APOSTOLISCHE REISE VON PAPST LEO XIV.
NACH SPANIEN
(6.-12. JUNI 2026)
BEGEGNUNG MIT DEN VERTRETERN DER DIÖZESANEN WOHLTÄTIGKEITS- UND SOZIALEINRICHTUNGEN
ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV.
Kirche „Sant Augustí“
Mittwoch, 10. Juni 2026
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Liebe Brüder und Schwestern, guten Abend!
Ich danke dem Kardinal Erzbischof für den herzlichen Empfang und seine freundlichen Worte sowie dem Beauftragten für Sozialpastoral und all jenen, die uns ihre Erfahrungen mit der diözesanen Caritas- und Hilfsarbeit geschildert haben. Ich möchte Renzo für seinen Brief und seine Fragen danken; ich werde versuchen, auf einige davon zu antworten.
Ich habe bereits geantwortet, dass ich weder als junger Mann noch als alter Mann Papst werden wollte, aber wenn der Herr ruft, muss man Ja sagen. Bevor ich die Fragen beantworte, möchte ich euch nur ganz herzlich für den freundlichen Empfang danken und sagen, dass ich mich hier wirklich zu Hause fühle. Und danke für alles, das ihr repräsentiert.
Der Grund, den ihr euch denken werdet – offensichtlich, klar –, ist, weil es sich um den heiligen Augustinus handelt; aber ich erzähle es euch: Als ich das erste Mal in diese Kirche kam – dieser Erzbischof war damals nicht hier an meiner Seite –, war das 1984. Ich reiste auf dem Landweg von Rom nach León, kam an und sagte: Schaut mal, in Barcelona gibt es eine Kirche des heiligen Augustinus, lasst uns sie besuchen. Sie war geschlossen, heute ist sie geöffnet. Und wie schön ist es, eine Kirche mit einer Gemeinschaft der Augustiner zu finden und mit so vielen Menschen, die hier leben, die Gott preisen, die in dieser Kirche und in dieser sozialen Pastoral Gemeinschaft, Aufnahme und Integration finden. Wahrlich, vielen Dank an alle.
Was die Frage hinsichtlich Fußball betrifft: Die ganze Welt weiß, dass ich jetzt Tennis spiele. Als Jugendlicher habe ich Fußball gespielt, allerdings American Football – das ist etwas heftiger. Aber auch mit den Seminaristen in Trujillo habe ich Fußball gespielt, in der Verteidigung, wenn ihr es wissen wollt. Ich war kein großer Torschütze, aber als ich zum ersten Mal in Rom war, habe ich dort die Weltmeisterschaft zum ersten Mal miterlebt, die 1982 hier in Spanien stattfand. Später in Peru verfolgte ich mit den Seminaristen oft die lokalen Mannschaften; aber ich habe auch mit den Seminaristen gespielt; ein bisschen Sport tut jedem gut, man muss nach einem Weg suchen, um sich, sagen wir, Körper, Geist und Seele zu erhalten und bei guter Gesundheit zu bleiben. Das war also tatsächlich ein Teil meines Lebens. Denn Fußball hilft uns auch dabei, uns an etwas sehr Wichtiges zu erinnern: Dass das Leben kein Wettlauf ist, den man alleine bestreitet, sondern etwas, das man im Team spielt und man muss lernen, gemeinsam zu laufen. In diesem Sinne gilt daher: Wer zwar ein Star sein will, aber nie den Ball abgibt, lässt die anderen nicht ins Spiel kommen und wird wahrscheinlich verlieren. Und wenn ich dann auch an uns denke und darüber nachdenke, wie man sich in ein Team einfügt, möchte ich auch alles anerkennen und loben, was ihr hier leistet. Die zweite Frage, die habe ich bereits beantwortet, aber ich halte mich ein wenig an den Text, damit wir den Faden nicht verlieren und um 8.30 Uhr aufhören können.
Du fragst mich, ob ich als Kind Papst werden wollte. Nun gut, Renzo, ich glaube nicht. Ich meine, dass ich nie daran gedacht habe. Aber eines kann ich dir sagen: Schon als Kind spürte ich den Wunsch, mein Leben Gott zu schenken. Ich wusste damals noch nicht genau, wie und wohin mich der Herr führen würde. Mit der Zeit entdeckte ich, dass Jesus mich berief, ihm als Priester zu folgen, und dass dieser Weg über den Orden des heiligen Augustinus führte. Aber das gilt nicht nur für mich. Jedes Kind ist ein Traum Gottes. Du, Renzo, bist es auch. Gott wünscht das Glück aller Menschen und will, dass wir von klein auf und ein Leben lang ein Herz wie das der Kinder bewahren (vgl. Mt 18,3): ein Herz, das vertrauen kann und voll Güte ist. Der Herr will, dass wir seine Freunde sind und uns nicht von ihm abwenden. Deshalb ist es wichtiger, sich zu fragen, ob man ein Freund Jesu sein möchte, als sich zu fragen, ob man Priester, Arzt, Lehrer, Familienvater oder etwas anderes werden will. Denn die Freundschaft mit Jesus schenkt uns Freude, macht uns frei und hilft uns, Schritt für Schritt die Berufung und den Weg zu erkennen, den Gott für jeden einzelnen vorgesehen hat.
