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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST LEO XIV.
NACH ALGERIEN, KAMERUN, ANGOLA UND ÄQUATORIALGUINEA
(13.-23. APRIL 2026)

BEGEGNUNG MIT DER WELT DER KULTUR 

ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV. 

Universitätscampus “León XIV” der Nationaluniversität (Malabo)
Dienstag, 21. April  2026

[Multimedia]

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Herr Rektor,
verehrte Autoritäten,
meine Damen und Herren!

Ich möchte meine Dankbarkeit für die Einladung zu dieser Veranstaltung zum Ausdruck bringen, mit der ein neuer Campus der Nationaluniversität von Äquatorialguinea eingeweiht wird. Ich danke Ihnen zudem für die freundliche Geste, diesen Ort nach mir benannt zu haben, in dem Bewusstsein, dass eine solche Ehre über die Person hinausgeht und vielmehr auf die Werte verweist, die wir gemeinsam vermitteln möchten.

Die Einweihung eines Universitätsstandorts ist mehr als ein Verwaltungsakt und als eine bloße Erweiterung der Infrastruktur und der für das Studium bestimmten Räumlichkeiten. Diese Einweihung ist eine Geste des Vertrauens in den Menschen: eine Bekräftigung der Tatsache, dass es sich lohnt, weiterhin auf die Bildung der kommenden Generationen und auf jene ebenso anspruchsvolle wie edle Aufgabe zu setzen, die darin besteht, nach der Wahrheit zu suchen und das Wissen in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen.

Daher hat dieser Moment eine Bedeutung, die weit über die materiellen Grenzen des Ortes und der Gebäude hinausgeht. Heute wird auch ein Raum für Hoffnung, für Begegnung und für Fortschritt eröffnet. Denn jedes echte Bildungswerk ist dazu berufen, nicht nur strukturell zu wachsen, sondern als lebendiger Organismus.

Vielleicht eignet sich deshalb das Bild des Baumes besonders gut, um über den Auftrag der Universität zu sprechen. Für die Bevölkerung Äquatorialguineas hat die Ceiba, der Nationalbaum, eine große symbolische Bedeutung. Ein Baum schlägt tiefe Wurzeln, reckt sich geduldig und kraftvoll in die Höhe und birgt in sich eine Fruchtbarkeit, die nicht um ihrer selbst willen besteht.

Durch seine Größe, die Festigkeit seines Stammes und die Weite seiner Äste erscheint dieser Baum als Gleichnis für das, was eine Hochschule sein soll: fest verwurzelt in der Ernsthaftigkeit des Studiums, im lebendigen Gedächtnis eines Volkes und im beharrlichen Streben nach der Wahrheit. Nur so kann sie stabil wachsen; nur so wird sie in der Lage sein, sich zu erheben, ohne den Kontakt zu der geschichtlichen Wirklichkeit zu verlieren, in der sie steht, und den neuen Generationen neben den Werkzeugen für den beruflichen Erfolg auch einen Sinn im Leben, Kriterien zur Unterscheidung und Beweggründe zum Dienen zu vermitteln.

Die Geschichte des Menschen lässt sich auch anhand der Symbolik einiger biblischer Bäume deuten. Im Garten des Buches Genesis steht neben dem Baum des Lebens auch der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse (vgl. Gen 2,9), dessen Früchte Gott dem Mann und der Frau zu essen verbietet. Es muss betont werden, dass es sich dabei nicht um eine Verurteilung der Erkenntnis an sich handelt, als ob der Glaube die Intelligenz fürchtete oder dem Wissensdrang mit Misstrauen begegnete. Der Mensch hat die Fähigkeit erhalten, zu erkennen, zu benennen, zu unterscheiden, angesichts der Welt ins Staunen zu geraten und nach ihrem Sinn zu fragen (vgl. Gen 2,19).

Das Problem liegt also nicht in der Erkenntnis selbst, sondern in ihrer Abwandlung zu einer Intelligenz, die nicht mehr versucht, der Wirklichkeit zu entsprechen, sondern diese nach den eigenen Maßstäben zurechtzubiegen und sie nach dem Belieben derer zu beurteilen, die behaupten, sich auszukennen. Dann hört das Wissen auf, Offenheit zu sein, und es wird zu Besitz; es hört auf, ein Weg zur Weisheit zu sein, und verwandelt sich in eine hochmütige Behauptung der Selbstgenügsamkeit, wodurch es den Weg für Verirrungen ebnet, die bis zur Unmenschlichkeit führen können.

