, 8).

Jahr für Jahr feiert die Kirche in ihrer Liturgie am 40. Tag nach Ostern die Himmelfahrt des Herrn. Jahr für Jahr verbringt sie die zehn Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten im Gebet an den Heiligen Geist. In gewissem Sinne bereitet sich die Kirche jährlich auf die Wiederkehr ihres eigenen Geburtstages vor. Sie ist – wie die Kirchenväter lehren – am Karfreitag am Kreuz geboren; vor der Welt hat sie diese ihre Geburt am Pfingsttag geoffenbart, als die Apostel „mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet“ (Lk 24, 49), als· sie „mit heiligem Geist getauft“ wurden (Apg 1, 5). „Ubi enim Ecclesia, ibi et Spiritus Dei; et ubi Spiritus Dei, illic Ecclesia et omnis gratia: Spiritus autem veritas“ – „Wo die Kirche ist, dort ist auch der Geist Gottes; und wo der Geist Gottes ist, dort ist die Kirche und jede Gnade: der Geist ist die Wahrheit“ (Irenäus, Adversus haereses, III, 24, 1: PG 7, 966).

 

2. Versuchen wir, diesen Rhythmus der Kirche beizubehalten. Sie lädt uns in diesen Tagen ein, uns an der Novene zum Heiligen Geist zu beteiligen. Man kann wohl sagen, daß diese die älteste aller Novenen ist; sie hat ihren Ursprung gewissermaßen in der Einsetzung durch Christus den Herrn. Natürlich hat Jesus nicht die Gebete festgelegt, die wir während dieser Tage verrichten sollen. Aber ohne Zweifel hat er den Aposteln empfohlen, diese Tage in Erwartung der Herabkunft des Heiligen Geistes im Gebet zu verbringen. Diese Empfehlung hatte aber nicht nur damals Gültigkeit. Sie bleibt immer gültig. Und die zehn Tage nach der Himmelfahrt des Herrn bringen jedes Jahr denselben Aufruf des Meisters. Es verbirgt sich in ihnen auch dasselbe Geheimnis der Gnade, die sich mit dem Rhythmus der liturgischen Zeiten verbindet. Wir sollen aus dieser Zeit Gewinn ziehen. Deshalb wollen wir versuchen, uns in besonderer Weise zu sammeln und gewissermaßen mit Maria und den Aposteln in den Abendmahlssaal einzutreten und unsere Herzen auf den Heiligen Geist und sein Wirken in uns vorzubereiten. Das alles ist von großer Bedeutung für das innere Reifen unseres Glaubens und unserer christlichen Berufung. Es hat auch große Bedeutung für die Kirche als Gemeinschaft: jede Gemeinde in der Kirche und die Gesamtkirche als Gemeinschaft aller Gemeinden reifen Jahr für Jahr durch die Gabe von Pfingsten.

„Der belebende Hauch des Geistes ist gekommen, um in der Kirche ungenutzte Energien aufzuwecken, ruhende Charismen aufzurütteln, jenen Sinn für Lebendigkeit und Freude einzugießen, der in jeder Epoche der Geschichte die Kirche als jung und aktuell kennzeichnet, bereit und glücklich, ihre ewige Botschaft neuen Zeiten und Geschlechtern zu verkündigen“ (Paul VI., Ansprache an die Kardinale vom 21.12.1973: AAS 66, 1974, 18).

Auch in diesem Jahr müssen wir uns auf den Empfang dieser Gabe vorbereiten. Versuchen wir, am Gebet der Kirche teilzunehmen. „... Es ist unmöglich, den Geist zu vernehmen, ohne auf das zu hören, was er der Kirche sagt“ (H. de Lubac, Meditations sur l´ Eglise, Paris, 1973, Aubier, 168).

