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BOTSCHAFT VON
PAPST LEO XIV.


ZUM 11. WELTGEBETSTAG
FÜR DIE BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG 2026

[1. September 2026]

[Multimedia]

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»Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden
und ihre Lanzen zu Winzermessern.
« (Jesaja 2,4)

 

Liebe Brüder und Schwestern,

unser Herr Jesus Christus ist gekommen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben (vgl. Joh 10,10). Dieses Geschenk des Lebens ist der Kern unseres Auftrags als Jünger und unserer gemeinsamen Berufung, eine Zivilisation der Liebe aufzubauen. An diesem Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung sind wir erneut eingeladen, über das Geschenk des Lebens nachzudenken und die Erde zu lieben, die es erhält, denn dies sind konkrete Wege, um unseren Schöpfer zu preisen.

Heute erleben wir viele Krisen und großes menschliches Leid. Zugleich scheint sich die Zerstörung des harmonischen Gleichgewichts der Schöpfung zu beschleunigen. Diese Phänomene sind nicht ohne Zusammenhang; sie sind ein einziger Ruf nach Heilung und Frieden, der von einer verwundeten Welt ausgeht.

Der Gott des Lebens, der sich in Jesus Christus offenbart hat, schenkt einen Frieden, den die Welt nicht geben kann: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch« (Joh 14,27). Dieser Friede ist weder oberflächlich noch vergänglich; er entspringt der beständigen Liebe Christi und seiner Sorge für jeden Menschen.

Doch dieses Friedensversprechen steht in scharfem Kontrast zu den realen Verhältnissen, die wir in vielen Teilen der Welt beobachten. Der Prophet Jesaja sprach von einer Zeit, in der die Völker »ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden« (Jes 2,4) sollten, um das, was Leben zerstört, in etwas Lebenserhaltendes zu verwandeln. Doch heute erleben wir allzu oft genau das Gegenteil, dass man nämlich weiterhin auf Gewalt und Krieg aus ist.

Krieg hinterlässt Wunden, die weit über das Schlachtfeld hinausreichen. Er fordert Menschenleben, zerreißt Familien und zwingt Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat, wodurch Angst, Ungerechtigkeit und Spaltung verstärkt werden (vgl. Gaudium et Spes, 77–82). Krieg hinterlässt zudem soziale und ökologische Zerstörungen, die mehrere Generationen lang anhalten. Überdies führt das Zusammenspiel von bewaffneten Konflikten und Umweltzerstörung oft zu einem Teufelskreis, der Ökosysteme zerstört, lebenswichtige Ressourcen wie Luft und Wasser verschmutzt und die Lebensmittelversorgung gefährdet. Dies verschlimmert Armut, Ungleichheit und neue soziale Spannungen, die zur Entstehung weiterer Konflikte beitragen können.

Außerdem verursacht Krieg Wunden, die das gesamte Gefüge des Lebens schädigen und nicht nur einzelne Menschen und Gemeinschaften beeinträchtigen, sondern auch deren umfassenderen Beziehungszusammenhang mit der gesamten Menschheitsfamilie und ihr Im-Einklang-Sein mit der Schöpfung. Krieg offenbart ein tiefergehendes Unvermögen, nach Gottes Bild und Gleichnis zu leben, das Leben zu achten und für die uns anvertraute Erde zu sorgen. Dies ist nicht nur ein politisches Versagen, sondern auch ein moralisches und geistliches. Der Krieg, der in fehlgeleiteten Begierden und im Missbrauch menschlicher Freiheit und Macht wurzelt, ist ein Gegenzeugnis zum Evangelium des Friedens.

Die oben genannten Krisen rufen nicht bloß nach Verantwortung, sondern auch nach einer Bekehrung des Herzens, die Früchte in Form einer tieferen Treue zu Gott, gegenseitiger Liebe und der Achtung vor dem Geschenk der Schöpfung tragen wird. Tatsächlich ist die Zwietracht, die wir in der Welt sehen – wie Gewalt, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung –, nicht einfach das Ergebnis mangelhafter Systeme oder Strukturen; sie hängt mit der »tiefer liegenden Störung des Gleichgewichts zusammen, die im Herzen des Menschen ihren Ursprung hat« (Gaudium et Spes, 10). Das menschliche Herz ist in der Tat der Ort, an dem sich die innersten Kämpfe entfalten und sich unser gefallener Zustand offenbart. Es ist nicht bloß der Sitz der Gefühle, sondern die Mitte der Person – der Ort, an dem Vernunft, Begehren, Wille und Bewusstsein zusammenlaufen. Hier ringen wir mit unseren widersprüchlichen Sehnsüchten zwischen Liebe und Gleichgültigkeit, Wahrheit und Illusion, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit (vgl. Jak 1,14–15). Die Wunden des Krieges und die Schädigung der Erde sind also zutiefst mit dem Zustand des menschlichen Herzens verbunden. Die Konflikte, die die Menschheit quälen, sind in vielerlei Hinsicht der äußere Ausdruck von innerer Widersprüchlichkeit und Spaltung. Wenn das Herz deformiert ist, leiden die Beziehungen darunter, und die Strukturen, die wir bilden, beginnen diese Unordnung zu spiegeln.

