|
[DE -
EN -
ES -
FR -
IT -
PT]
DIKASTERIUM FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
VENITE AD ME
Überlegungen zur Weitergabe des Glaubens im Wandel der Zeit
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel I
Die Botschaft der Liebe des Vaters
Kapitel II
Das Licht des Glaubens
Formen der Weitergabe des Glaubens
Die Familie
Die kirchliche Gemeinschaft
Kapitel III
Der Epochenwandel
Die Krise der Weitergabe des Glaubens
Eine neue, weit verbreitete Kultur
Die digitalen Technologien
Neue Grenzen der Evangelisierung
Kapitel IV
Die zentrale Bedeutung des Kerygmas
Eine Glaubenserfahrung wecken
Die Frage der Sprache
Die christliche Glaubenserziehung
Kapitel V
Die Weitergabe des Glaubens in den Gemeinschaften (Gemeinden)
Liturgie
Die Rolle des Zeugnisses
Kunst und Schönheit
Die Lebensphasen
Kapitel VI
Glaube und Kultur
Kapitel VII
Einige besondere Aspekte
Kapitel VIII
Zeugnisse
Vom Abgrund der Abhängigkeit zur Freiheit der Begegnung mit Christus
Das „Wiedererwachen“ des Kerygmas: Die Rolle der Familie und des Gebets
Das Zeugnis der Nächstenliebe, der Kultur und der Schönheit
Schlusswort
1. [Venite ad me] „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich
will euch erquicken“ (Mt 11,28). Jesus Christus, unser Herr, bietet sich
selbst als Quelle tiefer Erquickung angesichts der Müdigkeit und der Mühen des
menschlichen Herzens dar. In dieser Perspektive erscheint die Weitergabe des
Glaubens als eine Begegnung, in der Christus jedem Menschen in der Konkretheit
seines Lebens nahekommt und ihm jenen wahren Frieden schenkt, der nur in ihm
gefunden werden kann.
Einleitung
2. Jesus ist das wahre
Licht der Welt, und wer an ihn, den lebendigen Auferstandenen, glaubt,
überwindet die Finsternis des Todes und lebt dank dieses Lichts des Lebens (vgl.
Joh 1,6–9; 8,12). Das ist der Glaube der Kirche, und das ist der Glaube,
den jeder Gläubige bis an die Enden der Erde zu verbreiten berufen ist. Eine
solche Verpflichtung – nämlich die der Weitergabe des Glaubens unter den
gegenwärtigen soziokulturellen Bedingungen – steht im Mittelpunkt der
vorliegenden Überlegungen.
3. Diese Verantwortung
eines jeden, der an Christus, das wahre Licht der Welt, glaubt, ist ein Thema
von großer Aktualität für das Leben und die Sendung der Kirche. Das Dikasterium
wurde mehrfach von Papst Franziskus aufgefordert, darüber eine Reflexion
vorzulegen und leitete das übliche Verfahren ein, um zu den vorliegenden
Überlegungen zu gelangen. Die jüngsten Ereignisse, insbesondere der
Pontifikatsbeginn von Papst Leo XIV., die Feier des Heiligen Jahres sowie die
Aussicht auf das bevorstehende Jubiläum der Erlösung im Jahr 2033, bilden einen
weiteren Ansporn, um die Ausarbeitung des Dokuments zügiger voranzutreiben.
4. Grundsätzlich möchten
die vorliegenden Überlegungen der gesamten Gemeinschaft der Kirche die
Einladung des Heiligen Vaters Papst Leo XIV. zukommen lassen, die er bei seinem
Treffen mit den italienischen Bischöfen im Juni 2025 an diese gerichtet hat: „Vor allem ist bei der Verkündigung und Weitergabe des Glaubens ein neuer Schwung
notwendig. Es geht darum, Jesus Christus in den Mittelpunkt zu stellen und den
Menschen, dem in
Evangelii gaudium aufgezeigten Weg entsprechend, zu
helfen, eine persönliche Beziehung zu Ihm zu leben, um die Freude des
Evangeliums zu entdecken. In einer Zeit tiefer Zerrissenheit ist es notwendig,
zu den Grundlagen unseres Glaubens, zum Kerygma zurückzukehren. Das ist die
erste große Verpflichtung, die alle anderen begründet.“[1] Daher, so bemerkt der Heilige Vater weiter, muss sich „[d]ie Evangelisierung […] heute auch insbesondere mit den veränderten
Bedingungen und Dynamiken der Glaubensweitergabe von einer Generation an die
folgende auseinandersetzen. In einigen Regionen der Welt ist diese Weitergabe
fast ganz unterbrochen, und das macht die Fähigkeit erforderlich, sich neuen
Herausforderungen zu stellen.“[2] Das konkrete Ziel des Dokuments ist es daher, sowohl eine spezifische
Reflexion als auch Vorschläge für konkrete Wege zur Verkündigung des Kerygmas
in dem Epochenwandel, den wir gerade durchleben, vorzulegen.
5. Eine solche
Verkündigung macht es möglich, den Glauben bei jenen, die ihn seit langem nicht
mehr praktizieren (man denke insbesondere an die Welt der Erwachsenen und der
neuen Generationen), wieder zu wecken oder eine Glaubenserfahrung (fides qua)
bei denen zu fördern, die Christus noch nicht kennengelernt haben, ohne
dabei auf die spezifische Arbeit der Katechese und der Glaubensbildung
einzugehen, die beide auch eine geordnete und schrittweise Einführung in die
Lehre der Kirche (fides quae) bieten sollen. Die in den vorliegenden
Überlegungen enthaltene Reflexion über die fides qua geht der Frage
nach der Weitergabe des depositum fidei, die dieses Dokument nicht
erschöpfend behandeln will, voraus.
6. Für das Erarbeiten
dieser Überlegungen war der Beitrag zahlreicher nationaler
Bischofskonferenzen von unschätzbarem Wert; diese sind dem Ersuchen des
Dikasteriums mit großem Eifer nachgekommen, Materialien zum Thema der Weitergabe
des Glaubens einzureichen.
7. Von besonderer
Bedeutung sind die uns von den Bischöfen eingesandten Zeugnisse, in denen
Menschen berichten, die – als junge Erwachsene oder bereits als Erwachsene
–Jesus, den Herrn, und sein Evangelium entdeckt oder wiederentdeckt zu haben.
Viele davon sind im letzten Kapitel der vorliegenden Überlegungen
wiedergegeben.
8. Eine letzte
Klarstellung betrifft die Gattung des Dokuments; es handelt sich um
Überlegungen und nicht um eine lehrmäßige Note. Sein Zweck besteht in
der Tat hauptsächlich darin, die kirchliche Reflexion und die pastoralen
Bemühungen rund um die Weitergabe des Glaubens anzuregen. Aus diesem Grund
werden im Text eine Vielzahl von Standpunkten beleuchtet, ohne jedoch den
Anspruch zu erheben, die Frage abschließend zu klären, die für weitere
Untersuchungen und Entwicklungen offenbleibt. Das bedeutet, dass sich diese
Überlegungen nicht, wie andere Texte des Dikasteriums für die Glaubenslehre,
durch eine präzise Sprache und eine systematische Darstellung auszeichnen,
sondern einen eher diskursiven Stil zulassen, wie dies vor allem in dem bereits
erwähnten Abschnitt über die Zeugnisse deutlich wird.[3]
Kapitel I
Die Botschaft der Liebe des Vaters
9. Wenn der Evangelist
Johannes von der Sendung Johannes des Täufers spricht, bezeichnet er ihn als den
Zeugen des Lichts, gesandt, sein Zeugnis für das wahre Licht abzulegen, für
jenes Licht, das allein die Macht hat, jeden Menschen zu erleuchten (vgl. Joh
1,6–9). Dieses wahre Licht trägt den Namen Jesu, des Christus, des Sohnes
Gottes, der zum Heil der Welt Mensch geworden ist. Er ist in letzter Konsequenz
das „wahre Licht der Welt“, und wer seinen Spuren folgt, wird sich niemals in
der Finsternis verlieren, sondern stets in sich selbst das volle Licht des
Lebens finden (vgl. Joh 8,12). Dies ist der Kern des gesamten
Christentums und zugleich der Antrieb, der die Gläubigen dazu bewegt, den
Glauben, den sie leben, zu allen Zeiten weiterzugeben – auch in der unseren,.
10. Jesus ist wirklich das wahre Licht, das jeden
Menschen erleuchtet, denn er hat offenbart, was niemand je gesehen hatte oder
sehen konnte: die bedingungslose Liebe, die im Herzen des dreifaltigen
Gottes wohnt. Dies ist die frohe Botschaft des Evangeliums des Sohnes:
Gott ist für immer und für alle Liebe (vgl. 1Joh 4,8). Er ist Vater,
Sohn und Heiliger Geist. Diese frohe und bis zu Jesus beispiellose Botschaft
macht es nun möglich, uns zum vollen Heil und Glück zu führen und zugleich durch
die Gnade des Heiligen Geistes all das aufzuzeigen und zu reinigen, was dem
durch sie eröffneten neuen Leben im Wege stehen könnte.
11. Noch grundsätzlicher verkündet Jesus die
Wahrheit, dass es aufgrund dieser Liebe des Vaters keinen von Versagen oder
Sünde geprägten menschlichen Bereich gibt, der nicht wieder in seine
ursprüngliche Bestimmung zurückgeführt werden könnte. Ja, dank des beständigen
Wirkens des Heiligen Geistes, der auf ihm bekannte Weise handelt,[4] stehen das Licht und die Kraft dieser Liebe allen Menschen zu jeder Zeit
und an jedem Ort zur Verfügung. Wer diese Offenbarung annimmt, verlässt für
immer das Reich der Finsternis und öffnet sich letztendlich für das Licht des
Lebens und für ein Leben im Licht.
