APOSTOLISCHE REISE VON PAPST LEO XIV. NACH SPANIEN
(6.–12. Juni 2026)
GEBETSWACHE MIT DEN JUGENDLICHEN
ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV.
„Plaza de Lima“ (Madrid)
Samstag, 6. Juni 2026
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(1) Wir wissen, dass der heilige Augustinus für Sie sehr wichtig ist, aber welche anderen Heiligen und welche anderen Vorbilder haben Ihnen bei Ihrem Wachstum als Christ geholfen?
(2) Ich möchte Sie zu Ihren Jahren als Missionar in Peru befragen. Welche Erinnerung oder welche Erfahrung aus diesen Jahren ist Ihnen besonders wertvoll?
Also, zunächst einmal: Einen herzlichen Gruß an euch alle! Danke, dass ihr hier seid, und danke, dass ihr euren Glauben mit ganz Madrid und ganz Spanien teilt. Zur ersten Frage nach einigen Heiligen, die für mich während meiner Kindheit und Jugend, aber auch als Bischof und als Papst eine wichtige Rolle gespielt haben… Der heilige Augustinus wurde bereits erwähnt – und wir alle wissen, dass der heilige Augustinus eine sehr wichtige Figur für die ganze Kirche ist –, aber ich habe auch an einen der Väter der Ostkirche gedacht, den heiligen Johannes Chrysostomus. Sein Name bedeutet „Goldmund“ – ein Titel, den sich dieser Kirchenvater aufgrund seines wunderbaren Redetalents verdient hat. Vor seiner Taufe im Jahr 368 n. Chr. studierte er Philosophie. Danach widmete er sich gemeinsam mit anderen jungen Männern aus Antiochia, seiner Heimatstadt, der Auslegung der Heiligen Schrift. Nach einer Zeit als Einsiedler stellte er sich als Priester und dann als Bischof in den Dienst der Kirche. Und hier möchte ich die Gelegenheit nutzen, um euch allen zu sagen: Habt niemals Angst davor, über eine Berufung zu einem Leben als Priester, zum Ordensleben oder zu anderen Diensten in der Kirche nachzudenken! Denn Johannes Chrysostomos, der diese Liebe zum Wort Gottes in seinem Herzen trug, gab – nachdem er Priester und Bischof geworden war – ein großartiges Zeugnis, vor allem durch die Stimmigkeit seines Lebens. Wenn er predigte, dann deshalb, weil er diese Botschaft lebte. Mich persönlich haben besonders seine Katechesen beeindruckt, seine Sermones, seine Predigten und Schriften, die die Liebe zur Wahrheit und die Rechtschaffenheit seines Lebens vereinen. Aber er hatte auch viel Mut. Er scheute sich nicht, vor dem Kaiser zu sprechen und Dinge zu sagen, die der Gerechtigkeit dienten und nicht nur dazu, anderen zu gefallen. Er war ein Mann, der zu seinem Wort stand.
Ein anderer Heiliger, an den ich gedacht habe, ist der heilige Thomas von Villanova, Augustiner, der dazu berufen war, auch ein Hirte der Kirche zu werden. Er war Spanier. Er studierte an der Universität von Alcalá und erwarb sich durch seine Weisheit die Wertschätzung von Kaiser Karl V. Dann wurde er zum Bischof von Valencia ernannt und nahm eine intensive Reform der Kirche in Angriff, vor allem des Klerus, wobei er seine Mitbrüder zu Ausdauer im Gebet, in einem keuschen Leben und im Gehorsam ermahnte. Wegen seiner glühenden Nächstenliebe ist er bis heute als „der Bischof der Armen“ bekannt. hat mich in Zeiten der Prüfung ermutigt. Diese Nächstenliebe hat mir in schwierigen Zeiten und im Dienst Kraft gegeben.