Die biblische Geschichte erschöpft sich jedoch nicht in diesem Baum. Die christliche Tradition kennt noch einen anderen Baum, den Baum des Kreuzes. Sie betrachtet ihn nicht als Verneinung menschlicher Intelligenz, sondern als Zeichen ihrer Erlösung (vgl. Kol 2,2-3). Während im Buch Genesis von der Versuchung eines von der Wahrheit und dem Guten losgelösten Wissens die Rede ist, offenbart sich am Kreuz hingegen eine Wahrheit, die sich, weit davon entfernt, ihre Herrschaft zu erzwingen, aus Liebe hingibt und den Menschen zu jener Würde erhebt, die ihm von Anbeginn an zugedacht war. Dort ist der Mensch eingeladen, sein Verlangen nach Erkenntnis heilen zu lassen: wiederzuentdecken, dass die Wahrheit nicht hergestellt, nicht manipuliert und nicht wie eine Trophäe besessen wird, sondern dass man sie annimmt, sie in Demut sucht und ihr verantwortungsvoll dient.

Aus christlicher Sicht erscheint Christus daher nicht als ein fideistischer Ausweg angesichts der intellektuellen Anstrengung, als ob der Glaube dort begänne, wo die Vernunft aufhört. Im Gegenteil: In Christus wird der tiefe Einklang von Wahrheit, Vernunft und Freiheit sichtbar. Die Wahrheit erweist sich als etwas, das dem Menschen voraus ist, ihn anspricht und ihn aufruft, aus sich selbst herauszutreten, und deshalb kann sie vertrauensvoll gesucht werden. Der Glaube beendet diese Suche keineswegs, sondern reinigt sie von Selbstgenügsamkeit und öffnet sie für eine Fülle, nach der die Vernunft strebt, auch wenn diese sie nicht vollständig erfassen kann.

Auf diese Weise lenkt der Baum des Kreuzes die Liebe zur Erkenntnis wieder in ihre ursprünglichen Bahnen zurück. Er lehrt uns, dass Erkennen bedeutet, sich der Wirklichkeit zu öffnen, ihren Sinn anzunehmen und ihr Geheimnis zu bewahren. So bleibt die Suche nach der Wahrheit wahrhaft menschlich: demütig, ernsthaft und offen für eine Wahrheit, die uns vorausgeht, uns ruft und uns übersteigt.

Es reicht nämlich nicht aus, dass ein Baum Früchte trägt: Auch die Qualität dieser Früchte zählt, denn an den Früchten erkennt man den Baum (vgl. Mt 7,20). Ebenso misst sich eine Universität eher an der Qualität der Studenten, die sie für das Leben der Gemeinschaft hervorbringt, als an der Zahl der Absolventen oder der Größe ihrer Infrastruktur. Dies ist der aufrichtige Wunsch, den die katholische Kirche mit ihrem jahrhundertelangen Engagement im Bildungsbereich zum Ausdruck bringt: dass die Absolventen gut ausgebildet sind  aufgrund ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten; reife Früchte, die ihrerseits wahrhaft fruchtbar sind, über den bloß scheinbaren Erfolg hinaus.

Liebe Brüder und Schwestern, hier, in den Räumlichkeiten dieses Gebäudes, soll die Ceiba Äquatorialguineas Früchte eines solidarischen Fortschritts tragen, Früchte einer Erkenntnis, die den Menschen adelt und ganzheitlich fördert. Sie ist dazu berufen, Früchte der Intelligenz und Redlichkeit, der Sachkenntnis und Weisheit, der Exzellenz und des Dienstes hervorzubringen. Wenn hier Generationen von Männern und Frauen heranwachsen, die tief von der Wahrheit geprägt und fähig sind, ihr Leben in ein Geschenk für andere zu verwandeln, dann wird die Ceiba weiterhin als aussagekräftiges Symbol emporragen: verwurzelt im Besten dieses Landes, erhoben durch die Erhabenheit des Wissens und reich an Früchten, die Äquatorialguinea ehren und die gesamte Menschheitsfamilie bereichern können.

In diesem Sinne rufe ich auf Sie alle – die Autoritäten, die Dozenten, die Studenten, das Personal dieser Universität und Ihre Familien – den reichen Segen Gottes herab, des Allmächtigen, der in Jesus Christus, der fleischgewordenen Wahrheit, den Menschen die Wahrheit über sich selbst und seine hohe Würde offenbart hat (vgl. Ökumenisches Konzil Vatikan II, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 22). Und ich vertraue Sie alle dem mütterlichen Schutz der allerseligsten Maria, dem Sitz der Weisheit, an, damit diese Früchte nicht nur reichlich, sondern auch sehr gut sein mögen. Vielen Dank!