12. Genau aus diesem Grund ist das gesamte Leben
Jesu von dem Wunsch durchdrungen, jeden Menschen mit der Frohen Botschaft von
dem Gott zu erleuchten, der für immer Liebe ist. So geht er mit offenem und
freiem Herzen auf die anderen zu und lässt sich von ihnen finden. Er begibt sich
auf die Spuren der Männer und Frauen seiner Zeit und lässt sich von ihnen
ansprechen. Wer ihn sucht, findet ihn, und wenn er ihn sucht, dann deshalb, weil
er bereits von Christus ergriffen worden ist (vgl. Phil 3,12). Jesus
errichtet keine Hindernisse zwischen sich und den Menschen. Er ist stets
aufmerksam, stets gegenwärtig, niemals abgelenkt. Und sein Wort stellt sich
niemals als abstrakt heraus. Er möchte das Herz und den Verstand aller
unablässig auf das wahre Licht der Liebe des Vaters und seiner Barmherzigkeit
ausrichten, die eine Liebe und eine Barmherzigkeit sind, die einzig und allein
dem guten Leben aller dienen. Niemand ist ausgeschlossen. Das Leben eines jeden
ist es wert, in Fülle gelebt zu werden.
13. Diejenigen, die sich sodann dem Licht der
Offenbarung der Liebe Gottes öffnen, empfangen von Jesus ein Wort der Vergebung,
ein Wort der Befreiung, ein Wort der Liebe, ein Wort der Freiheit, ein Wort des
Lebens, ein Wort der Hoffnung (vgl. Lk 4,18–19). Jesus weckt in all
jenen, die ihm entgegengehen und sich ihm mit aufrichtigem Herzen öffnen, ein
Aufkeimen erneuten Interesses und neuer Liebe für das Leben, für das eigene
Leben, für das Leben der anderen und für das Leben von allem, was existiert
(vgl. Joh 14,6). Die Liebe Gottes führt jeden Mann und jede Frau zurück
zu den guten Gründen ihres Daseins in der Welt.
14. Mit diesem Gedanken im Sinn und im Herzen ist
der Jesus, von dem die Evangelisten berichten, stets unterwegs. Er wartet nicht.
Er schafft kein eigenes Heiligtum oder eine Schule. Er ist in Bewegung, er
reist. Er betritt die Dörfer und Städte seines Volkes und seiner Zeit. Er
unterhält sich mit einfachen Menschen, aber auch mit denen, die
gesellschaftliche, religiöse oder politische Machtpositionen innehaben. Durch
diese Gesten und Worte vollendet Jesus die Offenbarung, die dem Volk Israel
anvertraut wurde (vgl. Mt 4,12–17; Mk 1,14–15; Lk 3,21–22).
15. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise,
in der Jesus das Evangelium von Gott verkündet, der für immer und für alle Liebe
ist. In seiner Verkündigung finden sich zahlreiche Bezüge zum Alltag der
Menschen, zur Tierwelt und zur Welt der Bäume, Pflanzen und Blumen, ebenso wie
zahlreiche Hinweise auf die Berufstätigkeiten seiner Zeit, auf die Zubereitung
von Speisen und die Spiele der Kinder. Jesus zeigt auch eine bemerkenswerte
Kenntnis im Umgang mit Zahlen und greift häufig auf den Bau von Gebäuden oder
auf meteorologische Phänomene zurück; er kennt die Münzen seiner Zeit und ist
bestens vertraut mit den verschiedenen religiösen Gruppen, die damals
existierten und auf unterschiedliche Weise mit dem Judentum in Verbindung
standen. Er ist wahrlich ein Mensch, der mit voller Aufmerksamkeit „betrachtet“
und alle ständig dazu einlädt, mit demselben Blick das Geflecht der Schöpfung
und der Menschheitsgeschichte zu „betrachten“. Das ist in Wahrheit seine
unerschütterliche Gewissheit: Wenn das Herz frei ist von jeglichem Egoismus und
unnützer Sorge, kann man die Spuren der Liebe Gottes auch im kleinsten und
scheinbar unbedeutendsten Ereignis erkennen (vgl. Lk 12,22–34), und es
ist genau diese Liebe, die sich durch die Sprache des Alltagslebens der Menschen
ausdrückt.
16. Es überrascht daher nicht, dass eine solche
Verkündigung, die leicht die Herzen der einfachen Menschen erobert, die sie als
so nah und vertraut empfinden, demgegenüber diejenigen verwirrt und in gewissem
Maße beunruhigt, die die politische und religiöse Macht jener Zeit innehaben.
Sie ist wie ein Licht, das jeden möglichen Gebrauch und Missbrauch dieser Macht
aufzeigt: „Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Großen
ihre Vollmacht gegen sie gebrauchen. Bei euch soll es nicht so sein“ (Mt
20,25–26); „Weh auch euch Gesetzeslehrern! Ihr ladet den Menschen unerträgliche
Lasten auf“ (Lk 11,46).
17. Bei der Erfüllung seiner Sendung beschränkt
sich Jesus nicht allein auf die Botschaft der bedingungslosen Liebe Gottes. Er
legt konkret Zeugnis für diese Liebe ab, indem er all jenen eine besondere
Zuneigung entgegenbringt, die von niemandem mehr etwas erwarten, weder von ihren
Verwandten, noch von ihren Freunden, noch von ihren Landsleuten, noch von ihren
Glaubensgenossen und vielleicht nicht einmal vom Gott des Bundes der Väter.
Aufgrund ihrer Leidenssituation, hervorgerufen durch unheilbare Krankheiten oder
tragische Schicksalsschläge, gelten diese Menschen oft als „die Letzten“ der
Gesellschaft. Und doch sind gerade sie es, die im Herzen Jesu, des Herrn, zu
„den Ersten“ werden (vgl. Mt 20,16). Es sind nämlich diese
„Letzten/Ersten“, die Jesus mehr als alle anderen einlädt, sich jenem Licht zu
nähern, das jeden Mann und jede Frau erleuchtet, also dem Licht der Liebe des
Vaters. So entfacht Jesus durch seine Nähe, durch seine Worte und durch seine
Wunder in ihnen erneut die Hoffnung, noch hoffen zu können, das Vertrauen, noch
vertrauen zu können, die Möglichkeit, noch Möglichkeiten zu haben. Er
vollbringt in ihnen das Wunder, noch an ein Wunder für ihre eigene Existenz
glauben zu können.
18. Im Laufe seiner Verkündigung gerät Jesus dann
fast unvermeidlich in Konflikt mit einer religiösen und politischen
Gesellschaft, die das mosaische Gesetz zu ihrer strukturellen Grundlage machte,
in dessen konkreter Anwendung jedoch oft Haltungen der Spaltung und Ausgrenzung
vorherrschten. Während sein himmlischer Vater die Sonne über den einen wie über
den anderen aufgehen lässt (vgl. Mt 5,45) und auch den Regen über die
einen wie über die anderen fallen lässt, waren Diskriminierung und Trennung der
Menschen ein weit verbreitetes Merkmal im politischen und religiösen Umfeld
seiner Zeit, ebenso wie in der unseren. Indem Jesus das Licht einer göttlichen
Liebe bringt, die jeden wieder mit seinem geplagten Dasein, mit den anderen
Menschen seines Umfelds und letztlich mit Gott selbst im Hinblick auf eine
Geschwisterlichkeit der Gerechtigkeit und des Friedens verbinden will, kommt er
nicht umhin, mit den Mächten seiner Zeit in Konflikt zu geraten, da seine
Botschaft die Kraft einer Autorität besitzt (vgl. Mk 1,27). Indem Jesus
das Antlitz der Liebe Gottes verkündet, entzieht er jener despotischen Ausübung
religiöser und politischer Macht seiner Zeit, die ihr Wesen des Dienens und der
Einheit vergessen hat, jegliche Grundlage. Gott segnet die Spaltung nicht und
noch weniger die Diskriminierung. Er ist Vater und liebt jedes Lebewesen (vgl.
Weish 1,13–14). Kein menschliches oder religiöses Gesetz und keine
menschliche oder religiöse Autorität wird jemals irgendjemanden als seiner Liebe
oder der Liebe anderer Menschen unwürdig erklären können.
19. Die Spannung zwischen den Worten und Taten
Jesu und den Missverständnissen mit den Machthabern seiner Zeit erreicht ihren
Höhepunkt in der Entscheidung der religiösen und politischen Autoritäten, ihn
zum Tode zu verurteilen. Seiner Verkündigung, die von außergewöhnlichen Zeichen
begleitet wird, muss Einhalt geboten und sie muss für immer zum Schweigen
gebracht werden. So wird sein Tod am Kreuz beschlossen, dem die Macht der Römer
ihre Zustimmung erteilt.
20. Doch dieses Todesurteil hat nicht die Kraft,
das „wahre Licht der Welt“ auszulöschen. Dieses ungerechte Kreuz wird im
Heilsplan zum höchsten Thron, von dem aus die Botschaft des Evangeliums mit
absoluter Klarheit erschallt und sich der ganzen Welt die erleuchtende Kraft des
Evangeliums des Sohnes kundtut. Und diese Frohe Botschaft ist die Folgende:
Gott ist die Liebe für alle, Gott ist die Barmherzigkeit für alle. Er
ist es wirklich für alle, und deshalb ist er es auch für jene, die den Sohn
verurteilen und töten. Das „Ja“, das Gott in Jesus zum Menschen spricht und das
das wahre Licht der Welt hell leuchten lässt, seinen Sohn, , kann niemals in ein
„Nein“ verwandelt werden. Die Liebe des Vaters, des Sohnes und des Heiligen
Geistes zur Menschheit ist eine ohne Vorbehalte, ohne Beschränkungen, ohne Maß
und letztlich ohne Grenzen (vgl. 1Joh 4,7–8).
