APOSTOLISCHE REISE VON PAPST LEO XIV.
NACH ALGERIEN, KAMERUN, ANGOLA UND ÄQUATORIALGUINEA
(13.-23. APRIL 2026)
BESUCH BEIM MÄRTYRERDENKMAL "MAQAM ECHAHID"
GRUSSWORT DES HEILIGEN VATERS AN DAS ALGERISCHE VOLK
Algier
Montag, 13. April 2026
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Liebe Brüder und Schwestern in Algerien,
der Friede sei mit euch allen! As-salamu alaykom!
Ich danke Gott, dass er mir die Möglichkeit gibt, euer Land als Nachfolger des Apostels Petrus zu besuchen, nachdem ich dies bereits zweimal in der Vergangenheit als Angehöriger des Augustinerordens getan habe. Vor allem aber steht ein Bruder vor euch, der sich freut, bei dieser Begegnung die Bande der Zuneigung zu erneuern, die unsere Herzen einander näherbringen.
Wenn ich euch alle anschaue, sehe ich das Gesicht eines starken und jungen Volkes, dessen Gastfreundschaft und Brüderlichkeit ich bereits mehrfach erfahren durfte. Im Herzen der Algerier sind Freundschaft, Vertrauen und Solidarität keine bloßen Worte, sondern Werte, die Bedeutung haben und dem Zusammenleben Wärme und Stabilität verleihen.
Algerien ist ein großes Land mit einer langen Geschichte und reichen Traditionen, die bis in die Zeit des heiligen Augustinus und noch ein gutes Stück weiter zurückreichen. Diese Geschichte ist auch von Leid geprägt, von Zeiten der Gewalt, die ihr jedoch dank der edlen Gesinnung, die euch auszeichnet und die ich auch heute noch hier spüre, mit Mut und Aufrichtigkeit überwinden konntet.
Der Besuch dieses Denkmals ist eine Würdigung dieser Geschichte und der Seele eines Volkes, das für seine Unabhängigkeit und die Würde und Souveränität dieser Nation gekämpft hat.
An diesem Ort denken wir daran, dass Gott für jede Nation Frieden wünscht: einen Frieden, der nicht nur in Konfliktfreiheit besteht, sondern Ausdruck von Gerechtigkeit und Würde ist. Und dieser Friede, der es ermöglicht, mit versöhntem Herzen in die Zukunft zu gehen, ist nur durch Vergebung möglich. Der wahre Befreiungskampf wird erst dann endgültig gewonnen sein, wenn der Friede der Herzen erreicht ist. Ich weiß, wie schwer es ist, zu vergeben. Doch angesichts der weltweit immer zahlreicher werdenden Konflikte darf man nicht von Generation zu Generation Groll um Groll anhäufen.
Die Zukunft gehört den Männern und Frauen des Friedens. Am Ende wird die Gerechtigkeit immer über die Ungerechtigkeit triumphieren, so wie die Gewalt, entgegen allem Anschein, nie das letzte Wort haben wird.
In diesem Land, einem Kreuzungspunkt von Kulturen und Religionen, ist gegenseitiger Respekt der Weg, auf dem die Völker gemeinsam voranschreiten können. Möge Algerien, gestärkt durch seine Wurzeln und die Hoffnung seiner Jugend, weiterhin einen Beitrag zu Stabilität und Dialog in der Gemeinschaft der Nationen und im Mittelmeerraum leisten.
Jedes Volk hütet ein einzigartiges Erbe an Geschichte, Kultur und Glauben. Auch Algerien besitzt diesen Reichtum, der ihm in schwierigen Zeiten Halt gegeben hat und weiterhin richtungsweisend für seiner Zukunft ist. In diesem Erbe nimmt der Glaube an Gott einen zentralen Platz ein: Er erleuchtet das Leben der Menschen, stärkt die Familien und lässt das Gefühl von Geschwisterlichkeit wachsen. Ein Volk, das Gott liebt, besitzt den wahren Reichtum, und das algerische Volk bewahrt diesen Edelstein in seiner Schatzkammer. Unsere Welt braucht solche Gläubigen, Männer und Frauen des Glaubens, die nach Gerechtigkeit und Einheit dürsten. Deshalb ist es angesichts einer Menschheit, die sich nach Brüderlichkeit und Versöhnung sehnt, ein großes Geschenk und ein gnadenreiches Unterfangen, wenn wir uns mit Nachdruck dazu bekennen, dass wir immer untereinander Brüder und Schwestern sind und alle Kinder Gottes!
Denen, die nach vergänglichen Reichtümern suchen, die täuschen und enttäuschen und leider am Ende oft das menschliche Herz verderben und Neid, Rivalität und Konflikte hervorrufen, stellt Jesus dieselbe Frage, die er vor 2000 Jahren gestellt hat: »Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?« (Mt 16,26). Auf diese für alle Menschen grundlegende Frage haben die Verstorbenen, die hier geehrt werden, ihre Antwort gegeben. Sie haben ihr Leben verloren, aber in einem anderen Sinne. Sie haben es aus Liebe zu ihrem Volk hingegeben. Möge ihre Geschichte das algerische Volk und uns alle auf unserem Weg stärken: Denn wahre Freiheit ist nicht nur ein Erbe, man muss sich jeden Tag neu dafür entscheiden.
Erlaubt mir daher, zum Abschluss die Worte Jesu an seine Jünger wiederzugeben, die wir als Bergpredigt oder Seligpreisungen bezeichnen:
»Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen;
denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die rein sind im Herzen;
denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
denn ihnen gehört das Himmelreich« (Mt 5,3-10).
Danke für euren Empfang! Gott segne euch!
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