Zu Beginn der Generalaudienz richtete Leo XIV. ein Grußwort an den Katholikos von Kilikien, Seine Heiligkeit Aram I. Der Papst sagte zunächst auf Italienisch:
Es ist mir eine große Freude, Seine Heiligkeit, Aram I., Katholikos von Kilikien der Armenischen Apostolischen Kirche, zusammen mit der hochrangigen Delegation, die ihn begleitet, willkommen zu heißen. Dieser brüderliche Besuch bietet eine wichtige Gelegenheit, die Bande der Einheit zu stärken, die bereits zwischen uns bestehen, während wir uns der vollen Gemeinschaft zwischen unseren Kirchen annähern.
Der Papst fuhr dann auf Englisch fort:
Eure Heiligkeit, in diesen Tagen, in denen wir uns auf Pfingsten vorbereiten, rufe ich die Gnade des Heiligen Geistes auf Ihre Pilgerreise zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus herab und lade alle Anwesenden ein, den Herrn inständig zu bitten, dass Ihr Besuch und Ihre Begegnungen einen weiteren Schritt auf dem Weg zur vollen Einheit darstellen mögen. Beten wir auch für den Frieden im Libanon und im Nahen Osten, der erneut Gewalt und Krieg erleidet.
Eure Heiligkeit, Ich möchte meine besondere Dankbarkeit für Ihren beständigen persönlichen Einsatz für die Ökumene zum Ausdruck bringen, besonders für den internationalen theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen.
Herzlich willkommen, Eure Heiligkeit, liebe Bischöfe und liebe Freunde! Lasst uns gemeinsam um die Fürsprache des heiligen Gregor des Erleuchters, des heiligen Gregor von Narek, des heiligen Nerses Shnorhali und vor allem der Jungfrau und Gottesmutter Maria bitten, dass sie unseren Weg zur vollen Einheit, nach der wir alle verlangen, erleuchten mögen.
Danach setzte der Heilige Vater seine Katechesereihe über die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils fort. Er sagte auf Italienisch:
Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag und herzlich willkommen!
Wir beginnen heute eine Reihe von Katechesen über das erste vom Zweiten Vatikanischen Konzil promulgierte Dokument: die Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum concilium (SC ).
Durch die Erarbeitung dieser Konstitution wollten die Konzilsväter nicht nur eine Reform der Riten durchführen, sondern die Kirche dahin bringen, das lebendige Band zu vertiefen, die sie ausmacht und vereint: das Geheimnis Christi. Tatsächlich berührt die Liturgie das Herz dieses Geheimnisses: Sie ist zugleich der Raum, die Zeit und der Rahmen, in dem die Kirche von Christus das eigene Leben empfängt. Denn in der Liturgie »vollzieht sich das Werk unserer Erlösung« (SC , 2), das aus uns ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, einen heiligen Stamm, ein Volk, das Gottes besonderes Eigentum wurde, macht (vgl. 1 Petr 2,9).
Wie die dreifache – biblische, patristische und liturgische – Erneuerung der Kirche im Laufe des 20. Jahrhunderts gezeigt hat, bezeichnet das Geheimnis, um das es hier geht, keine obskure Wirklichkeit, sondern den Heilsplan Gottes, der von Ewigkeit her verborgen war und in Christus offenbart wurde, wie der heilige Paulus sagt (vgl. Eph 3,3-6). Das also ist das christliche Geheimnis; das Paschaereignis, also das Leiden, der Tod, die Auferstehung und die Verherrlichung Christi, das uns in der Liturgie sakramental vergegenwärtigt wird, so dass wir jedes Mal, wenn wir Teil der »in seinem Namen« (vgl. Mt 18,20) versammelten Gemeinde sind, in dieses Geheimnis hineingenommen werden.