21. In den letzten Augenblicken des irdischen
Lebens Jesu finden die wunderbaren Worte des alten und wunderbaren Buches des „Hoheliedes“
ihre volle Erfüllung: „Mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch
Ströme schwemmen sie nicht hinweg“ (Hld 8,7). Das Unverständnis und die
Verbissenheit, die die Führer des Volkes, mit dem vollen Einverständnis der
römischen Machthaber, zur Verurteilung Jesu führen, können seinen Wunsch, die
Menschheit aus der Finsternis zu führen und in ihr das Licht des Lebens zu
entzünden, nicht auslöschen. Vielmehr ist genau dies die gute und große Kunde
des Christentums: Nicht einmal die Macht des Todes konnte das wahre Licht der
Welt auslöschen.
22. Eine ist also die grundlegende Gewissheit der
Christen, ohne die, wie der Apostel Paulus sagt, alles vergeblich wäre: „Ist
aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer
auch euer Glaube“ (1Kor 15,14). Dieses gleiche Bewusstsein kam auch
anlässlich der Jugendsynode zum Ausdruck: „Christus lebt. Er ist unsere Hoffnung, und er ist die schönste Jugend
dieser Welt. Alles, was er berührt, verjüngt sich, wird neu, füllt sich mit
Leben.“[5] Das ist es, was die Jünger des Herrn zu jeder Zeit glauben, verkünden und
mit ihrem Leben bezeugen: Christus lebt und will, dass jeder Mensch lebt. Er ist
stets bei uns und verlässt uns nicht (vgl. Mt 28,20). So sehr sich ein
Mensch auch von ihm entfernen mag, Jesus wird sich niemals von ihm entfernen.
Durch seine Kirche bleibt der Auferstandene zu jeder Zeit jedem Einzelnen nahe,
bereit, sein Dasein mit göttlicher Liebe zu erleuchten und es mit Leben, Kraft
und Hoffnung zu erfüllen. Die kirchliche Gemeinschaft ist heute der bevorzugte
Ort, an dem man Christus weiterhin durch Männer und Frauen begegnen kann, die
nach und nach durch sein eigenes Leben verwandelt werden.
23. Um ihre Sendung als Licht der Welt zu
verwirklichen, feiert die Kirche voller Freude die Erfüllung der großen
Verheißung Christi: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in
meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern,
was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26); „dann wird er Zeugnis für mich
ablegen. Und auch ihr legt Zeugnis ab“ (Joh 15,26-27). Ohne sein Wirken
im Innersten der Herzen wird es unmöglich, das wahre Licht Christi
weiterzugeben, wie uns auch die Pfingstsequenz in Erinnerung ruft: „Komm, der
alle Armen liebt, […] Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn.“
Auf Ihn setzen wir unser Vertrauen, während wir uns auf die Suche nach den
verschiedenen Wegen begeben, wie wir mit seiner Gnade bei der Evangelisierung
unserer Zeit zusammenwirken können. Ihn bitten wir um den Eifer und die Freude,
die notwendig sind, um diesem Ruf treu zu folgen.
Kapitel II
Das Licht des Glaubens
24. Im Lichte des bisher Gesagten lässt sich die
Grundlage des Christentums, wie sie von Benedikt XVI. zum Ausdruck gebracht
wurde, besser verstehen: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluß oder eine große
Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem
Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.“[6] Ein neuer Horizont und eine entscheidende Richtung sind die der Freude,
wie Papst Franziskus zu Beginn von
Evangelii gaudium in Erinnerung ruft:
„Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. Diejenigen,
die sich von ihm retten lassen, sind befreit von der Sünde, von der Traurigkeit,
von der inneren Leere und von der Vereinsamung. Mit Jesus Christus kommt immer –
und immer wieder – die Freude.“[7]
25. Dies ist also der Kern der christlichen
Glaubenserfahrung: die Begegnung mit Jesus, dem Herrn, die uns mit dem wahren
Licht der göttlichen Liebe in Verbindung bringt, sorgt dafür, dass wir uns nicht
in der Finsternis verlieren, und führt uns zum Leben. Genau in diesem Sinne kann
man vom Licht des Glaubens sprechen, wie es in der gleichnamigen ersten
Enzyklika von Papst Franziskus heißt, zu deren Abfassung auch Benedikt XVI.
beigetragen hatte: „Das Licht des Glaubens: Mit diesem Ausdruck hat die Tradition der Kirche das
große Geschenk bezeichnet, das Jesus gebracht hat, der im Johannesevangelium
über sich selber sagt: ,Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit
jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt‘ (Joh 12,46).
Auch der hl. Paulus drückt dies mit ähnlichen Worten aus: ,Gott, der sprach: Aus
Finsternis soll Licht aufleuchten! Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet‘ (2Kor 4,6).
In der heidnischen, lichthungrigen Welt hatte sich der Kult für den Sonnengott Sol
invictus entwickelt, der beim Sonnenaufgang angerufen wurde. Auch wenn die
Sonne jeden Tag wiedergeboren wurde, verstand man sehr wohl, dass sie nicht
imstande war, ihr Licht über das ganze Sein des Menschen auszustrahlen. Die
Sonne erleuchtet ja nicht die ganze Wirklichkeit, ihr Strahl vermag nicht bis in
den Schatten des Todes vorzudringen, dorthin, wo das menschliche Auge sich ihrem
Licht verschließt. ,Niemals konnte jemand beobachtet werden, der bereit gewesen
wäre, für seinen Glauben an die Sonne zu sterben‘, sagt der hl. Märtyrer
Justinus. Im Bewusstsein des weiten Horizonts, den der Glaube ihnen eröffnete,
nannten die Christen Christus die wahre Sonne, ,deren Strahlen Leben
schenken‘. Zu Martha, die über den Tod ihres Bruders Lazarus weint, sagt Jesus:
,Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes
sehen?‘ (Joh 11,40). Wer glaubt, sieht; er sieht mit einem Licht, das die
gesamte Wegstrecke erleuchtet, weil es vom auferstandenen Christus her zu uns
kommt, dem Morgenstern, der nicht untergeht.“[8]
26. Die Erfahrung des Glaubens lässt sich somit
als die lebenswichtige und entscheidende Begegnung mit jener „wahren Sonne“
vorstellen, die Christus ist, der aus der Finsternis befreit und das menschliche
Dasein mit Licht erfüllt. Es ist eine Erfahrung des Lichts, die naturgemäß auf
andere Menschen ausstrahlt, um sie mit demselben Licht zu erleuchten; diese
wiederum strahlen selbst und erweitern so den Wirkungsradius des ursprünglichen
Lichts, des wahren Lichts der Welt, das Christus ist. Wie könnte man in diesem
Zusammenhang nicht an die Worte Jesu selbst denken, die er an seine Jünger
richtete: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14)?
27. Genau auf diese Dynamik müssen wir uns
beziehen, wenn wir über das schwierige Thema der Weitergabe des Glaubens im
heutigen Kontext nachdenken, der hier als Zeit eines Epochenwandels bezeichnet
wird. Der Text von
Lumen fidei bestätigt dies äußerst präzise: „Wer sich der Liebe Gottes geöffnet hat, wer seine [Christi] Stimme gehört und
sein [Christi] Licht empfangen hat, der kann diese Gabe nicht für sich behalten.
Da der Glaube Hören und Sehen ist, wird er auch als Wort und Licht
weitergegeben. An die Korinther gewandt gebrauchte der Apostel Paulus eben diese
beiden Bilder. Einerseits sagt er: ,Doch haben wir den gleichen Geist des
Glaubens, von dem es in der Schrift heißt: Ich habe geglaubt, darum habe ich
geredet. Auch wir glauben, und darum reden wir‘ (2Kor 4,13). Das
empfangene Wort wird zur Antwort, zum Bekenntnis und erklingt so für die anderen
wieder und lädt sie ein zu glauben. Andererseits bezieht sich der hl. Paulus
auch auf das Licht: ,Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit
des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt‘ (2Kor 3,18).
Es ist ein Licht, das sich von Gesicht zu Gesicht widerspiegelt, wie Mose den
Schein des Glanzes Gottes an sich trug, nachdem er mit ihm geredet hatte:
,[Gott] ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur
Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi‘ (2Kor 4,6).
Das Licht Jesu erstrahlt wie in einem Spiegel auf dem Antlitz der Christen, und
so verbreitet es sich, so gelangt es bis zu uns, damit auch wir an diesem
Schauen teilhaben können und anderen sein Licht widerspiegeln, wie bei der
Osterliturgie das Licht der Osterkerze viele andere Kerzen entzündet. Der Glaube
wird sozusagen in der Form des Kontakts von Person zu Person weitergegeben, wie
eine Flamme sich an einer anderen entzündet. Die Christen säen in ihrer Armut
einen so fruchtbaren Samen, dass er ein großer Baum wird und die Welt mit
Früchten zu erfüllen vermag.“[9]
28. Dasselbe Dokument erinnert im darauffolgenden
Abschnitt daran: „Die Weitergabe des Glaubens, der für alle Menschen an allen Orten strahlt,
verläuft auch über die Achse der Zeit, von Generation zu Generation. Da der
Glaube aus einer Begegnung innerhalb der Geschichte hervorgeht und unseren Weg
in der Zeit erleuchtet, muss er durch die Zeiten hindurch weitergegeben werden.“[10] Wenn also die Weitergabe des Glaubens einerseits dem Entzünden einer
Flamme durch eine andere Flamme gleicht – in einem, wie man sagen könnte,
personalen Kontakt –, so wusste sich die Gemeinschaft der Jünger andererseits
stets berufen, Gelegenheiten zu schaffen, in denen der Glaube weitergegeben
werden kann: Anlässe, zu denen es allen möglich ist, mit dem wahren Licht des
Lebens in Berührung zu kommen, jenem Licht, das von aller Finsternis befreit und
das man in Jesus, dem Herrn, findet. Die Jünger haben daher die Pflicht
verspürt, den Glauben weiterzugeben, eine Pflicht, die von Generation zu
Generation bewahrt und geachtet werden muss.