Es ist nicht leicht, Renzo, eine Antwort auf deine Frage zu finden, warum manchen Menschen schlimme Dinge geschehen, anderen hingegen nicht. Ein Blick auf das Leben Jesu kann uns vielleicht dabei helfen. Das Wort Gottes sagt uns, dass unser Herr »umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren« (Apg 10,38) und doch wissen wir, dass er gekreuzigt wurde. Doch damit endete die Geschichte nicht, denn er ist am dritten Tag auferstanden und hat das Böse besiegt, hat den Tod besiegt. Durch das Leben Jesu Christi zeigt uns Gott, dass er, auch wenn es Leid gibt, keines seiner Kinder jemals im Stich lässt, denn er hat für uns eine ewige Freude bereitet, in der es keine Traurigkeit und keinen Schmerz mehr geben wird. Lasst uns zuversichtlich sein: Jesus ist bei uns, er hilft uns und begleitet uns und gibt uns Kraft, die schwierigen Momente durchzustehen, die wir im Leben erfahren.
Was die Großeltern betrifft, ja, Großeltern spielen im Leben der Familien eine sehr wichtige Rolle. Niemals sollen sie alleine gelassen werden. Oft sind sie es, die sich um die Enkelkinder kümmern, während die Eltern arbeiten gehen, und so helfen sie den Kindern mit Zuneigung und Hingabe, die Liebe zu Gott und zum Nächsten zu erkennen, damit diese in ihren Herzen Wurzeln schlägt und sie eines Tages zu guten Männern und Frauen heranwachsen. Und wie sollen wir diese Liebe erwidern? Nun, mit Liebe. Das ist es, was Jesus von uns erwartet. Unsere Großeltern im Alter zu pflegen und zu begleiten, so wie sie sich seinerzeit um uns gekümmert haben. Wir dürfen nicht zulassen, dass Einsamkeit und Verlassenheit im Leben älterer Menschen zur Normalität werden. Das ist sehr traurig. Wir sollten unser Herz für sie alle öffnen; und auch wenn sie nicht unsere Großeltern sind, dürfen wir nicht zulassen, dass sie sich einsam oder schutzlos fühlen. Denn wenn wir selbst keine Einsamkeit wollen, dürfen wir sie auch anderen nicht zumuten.
Auf die Frage, ob wir immer vergeben sollen, antwortet uns Jesus mit Ja. Eines Tages fragte Petrus ihn: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?« Und Jesus antwortete ihm: »Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal« (Mt 18,21-22). Und damit wollte Jesus sagen: Vergib immer. Aber ich muss verstehen, was Vergeben wirklich bedeutet. Vergeben heißt nicht, zu sagen, dass das Böse in Ordnung war, oder zuzulassen, dass jemand weiterhin Schaden anrichtet. Es bedeutet nicht, krampfhaft zu vergessen, als wäre nichts geschehen. Vergeben bedeutet, nicht zuzulassen, dass der Hass unser Herz beherrscht. Jesus fordert uns auf, zu vergeben, denn nur so können wir den Frieden Gottes erfahren und seelische Wunden heilen. Wenn wir vergeben, folgen wir dem Beispiel Jesu, der denen vergab, die ihn gekreuzigt hatten. Unsere Bereitschaft zur Vergebung ist die Voraussetzung für die Vergebung, die wir von Gott empfangen.
Brüder und Schwestern,
hier in der Kirche des heiligen Augustinus zu sein, öffnet unser Herz für eine Wahrheit, auf die uns der heilige Bischof von Hippo hinweist: Christ zu sein ist vor allem ein Geschenk, eine Gnade. Auf Christus gegründet, den lebendigen Stein, erfahren wir das Wirken des Heiligen Geistes, in der Überzeugung, dass jedes aufrichtige Bemühen, mit ihm zum Wohl unseres Nächsten zusammenzuwirken, vom himmlischen Vater gesegnet wird, auf den wir unsere Hoffnung setzen. Als Glieder des mystischen Leibes Christi sind wir wahrhaftig mit dem Schicksal derer verbunden, die Gott liebt und einlädt, an seinem Leben teilzuhaben.