Ein anderer Weggefährte ist der heilige Toribio de Mogrovejo, ebenfalls ein Spanier. Im 16. Jahrhundert war er Missionar in Peru, wo er sich mit großem Eifer der Evangelisierung widmete und die lokalen Sprachen lernte. Der heilige Toribio verband ein intensives Gebetsleben mit dem Einsatz für Gerechtigkeit, insbesondere angesichts der Missstände und der Verdorbenheit seiner Zeit. Deshalb ist er für mich ein Vorbild des Einsatzes für die Menschen, besonders die Ärmsten, im Namen Christi.
Als ich das Leben dieser Heiligen betrachtete, sagte ich mir wie der heilige Augustinus: Wenn sie dazu fähig waren, warum sollte ich es dann nicht sein? (vgl. Bekenntnisse, VIII, 27). Eine Frage, die ich gern auch an euch weitergebe und mit der ich euch einladen möchte, Vorbilder für ein gutes Leben zu wählen, die sowohl für euch als auch für andere attraktiv sind.
Also, was meine Jahre in Peru als Missionar und dann als Bischof betrifft, so erinnere ich mich vor allem an das Glaubenszeugnis der Menschen, die zwar von vielen Schwierigkeiten gezeichnet, aber voller Hoffnung waren. Gerade die Begegnung mit den Nöten und auch mit Freuden des Volkes hat mich auf dem Weg der Nachfolge Jesu wachsen lassen. Während ich das Evangelium verkündete, wurde auch ich selbst durch das Evangelium verwandelt, verwandelt durch das Leben und den Glauben dieser Menschen, die materiell oft sehr arm, aber reich an Glauben waren. Und indem ich diesen Glauben an das Wort des Herrn erlebt habe, habe ich gesehen, wie das Wort Gottes Konflikt in Frieden verwandeln kann. Es kann eine Quelle der Versöhnung, des Friedens und der Gerechtigkeit sein.
(3) Was betrachten Sie als hilfreich, um die Stimme Gottes unter den vielen anderen Stimmen erkennen zu können?
(4) Wie können wir, die wir ebenfalls auf der Suche sind, die anderen auf ihrem Weg begleiten, die Schönheit des Glaubens zu entdecken?
Zunächst können wir darüber sprechen, wie man diese Stimme Gottes hört, wie man erkennt, ob es wirklich Gott ist, der spricht, oder etwas anderes – eine andere Anziehungskraft, eine andere Schwierigkeit.
Beim Erkennen der Stimme Gottes kann uns vor allem die Stille helfen. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass jeder von uns versucht, die Fähigkeit zu entwickeln, still zu sein. Oft sind wir mit Kopfhörern unterwegs, hören Musik, lassen uns ablenken und wissen gar nicht, wie man still sein kann. Ich glaube, oft ist es gerade in dieser Erfahrung der Stille, in der Gott zu uns sprechen kann oder in der wir die Stimme Gottes erkennen können. Wenn wir die Stille suchen, entscheiden wir, was wir nicht hören wollen und von welchen Geräuschen wir uns nicht ablenken lassen. Wenn wir uns vom Lärm tausender Stimmen befreien, erkennen wir, dass manche unsere Wünsche in die Irre führen, andere uns für sich gewinnen, ohne uns zu nähren, und wieder andere ihre eigenen Interessen vertreten. In der Stille begreifen wir, dass Ideologien vergehen, während die Wahrheit bleibt. Auch hier möchte ich betonen, wie wichtig es ist, nach der Wahrheit zu suchen, denn viele Stimmen und viele Dinge in den sozialen Netzwerken täuschen uns und erzählen uns Lügen. Sucht immer nach der Wahrheit! Gott ist Wahrheit! Wenn es dich von Gott entfernt, ist es keine Wahrheit! Vergesst das nicht!
Zweitens: Habt die Gewissheit, dass Gott deine Stimme, eure Stimme gut kennt: Er hört euch und wird euch antworten. Scheut euch nicht das auszusprechen, was ihr im Herzen fühlt. Es gibt einen Psalm, der sagt: »Sollte der nicht hören, der das Ohr gepflanzt hat?« (Ps 94,9). Unsere innere Rede wird zu Gebet, Lobpreis und Bitte, wenn wir sie dem Einzigen anvertrauen, der sie hören kann. Das Gebet ist eine freie Stimme, gerade weil sie nicht spricht, um uns zu rechtfertigen, um zu beweisen, dass wir fähig sind, oder um uns wichtig erscheinen zu lassen. Wenn wir selbst zum Gebet werden, antwortet uns der Herr mit seinem Wort, das für uns Mensch geworden ist, und bekräftigt somit, dass er uns von ganzem Herzen liebt.