29. Die Weitergabe des Glaubens hat ihre letzte
Grundlage in der Initiative Gottes, der in Christus sein Antlitz offenbart und
den Aposteln die Aufgabe anvertraut hat, das Evangelium allen Völkern zu
verkünden. Diese Mission endete jedoch nicht mit der apostolischen Verkündigung,
sondern setzt sich in der Geschichte durch die Kirche fort. Das Zweite
Vatikanische Konzil bekräftigt nämlich: „So führt die Kirche in Lehre, Leben und Kult durch die Zeiten weiter und
übermittelt allen Geschlechtern alles, was sie selber ist, alles, was sie
glaubt.“[11] Die Kirche ist somit das historische und lebendige Subjekt, in dem das
Evangelium unter dem Wirken des Heiligen Geistes gehört, bewahrt, gefeiert und
ständig neu vergegenwärtigt wird. Deshalb wird der Glaube nicht in erster Linie
wie eine Sammlung von Lehrinhalten oder religiösen Informationen weitergegeben,
sondern als eine Form des kirchlichen Lebens, in die die einzelnen Gläubigen
schrittweise eingeführt werden. Hauptträgerin der Weitergabe des Glaubens ist
daher die Kirche in ihrer Gesamtheit,[12] die das Geschenk des göttlichen Wortes durch Verkündigung, Liturgie,
Nächstenliebe und die konkrete Erfahrung der Gemeinschaft weitergibt und
bezeugt, während sie es unaufhörlich empfängt. Man kann daher zu Recht
behaupten: „Die Kirche ist eine Mutter, die uns lehrt, die Sprache des Glaubens zu sprechen.“[13]
Formen der Weitergabe des Glaubens
30. Es sei klar gesagt, dass die ganz authentische
Kraft des Evangelisierungsauftrages der Gemeinschaft der Jünger des Herrn stets
in der Anziehungskraft liegt, wie Benedikt XVI. in seiner Homilie in der Heiligen Messe zur Eröffnung der V. Generalkonferenz des
lateinamerikanischen und karibischen Episkopats betonte: „Die Sendung Christi hat sich in der Liebe erfüllt. Er hat in der Welt
das Feuer der Liebe Gottes entzündet (vgl. Lk 12,49). Die Liebe
schenkt das Leben: Deshalb ist die Kirche gesandt, die Liebe Christi in der
Welt zu verbreiten, damit die Menschen und die Völker ,das Leben haben und es in
Fülle haben‘ (Joh 10,10). […] Die Kirche fühlt sich als Jüngerin und
Missionarin dieser Liebe: Missionarin nur insofern, als sie auch Jüngerin
ist, das heißt fähig, sich stets mit erneuertem Staunen von Gott anziehen zu
lassen, der uns zuerst geliebt hat und uns zuerst liebt (vgl. 1Joh 4,10).
Die Kirche betreibt keinen Proselytismus. Sie entwickelt sich vielmehr durch
,Anziehung‘: Wie Christus mit der Kraft seiner Liebe, die im Opfer am
Kreuz gipfelt, ,alle an sich zieht‘, so erfüllt die Kirche ihre Sendung in dem
Maß, in dem sie, mit Christus vereint, jedes Werk in geistlicher und konkreter
Übereinstimmung mit der Liebe ihres Herrn erfüllt.“[14] Diese Überlegung hat sich auch Papst Leo XIV. zu eigen gemacht: „Heute
greife ich ihn [d.h. diesen Ansatz] mit Freude wieder auf und teile ihn mit
euch. Und ich lade mich und euch ein, genau darauf zu achten, was Papst Benedikt
als die ,Kraft‘ bezeichnet hat, die dieser Anziehung zugrunde liegt: Diese Kraft
ist die Charis, ist die Agape, ist die Liebe Gottes, die in Jesus
Christus Mensch geworden ist und die der Kirche im Heiligen Geist geschenkt wird
und all ihr Handeln heiligt. Tatsächlich ist es nicht die Kirche, die anzieht,
sondern Christus, und wenn ein Christ oder eine kirchliche Gemeinschaft anzieht,
dann deshalb, weil durch diesen ‚Kanal‘ die Lebenskraft der göttlichen Liebe
herausfließt, die aus dem Herzen des Erlösers entspringt.“[15]
Die Familie
31. Unter den Bereichen, in denen die Kirche
berufen ist, das Licht Christi zu vermitteln und erstrahlen zu lassen, stellt
die Familie den ersten und wesentlichen Ort der Weitergabe des Glaubens dar.
Schon im Neuen Testament wird die Rolle der Familienangehörigen bei der
Weitergabe des Glaubens deutlich. So wendet sich beispielsweise der Apostel
Paulus an Timotheus mit den Worten: „Denn ich denke an deinen aufrichtigen
Glauben, der schon in deiner Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike
lebendig war und der nun, wie ich weiß, auch in dir lebt“ (2Tim 1,5).
Dieser Aspekt wurde auch von Papst Leo XIV. hervorgehoben: „In der Familie wird der Glaube zusammen mit dem Leben von Generation zu
Generation weitergegeben: Er wird wie das Essen am Tisch und die Zuneigung des
Herzens geteilt. Das macht die Familie zu einem besonderen Ort der Begegnung mit
Jesus, der uns liebt und immer unser Wohl im Sinn hat.“[16]
32. Im Laufe der Jahrzehnte, mit der Entstehung
und Festigung der christlichen Gemeinden, trat dann auch deren aktive Rolle bei
der Weitergabe des Glaubens zutage. Insbesondere mit der Ausbreitung der
Kindertaufe fühlen sich Gemeinschaft und Familie in der gemeinsamen
Verantwortung vereint, die Kleinsten an die Begegnung mit Jesus, den Herrn,
heranzuführen. Es geht um das Bewusstsein, dass die Kinder zwar das Leben von
ihren Eltern erhalten, in der Taufe aber „den Sinn empfangen, um es zu leben: den Glauben. Wenn wir wissen, dass etwas ein
wichtiges Gut ist, dann wollen wir es sofort für diejenigen, die wir lieben.
Denn wer von uns würde die Neugeborenen ohne Kleidung oder Nahrung lassen, in
der Hoffnung, dass sie als Erwachsene selbst entscheiden, wie sie sich kleiden
und was sie essen wollen? […], wie Nahrung und Kleidung lebensnotwendig sind, so
ist der Glaube mehr als notwendig, denn mit Gott findet das Leben Erlösung.“[17]
33. In jedem Fall bleibt die Notwendigkeit einer
tiefen Verflechtung zwischen Kirche und Familie bestehen, wie auch
Lumen fidei noch einmal deutlich hervorhebt: Die „Struktur der Taufe hebt die Bedeutung des Zusammenwirkens von Kirche und Familie
bei der Weitergabe des Glaubens hervor. Nach einem Wort des hl. Augustinus sind
die Eltern berufen, ihre Kinder nicht nur zum Leben zu zeugen, sondern sie zu
Gott zu bringen, damit sie durch die Taufe als Kinder Gottes wiedergeboren
werden und das Geschenk des Glaubens empfangen. So werden ihnen zusammen mit dem
Leben die Grundorientierung des Daseins und die Sicherheit einer guten Zukunft
gegeben. Diese Grundorientierung wird dann im Sakrament der Firmung mit dem
Siegel des Heiligen Geistes weiter gestärkt.“[18]Interessant ist in diesem Zusammenhang die Verbindung, die sich in der
lateinischen Kirche zwischen dem liturgischen Akt des Anzündens der Osterkerze,
dem Auftakt zur großen Feier des Osterfestes – dem Mittel- und Höhepunkt des
christlichen Glaubens –, und der Feier der Taufe – dem Tor zu eben diesem
Glauben – erkennen lässt: insbesondere in Bezug auf Christus, das Licht, das im
Leben jedes Gläubigen aufgenommen werden muss.
34. Vor diesem Hintergrund erscheint das, was
dasselbe Lehrschreiben etwas weiter feststellt, als besonders bedeutsam: „In der Familie begleitet der Glaube alle Lebensalter, angefangen von der
Kindheit: Die Kinder lernen, der Liebe ihrer Eltern zu trauen. Deshalb ist es
wichtig, dass die Eltern gemeinsam den Glauben in der Familie praktizieren und
so die Reifung des Glaubens der Kinder begleiten. Vor allem die jungen Menschen,
die in einem Lebensalter stehen, das für den Glauben so vielschichtig, reich und
wichtig ist, sollen die Nähe und Zuwendung der Familie und der kirchlichen
Gemeinde auf ihrem Weg des Wachsens im Glauben spüren.“[19]
35. Es ist von Bedeutung, an dieser Stelle an eine
aussagekräftige Memoirenpassage des Jesuiten Aimé Duval zu erinnern, in der man
das stille und fast natürlich gelebte christliche Zeugnis der Eltern gegenüber
ihren Kindern erkennen kann. Pater Duval schreibt im Zusammenhang mit der
Schilderung seiner bewegten menschlichen und religiösen Lebensgeschichte: „Ich
war das fünfte Kind einer Familie mit neun Kindern; vor mir: Lucie, Marie,
Hélène, Marcel; und nach mir: René, Raymond, Suzanne und André. In dieser
Familie habe ich die Frömmigkeit nicht auf eine überschwängliche und
außergewöhnliche Weise gelernt. Es gab nur das tägliche Abendgebet, das wir
gemeinsam sprachen. Aber daran erinnere ich mich gut, und ich werde mich daran
erinnern, bis sich meine Augen endgültig schließen. Meine Schwester.
