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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST LEO XIV.
NACH SPANIEN

(6.-12. JUNI 2026)

HEILIGE MESSE

PREDIGT VON PAPST LEO XIV.

Stadion von Gran Canaria 
Donnerstag, 11. Juni 2026

[Multimedia]

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Liebe Brüder und Schwestern,

nach einem Tag der Begegnungen und des Austauschs möchte ich nun bei dieser Eucharistiefeier dem Herrn vor allem für das Gute danken, das hier jeden Tag geschieht, und ihm sowohl das Engagement aller als auch die Leiden anvertrauen, die dieses Land erlebt. Ich lade euch auch ein, in dieser Heiligen Messe gemeinsam für die Seelen der Brüder und Schwestern zu beten, die auf See ihr Leben verloren haben.

All dies bringen wir zusammen mit den Gaben von Brot und Wein zum Altar, in dieser Vorabendmesse zum Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, dem ganz Spanien geweiht ist. Bitten wir den Herrn, dass nun in uns dieselben Gefühle der Menschlichkeit, des Erbarmens und des Mitleids lebendig sind wie im Herzen des Erlösers.

Bei unserer Betrachtung wollen wir uns an den Lesungen orientieren, die wir gehört haben.

In der ersten Lesung erinnert Gott die Israeliten an die Unentgeltlichkeit seiner Liebe. Er hat sie nicht ausgewählt, weil sie besondere Privilegien, Begabungen oder Verdienste hatten, sondern aus reiner Liebe (vgl. Dtn 7,7-9), und er wird sie immer weiter lieben, auch wenn sie aufgrund ihres verhärteten Herzens seine Gefühle nicht erwidern.

Das ist die Liebe Gottes, in der unsere Berufung zur Liebe ihre Wurzeln hat; sie gründet weder auf Berechnung noch auf einem bloßen Gefühl und sie lässt sich auch nicht auf einfache Philanthropie reduzieren, sondern durchdringt unser ganzes Sein: Sie ist Feuer für die Seele, Licht für den Verstand, unwiderstehlicher Antrieb für die Freiheit, sie ist Friede und zugleich eine Qual für das Herz, das im Einklang mit anderen Herzen schlägt und den ganzen Menschen miteinbezieht. Denn zu lieben ist für den Menschen natürlich, ja, es ist die Voraussetzung für ein erfülltes Leben.

So offenbart sich uns die Liebe in der Menschlichkeit des Erlösers und in den Regungen seines Heiligsten Herzens: unveränderlich und treu auch angesichts von Unverständnis und Ablehnung, Angst, Traurigkeit und menschlichem Widerstand (vgl. Lk 22,39-46).

Und in diesem Antlitz Gottes, der stets „verliebt“ ist und sich ganz und gar und unablässig nach unserem Wohl und unserem vollkommenen Glück sehnt, erkennen wir den Weg des Lebens; wir erlernen eine neue Art zu leben und miteinander umzugehen, einen anderen Maßstab für die Beurteilung von Entscheidungen und eine neue und inspirierende Art, Gemeinschaft zu leben. In diesem Zusammenhang sagte Papst Franziskus, als er über die Liebe Christi sprach, dass »die beste Antwort auf die Liebe seines Herzens die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern ist« (Dilexit nos, 167). Er fügte hinzu: »Es gibt keine größere Geste, die wir ihm anbieten können, um seine Liebe mit Liebe zu erwidern« (ebd.). »Liebe mit Liebe erwidern«: Das ist der wunderbare Tausch, das admirabile commercium (vgl. Erste Vesper zum Hochfest der Gottesmutter Maria, erste Antiphon), zu dem uns das Evangelium einlädt und an dem wir teilnehmen sollen, indem wir das unendliche Maß der Liebe Gottes zum täglichen, großzügigen Dienst an den Brüdern und Schwestern werden lassen, denen er uns auf unserem Weg begegnen lässt, besonders den Bedürftigsten, den Schutzlosen, denen, die nichts zurückgeben können (vgl. Lk 6,32-36). Genau so, wie es auf dieser Insel geschieht durch Aufnahme, Teilen und selbstloses Geben.