Beten wir auch allein. Es gibt ein besonderes Gebet, das mit gebührender Kraft in der Pfingstliturgie erklingen wird; wir können es jedoch oft wiederholen, vor allem in der jetzigen Vorbereitungszeit:

„Komm, o Geist der Heiligkeit! Aus des Himmels Herrlichkeit sende deines Lichtes Strahl! Vater aller Armen du, aller Herzen Licht und Ruh, komm mit deiner Gaben Zahl. Tröster in Verlassenheit, Labsal voll der Lieblichkeit, komm, du süßer Seelenfreund! In Ermüdung schenke Ruh, in der Glut hauch Kühlung zu, tröste den, der trostlos weint! ... Wasche, was beflecket ist, heile, was verwundet ist, tränke, was da dürre steht. Beuge, was verhärtet ist, wärme, was erkaltet ist, lenke, was da irregeht! ...“

Vielleicht kommen wir noch einmal auf diese großartige Sequenz zurück; dann wollen wir versuchen, sie zu kommentieren. Heute soll es genügen, uns kurz einige Worte und Sätze ins Gedächtnis zu rufen.

Wir richten also unsere Gebete in dieser Zeit an den Heiligen Geist. Wir bitten um seine Gaben. Wir bitten um die Umgestaltung unserer Herzen. Wir bitten um die Festigkeit im Bekenntnis, um die Übereinstimmung des Lebens mit dem Glauben. Wir beten für die Kirche, damit sie ihre Sendung im Heiligen Geist erfülle; damit der Rat und der Geist des Bräutigams und seines Gottes sie begleite (vgl. Bernhard von Clairvaux, In vigilia Nativitatis Domini, Sermo 3, Nr. 1: PL 183, 941). Wir beten für die Einheit aller Christen, für die Einheit bei der Ausführung der gleichen Sendung.

 

3. Die Beschreibung des Augenblicks, in dem die im Abendmahlssaal in Jerusalem versammelten Apostel den Heiligen Geist empfingen, ist in besonderer Weise mit dem Erscheinen der Zungen verbunden. Wir lesen: „Da erhob sich plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie weilten. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; und der heilige Geist ließ sich auf jeden von ihnen nieder. Alle wurden mit heiligem Geist erfüllt und begannen in fremden Zungen zu reden, wie der Geist ihnen zu verkünden eingab“ (Apg 2, 2-4).

Das Ereignis im Abendmahlssaal ging nicht, ohne Aufsehen zu erregen, vorüber bei den Leuten, die sich damals in Jerusalem aufhielten. Das waren – so lesen wir – Juden aus verschiedenen Ländern. „... die Menge strömte zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden“ (Apg 2, 6). Und diejenigen, die sich so sehr darüber wunderten, in ihrer eigenen Sprache reden zu hören, werden in der Beschreibung der Apostelgeschichte aufgezählt: „Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber“, (Apg 2, 9-11). Sie alle hörten am Pfingsttag die Apostel, die Galiläer waren, in ihren Sprachen reden und die Großtaten Gottes verkünden (vgl. Apg 2, 11).

So ist also der Pfingsttag die sichtbare und spürbare Ankündigung der Verwirklichung des Auftrags Christi: „Gehet hin ... und lehret alle Völker ...“ (Mt 28, 19). In der Offenbarung der Zungen sehen und vernehmen wir schon gewissermaßen die Kirche, die durch die Erfüllung dieses Auftrags entsteht und unter den verschiedenen Völkern der Erde lebt.

In wenigen Tagen habe ich das Glück, zum Stanislaus-Jubiläum in meine polnische Heimat zu reisen. Eben dort werde ich Pfingsten feiern, das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes. Schon mehrmals habe ich dem Episkopat und den staatlichen Stellen in Polen für diese Einladung meinen Dank zum Ausdruck gebracht. Heute erneuere ich ihn nochmals.

In dieser Sicht möchte ich meiner besonderen Freude Ausdruck geben, daß im Laufe der Geschichte auch die einzelnen slawischen Sprachen zu jener Offenbarung in verschiedenen Sprachen am Pfingsttag hinzugekommen sind: die Sprachen, angefangen von Mazedonien über Bulgarien, Kroatien, Slowenien, Böhmen, die Slowakei und die Lausitz im Westen bis zur Ukraine, Rußland und Weißrußland im Osten. Ich möchte meine ganz besondere Freude darüber aussprechen, daß zu der Offenbarung der Zungen im Abendmahlssaal von Jerusalem am Pfingsttag auch meine Nation mit ihrer Sprache hinzugekommen ist: der polnischen Sprache.