Meine Schwester Hélène sprach die Gebete, die für Kinder lang waren (eine
Viertelstunde). Sie beschleunigte das Tempo, stammelte und nahm Abkürzungen, bis
mein Vater ihr im Dialekt sagte: „Fang noch mal an … fang von vorne an …“. So
lernte ich damals, dass man mit dem lieben Gott langsam, ernsthaft und mit
sanfter Geduld sprechen muss. Mein Vater. Was mich heute bewegt, ist die
Erinnerung an die Haltung meines Vaters. Er, der immer müde war von der Arbeit
auf den Feldern oder vom Treiben der Ochsen, er, der ohne Scheu zeigte, dass er
nach der Arbeit erschöpft war – und doch kniete er sich nach dem Abendessen hin,
die Ellbogen auf die Sitzfläche eines Stuhls gestützt, die Stirn in den Händen,
ohne einen Blick auf seine Kinder um ihn herum zu werfen, ohne eine Bewegung,
ohne zu husten, ohne die Geduld zu verlieren. Und ich dachte bei mir: ‚Mein
Vater, der so stark ist, der das Haus und seine beiden großen Ochsen beherrscht,
der stolz gegenüber den Schicksalsschlägen ist und so wenig schüchtern vor dem
Bürgermeister, den Reichen und den Bösen, siehe da, vor dem lieben Gott wird er
so klein. Wahrlich, das Gespräch mit Gott verändert ihn. Wirklich, der liebe
Gott muss jemand sehr Großes sein, wenn mein Vater vor ihm niederkniet, aber
auch jemand sehr Vertrautes, wenn man in Arbeitskleidung mit ihm sprechen kann
…‘. Meine Mutter. Was meine Mutter betrifft, so habe ich sie nie auf den
Knien gesehen. Zu müde setzte sie sich in die Mitte des Zimmers, das jüngste
Kind im Arm, das schwarze Kleid bis zu den Fersen, ihr schönes braunes Haar
offen über den Nacken fallend und alle Kinder um sie herum, an sie geschmiegt.
Mit den Lippen folgte sie den Gebeten von Anfang bis Ende, sie wollte kein Wort
verpassen, sprach sie für sich selbst. Das Merkwürdigste war, dass sie nicht
aufhörte, uns im Auge zu behalten; jeder von uns stand unter ihrem Blick. Ein
längerer Blick für die Kleinsten. Sie schaute uns an, sagte aber nichts, auch
nicht, wenn die Kleinsten zappelten und flüsterten, auch nicht, wenn der Donner
über dem Haus niederging, auch nicht, wenn die Katze einen Kochtopf umwarf. Und
ich dachte bei mir: ‚Wirklich, der liebe Gott ist sehr gütig, wenn man mit ihm
sprechen kann, während man ein Kind im Arm hält und die Arbeitsschürze trägt.
Wirklich, der liebe Gott ist jemand Wichtiges, wenn die Katze oder der Donner
keine Rolle mehr spielen‘. Die Hände meines Vaters, die Lippen meiner Mutter,
das sind die Dinge, die mir mehr über den lieben Gott beigebracht haben als der
Katechismus. Er ist Jemand, er ist jemand, der uns nahe ist. Mit ihm kann man
auch sprechen, wenn man gearbeitet hat.“[20]
36. Dieser rührende Bericht von einer schlichten
und freudigen Einführung der Kleinsten in das Geheimnis Gottes, ermöglicht durch
das Zeugnis der Eltern, bestätigt voll und ganz die von Papst Franziskus
mehrfach hervorgehobene Erkenntnis: Der Glaube muss im familiären Umfeld „im
Dialekt“ weitergegeben werden. Anlässlich des Festes der Taufe des Herrn am 7.
Januar 2018 wandte er sich so an die Eltern, die ihre Kinder zur Taufe gebracht
hatten: „Ich möchte euch nur eines sagen, das euch [Eltern] betrifft: Die
Weitergabe des Glaubens kann nur ‚im Dialekt‘ geschehen, im Dialekt der Familie,
im Dialekt von Papa und Mama, von Opa und Oma. Dann werden die Katecheten
kommen, um diese erste Weitergabe mit Ideen und Erklärungen weiterzuentwickeln …
Aber vergesst Folgendes nicht: Es geschieht ‚im Dialekt‘, und wenn der Dialekt
fehlt, wenn zu Hause zwischen den Eltern diese Sprache der Liebe nicht
gesprochen wird, ist die Weitergabe nicht so einfach, sie wird nicht gelingen.
Vergesst das nicht. Eure Aufgabe ist es, den Glauben weiterzugeben, aber tut
dies mit der Sprache der Liebe eures Zuhauses, eurer Familie.“[21] Dieser Punkt ist auch von Papst Leo XIV. bekräftigt worden: „… unsere Eltern [sind] die ersten Katecheten, diejenigen, die als Erste zu uns
gesprochen und uns das Sprechen beigebracht haben. So wie wir unsere
Muttersprache gelernt haben, kann auch die Verkündigung des Glaubens nicht an
andere delegiert werden, sondern findet dort statt, wo wir leben. Vor allem in
unseren Häusern, am Esstisch: Wenn es eine Stimme, eine Geste, ein Angesicht
gibt, das zu Christus führt, erfährt die Familie die Schönheit des Evangeliums.“[22]
37. Die Weitergabe des Glaubens fand somit bis vor
kurzem gerade im familiären Umfeld den wichtigsten Ort für den Übergang zwischen
den Generationen. Vor allem die Eltern bilden jenen ersten „Tabernakel“, in dem
die Kleinen einen Einblick in die ganze Schönheit und Kraft des Lebens als
Jünger Jesu, des Herrn, gewinnen können. Dieses Zeugnis nimmt in einem Geflecht
einfacher, alltäglicher Gesten Gestalt an: das persönliche Gebet und das
gemeinsame Gebet als Paar, das Lesen des Evangeliums, das Gedenken an die Worte
und Taten Jesu, das Gedenken an die Schutzheiligen, die ständige Anrufung des
mütterlichen Schutzes der Jungfrau Maria, die Teilnahme an der Sonntagsmesse,
der Besuch von Wallfahrtsorten und die verschiedenen Formen der
Volksfrömmigkeit, die Aufmerksamkeit für die Ärmsten und Benachteiligten, aber
auch durch das Dankgebet vor den Mahlzeiten und den Segen des Herrn anlässlich
der Geburtstage eines Familienmitglieds sowie das fromme Aufstellen der Krippe
zu den Weihnachtsfeiertagen.
38. Allerdings müssen wir feststellen, dass diese
begünstigende Situation immer weiter abnimmt. Tatsächlich ist, wie weiter unten
noch ausführlicher dargelegt wird, eines der charakteristischen Merkmale unserer
Zeit der Umstand, dass die Weitergabe des Glaubens im familiären Umfeld, obwohl
sie in einigen Regionen Afrikas und Asiens weiterhin von Bedeutung ist, in
vielen Teilen der Welt weggebrochen ist.[23] Folglich erfolgt die Weitergabe der Erfahrung des christlichen Glaubens an
die neuen Generationen nicht mehr sozusagen „automatisch“.
Die kirchliche Gemeinschaft
39. Erst an diesem Punkt und erst in einem
späteren Stadium tritt die kirchliche Gemeinschaft in den Prozess der
Glaubensweitergabe ein. Was ein Mensch von seinen Eltern empfangen hat – das
Glaubenszeugnis von Jesus, der das Antlitz der unendlichen Liebe Gottes in Fülle
offenbart hat, indem er die Menschen aus der Finsternis befreit und sie für das
wahre Licht des Lebens empfänglich gemacht hat –, das findet in der Kirche die
Mittel und Gelegenheiten, um zum grundlegenden Prinzip seiner Weltanschauung zu
werden. Durch die Katechese, die Feier der Sakramente, die verschiedenen Räume,
die eine aktive Teilnahme am Gemeinschaftsleben fördern – wie es der aktuelle
synodale Prozess anregt –, das Engagement zugunsten der Benachteiligten und das
Zusammenkommen im Haus des Herrn am Sonntag, gelangt man zu jener Reife des
Glaubens, die letztendlich darin besteht, alles „mit den Augen Jesu“ zu
betrachten.
40. Dank des koordinierten Handelns von Eltern und
kirchlicher Gemeinschaft lernt nämlich jeder, dass „im Glauben Christus nicht nur der ist, an den wir glauben, die größte
Offenbarung der Liebe Gottes, sondern auch der, mit dem wir uns verbinden, um
glauben zu können. Der Glaube blickt nicht nur auf Jesus, sondern er blickt vom
Gesichtspunkt Jesu aus, sieht mit seinen Augen: er ist Teilhabe an seiner Weise
zu sehen.“[24] Dies ist die wirkliche Vollendung des Prozesses, den wir hier als
Weitergabe des Glaubens bezeichnen: jedem zu ermöglichen, zu einer solchen
Vertrautheit mit Jesus, dem Herrn, zu gelangen, dass er schließlich sich selbst,
die anderen, die Welt und das Geheimnis Gottes mit den Augen Jesu selbst
betrachten kann. So wird deutlich, dass die Begleitung durch die Gemeinschaft
nicht nur für die Annahme des Evangeliums unerlässlich ist, sondern auch, um dem
empfangenen Geschenk treu zu bleiben, denn es ist sehr schwer, allein
durchzuhalten.