Christus selbst ist das innere Prinzip des Geheimnisses der Kirche, des heiligen Volkes Gottes, das aus seiner am Kreuz durchbohrten Seite hervorgegangen ist. In der heiligen Liturgie, durch die Kraft des Heiligen Geistes, wirkt er auch weiterhin. Er heiligt die Kirche, seine Braut, und lässt sie an seiner Hingabe an den Vater teilhaben. Er, der im verkündigten Wort, in den Sakramenten, in den Zelebranten, in der versammelten Gemeinde und in höchstem Maße in der Eucharistie gegenwärtig ist, vollzieht sein absolut einzigartiges Priesteramt (vgl. SC , 7). So empfängt die Kirche, wie der heilige Augustinus sagt (vgl. Sermo 277), in der Feier der Eucharistie »den Leib des Herrn und wird das, was sie empfängt«: Sie wird zum Leib Christi, »zu einer Wohnung Gottes im Geist« (Eph 2,22). Das ist »das Werk unserer Erlösung«, das uns Christus gleichgestaltet und uns in der Gemeinschaft aufbaut.
In der heiligen Liturgie wird diese Gemeinschaft »durch die Riten und Gebete« verwirklicht (SC , 48). Das Ritual der Kirche bringt ihren Glauben zum Ausdruck – dem berühmten Wort »lex orandi, lex credendi« zufolge – und bildet gleichzeitig die kirchliche Identität heraus: das verkündete Wort, die Feier des Sakraments, die Gesten, die Augenblicke der Stille, der Raum. All das steht für das vom Vater zusammengerufene Volk, den Leib Christi, den Tempel des Heiligen Geistes, und verleiht ihm Form. Jede Feier wird so eine wahre Epiphanie der betenden Kirche, wie der heilige Johannes Paul II. gesagt hat (vgl. Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus , 9).
Wenn die Liturgie im Dienst am Geheimnis Christi steht, begreift man, warum sie als »der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt« bezeichnet wurde (SC , 10). Es stimmt, dass das Wirken der Kirche nicht nur auf die Liturgie beschränkt ist, aber dennoch läuft all ihr Handeln (die Verkündigung, der Dienst an den Armen, die Begleitung der menschlichen Wirklichkeiten) auf diesen »Höhepunkt« hinaus. Umgekehrt stützt die Liturgie die Gläubigen und nimmt sie immer wieder aufs Neue in das Pascha des Herrn hinein. Daher werden sie durch die Verkündigung des Wortes, die Feier der Sakramente und das gemeinsame Gebet in ihrem Glaubenseinsatz und in ihrer Sendung gelabt, ermutigt und erneuert. Mit anderen Worten: Die Teilnahme der Gläubigen am liturgischen Handeln ist »innerlich« und »äußerlich« zugleich.
Das bedeutet auch, dass sie berufen ist, sich im ganzen täglichen Leben konkret zu entfalten, in einer ethischen und geistlichen Dynamik, so dass die gefeierte Liturgie zum Leben wird und ein gläubiges Dasein verlangt, das das, was in der Feier gelebt wurde, konkret umsetzt: Auf diese Weise wird unser Leben ein »lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer« und verwirklicht unseren »geistigen Gottesdienst« (Röm 12,1).
Auf diese Weise »baut die Liturgie täglich die, welche drinnen sind, zum heiligen Tempel im Herrn auf« (SC , 2) und formt eine Gemeinschaft, die offen und einladend für alle ist. Denn sie ist vom Heiligen Geist bewohnt, führt uns in das Leben Christi ein, macht uns zu seinem Leib und stellt in all ihren Dimensionen ein Zeichen der Einheit der ganzen Menschheit in Christus dar, wie Papst Franziskus gesagt hat: »Die Welt weiß es noch nicht, aber alle sind zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen (Offb 19,9)« (Apostolisches Schreiben Desiderio desideravi , 5).
Meine Lieben, lassen wir uns innerlich formen von den Riten, von den Symbolen, von den Gesten und vor allem von der lebendigen Gegenwart Christi in der Liturgie, die wir in den nächsten Katechesen noch weiter vertiefen werden.
* * *
Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, ich lade euch ein, euch in der Feier der Liturgie immer tiefer in das Geheimnis Christi zu versenken, damit er euer Leben durch sein Wort und seine Sakramente bereichern und verwandeln kann. In Erwartung des Pfingstfestes rufen wir gemeinsam mit der Mutter Jesu und den Aposteln den Heiligen Geist an, damit er unsere Herzen und das Antlitz der Erde erneuere.
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