Die Freigebigkeit des Herzens Christi hört hier jedoch nicht auf. Sie geht noch weiter und hilft jedem Einzelnen, nicht nur zu überleben, sondern auch Vertrauen wiederzugewinnen und den Weg fortzusetzen, um in der jeweiligen Einzigartigkeit zum Wohl aller zu wachsen und voll zur Entfaltung zu gelangen. In diesem Zusammenhang schrieb Papst Benedikt XVI.: »Die Liebe, die Jesus Christus mit seinem irdischen Leben […] bezeugt hat, ist der hauptsächliche Antrieb für die wirkliche Entwicklung eines jeden Menschen und der gesamten Menschheit« (Caritas in veritate, 1).

In der zweiten Lesung erinnert uns der heilige Johannes daran, dass »Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben« (1 Joh 4,9). Seine Worte erinnern an die Worte Jesu, der sagte, dass er gekommen ist, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben (vgl. Joh 10,10), und der dem geheilten Gelähmten befahl: »Steh auf, nimm deine Liege und geh!« (Mk 2,9). In diesen Worten erkennen wir die Einladung, die Leidenden mütterlich zu umarmen, sie aber um eines freien und würdevollen Lebens willen zugleich darauf vorzubereiten und dazu zu ermutigen, aufzustehen und sich wieder auf den Weg zu machen.

Tatsächlich darf unsere Nächstenliebe nicht bloße Wohlfahrt sein, sondern muss die Menschen einbeziehen, damit sie sich geistig, intellektuell und körperlich voll entfalten und würdig und konstruktiv in die Gesellschaft einbringen können (vgl. Fratelli tutti, 129). Nur so werden unsere Begegnungen auch angesichts schwieriger und schmerzhafter Ereignisse zu einer Gelegenheit, auf dem Weg der Menschheit in eine besseren Zukunft Samen der Hoffnung auszusäen.

Nun möchte ich im Lichte des Wortes Gottes, das wir gehört haben, noch auf ein letztes Merkmal des Herzens Christi eingehen: die Demut (vgl. Mt 11,29). Das Herz Jesu ist demütig, und deshalb spüren die „Gelehrten“ und „Weisen“ seinen Herzschlag nicht, also jene, die glauben, sich selbst zu genügen, alles zu wissen und weder Gott noch andere zu brauchen. Diesen Menschen, die vom Lärm eines pompösen, allgegenwärtigen und unruhigen Ichs betäubt sind, fehlt die nötige Stille, um in sich selbst und in den Brüdern und Schwestern den verborgenen Herzschlag der Liebe zu vernehmen.

»Nicht selten macht Wohlstand blind, so dass wir bisweilen sogar meinen, wir könnten nur dann glücklich werden, wenn wir ohne die anderen auskommen« (Dilexi te, 108). Jesus lehrt uns das Gegenteil: Um die wahre Freude im Leben zu erfahren, die in der Liebe besteht, müssen wir von den Podesten der Arroganz, die uns voneinander trennt, herabsteigen, damit wir einander in der Demut begegnen, die uns zu Brüdern und Schwestern macht.

Der heilige Augustinus sagte: »Wo Liebe ist, da ist Friede, und wo Demut ist, da ist Liebe« (Über den ersten Brief des Johannes an die Parther, Vorwort). So ist es. Wo echte Demut ist, da ist Liebe, und wo Liebe ist, da ist Frieden, denn nur in der Demut erkennen wir wirklich, wer wir sind, und nur so können wir einander in Wahrheit lieben, begegnen, beschenken und vergeben.

Liebe Brüder und Schwestern, heute verehren wir das Heiligste Herz Jesu, das wir oft mit einer Dornenkrone und einer brennenden Flamme dargestellt sehen, gemäß den Visionen der heiligen Margareta Maria Alacoque. Denken wir daran, dass wir die lebendige Gegenwart des Herrn in der Welt sind (vgl. Lumen gentium, 8). Blicken wir daher – nicht nur an diesem Tag, sondern immer – mit Achtung und Vertrauen aufeinander, und erneuern wir in diesem Bewusstsein die Verpflichtung, in unserem Leben zum Wohl der Kirche in Liebe das zu ergänzen, was an den Bedrängnissen Christi noch fehlt (vgl. Kol 1,24). Lasst uns, entflammt von der Liebe seines Herzens, zu Boten seiner Barmherzigkeit und seines Friedens werden, damit die Kriege in der Welt aufhören und um uns herum eine neue, in der Liebe versöhnte Menschheit heranwächst.