41. Es muss zudem festgestellt werden, dass in
Ländern mit alter christlicher Tradition ein solcher Kontext der
Glaubensweitergabe heute gefährdet erscheint, da dieser zunehmend geprägt ist
durch die Anwesenheit von „‚Getauften, die jedoch in ihrer Lebensweise den Ansprüchen der Taufe nicht gerecht werden‘, keine innere Zugehörigkeit zur Kirche haben und nicht mehr die Tröstung des
Glaubens erfahren. Als stets aufmerksame Mutter setzt sich die Kirche dafür ein,
dass sie eine Umkehr erleben, die ihnen die Freude am Glauben und den Wunsch,
sich mit dem Evangelium zu beschäftigen, zurückgibt.“[25] Zudem wächst vor allem unter den jungen Menschen die Zahl derer, die Jesus
und das Evangelium nicht kennen.
42. Gerade deshalb erfordert die Weitergabe des
Glaubens heute in besonderer Weise die Evangelisierung der Erwachsenen und die
Überwindung einer Seelsorge, die sich ausschließlich auf die Katechese von
Kindern und Jugendlichen konzentriert.
Kapitel III
Der Epochenwandel
43. Besondere Aufmerksamkeit verdient als
Gegenstand der vorliegenden Überlegungen der Kontext der
Glaubensvermittlung, der durch den Begriff „Epochenwandel“ zum Ausdruck gebracht
wird. Bekanntlich war es Papst Franziskus, der diesen Ausdruck in seiner
Ansprache an die Römische Kurie anlässlich der Weihnachtsgrüße am 21. Dezember
2019 prägte, als er erklärte: „Denn die Epoche, in der wir leben, ist nicht nur eine Epoche der
Veränderungen, sondern die eines Epochenwandels. Wir stehen also an einem
der Momente, in denen die Veränderungen nicht mehr linear sind, sondern vielmehr
epochal; sie stellen Weichenstellungen dar, die die Art des Lebens, der
Beziehungen, der Formung und Kommunikation des Denkens, des Verhältnisses
zwischen den menschlichen Generationen und dem Verständnis und der Ausübung von
Glauben und Wissenschaft schnell verwandeln.“[26] Wie bereits mehr als zehn Jahren zuvor im Abschlussdokument der V.
Generalversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik im Mai 2007 in
Aparecida (Brasilien) betont worden war: „Wir erleben einen Epochenwechsel, der
sich am folgenschwersten kulturell auswirkt. Das ganzheitliche Verständnis vom
Menschen, seine Beziehung zur Welt und zu Gott verflüchtigt sich.“[27]
44. Eine solche Situation hängt grundlegend mit
der Krise des kulturellen Musters der Moderne zusammen, das insbesondere den
europäischen Kontext betrifft. Wir können uns daher fragen, ob die Rede von
einem „Epochenwandel“ im Singular den Prozessen, denen sich die Kirchen weltweit
gegenübersehen, voll und ganz gerecht wird. Die Antwort auf diese Frage ist
zweifellos positiv, zumindest, wenn man sich auf einer allgemeinen Ebene bewegt,
und zwar aus Gründen, die mit dem bekannten Phänomen der Globalisierung
zusammenhängen, das die tatsächliche Ausbreitung des Einflusses der westlichen
Kultur in alle Regionen der Welt begünstigt hat. Im Übrigen ist es
unbestreitbar, dass bestimmte Erfahrungen, wie die Tragödie der
Covid-19-Pandemie, das weit verbreitete Bewusstsein gestärkt haben, einer
einzigen Familie anzugehören, auch wenn es nicht an Tendenzen mangelt, die in
die entgegengesetzte Richtung weisen.[28]
45. Die Dringlichkeit, sich mit den sich aus dem
Epochenwandel ergebenden Fragen auseinanderzusetzen, wurde ebenso von Papst Leo
XIV. in seiner ersten Enzyklika
Magnifica humanitas zum Ausdruck
gebracht: „Wir durchleben eine rasante Übergangsphase, einen ‚Epochenwandel‘, in dem –
während einige um die Zukunft der neuen Technologien wetteifern und andere sich
eingehend mit ihnen auseinandersetzen – die meisten Menschen in einer Art
Wartestellung verharren, aus der Ferne beobachten und einfach hoffen, dass alles
gut gehen wird. Genau aus diesem Grund stellen sich unserem Gewissen
entscheidende Fragen, denen wir uns nicht länger entziehen können: Wohin gehen
wir? Auf welches Ziel wollen wir uns ausrichten? Welche Richtung sollen wir als
Menschheit und als Völker einschlagen?“[29] Die allgemeinen Merkmale dieses Wandels hat der Heiligen Vater
verdeutlicht: „Künstliche Intelligenz und andere Innovationen verändern unser
Verständnis von Arbeit und Beziehungen und werfen sogar Fragen zur menschlichen
Identität auf. Die ökologische Zerstörung bedroht unser gemeinsames Haus.
Politische Systeme reagieren oft nicht auf den Schrei der Armen. Populismus und
ideologische Polarisierung vertiefen die Spaltungen zwischen den Nationen. Viele
sind von Konsumismus, Individualismus und Gleichgültigkeit geprägt.“[30] Hinzu kommt die wachsende wirtschaftliche Kluft, die oft zur
Destabilisierung ganzer Regionen führt. Es handelt sich um globale Faktoren, die
tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen. Diese
Umwälzungen betreffen praktisch jeden kulturellen Kontext und verschonen auch
die Kirche nicht, da sie in der Geschichte verankert ist und am Leben der Völker
teilhat.
46. Zum einen tragen die Anziehungskraft eines
gutsituierten Lebensstils und das legitime, auch durch den erwähnten
technologischen Fortschritt begünstigte Streben nach besseren Lebensbedingungen
nämlich zur Verbreitung materialistischer und individualistischer Denkweisen auf
allen Kontinenten bei. Dies nährt zusammen mit anderen Faktoren weltweit das oft
von dramatischen Aspekten geprägte Phänomen der Migration. Zum anderen haben
eben dieselben Prozesse auch in früh evangelisierten Ländern die Entstehung
multikultureller Kontexte begünstigt, in denen neben dem Säkularismus die
kulturellen Anliegen verschiedener Völker existieren und vor der Herausforderung
eines friedlichen Zusammenlebens stehen. Daher gilt es anzuerkennen, dass diese
Dynamiken in den verschiedenen Regionen der Welt nicht gleichförmig erlebt
werden. Ebenso muss betont werden, dass sich das Verhältnis zur westlichen
Moderne – die vor allem ein bestimmtes Profil der Kirche prägt – unterschiedlich
darstellt, je nach den Kulturen, denen die verschiedenen christlichen
Gemeinschaften angehören. Papst Leo XIV. erkennt diese Wirklichkeit an, so
dass: „das Volk Gottes nicht nur aus vielen Völkern zusammengesetzt ist, sondern auch
in seinem Inneren aus unterschiedlichen Aufgaben, Berufungen, Kulturen und
Traditionen gewoben ist, die dazu aufgerufen sind, sich gegenseitig zu fördern
und zu bereichern. […] Die fruchtbare Spannung zwischen der Universalität ihrer
Sendung und ihrer lokalen Verwurzelung gehört wesentlich zum Leben der Kirche:
Sie umfasst die ganze Welt, nimmt aber die Fragen jedes einzelnen Kontextes auf,
da dieser der reale Ort ist, an dem das Evangelium Gestalt annimmt.“[31] Daraus lässt sich folgern, dass einer der wichtigsten Aspekte des
Epochenwandels die Entstehung einer neuen Beziehung zwischen dem Glauben – und
damit seiner Weitergabe – und den Kulturen betrifft.
Die Krise der Weitergabe des Glaubens
47. Ein charakteristischer Aspekt des
Epochenwandels, der aus verschiedenen Gründen vor allem den Westen betrifft –
also jene Länder, in denen der christliche Glaube auch eine soziologisch
mehrheitliche Bedeutung hatte –, ist die Krise der Weitergabe des
christlichen Glaubens von Generation zu Generation. Darauf hatte bereits
Evangelii gaudium
hingewiesen: „Wir dürfen auch nicht übersehen, dass in den letzten Jahrzehnten ein Bruch in
der generationenlangen Weitergabe des christlichen Glaubens im katholischen Volk
stattgefunden hat. Es ist unbestreitbar, dass viele sich enttäuscht fühlen und
aufhören, sich mit der katholischen Tradition zu identifizieren; dass die Zahl
der Eltern steigt, die ihre Kinder nicht taufen lassen und sie nicht beten
lehren und dass eine gewisse Auswanderung in andere Glaubensgemeinschaften zu
verzeichnen ist.“[32]
48. Dies hängt vor allem in Europa, den
Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada, aber auch in Australien und
Neuseeland stark mit einem fortgeschrittenen Stadium der Säkularisierung
zusammen, das zu einer erheblichen Krise des im familiären Umfeld gelebten
Christentums geführt hat. Tatsächlich kommen immer weniger Eltern der Aufgabe
nach, ihre Kinder mit dem lebendigen Licht der Botschaft des Evangeliums in
Beziehung zu bringen. Gerade aus diesen familiären Kontexten stammt jene
Mehrheit junger Menschen, Männer und Frauen, die den Übergang ins
Erwachsenenalter schließlich in einer Haltung weitgehender religiöser
Gleichgültigkeit durchleben, obwohl sie die katholischen Kreise der Pfarrei
besucht haben. Für diese Menschen, die zwar die Taufe empfangen, aber den
christlichen Sinn des Lebens aus den Augen verloren haben, stellen Jesus, seine
Botschaft der Liebe, jenes Licht, das er in die Menschheitsgeschichte
auszustrahlen gekommen ist, weder ein wesentliches Element ihrer Identität noch
eine verlässliche Ressource dar, um das zu erkennen, was im Hinblick auf ein
menschenwürdiges Leben richtig ist.