Da sich mir nun die Gelegenheit bietet, am Pfingstfest meine Heimat zu besuchen, will ich auch dafür danken, daß das Evangelium seit so vielen Jahrhunderten in allen diesen Sprachen und besonders in meiner Muttersprache verkündet wird. Zugleich stelle ich mich in den Dienst dieser wichtigen Sache unserer Zeit: auf daß die „großen Taten Gottes“ weiterhin mit Glauben und Mut als Saat der Hoffnung und der Liebe verkündet werden, die Christus durch die Pfingstgabe in uns eingepflanzt hat.

1. Schon in den ersten Sätzen der Apostelgeschichte lesen wir, daß Jesus nach seinem Leiden und seiner Auferstehung „sich ihnen durch viele Erweise als lebend vor Augen gestellt hat; vierzig Tage· hindurch ist er ihnen erschienen und hat über das Reich Gottes gesprochen“ (Apg 1, 3). Damals kündigte er an, daß sie schon bald „mit heiligem Geist getauft“ würden (Apg 1, 5). Und vor seinem endgültigen Abschied hat er, wie der Verfasser der Apostelgeschichte, der hl. Lukas, in seinem Evangelium bemerkt, sie angewiesen: „... Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet seid“ (Lk 24, 49). Deshalb „kehrten die Apostel“, nachdem er sie, in den Himmel auffahrend, verlassen hatte, „nach Jerusalem zurück“ (Lk 24, 52), wo sie – wie uns wiederum die Apostelgeschichte berichtet – „alle einmütig im Gebet verharrten, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu“ (Apg 1, 14). Der Ort dieses gemeinsamen, vom Meister ausdrücklich empfohlenen Gebetes war natürlich der Tempel in Jerusalem, wie wir am Schluß des Lukasevangeliums lesen (Lk 24, 53). Aber es war auch der Abendmahlssaal, wie man der Apostelgeschichte entnehmen kann. Der Herr Jesus hatte zu ihnen gesagt: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1, 8).

Jahr für Jahr feiert die Kirche in ihrer Liturgie am 40. Tag nach Ostern die Himmelfahrt des Herrn. Jahr für Jahr verbringt sie die zehn Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten im Gebet an den Heiligen Geist. In gewissem Sinne bereitet sich die Kirche jährlich auf die Wiederkehr ihres eigenen Geburtstages vor. Sie ist – wie die Kirchenväter lehren – am Karfreitag am Kreuz geboren; vor der Welt hat sie diese ihre Geburt am Pfingsttag geoffenbart, als die Apostel „mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet“ (Lk 24, 49), als· sie „mit heiligem Geist getauft“ wurden (Apg 1, 5). „Ubi enim Ecclesia, ibi et Spiritus Dei; et ubi Spiritus Dei, illic Ecclesia et omnis gratia: Spiritus autem veritas“ – „Wo die Kirche ist, dort ist auch der Geist Gottes; und wo der Geist Gottes ist, dort ist die Kirche und jede Gnade: der Geist ist die Wahrheit“ (Irenäus, Adversus haereses, III, 24, 1: PG 7, 966).

 

2. Versuchen wir, diesen Rhythmus der Kirche beizubehalten. Sie lädt uns in diesen Tagen ein, uns an der Novene zum Heiligen Geist zu beteiligen. Man kann wohl sagen, daß diese die älteste aller Novenen ist; sie hat ihren Ursprung gewissermaßen in der Einsetzung durch Christus den Herrn. Natürlich hat Jesus nicht die Gebete festgelegt, die wir während dieser Tage verrichten sollen. Aber ohne Zweifel hat er den Aposteln empfohlen, diese Tage in Erwartung der Herabkunft des Heiligen Geistes im Gebet zu verbringen. Diese Empfehlung hatte aber nicht nur damals Gültigkeit. Sie bleibt immer gültig. Und die zehn Tage nach der Himmelfahrt des Herrn bringen jedes Jahr denselben Aufruf des Meisters. Es verbirgt sich in ihnen auch dasselbe Geheimnis der Gnade, die sich mit dem Rhythmus der liturgischen Zeiten verbindet. Wir sollen aus dieser Zeit Gewinn ziehen. Deshalb wollen wir versuchen, uns in besonderer Weise zu sammeln und gewissermaßen mit Maria und den Aposteln in den Abendmahlssaal einzutreten und unsere Herzen auf den Heiligen Geist und sein Wirken in uns vorzubereiten. Das alles ist von großer Bedeutung für das innere Reifen unseres Glaubens und unserer christlichen Berufung. Es hat auch große Bedeutung für die Kirche als Gemeinschaft: jede Gemeinde in der Kirche und die Gesamtkirche als Gemeinschaft aller Gemeinden reifen Jahr für Jahr durch die Gabe von Pfingsten.