Wir sind dazu berufen, Gott zu lieben und aus Liebe zu ihm auch unsere Brüder und Schwestern zu lieben; dazu sind wir auch gesandt, auf alle zuzugehen. Der Christ muss nicht nur gütig und freundlich sein, er muss auch mitfühlend sein, uneigennützig lieben und das Wohl der anderen suchen, im Bewusstsein, dass es in jedem leidenden Bruder und jeder leidenden Schwester der Herr selbst ist, der bittet und empfängt, der aufgenommen oder abgelehnt, geliebt oder verachtet wird.
Die evangeliumsgemäße Liebe, die auf Jesus Christus gründet und von seiner Liebe genährt wird, prägt das persönliche und gemeinschaftliche Leben jedes Christen und verleiht ihm seine Identität. Daher ist jede diözesane kirchliche Gemeinschaft, bewegt von der Nächstenliebe und geleitet vom Heiligen Geist, aufgerufen, sich nach ihren eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten mit Diskretion, Feingefühl und Ausdauer um die Wunden und Nöte der Kleinsten und Schwächsten zu kümmern, ihr Leid zu lindern und ihre Armut zu bekämpfen. Sie tut dies, indem sie die Großherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus nachahmt, der aus Liebe zu uns, obwohl er reicht war, arm wurde, um uns mit seiner Gnade und seinem Heil reich zu machen, und der auch uns aufruft, ihn in den Bedürftigsten zu erkennen und beizustehen (vgl. Mt 25,40).
Deshalb ist es mir eine große Freude, euch alle heute Nachmittag hier zu treffen, die ihr auf unterschiedliche Weise konkret mit der Hilfe, Begleitung und Förderung der Bedürftigsten verbunden seid – gerade in der heutigen Zeit, wo der Sinn für die heilige Würde des Menschen verloren gegangen zu sein scheint.
Ich möchte unterstreichen, dass wir als Christen dazu berufen sind, die Liebe Gottes zu jedem Mann und jeder Frau im konkreten Geflecht der Geschichte gegenwärtig zu machen. Das Buch Genesis berichtet uns: Gott »schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie« (Gen 1,27). Darin liegt die unveräußerliche Würde jedes Menschen begründet, die nicht von seinen Fähigkeiten, seinem Reichtum oder seiner Rolle abhängt, sondern von der Gabe, die ihm vorausgeht und ihn übersteigt, geschenkt von Gott als Ausdruck seiner nie endenden Liebe (vgl. Magnifica humanitas, 50).
Der Herr lädt uns also ein, jede Frau als Schwester und jeden Mann als Bruder anzunehmen. Als Kinder desselben Vaters ist jeder Mensch von seinem Wesen her auf Beziehung ausgerichtet; er wurde von Gott daraufhin erdacht und gewollt, dass er in eine Geschichte der Gemeinschaft mit ihm, mit den anderen und mit der Schöpfung eintritt (vgl. ebd.). Ein besonderer Ausdruck dieses göttlichen Willens sind die diözesanen Werke der Nächstenliebe und Fürsorge, an denen ihr beteiligt seid und die ihr mit Einsatz und Hingabe vorantreibt, im Bewusstsein, dass der Mensch im Mittelpunkt des Wirkens der Kirche steht (vgl. Gaudium et spes, 24) und dass die Liebe »das größte soziale Gebot« ist (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1889).
Ich ermutige euch, gemeinsam mit euren Hirten diese Apostolate weiter zu fördern, Zeugnis für das Evangelium abzulegen und der Welt die Schönheit des christlichen Lebens zu zeigen, das hier und jetzt einen Vorgeschmack auf die Gerechtigkeit und den Frieden gibt, die im Reich Gottes ihre volle Erfüllung finden werden. Seid also glaubwürdige Zeugen der christlichen Hoffnung im aufmerksamen Dienst an den Brüdern und Schwestern, die sich in prekären Lebensbedingungen befinden, geprägt von Entbehrung, Gebrechlichkeit oder Ausgrenzung, und die neben materieller Hilfe und moralischer Unterstützung vor allem Gott brauchen: seine Freundschaft, seinen Segen, sein Wort, seine Sakramente und das Angebot eines Weges des Wachstums und der Reifung im Glauben (vgl. Evangelii gaudium, 200).
Ich trage eure Arbeit und euren Einsatz vor Unsere Liebe Frau vom Guten Rat, damit ihre Fürsprache euch begleite und der Herr all das Gute, nach dem ihr strebt, reichlich Frucht bringen lasse. Gott segne euch. Vielen Dank.
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