Um die Stimme Gottes zu erkennen, ist es drittens notwendig, das Wort zu hören. Das Wort Gottes ist lebendig, denn es ist Christus, dessen Stimme weiterhin in der Kirche erklingt, die sein Leib ist. Es erfüllt die gesamte Heilige Schrift, dieses alte und neue Testament, das den Menschen als Heilsverheißung gegeben wurde. Auch die eucharistische Anbetung, die wir heute Abend gemeinsam halten, ist genau der richtige Ort, um zu schweigen, das Herz zu befreien und vor dem Herrn „wir selbst zu sein“, im Dialog mit ihm, so dass seine Liebe, die zur Nahrung für die ganze Menschheit geworden ist, zum Ausdruck kommen kann.
Liebe junge Menschen, wenn ihr andere dabei begleitet, die Schönheit unseres Glaubens zu entdecken, denkt außerdem daran: Keiner von uns wurde als Meister geboren, und vor dem Herrn sind wir alle Jünger. Teilt also euren geistlichen Weg miteinander und bezeugt ihn durch einen konsequenten Lebensstil: Der Wille, Jesus nachzufolgen, wird euch beständig erneuern, vor allem in Momenten der Erschöpfung. Dabei ist es wichtig zu erkennen, dass niemand allein an Jesus glaubt. Seht nur, wie viele von euch hier sind! Und so können wir alle gemeinsam – in der Gemeinschaft, in den Jugendgruppen, in der Familie – erfahren, wie schön unser Glaube ist. Denn wenn ihr euren geistlichen Weg miteinander geht, wird euch der Wille, Jesus nachzufolgen, beständig erneuern. Jesus geht in unserem Tempo und erleuchtet unseren Weg. Folgt dem Beispiel des Meisters: Dazu lade ich euch ein, als Hirten, Erzieher, als Freunde. Wenn ihr mit Liebe betet, werden die Jugendlichen die Bedeutung des Gebets schätzen lernen. Wenn ihr im Glauben brennt, werdet ihr sein lebendiges Feuer weitergeben. Sucht alle in euren Herzen dieses Feuer der Liebe Gottes! Denn dort ist die Gegenwart Jesu, und die Nähe Jesu spürt man auch in den Momenten, in denen wir straucheln, denn Jesus lässt uns nicht im Stich. Auch wenn wir zu einer ausgestreckten Hand werden, zu einer brüderlichen Umarmung, wenn wir nach Möglichkeiten suchen, anderen zu dienen, und wenn wir nach Wegen suchen, mit dem Leben des anderen in Berührung zu treten – mit seinen Wunden, seiner Traurigkeit, seinen Schwierigkeiten. Dort wird der Glaube an Jesus Christus lebendig, und dort wird Jesus uns helfen, einander auf dem Weg beizustehen.
(5) Wie können wir jungen Christen uns in dieser Gesellschaft engagieren?
(6) Welchen konkreten Auftrag erteilen Sie uns jungen Menschen in der Kirche?
Gut, herzlichen Glückwunsch zu deiner Hochzeit, Fernando! Ich habe hier auch andere Paare gesehen, die heiraten werden: Alles Gute und Gottes Segen! Denn wenn ich vorhin gesagt habe, „habt keine Angst davor, über eine Berufung nachzudenken“, so ist auch die Ehe eine Berufung. Habt keine Angst vor der Ehe und davor, eine Familie zu gründen!