„Der belebende Hauch des Geistes ist gekommen, um in der Kirche ungenutzte Energien aufzuwecken, ruhende Charismen aufzurütteln, jenen Sinn für Lebendigkeit und Freude einzugießen, der in jeder Epoche der Geschichte die Kirche als jung und aktuell kennzeichnet, bereit und glücklich, ihre ewige Botschaft neuen Zeiten und Geschlechtern zu verkündigen“ (Paul VI., Ansprache an die Kardinale vom 21.12.1973: AAS 66, 1974, 18).

Auch in diesem Jahr müssen wir uns auf den Empfang dieser Gabe vorbereiten. Versuchen wir, am Gebet der Kirche teilzunehmen. „... Es ist unmöglich, den Geist zu vernehmen, ohne auf das zu hören, was er der Kirche sagt“ (H. de Lubac, Meditations sur l´ Eglise, Paris, 1973, Aubier, 168).

Beten wir auch allein. Es gibt ein besonderes Gebet, das mit gebührender Kraft in der Pfingstliturgie erklingen wird; wir können es jedoch oft wiederholen, vor allem in der jetzigen Vorbereitungszeit:

„Komm, o Geist der Heiligkeit! Aus des Himmels Herrlichkeit sende deines Lichtes Strahl! Vater aller Armen du, aller Herzen Licht und Ruh, komm mit deiner Gaben Zahl. Tröster in Verlassenheit, Labsal voll der Lieblichkeit, komm, du süßer Seelenfreund! In Ermüdung schenke Ruh, in der Glut hauch Kühlung zu, tröste den, der trostlos weint! ... Wasche, was beflecket ist, heile, was verwundet ist, tränke, was da dürre steht. Beuge, was verhärtet ist, wärme, was erkaltet ist, lenke, was da irregeht! ...“

Vielleicht kommen wir noch einmal auf diese großartige Sequenz zurück; dann wollen wir versuchen, sie zu kommentieren. Heute soll es genügen, uns kurz einige Worte und Sätze ins Gedächtnis zu rufen.

Wir richten also unsere Gebete in dieser Zeit an den Heiligen Geist. Wir bitten um seine Gaben. Wir bitten um die Umgestaltung unserer Herzen. Wir bitten um die Festigkeit im Bekenntnis, um die Übereinstimmung des Lebens mit dem Glauben. Wir beten für die Kirche, damit sie ihre Sendung im Heiligen Geist erfülle; damit der Rat und der Geist des Bräutigams und seines Gottes sie begleite (vgl. Bernhard von Clairvaux, In vigilia Nativitatis Domini, Sermo 3, Nr. 1: PL 183, 941). Wir beten für die Einheit aller Christen, für die Einheit bei der Ausführung der gleichen Sendung.

 

3. Die Beschreibung des Augenblicks, in dem die im Abendmahlssaal in Jerusalem versammelten Apostel den Heiligen Geist empfingen, ist in besonderer Weise mit dem Erscheinen der Zungen verbunden. Wir lesen: „Da erhob sich plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie weilten. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; und der heilige Geist ließ sich auf jeden von ihnen nieder. Alle wurden mit heiligem Geist erfüllt und begannen in fremden Zungen zu reden, wie der Geist ihnen zu verkünden eingab“ (Apg 2, 2-4).

Das Ereignis im Abendmahlssaal ging nicht, ohne Aufsehen zu erregen, vorüber bei den Leuten, die sich damals in Jerusalem aufhielten. Das waren – so lesen wir – Juden aus verschiedenen Ländern. „... die Menge strömte zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden“ (Apg 2, 6). Und diejenigen, die sich so sehr darüber wunderten, in ihrer eigenen Sprache reden zu hören, werden in der Beschreibung der Apostelgeschichte aufgezählt: „Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber“, (Apg 2, 9-11). Sie alle hörten am Pfingsttag die Apostel, die Galiläer waren, in ihren Sprachen reden und die Großtaten Gottes verkünden (vgl. Apg 2, 11).

