GEBETSTREFFEN IN DER ARMENISCH-APOSTOLISCHEN KATHEDRALE
GRUSSWORT DES HEILIGEN VATERS
Istanbul
Sonntag, 30. November 2025
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Lieber Bruder in Christus,
es ist mir eine große Freude, Eure Seligkeit zu besuchen, insbesondere an dem Ort, an dem die verstorbenen Patriarchen Shenork I. und Mesrop II., seligen Angedenkens, meine Vorgänger empfangen haben. In diesen Gruß an Sie möchte ich auch Seine Heiligkeit Karekin II., den Obersten Patriarchen und Katholikos aller Armenier, miteinschließen, der mir kürzlich mit einem Besuch die Ehre erwiesen hat, wie auch die Bischöfe, den Klerus und die gesamte armenisch-apostolische Gemeinde in Istanbul und in der Türkiye.
Dieser Besuch bietet mir die Gelegenheit, Gott für das mutige christliche Zeugnis zu danken, das das armenische Volk im Laufe der Geschichte oft unter tragischen Umständen gegeben hat. Ich danke dem Herrn auch zutiefst für die immer enger werdenden geschwisterlichen Bande zwischen der Armenisch-Apostolischen Kirche und der Katholischen Kirche. Kurz nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, im Mai 1967, war Seine Heiligkeit Katholikos Choren I. der erste Primas einer orientalisch-orthodoxen Kirche, der den Bischof von Rom besuchte und mit ihm den Friedensgruß austauschte. Ich erinnere auch daran, dass Seine Heiligkeit Katholikos Wasgen I. im Mai 1970 mit Papst Paul VI. die erste gemeinsame Erklärung zwischen einem Papst und einem orientalisch-orthodoxen Patriarchen unterzeichnete, in der sie ihre Gläubigen aufforderten, sich als Brüder und Schwestern in Christus wiederzuentdecken, um die Einheit zu vertiefen. Seitdem ist der „Dialog der Liebe“ zwischen unseren Kirchen durch Gottes Gnade gut gediehen.
An diesem 1700. Jahrestag des ersten ökumenischen Konzils bietet mein Besuch eine Gelegenheit, das Nizänische Glaubensbekenntnis zu würdigen. Wir müssen aus diesem gemeinsamen apostolischen Glauben schöpfen, um jene Einheit wiederherzustellen, die in den ersten Jahrhunderten zwischen der Kirche von Rom und den altorientalischen Kirchen bestand. Wir müssen uns auch von der Erfahrung der frühen Kirche inspirieren lassen, um die volle Gemeinschaft wiederherzustellen, eine Gemeinschaft, die nicht Absorption oder Dominanz bedeutet, sondern vielmehr einen Austausch jener Gaben, die unsere Kirchen vom Heiligen Geist zur Ehre Gottes, des Vaters, und zum Aufbau des Leibes Christi empfangen haben (vgl. Eph 4,12). Ich hoffe, dass die Gemeinsame Internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Katholischen Kirche und den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen ihre fruchtbare Arbeit bald wiederaufnehmen kann, um »ganz offensichtlich miteinander« ein Modell der vollen Gemeinschaft zu suchen, wie es Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Ut unum sint (Nr. 95) gewünscht hat.
Auf diesem Weg zur Einheit werden wir von einer großen »Wolke von Zeugen« (Hebr 12,1) begleitet und umgeben. Unter den Heiligen der armenischen Tradition möchte ich an den großen Katholikos und Dichter Nerses IV. Shnorhali aus dem 12. Jahrhundert erinnern, dessen 850. Todestag wir kürzlich begangen haben und der sich unermüdlich für die Versöhnung der Kirchen einsetzte, um das Gebet Christi zu erfüllen: »Alle sollen eins sein« (Joh 17,21). Möge das Beispiel des Heiligen Nerses uns inspirieren und sein Gebet uns auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft stärken!
Ich bedanke mich bei Eurer Seligkeit für den herzlichen Empfang und versichere Ihnen, mich vorbehaltlos für die heilige Aufgabe der Einheit der Christen einzusetzen. Mögen wir dieses Geschenk von oben mit offenem Herzen empfangen, damit wir immer glaubwürdiger die Wahrheit des Evangeliums bezeugen und der Sendung der einen Kirche Christi immer besser dienen können.
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