Papst Benedikt XVI. erinnerte uns daran: »Die äußeren Wüsten wachsen in der Welt, weil die inneren Wüsten so groß geworden sind« (Homilie in der Messe zur Amtseinführung, 24. April 2005). So ist es erforderlich, dass wir anerkennen, dass das, was um uns herum zerbrochen ist, in gewisser Weise auch in uns zerbrochen ist. Um eine friedliche Gesellschaft zu schaffen, müssen wir daher nicht nur Strukturen reformieren, sondern auch unsere Herzen erneuern. Die tiefen Ursachen von Konflikten und der Ausbeutung der Schöpfung liegen in einer ethischen und kulturellen Krise, insbesondere im Verlust jedes Sinns für Grenzen, im Herrschaftsstreben, im Verfolgen von kurzfristigem Profit und in der Unfähigkeit, die von Gott gegebene Würde jedes Menschen anzuerkennen.

Der prophetische Aufruf, »Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden« (Jes 2,4), ist daher nicht bloß eine Vision für Völker, sondern ein Aufruf an jeden Einzelnen. Er lädt uns ein, Leid in Leben zu verwandeln. Doch diese Verwandlung kann nicht allein durch äußere Veränderungen erreicht werden. Sie erfordert im Zusammenspiel mit Gottes Gnade eine tiefere persönliche und gemeinschaftliche Bekehrung – eine Rückkehr zu Gott, der unsere Sehnsüchte wieder richtig ordnet, unsere Wunden heilt und uns hilft, in Tugendhaftigkeit zu wachsen.

Ohne diese innere Wandlung wird Friede nur brüchig und von kurzer Dauer sein. Doch wo Herzen erneuert werden, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Was zur Zerstörung genutzt wurde, kann nun für das Leben eingesetzt werden, zur Sorge für die Armen, zur Ernährung der Hungernden und zur Bewahrung der Schöpfung. Dies ist der Weg einer echten ökologischen Umkehr, wo die Auswirkungen unserer Begegnung mit Jesus Christus in unserer Beziehung zur uns umgebenden Welt deutlich sichtbar werden (vgl. Franziskus, Laudato Si’, 217). Friede beginnt also im Herzen und strömt von dort hinaus in unsere Beziehungen, Gemeinschaften und weiter in die Welt.

Auch wenn die Herausforderungen, vor denen wir stehen, gewaltig sind, lässt Gott uns nicht ohne Mittel zur Heilung und Verwandlung zurück. Anstelle von Kriegswaffen schenkt uns der Gott des Friedens die Kraft, zu heilen, zu versöhnen und eine Zivilisation der Liebe aufzubauen. Auf diese Weise sind wir gerufen, die vielen „Ökosysteme“ zu bewahren, die uns anvertraut sind: die Ökosysteme der Schöpfung, der zwischenmenschlichen Beziehungen und des menschlichen Herzens selbst.

Stellen wir uns eine Welt vor, in der die Energien, die derzeit in Kriege fließen, für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, für die Überwindung der Armut, für den Schutz der Menschenwürde und für die Versöhnung zerstrittener Völker aufgewendet werden. Eine solche Vision zeugt vom Glauben an das Kommen des Reiches Gottes.

Die wahren Werkzeuge zur Schaffung von Frieden sind nicht Waffen der Zerstörung, sondern Wahrheit, Dialog, Geduld, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Verständnis, Fürsorge und Liebe. Diese kommen aus Herzen, die vom Evangelium geformt und von Gottes Gnade getragen werden. Nur diese Qualitäten verfügen über die Kraft, einzelne Menschen zu verwandeln, Gemeinschaften zu erneuern und die Wunden unserer Welt zu heilen.

Liebe Brüder und Schwestern, der vor uns liegende Weg ist klar, auch wenn er nicht leicht ist. Wir sind dazu aufgerufen, unsere Herzen erneuern zu lassen, damit wir den Frieden suchen und für die Schöpfung sorgen können. Die Heilige Schrift mahnt uns, unsere Herzen zu hüten, weil alles, was wir tun, von ihnen ausgeht (vgl. Spr 4,23).

Wenn wir diese Aufgabe in Demut und Glauben annehmen, dann werden wir zu Mitarbeitern an Gottes Werk der Erneuerung. Dann werden wir langsam, aber sicher von der Wüste zum Garten, von der Spaltung zur Gemeinschaft und von der Gewalt zum Frieden gelangen.

Möge der Herr uns den Mut schenken, diesen Weg zu beschreiten, damit in unserer Zeit Schwerter tatsächlich zu Pflugscharen umgeschmiedet werden, sich die Verheißung des Evangeliums tiefer in unserer Welt verwurzle und der Friede Christi über die ganze Schöpfung herrsche.

 

Aus dem Vatikan, am 15. August 2026, dem Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel.

 

LEO XIV.