49. Dies betrifft jedoch nicht nur den sogenannten
fortschrittlichen Westen. In Osteuropa beispielsweise, das die schwere Prüfung
durch totalitäre kommunistische Regime und die Errichtung einer auf staatlichem
Atheismus gegründeten Gesellschaft erlebt hat– allerdings nicht überall mit
denselben Auswirkungen –, ist es die Generation der heutigen Eltern gewesen, die
unter der Unterbrechung der Weitergabe des Glaubens gelitten hat. Dies bezeugen
insbesondere die Bischöfe der Gebiete der ehemaligen Sowjetunion, die
festgestellt haben, „dass der Glaube von den Großmüttern […] an die Enkel
weitergegeben wurde, jedoch ohne die direkte Einbeziehung der
Zwischengeneration. Infolgedessen fand die Generation der ‚Enkel‘ bei ihren
Eltern keinen im Alltag gelebten Glauben.“[33] Ähnliches bezeugen auch die Bischöfe Albaniens.[34] Daher kommen die Bischöfe der griechisch-katholischen Kirche Ungarns zu
dem Schluss: „Wir können nicht mehr als selbstverständlich voraussetzen, dass
Eltern ihren Kindern den Glauben automatisch weitergeben. Was sich in der
Vergangenheit als wirksam erwiesen hat, bringt in der gegenwärtigen Situation
nicht mehr dieselben Früchte hervor.“[35]
50. Dieser Bruch bei der Weitergabe des Glaubens
in der Familie ist auch in Lateinamerika und der Karibik zu beobachten, wo er
sich vor allem als Unterbrechung der organischen Kontinuität zwischen Familie
und Gesellschaft zeigt. Die chilenischen Bischöfe stellen nämlich fest:
„Jahrzehntelang wurde eine Kontinuität zwischen Familie, Schule, Kultur und
kirchlicher Gemeinschaft als selbstverständlich vorausgesetzt. In jenem
Zusammenhang konnte der Glaube als etwas beschrieben werden, das relativ
organisch von einer Generation zur nächsten weitergegeben wurde.“[36] Diesbezüglich stellen die Bischöfe der Antillen eine Schwächung der
generationenübergreifenden Kontinuität fest,[37] insbesondere was die Katechese und die Sakramentenpraxis betrifft. In
einem anderen Kontext, wie demjenigen von Panama, wo der Glaube im
Volksbrauchtum und in Kernmomenten des Lebens nach wie vor stark präsent ist,
lässt sich feststellen, dass er „innerhalb der Familien nicht mehr auf
natürliche Weise weitergegeben wird“.[38] In Kolumbien, wie auch an anderen Orten der Welt, sind es die Großeltern,
die die Mängel in der häuslichen Katechese ausgleichen, parallel zur Katechese
in der Pfarrei.[39] In anderen Gebieten hingegen wird sogar die Taufe der Kinder aus mit der
lokalen Kultur zusammenhängenden Gründen auf ein höheres Alter verschoben, wie
im Fall des peruanischen Amazonasgebiets.[40] Letztendlich zeigen all diese Berichte, dass eine Art „Automatismus“ bei
der Weitergabe des Glaubens nicht mehr existiert.
51. Ein ähnliches Problem betrifft auch die
meisten Kirchen in Asien, vor allem in den technologisch fortschrittlicheren
Regionen. In diesen Fällen handelt es sich jedoch um ein Christentum, das
gesellschaftlich schon immer eine Minderheit darstellte und erst seit kurzem mit
gewissen Schwierigkeiten bei der Weitergabe des Glaubens innerhalb der Familie
konfrontiert ist. In Korea stellen die Bischöfe beispielsweise fest, dass die
Aufgabe der Katechese der Jüngsten, aufgrund der Sorge der Eltern insbesondere
um die akademische und berufliche Laufbahn ihrer Kinder, hauptsächlich von den
Großeltern übernommen wird.[41] Auch die Bischöfe von Malaysia, Singapur und Brunei beklagen, dass den
beruflichen Anforderungen Vorrang eingeräumt wird, während die geistliche
Bildung zunehmend auf die persönliche Nutzung moderner Kommunikationsmittel
reduziert wird.[42] In Bangladesch ist eine ähnliche Situation festzustellen, die durch ein
mehrheitlich muslimisches soziales Umfeld noch verschärft wird.[43] In Japan gibt es hingegen Schwierigkeiten, die in gewisser Hinsicht denen
der westlichen Welt ähneln, vor allem im Hinblick auf die Katechese in den
Pfarreien und die große Verbreitung von Mischehen zwischen Angehörigen
verschiedener religiöser Traditionen, die in gewisser Weise die Weitergabe des
Glaubens innerhalb der eigenen vier Wände behindern.[44] Dies gilt auch für die einst zum Sowjetblock gehörenden Länder
Zentralasiens, in denen die Kirche nach wie vor eine Minderheit darstellt und
unter ähnlichen Bedingungen wie jene in Osteuropa lebt, wo jahrzehntelang unter
totalitären Regimen eine „Kirche des Schweigens“ überlebte.[45]
52. Trotz der großen Vielfalt der Kontexte ist
auch Afrika nicht frei von Dynamiken, die die Weitergabe des Glaubens von
Generation zu Generation unterbrechen. Dies ist in erster Linie auf eine gewisse
Säkularisierung der Sitten aufgrund des Einflusses eines westlichen Lebensstils
zurückzuführen, den sich vor allem die jüngeren Generationen zu eigen gemacht
haben. Es gibt jedoch auch andere Faktoren, die vorwiegend mit dem Verhältnis zu
den lokalen Kulturen zusammenhängen. Insbesondere lässt sich feststellen, dass
eine nicht vollständig erfolgte Inkulturation des Evangeliums – trotz der nach
wie vor weit verbreiteten öffentlichen Ausdrucksformen der Religion im
gesellschaftlichen Leben – zu einem oberflächlichen Glauben führt, der keine
Wurzeln hat und äußeren Einflüssen stärker ausgesetzt ist. Davon sprechen
beispielsweise die Bischöfe Südafrikas: „Obwohl das Christentum weit verbreitet
ist, bleibt es oft auf einer oberflächlichen Ebene und bedarf einer tieferen
Verankerung des Evangeliums in der afrikanischen Spiritualität.“[46] Daher betrifft eine der Hauptherausforderungen für die Weitergabe des
Glaubens, die den afrikanischen Kontinent durchgängig prägt, die zunehmende und
immer aggressivere Konkurrenz durch religiöse Bewegungen unterschiedlicher
Herkunft sowie die Rückkehr zu traditionellen religiösen Praktiken, auch nach
dem Empfang der Taufe.[47]
53. Ohne auf die Komplexität der Ursachen
einzugehen, die zu diesen Umbrüchen geführt haben, muss die Krise der Weitergabe
des Glaubens von Generation zu Generation und die Herausforderung, die sie für
die Kirche darstellt, in diesem Kontext einer regelrechten Neudefinition der
Grundlagebedingungen der menschlichen Existenz verortet werden. Diese
Bedingungen wurden in der Vergangenheit vor allem ausgehend vom Christentum,
sowohl in der Gesellschaft als Ganzes als auch innerhalb der einzelnen
Gemeinschaften, interpretiert. In allgemeinerer Perspektive muss zudem zur
Kenntnis genommen werden, dass sich nicht nur die Weitergabe des Glaubens in der
Krise befindet, sondern auch eine bestimmte Sichtweise des Menschen und seiner
grundlegenden Werte, die gerade im Evangelium ihre Erfüllung gefunden hatte. Die
Krise der Moderne, Kennzeichen des Epochenwandels, hat somit zur Entstehung
einer in Konkurrenz zu den traditionellen Strukturen der Glaubensvermittlung
getretenen neuen Kultur beigetragen. Dies hat wiederum zur Krise des sogenannten
christlichen Modells geführt, begleitet von der weit verbreiteten Wahrnehmung in
verschiedenen Teilen der Welt, dass sich die Aufgabe der Priester oft auf die
„Erhaltung“ bestehender Strukturen beschränkt, während sich die Welt um sie
herum radikal verändert hat.
