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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST LEO XIV.
NACH FRANKREICH UND BESUCH AM SITZ DER UNESCO
(ORGANISATION DER VEREINTEN NATIONEN FÜR BILDUNG, WISSENSCHAFT UND KULTUR)

25.–28. SEPTEMBER 2026

BEGEGNUNG MIT MITARBEITERN DES PILGERDIENSTES „ACCUEIL NOTRE-DAME“
UND VON DIESEM BETREUTEN PERSONEN

ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV.

Heiligtum "Unsere Liebe Frau von Lourdes"
Sonntag, 27. September 2026

[Multimedia]

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Liebe Brüder und Schwestern,
liebe Kranke,

es ist mir eine große Freude, diesen Moment mit euch hier in Lourdes zu verbringen. Seit mehr als 150 Jahren kommen Pilger aus aller Welt hierher, um Jesus durch Maria ihre körperlichen, seelischen oder geistlichen Leiden anzuvertrauen. Hier wird die Gebrechlichkeit nicht versteckt, sondern zum Ort einer heiligen Begegnung.

Dieses Jahr greift das pastorale Thema des Heiligtums den Gruß des Engels Gabriel an Maria auf: »Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir« (Lk 1,28). Es beleuchtet damit die wunderbare Begegnung von zwei Blicken – dem des Boten des Herrn und dem Marias. Bei dieser Begegnung erlauben die Demut und die Großherzigkeit eines jungen Mädchens Gott, sein Heilswerk zu vollbringen. Maria hat den Herrn nicht für sich behalten, sondern ihn der Welt geschenkt, indem sie zu jedem von uns sagt: »Der Herr ist mit dir«. Diese Wahrheit ist das Fundament unserer Menschenwürde. Und hier sieht Maria jeden von uns als eine einzigartige Person an, wie die heilige Bernadette bei den Erscheinungen in der Grotte bezeugt. Dieser mütterliche Blick erinnert uns erneut daran, dass in den Augen Gottes niemand unsichtbar ist.

In einer Zeit, in der einige Gesellschaften dazu neigen, den Blick abzuwenden oder die Augen vor der Würde des menschlichen Lebens zu verschließen, »ist es vor allem dringend notwendig, in uns und in den anderen eine kontemplative Sicht zu pflegen. […] Es ist die Sicht dessen, der das Leben dadurch in seiner Tiefe sieht, dass er dessen Dimensionen der Unentgeltlichkeit, der Schönheit, der Herausforderung zu Freiheit und Verantwortlichkeit erfasst. Es ist die Sicht dessen, der sich nicht anmaßt, der Wirklichkeit habhaft zu werden, sondern sie als ein Geschenk annimmt und dabei in jedem Ding den Widerschein des Schöpfers und in jedem Menschen sein lebendiges Abbild entdeckt (vgl. Gen 1,27; Ps 8,6). Diese Sicht […] beginnt […] auf dem Antlitz jedes Menschen einen Aufruf zu Gegenüberstellung, zu Dialog, zu Solidarität zu entdecken« (Hl. Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium vitae, 83), damit die Welt das Leben hat.

Maria erkennt während des Dialogs der Verkündigung, als der Herr sie anblickt, dass sie von Gott auserwählt ist. Doch im Kern dieser Begegnung kann jeder von uns erkennen, dass er persönlich angesprochen wird und zutiefst zur Liebe Gottes bestimmt ist, der der Quell des Lebens ist. Der Mensch ist nämlich „würdig“ allein schon aufgrund die schlichten Tatsache, dass er existiert und auf die Ewigkeit ausgerichtet ist. Seine Würde lässt sich nicht messen und steht nicht zur Diskussion.

Ich weiß, dass für einige von euch aufgrund bestimmter Erkrankungen und mitunter schrecklicher Schmerzen die Zukunft dunkel, ungewiss und aussichtslos erscheinen mag. Doch kein menschliches Gesetz darf euch die Gewissheit eurer Würde nehmen. Im Gegenteil: Der Versuchung, unter dem Vorwand falschen Mitleides das Leben zu beenden, muss gerade im Namen dieser unveräußerlichen Würde des Menschen entschieden widerstanden werden. Es ist unmöglich, das Herbeiführen des Todes als normal anzusehen. Was legal ist, ist nicht zwangsläufig auch sittlich erlaubt.

Hier in Lourdes, der Stadt der Kranken und der Hoffnung, rufe ich alle im Gesundheitswesen Tätigen dazu auf, sich an den tiefen Sinn ihrer Berufung zu erinnern, die darin besteht, sich um einen leidenden Menschen zu kümmern und nicht, ihn zu beseitigen. Ja, liebe Freunde, stellt euch leidenschaftlich in den Dienst des Lebens! Niemand hat jemals das Recht, »auf der Grundlage von labortechnischen Algorithmen über das Leben eines bestimmten Embryos oder eines bestimmten älteren Menschen zu entscheiden! Die Medizin darf niemals zum Gehilfen des programmierten Todes werden!« (Ansprache an die Mitglieder der Fondation Jérôme Lejeune, 22. Juni 2026). In diesem Sinne lade ich euch dazu ein, einerseits die Strukturen der Palliativpflege und der Forschung unermüdlich weiterzuentwickeln, und gleichzeitig die Kranken liebevoll zu begleiten, wie hier in Lourdes, wo Ärzte, Pflegekräfte, Krankenträger, Seelsorger, Teams für die Krankenpastoral und viele andere ihre Berufung im Dienst der Würde des Menschen ausüben, damit die Welt das Leben hat. Indem ihr den Leib pflegt, sorgt ihr auch für die Seele. Euch, liebe Mitglieder der Hospitalités, aber auch euch, dem medizinischen Personal, die ihr euch dem Dienst an euren Brüdern und Schwestern widmet, spreche ich meine ganze Dankbarkeit aus.

Liebe kranke Brüder und Schwestern, es ist mir wichtig, euch zu sagen: Ihr seid keine Last, ihr seid das pulsierende Herz unserer Menschlichkeit und ein kostbarer Schatz für die Kirche. Ich schließe die Leiden, die ihr durchmacht, in meine Gebete ein. Meine Gedanken sind bei all jenen, die nicht hier sein können und die von zu Hause oder von ihrem Krankenhauszimmer aus mit unserem Treffen verbunden sind. Euch alle vertraue ich der mütterlichen Liebe der Mutter des Herrn an und bitte sie, euch den Trost ihres Sohnes Jesus zu erwirken. Gott segne und beschütze euch!