So ist also der Pfingsttag die sichtbare und spürbare Ankündigung der Verwirklichung des Auftrags Christi: „Gehet hin ... und lehret alle Völker ...“ (Mt 28, 19). In der Offenbarung der Zungen sehen und vernehmen wir schon gewissermaßen die Kirche, die durch die Erfüllung dieses Auftrags entsteht und unter den verschiedenen Völkern der Erde lebt.

In wenigen Tagen habe ich das Glück, zum Stanislaus-Jubiläum in meine polnische Heimat zu reisen. Eben dort werde ich Pfingsten feiern, das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes. Schon mehrmals habe ich dem Episkopat und den staatlichen Stellen in Polen für diese Einladung meinen Dank zum Ausdruck gebracht. Heute erneuere ich ihn nochmals.

In dieser Sicht möchte ich meiner besonderen Freude Ausdruck geben, daß im Laufe der Geschichte auch die einzelnen slawischen Sprachen zu jener Offenbarung in verschiedenen Sprachen am Pfingsttag hinzugekommen sind: die Sprachen, angefangen von Mazedonien über Bulgarien, Kroatien, Slowenien, Böhmen, die Slowakei und die Lausitz im Westen bis zur Ukraine, Rußland und Weißrußland im Osten. Ich möchte meine ganz besondere Freude darüber aussprechen, daß zu der Offenbarung der Zungen im Abendmahlssaal von Jerusalem am Pfingsttag auch meine Nation mit ihrer Sprache hinzugekommen ist: der polnischen Sprache.

Da sich mir nun die Gelegenheit bietet, am Pfingstfest meine Heimat zu besuchen, will ich auch dafür danken, daß das Evangelium seit so vielen Jahrhunderten in allen diesen Sprachen und besonders in meiner Muttersprache verkündet wird. Zugleich stelle ich mich in den Dienst dieser wichtigen Sache unserer Zeit: auf daß die „großen Taten Gottes“ weiterhin mit Glauben und Mut als Saat der Hoffnung und der Liebe verkündet werden, die Christus durch die Pfingstgabe in uns eingepflanzt hat.

 

1. Schon in den ersten Sätzen der Apostelgeschichte lesen wir, daß Jesus nach seinem Leiden und seiner Auferstehung „sich ihnen durch viele Erweise als lebend vor Augen gestellt hat; vierzig Tage· hindurch ist er ihnen erschienen und hat über das Reich Gottes gesprochen“ (Apg 1, 3). Damals kündigte er an, daß sie schon bald „mit heiligem Geist getauft“ würden (Apg 1, 5). Und vor seinem endgültigen Abschied hat er, wie der Verfasser der Apostelgeschichte, der hl. Lukas, in seinem Evangelium bemerkt, sie angewiesen: „... Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet seid“ (Lk 24, 49). Deshalb „kehrten die Apostel“, nachdem er sie, in den Himmel auffahrend, verlassen hatte, „nach Jerusalem zurück“ (Lk 24, 52), wo sie – wie uns wiederum die Apostelgeschichte berichtet – „alle einmütig im Gebet verharrten, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu“ (Apg 1, 14). Der Ort dieses gemeinsamen, vom Meister ausdrücklich empfohlenen Gebetes war natürlich der Tempel in Jerusalem, wie wir am Schluß des Lukasevangeliums lesen (Lk 24, 53). Aber es war auch der Abendmahlssaal, wie man der Apostelgeschichte entnehmen kann. Der Herr Jesus hatte zu ihnen gesagt: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1, 8).