Im Laufe der jahrhundertelangen Geschichte der Kirche haben wir Christen in allen Arten von Gesellschaften gelebt und den Wandel der Kulturen erfahren, an denen wir teilhatten und zu deren Gestaltung wir beigetragen haben. Es gibt da einen alten Text, der Brief an Diognet heißt und uns diesbezüglich eine schöne Erkenntnis vermittelt: »Was im Leibe die Seele ist, das sind in der Welt die Christen« (VI). Das ist unsere Lebensweise: Die Jünger Jesu sind immer Zeitgenossen, aber niemals Gefangene der Zeit, die vergeht. Wir sind frei in Christus! Und Christus hat uns durch seine Liebe befreit. Dank dieser Liebe sind wir immer frei von jeglichem Zwang und jeder Täuschung. Wir sind frei von Moden, denn wir sind Jünger der Wahrheit; wir sind offen für die Zukunft, denn wir wissen, dass uns nicht der Tod erwartet. Im Gegenteil, der Sinn der Geschichte gipfelt in der ewigen Lebensgemeinschaft, die Gott für alle bereitet. Aus dieser Perspektive seid vor allem ihr jungen Menschen aufgerufen, der Gesellschaft eine neue Richtung zu geben, indem ihr zu Protagonisten des Wandels werdet, ausgehend von euren alltäglichen Beziehungen, von dem, was ihr in der Familie, an der Universität und bei der Arbeit erlebt. Wenn ich euch, liebe junge Menschen, erfüllt von dieser aus dem Glauben kommenden Begeisterung sehe, denke ich mit Freude an eure Fähigkeit, Christus in der Welt, auch in der digitalen, zu bezeugen, um die Werte und die Schönheit des Evangeliums zu vermitteln (vgl. Christus vivit, 105; Grußwort zur Heilig-Jahr-Feier der digitalen Missionare, 29. Juli 2025).
Ich lade euch daher alle ein, gemeinsam das Salz der Erde und das Licht der Welt zu sein (vgl. Mt 5,13). Um so zu leben, ist es vor allem notwendig, die heutige Gesellschaft gut zu verstehen und weise zu leben, um sie dann als Zeugen des Evangeliums zu verwandeln. Der junge Christ nämlich ist heiter sowohl in der Freude als auch in der Prüfung und verleiht der Wirklichkeit Geschmack, weil er sie als jemand erlebt, der sich in seinem Innern am Leben erfreut, ohne darauf zu warten, dass Reichtum, Vergnügungen oder Macht ihm diesen Geschmack schenken. Das ist unsere Freiheit, die ihre Quelle im Glauben hat und die der ganzen Gesellschaft, jeder menschlichen Erfahrung Licht und guten Geschmack verleihen kann. Wenn das Leben hingegen keinen Geschmack hat, ist es, als wäre es uns weggenommen worden: Wir empfinden es nicht mehr als unser eigenes. Angesichts der Leere von Gleichgültigkeit und Konformismus, angesichts der Gewalt von Krieg und Lüge, seid ihr selbst der Funke einer neuen Menschheit.
Und deshalb möchte ich euch allen einen Auftrag mit auf den Weg geben: Seid menschlich. Ja, seid menschlich! Männer und Frauen aus Fleisch und Blut. Nicht Fassaden, sondern vertrauenswürdige Gesichter. Menschen, die nach Gerechtigkeit streben, weil sie danach hungern wie nach dem täglichen Brot. Menschen, die ein ehrliches und aufrichtiges Leben führen wollen, weil sie anderen gerne das tun, was sie sich von anderen wünschen. Seid Menschen wie Christus, der vollkommene Mensch, der Auferstandene, der mit uns ist zu allen Zeiten der Geschichte. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, schaut auf die Apostel, auf die ersten Christen, die in einem heidnischen Umfeld lebten. Folgt ihrem Beispiel und seid Missionare des Evangeliums angesichts der materiellen und geistigen Armut unserer Zeit, in dem vollen Bewusstsein, dass unser Glaube eine Lebensweise ist, die sich in der Liebe verwirklicht (vgl. Gal 5,6). Sie, liebe junge Menschen, ist die Tugend, die die Geschichte mehr als jede andere verändert. Ihr könnt die Geschichte verändern! Tut es mit Liebe! Vielen Dank.
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