Brüder und Schwestern,
guten Tag und herzlich willkommen!
In dieser Katechese nehmen wir die Reflexion über die Konzilskonstitution über die Liturgie Sacrosanctum Concilium (SC ) wieder auf. Heute sprechen wir über die kirchliche Dimension des liturgischen Gebets.
Wie der Apostel Paulus sagt, ist es der Heilige Geist, der uns zu beten lehrt. Seit dem Pfingsttag wohnt der Geist der Kirche inne und inspiriert all ihr Handeln, insbesondere das Gebet. Das Leben der Urgemeinde, die in Jerusalem nach dem Pascha Jesu entstanden ist, ist Leben in dem Geist, der vom auferstandenen Herrn geschenkt wurde. Das Konzil sagt: »Seither hat die Kirche niemals aufgehört, sich zur Feier des Pascha-Mysteriums zu versammeln, dabei zu lesen, ›was in allen Schriften von ihm geschrieben steht‹ (Lk 24,27), die Eucharistie zu feiern, in der ›Sieg und Triumph seines Todes dargestellt werden‹, und zugleich ›Gott für die unsagbar große Gabe dankzusagen‹ (2 Kor 9,15), in Christus Jesus ›zum Lob seiner Herrlichkeit‹ (Eph 1,12). All das aber geschieht in der Kraft des Heiligen Geistes« (SC, 6).
In unserer Zeit, in einem Umfeld, das von Leistungsstreben und konsumorientiertem Denken beherrscht ist, kann das Gebet als etwas Nutzloses und Lächerliches erscheinen. In einer Welt, wo Wissenschaft und Technik den Anspruch erheben, alle Antworten zu geben, kann das Beten als eine Form der Weltflucht erscheinen. Außerdem findet auch in einigen christlichen Familien die Weitergabe des Gebets nicht mehr statt, während zahlreiche Menschen Gefahr laufen, es mit einer x-beliebigen Technik zu verwechseln, die psychologischer Natur und auf das persönliche Wohlergehen ausgerichtet ist. Als grundlegende Dimension unseres Menschseins hat das Gebet es jedoch verdient, in seiner Wahrheit wiederentdeckt zu werden.
Die Konstitution Sacrosanctum Concilium hat diese Notwendigkeit ernstgenommen. Und das freute den heiligen Papst Paul VI. zutiefst. Als er dieses erste vom Zweiten Vatikanischen Konzil approbierte Dokument promulgierte, sagte er: »Gott an erster Stelle; das Gebet unsere erste Pflicht; die Liturgie die erste Quelle des göttlichen Lebens, das uns geschenkt wurde, die erste Schule unseres geistlichen Lebens« (Ansprache, Petersbasilika, 4. Dezember 1963).
Denn in der Konstitution bezeichnet der Begriff »das Gebet« die ganze Liturgie. Diese Perspektive ist entscheidend, weil sie die Liturgiereform ausgerichtet und ihr als tragende Achse die aktive Beteiligung der Gläubigen gegeben hat. Die Liturgie wird vor allem als Ort der Begegnung, der Initiative Gottes präsentiert, der sich der Menschheit zum Nächsten macht in seinem Sohn, »das Wort, das Fleisch angenommen hat und mit dem Heiligen Geist gesalbt worden ist« (SC, 5), dem wir antworten können »durch Christus, mit Christus und in Christus, in der Einheit des Heiligen Geistes«, also durch »das Gebet, das Christus vereint mit seinem Leibe an seinen Vater richtet« (SC, 84).
Darum wünschte der heilige Paul VI. inständig, dass das Stundengebet, also das tägliche öffentliche Gebet der Kirche, das von der Eucharistie untrennbar ist, das ganze christliche Gebet beleben, leiten und zum Ausdruck bringen und das geistliche Leben des Gottesvolkes nachhaltig nähren soll (vgl. Apostolische Konstitution Laudis canticum ).
Damit dieser Wunsch verwirklicht wird, muss das Stundengebet im täglichen Leben der Getauften und der Gemeinschaften immer mehr angenommen und gelebt werden. Vielen Menschen, die beten lernen wollen, insbesondere den Katechumenen, kann es den Weg und die Schule des christlichen Gebets bieten.
Jede Woche und jeden Tag sind die Eucharistie und das Stundengebet der Lebensatem der Kirche, der den Heiligen Geist durch ihren Leib zirkulieren lässt. In diesem Gebet schart er »die gesamte Menschengemeinschaft […] um sich, um gemeinsam mit ihr diesen göttlichen Lobgesang zu singen« (SC , 83); so werden wir tagtäglich immer mehr in das Pascha-Mysterium hineingenommen und Christus immer mehr gleichgestaltet.
Der heilige Augustinus sagt: »Wenn wir im Gebet mit Gott sprechen, dürfen wir den Sohn nicht von ihm trennen; und wenn der Leib des Sohnes betet, darf er sein Haupt nicht von sich trennen; möge es also derselbe einzige Retter seines Leibes, unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, sein, der für uns betet, der in uns betet und zu dem wir beten. Er betet für uns als unser Priester; er betet in uns als unser Haupt; wir beten zu ihm als unserem Gott. Erkennen wir also in ihm unsere Stimme und seine Stimme in uns« (Enarr. in psalmum LXXXV : PL 37, 1081).
Verbunden mit der Eucharistie, deren Licht es verlängert, heiligt das Stundengebet die Zeit unseres täglichen Lebens: Morgens beginnen wir den Tag mit Glauben und Dankbarkeit; mittags bitten wir um die Kraft der Treue inmitten der Mühsal; abends, nach Beendigung der Arbeit, begleitet die Vesper den Augenblick des Sonnenuntergangs; nachts schlafen wir ein, indem wir uns dem Frieden Gottes anvertrauen. Jede Hore ist ein Akt der Hoffnung: Auf dem irdischen Pilgerweg wachen wir und erwarten mit der ganzen Kirche die glorreiche Wiederkehr des Herrn.
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Liebe Brüder und Schwestern, am heutigen Gedenktag der Weihe der Basilika Santa Maria Maggiore wollen wir die heilige Jungfrau bitten, dass sie uns helfe, im Gebet treu zu sein, damit Gott stets den ersten Platz in unserem Leben einnehme.
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