Jahr für Jahr feiert die Kirche in ihrer Liturgie am 40. Tag nach Ostern die Himmelfahrt des Herrn. Jahr für Jahr verbringt sie die zehn Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten im Gebet an den Heiligen Geist. In gewissem Sinne bereitet sich die Kirche jährlich auf die Wiederkehr ihres eigenen Geburtstages vor. Sie ist – wie die Kirchenväter lehren – am Karfreitag am Kreuz geboren; vor der Welt hat sie diese ihre Geburt am Pfingsttag geoffenbart, als die Apostel „mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet“ (Lk 24, 49), als· sie „mit heiligem Geist getauft“ wurden (Apg 1, 5). „Ubi enim Ecclesia, ibi et Spiritus Dei; et ubi Spiritus Dei, illic Ecclesia et omnis gratia: Spiritus autem veritas“ – „Wo die Kirche ist, dort ist auch der Geist Gottes; und wo der Geist Gottes ist, dort ist die Kirche und jede Gnade: der Geist ist die Wahrheit“ (Irenäus, Adversus haereses, III, 24, 1: PG 7, 966).

 

2. Versuchen wir, diesen Rhythmus der Kirche beizubehalten. Sie lädt uns in diesen Tagen ein, uns an der Novene zum Heiligen Geist zu beteiligen. Man kann wohl sagen, daß diese die älteste aller Novenen ist; sie hat ihren Ursprung gewissermaßen in der Einsetzung durch Christus den Herrn. Natürlich hat Jesus nicht die Gebete festgelegt, die wir während dieser Tage verrichten sollen. Aber ohne Zweifel hat er den Aposteln empfohlen, diese Tage in Erwartung der Herabkunft des Heiligen Geistes im Gebet zu verbringen. Diese Empfehlung hatte aber nicht nur damals Gültigkeit. Sie bleibt immer gültig. Und die zehn Tage nach der Himmelfahrt des Herrn bringen jedes Jahr denselben Aufruf des Meisters. Es verbirgt sich in ihnen auch dasselbe Geheimnis der Gnade, die sich mit dem Rhythmus der liturgischen Zeiten verbindet. Wir sollen aus dieser Zeit Gewinn ziehen. Deshalb wollen wir versuchen, uns in besonderer Weise zu sammeln und gewissermaßen mit Maria und den Aposteln in den Abendmahlssaal einzutreten und unsere Herzen auf den Heiligen Geist und sein Wirken in uns vorzubereiten. Das alles ist von großer Bedeutung für das innere Reifen unseres Glaubens und unserer christlichen Berufung. Es hat auch große Bedeutung für die Kirche als Gemeinschaft: jede Gemeinde in der Kirche und die Gesamtkirche als Gemeinschaft aller Gemeinden reifen Jahr für Jahr durch die Gabe von Pfingsten.

„Der belebende Hauch des Geistes ist gekommen, um in der Kirche ungenutzte Energien aufzuwecken, ruhende Charismen aufzurütteln, jenen Sinn für Lebendigkeit und Freude einzugießen, der in jeder Epoche der Geschichte die Kirche als jung und aktuell kennzeichnet, bereit und glücklich, ihre ewige Botschaft neuen Zeiten und Geschlechtern zu verkündigen“ (Paul VI., Ansprache an die Kardinale vom 21.12.1973: AAS 66, 1974, 18).

Auch in diesem Jahr müssen wir uns auf den Empfang dieser Gabe vorbereiten. Versuchen wir, am Gebet der Kirche teilzunehmen. „... Es ist unmöglich, den Geist zu vernehmen, ohne auf das zu hören, was er der Kirche sagt“ (H. de Lubac, Meditations sur l´ Eglise, Paris, 1973, Aubier, 168).

Beten wir auch allein. Es gibt ein besonderes Gebet, das mit gebührender Kraft in der Pfingstliturgie erklingen wird; wir können es jedoch oft wiederholen, vor allem in der jetzigen Vorbereitungszeit:

„Komm, o Geist der Heiligkeit! Aus des Himmels Herrlichkeit sende deines Lichtes Strahl! Vater aller Armen du, aller Herzen Licht und Ruh, komm mit deiner Gaben Zahl. Tröster in Verlassenheit, Labsal voll der Lieblichkeit, komm, du süßer Seelenfreund! In Ermüdung schenke Ruh, in der Glut hauch Kühlung zu, tröste den, der trostlos weint! ... Wasche, was beflecket ist, heile, was verwundet ist, tränke, was da dürre steht. Beuge, was verhärtet ist, wärme, was erkaltet ist, lenke, was da irregeht! ...“

Vielleicht kommen wir noch einmal auf diese großartige Sequenz zurück; dann wollen wir versuchen, sie zu kommentieren. Heute soll es genügen, uns kurz einige Worte und Sätze ins Gedächtnis zu rufen.

