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LEO XIV.

GENERALAUDIENZ

Petersplatz
Mittwoch, 17. Dezember 2025

[Multimedia]

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Grusswort des Heiligen Vaters an einige kranke und gebrechliche Pilger und Besucher
in der vatikanischen Audienzhalle 

 

Guten Tag an alle!
Good morning! Welcome!

Ich begrüße euch kurz und segne einen jeden von euch.

An diesem Tag wollten wir euch etwas vor dem Wetter schützen, vor allem vor der Kälte… Es regnet nicht, aber so ist es vielleicht etwas bequemer für euch. Nachher könnt ihr die Generalaudienz auf dem Bildschirm mitverfolgen, oder wenn ihr wollt, könnt ihr auch hinausgehen, aber wir wollen diese kleine, etwas persönlichere Begegnung nutzen, um euch zu begrüßen, um euch den Segen des Herrn und auch gute Wünsche zu bringen. Das Weihnachtsfest steht bereits vor der Tür, und wir wollen den Herrn bitten, dass die Freude dieser Weihnachtszeit euch alle begleiten möge: eure Familien, eure Angehörigen, und dass ihr stets in den Händen des Herrn sein mögt, mit dem Vertrauen, mit der Liebe, die nur Gott uns schenken kann.

Ich erteile jetzt allen den Segen, dann komme ich vorbei, um euch persönlich zu begrüßen.

[Der Heilige Vater erteilte daraufhin den Apostolischen Segen. ]

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Papst Leo XIV. begab sich danach auf den Petersplatz und hielt folgende Ansprache:

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag und herzlich willkommen!

Das menschliche Leben ist von einer ständigen Bewegung geprägt, die uns zum Tun, zum Handeln drängt. Heute wird überall in den verschiedensten Bereichen verlangt, schnell zu optimalen Ergebnissen zu gelangen. Inwiefern erhellt die Auferstehung Jesu diesen Wesenszug unserer Erfahrung? Wenn wir an seinem Sieg über den Tod teilhaben werden, werden wir uns dann ausruhen? Der Glaube sagt uns: Ja, wir werden uns ausruhen. Wir werden nicht untätig sein, aber wir werden in die Ruhe Gottes eintreten, die Friede und Freude ist. Nun ja, müssen wir nur darauf warten, oder kann uns das schon jetzt verändern?

Wir werden von vielen Tätigkeiten in Anspruch genommen, die uns nicht immer zufrieden machen. Viele unserer Tätigkeiten haben mit praktischen, konkreten Dingen zu tun. Wir müssen Verantwortung für viele Verpflichtungen übernehmen, Probleme lösen, Mühen auf uns nehmen. Auch Jesus ist mit Menschen umgegangen und hat sich in das Leben eingebracht und hat sich nicht geschont, sondern sich sogar bis ins Letzte hingeschenkt. Dennoch spüren wir oft, wie sehr das zu viele Tun, statt uns Erfüllung zu schenken, zu einem Strudel wird, der uns benommen macht, uns die innere Ruhe nimmt, uns daran hindert, das, was wirklich wichtig für unser Leben ist, bestmöglich zu leben. Dann sind wir müde, unzufrieden: Die Zeit scheint sich in unzähligen praktischen Dingen zu verlieren, die aber den letzten Sinn unseres Daseins nicht erklären. Manchmal fühlen wir uns am Ende von aktionsreichen Tagen leer. Warum? Weil wir keine Maschinen sind, sondern ein »Herz« haben. Wir können sogar sagen, dass wir ein Herz »sind«.

Das Herz ist das Symbol unserer ganzen Menschlichkeit, das Zusammenspiel von Gedanken, Empfindungen und Wünschen, der unsichtbare Mittelpunkt unserer Person. Der Evangelist Matthäus lädt uns ein, über die Bedeutung des Herzens nachzudenken, indem er dieses wunderschöne Wort Jesu wiedergibt: »Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz« (Mt  6,21).

Im Herzen wird also der wahre Schatz bewahrt, nicht in den Tresoren der Erde, nicht mit großen finanziellen Investitionen, die nie so unkontrollierbar und ungerecht konzentriert waren wie heute, vergötzt zum blutigen Preis von Millionen von Menschenleben und der Zerstörung von Gottes Schöpfung.

Es ist wichtig, über diese Aspekte nachzudenken, denn in den zahlreichen Tätigkeiten, mit denen wir ständig konfrontiert sind, tritt immer mehr die Gefahr der Zerstreuung, manchmal der Verzweiflung, der Sinnlosigkeit zutage, sogar bei scheinbar erfolgreichen Menschen. Das Leben im Zeichen von Ostern zu verstehen, es mit dem auferstandenen Jesus zu betrachten, bedeutet hingegen, Zugang zu finden zum inneren Wesen des Menschen, zu unserem Herzen: »cor inquietum«. Mit diesem Adjektiv »unruhig« lässt der heilige Augustinus uns den Antrieb des Menschen verstehen, der auf seine wahre Vollendung ausgerichtet ist. Der ganze Satz verweist auf den Anfang der Bekenntnisse, wo Augustinus schreibt: »O Herr, geschaffen hast du uns im Hinblick auf dich, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir« (I,1,1).

Die Unruhe ist das Zeichen, dass unser Herz sich nicht zufällig, ungeordnet, ziellos bewegt, sondern auf die letzte Bestimmung ausgerichtet ist, die »Heimkehr«. Und die echte Ankunft des Herzens besteht nicht im Besitz der Güter dieser Welt, sondern in der Erlangung dessen, was uns ganz erfüllen kann: die Liebe Gottes oder besser Gott, der Liebe ist. Diesen Schatz findet man jedoch nur, wenn man den Nächsten liebt, dem man auf dem Weg begegnet: die Brüder und Schwestern aus Fleisch und Blut, deren Gegenwart unser Herz bewegt und hinterfragt, indem sie es aufruft, sich zu öffnen und sich zu verschenken. Der Nächste bittet dich, langsamer zu gehen, ihm in die Augen zu schauen, manchmal den Plan zu ändern, vielleicht auch die Richtung zu ändern.

Meine Lieben, das ist das Geheimnis der Bewegung des menschlichen Herzens: zur Quelle seines Seins zurückzukehren, die Freude zu empfinden, die nicht vergeht, die nicht zugrunde gehen lässt. Keiner kann ohne einen Sinn leben, der über das Unwesentliche, das Vergängliche hinausgeht. Das menschliche Herz kann nicht leben, ohne zu hoffen, ohne zu wissen, dass es für die Fülle gemacht ist, nicht für den Mangel.

Jesus Christus hat durch seine Menschwerdung, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung dieser Hoffnung eine feste Grundlage gegeben. Das unruhige Herz wird nicht zugrunde gehen, wenn es in die Dynamik der Liebe eintritt, für die es erschaffen ist. Die Ankunft ist gewiss, das Leben hat gesiegt, und in Christus wird es weiterhin in jedem Tod des Alltags siegen. Das ist die christliche Hoffnung: Dem Herrn, der sie uns geschenkt hat, sei Lob und Dank in Ewigkeit.

                                                                                        * * * 

Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, der Advent lädt uns zur Vorbereitung auf Weihnachten ein, indem wir uns vorbehaltlos für Jesus öffnen. Er ist unsere Hoffnung. Erwarten wir das Fest seiner Geburt voll Freude und beten wir mit Vertrauen: „Komm, Herr Jesus!“