Wir richten also unsere Gebete in dieser Zeit an den Heiligen Geist. Wir bitten um seine Gaben. Wir bitten um die Umgestaltung unserer Herzen. Wir bitten um die Festigkeit im Bekenntnis, um die Übereinstimmung des Lebens mit dem Glauben. Wir beten für die Kirche, damit sie ihre Sendung im Heiligen Geist erfülle; damit der Rat und der Geist des Bräutigams und seines Gottes sie begleite (vgl. Bernhard von Clairvaux, In vigilia Nativitatis Domini, Sermo 3, Nr. 1: PL 183, 941). Wir beten für die Einheit aller Christen, für die Einheit bei der Ausführung der gleichen Sendung.

 

3. Die Beschreibung des Augenblicks, in dem die im Abendmahlssaal in Jerusalem versammelten Apostel den Heiligen Geist empfingen, ist in besonderer Weise mit dem Erscheinen der Zungen verbunden. Wir lesen: „Da erhob sich plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie weilten. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; und der heilige Geist ließ sich auf jeden von ihnen nieder. Alle wurden mit heiligem Geist erfüllt und begannen in fremden Zungen zu reden, wie der Geist ihnen zu verkünden eingab“ (Apg 2, 2-4).

Das Ereignis im Abendmahlssaal ging nicht, ohne Aufsehen zu erregen, vorüber bei den Leuten, die sich damals in Jerusalem aufhielten. Das waren – so lesen wir – Juden aus verschiedenen Ländern. „... die Menge strömte zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden“ (Apg 2, 6). Und diejenigen, die sich so sehr darüber wunderten, in ihrer eigenen Sprache reden zu hören, werden in der Beschreibung der Apostelgeschichte aufgezählt: „Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber“, (Apg 2, 9-11). Sie alle hörten am Pfingsttag die Apostel, die Galiläer waren, in ihren Sprachen reden und die Großtaten Gottes verkünden (vgl. Apg 2, 11).

So ist also der Pfingsttag die sichtbare und spürbare Ankündigung der Verwirklichung des Auftrags Christi: „Gehet hin ... und lehret alle Völker ...“ (Mt 28, 19). In der Offenbarung der Zungen sehen und vernehmen wir schon gewissermaßen die Kirche, die durch die Erfüllung dieses Auftrags entsteht und unter den verschiedenen Völkern der Erde lebt.

In wenigen Tagen habe ich das Glück, zum Stanislaus-Jubiläum in meine polnische Heimat zu reisen. Eben dort werde ich Pfingsten feiern, das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes. Schon mehrmals habe ich dem Episkopat und den staatlichen Stellen in Polen für diese Einladung meinen Dank zum Ausdruck gebracht. Heute erneuere ich ihn nochmals.

In dieser Sicht möchte ich meiner besonderen Freude Ausdruck geben, daß im Laufe der Geschichte auch die einzelnen slawischen Sprachen zu jener Offenbarung in verschiedenen Sprachen am Pfingsttag hinzugekommen sind: die Sprachen, angefangen von Mazedonien über Bulgarien, Kroatien, Slowenien, Böhmen, die Slowakei und die Lausitz im Westen bis zur Ukraine, Rußland und Weißrußland im Osten. Ich möchte meine ganz besondere Freude darüber aussprechen, daß zu der Offenbarung der Zungen im Abendmahlssaal von Jerusalem am Pfingsttag auch meine Nation mit ihrer Sprache hinzugekommen ist: der polnischen Sprache.

Da sich mir nun die Gelegenheit bietet, am Pfingstfest meine Heimat zu besuchen, will ich auch dafür danken, daß das Evangelium seit so vielen Jahrhunderten in allen diesen Sprachen und besonders in meiner Muttersprache verkündet wird. Zugleich stelle ich mich in den Dienst dieser wichtigen Sache unserer Zeit: auf daß die „großen Taten Gottes“ weiterhin mit Glauben und Mut als Saat der Hoffnung und der Liebe verkündet werden, die Christus durch die Pfingstgabe in uns eingepflanzt hat.