Eine neue, weit verbreitete Kultur
54. Ausgehend von dieser Situation fordert
Evangelii gaudium
zu folgender Kenntnisnahme auf: „Es entstehen fortwährend neue Kulturen in diesen geografisch riesigen
menschlichen Lebensräumen [den Metropolen], wo der Christ gewöhnlich nicht mehr derjenige ist, der Sinn fördert oder
stiftet, sondern derjenige, der von diesen Kulturen andere Sprachgebräuche,
Symbole, Botschaften und Paradigmen empfängt, die neue Lebensorientierungen
bieten, welche häufig im Gegensatz zum Evangelium Jesu stehen. Eine neue Kultur
pulsiert in der Stadt und wird in ihr konzipiert. Die Synode [jene von 2012 über
die Neu-Evangelisierung] hat festgestellt, dass heute die Verwandlungen dieser
großen Gebiete und die Kultur, in der sie ihren Ausdruck finden, ein
vorzüglicher Ort für die neue Evangelisierung sind. Das erfordert, neuartige
Räume für Gebet und Gemeinschaft zu erfinden, die für die Stadtbevölkerungen
anziehender und bedeutungsvoller sind. Aufgrund des Einflusses der
Massenkommunikationsmittel sind die ländlichen Bereiche von diesen kulturellen
Verwandlungen, die auch bedeutsame Veränderungen in ihrer Lebensweise bewirken,
nicht ausgenommen.“[48]
55. Es geht daher darum, die Frage der Weitergabe
des Glaubens im Kontext jener ganz neuartigen Kultur zu betrachten, die sich
heute vom Herzen der Städte in Richtung der Vororte ausbreitet und auch die
ländlichen Gebiete erreicht. Es handelt sich um eine allgegenwärtige und
zutiefst einflussreiche Kultur, wie die Bischöfe der Vereinigten Staaten von
Amerika feststellen: Heute neigen die Gläubigen dazu, „mehr von der Kultur als
vom Glauben eingenommen zu sein. Die Kultur prägt durch die sozialen Medien und den öffentlichen
Diskurs die Denkweise der Katholiken […] stärker als es der Glaube, die
Tradition und die Frömmigkeit tun.“[49]Das gleiche Phänomen lässt sich in vielen anderen Kontexten beobachten, vor
allem in jenen, die am stärksten von der westlichen Kultur und einem urbanen
Lebensstil geprägt sind. Wie die Bischöfe Rumäniens beklagen, ist die rasche
Säkularisierung von Gesellschaften dieser Art so ausgelegt, dass „die mangelnde
Religionsausübung gesellschaftlich nicht mehr als eine Abwesenheit wahrgenommen wird,
die zu rechtfertigen wäre“.[50] In Bezug auf die Länder mit ganz früher Evangelisierung kann daher
mittlerweile von postchristlichen Gesellschaften gesprochen werden.
56. Der Trend dieser neuartigen Kultur scheint in
der Überhöhung der „Souveränität des Ichs“ zu bestehen, das den Anspruch erhebt,
autonom und frei zu sein, jeden Aspekt der eigenen Existenz zu gestalten, und
dabei andere Menschen sowie die ihn umgebende Wirklichkeit seinen eigenen
Bedürfnissen unterwirft. Es handelt sich um die Verbreitung eines immer stärker
ausgeprägten Individualismus, der Trennung, Spaltung, Neid, Eifersucht,
Übergriffigkeit, Narzissmus und Selbstverherrlichung hervorbringt. Hier kommen
die eindringlichen Worte der Enzyklika
Fratelli tutti in den Sinn:
„Der Individualismus macht uns nicht freier, gleicher oder brüderlicher. Die
bloße Summe von Einzelinteressen ist nicht in der Lage, eine bessere Welt für
die gesamte Menschheit zu schaffen. Sie kann uns auch nicht vor so vielen immer
globaler auftretenden Übeln bewahren. Aber radikaler Individualismus ist das am
schwersten zu besiegende Virus. Er ist hinterhältig. Er lässt uns glauben, dass
alles darauf ankommt, unseren eigenen Ambitionen freien Lauf zu lassen, als ob
wir durch Akkumulation individueller Ambitionen und Sicherheiten das Gemeinwohl
aufbauen könnten.“[51]
57. Dieser weit verbreitete Individualismus ist
vielleicht eine der offensichtlichsten Auswirkungen jenes langen
Säkularisierungsprozesses, der das zeitgenössische menschliche Bewusstsein,
insbesondere im westlichen Kontext, erfasst und ihm den Atem und den Horizont
der Transzendenz genommen hat. Wie es in
Evangelii gaudium heißt: „Der Säkularisierungsprozess neigt dazu, den Glauben und die Kirche auf den
privaten, ganz persönlichen Bereich zu beschränken. Außerdem hat er mit der
Leugnung jeglicher Transzendenz eine zunehmende ethische Deformation, eine
Schwächung des Bewusstseins der persönlichen und sozialen Sünde und eine
fortschreitende Zunahme des Relativismus verursacht, die Anlass geben zu einer
allgemeinen Orientierungslosigkeit, besonders in der Phase des Heranwachsens und
der Jugend, die gegenüber Veränderungen so anfällig ist.“[52]
58. All dies hat natürlich Auswirkungen auf den Prozess der Weitergabe des Glaubens.
Zu den von den Bischöfen angesprochenen Phänomenen gehört neben den bereits
erwähnten Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Familie auch die tiefgreifende
Entfremdung zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft, wie dies die spanischen
Bischöfe feststellen: „Der Einzelne und die Familie leiden unter den Folgen der kulturellen und
sozialen Krise, die diesen Prozess begleitet, und werden ihrerseits zu deren
Ursache, da die Weitergabe des Glaubens geschwächt ist und dadurch die für das
Leben in der Gesellschaft unverzichtbaren Bindungen zerbrechen.“[53] Das bedeutet, dass es dem Einzelnen schwerfällt, sich in eine Tradition
einzufügen, die ihm vorausgeht, in ein „Wir“, das nicht nur sein Denken und
Fühlen, sondern auch seinen Glauben prägt. Daraus folgt, dass vor allem die
Jüngeren den Modeerscheinungen der Zeit ausgeliefert sind, wie die Bischöfe
Brasiliens feststellen: „Der fortschreitende Verlust des Sinns der
Kirchenzugehörigkeit, verbunden mit der Verbreitung subjektiver Formen der
Religiosität, hat die traditionellen Prozesse der Einführung in das Christentum
geschwächt. In diesem Zusammenhang kann man nicht mehr davon ausgehen, dass die
Taufe automatisch zu einem reifen und in das Leben der Gemeinschaft integrierten
Glauben führt.“[54] Infolgedessen wird der Glaube in solchen Kontexten vor allem als
Privatsache wahrgenommen, wie dies die österreichischen Bischöfe betonen:
„Religion wird in unserer Gesellschaft zunehmend privatisiert – mit der Tendenz, sie aus dem öffentlichen Raum zurückzudrängen. [...]
Denn es ist nicht möglich, die christliche Erfahrung gleichsam im Herzen zu
vergraben, ohne dass sich diese auf die Realität der Welt und der Gesellschaft
auswirken dürfte.“[55] All dies hat sich in Ländern wie Frankreich und Kanada noch verschärft, in
denen der Laizismus auch auf gesetzlicher Ebene Ausdruck findet und die Freiheit
einschränkt, den eigenen Glauben an öffentlichen Orten zu bekunden.
Die digitalen Technologien
59. Eines der offensichtlichsten Zeichen des
Epochenwandels, den wir derzeit erleben, ist sicherlich die Verbreitung
digitaler Technologien. Diese haben, wie Papst Leo XIV. in
Magnifica humanitas beobachtet, einer neuen Sachlage zum Durchbruch verholfen, „in der die Macht und Omnipräsenz neuer Technologien die Struktur des
täglichen Lebens durchwirken, Entscheidungsprozesse prägen und die kollektive
Vorstellungswelt tiefgreifend beeinflussen“.[56] Insbesondere, so heißt es in dem Dokument weiter, „[schaffen] die allgegenwärtigen digitalen Medien eine Kultur der Unmittelbarkeit und
Überstimulation, die angesichts des Aufwands, der für die Suche nach der
Wahrheit erforderlich ist, zu Ermüdung, Langeweile und Apathie führt“.[57] Bereits die Synode über die Synodalität stellte im Synthesebericht
der ersten Sitzung von 2023 fest: „Die digitale Kultur stellt einen
grundlegenden Wandel in der Art und Weise dar, wie wir die Wirklichkeit
wahrnehmen und wie wir uns selbst, einander, unserer Umgebung und auch Gott
gegenüberstehen.“[58] Insbesondere bei den jüngeren Generationen zeichnet sich diese Kultur
nicht nur – wie oft betont wird – durch einen breiteren Zugang zum Wissen aus,
sondern auch durch eine Veränderung der Denkweisen selbst und letztlich der Art,
wie wir mit der Wirklichkeit in Beziehung treten. Betrachten wir darüber hinaus
die Szenarien, die sich mit dem Durchbruch der Künstlichen Intelligenz eröffnen,
so zeichnet sich – wie der Heilige Vater in Erinnerung gerufen hat – die immer
konkretere Gefahr ab, dass eine solche Kultur dazu führt, „einige Grundpfeiler
der menschlichen Zivilisation, die wir bisweilen für selbstverständlich halten,
radikal zu verändern. Durch die Simulation menschlicher Stimmen und Gesichter,
von Weisheit und Wissen, Bewusstsein und Verantwortung, Empathie und
Freundschaft greifen die als Künstliche Intelligenz bekannten Systeme nicht nur
in Informationsökosysteme ein, sondern dringen auch in die tiefste Ebene der
Kommunikation ein, nämlich die der menschlichen Beziehungen. Die
Herausforderung, die sich hier stellt, ist also nicht technologischer, sondern
anthropologischer Natur.“[59] Dies hat erhebliche Konsequenzen für die Inkulturation des Glaubens.
60. Die Verbreitung digitaler Technologien und die
Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz wirken sich natürlich auch
auf den Glauben und die Religion aus. Wenn es einerseits in der digitalen Welt
nicht an Gelegenheiten mangelt, Lebenszeugnisse und spirituelle Erfahrungen zu
teilen und zudem eine weitere Verbreitung katechetischer Inhalte zu erzielen als
dies mit den früher verfügbaren Mitteln möglich war, so bieten die neuen
Technologien zweifellos völlig neue Möglichkeiten der Evangelisierung.
Andererseits besteht jedoch in manchen Kontexten die Gefahr, dass das
Glaubensangebot entkörperlicht, vom konkreten Leben losgelöst oder mit
Ideologien verknüpft wird, die von lautstarken Minderheiten vertreten werden.
Dies kann zu Verzerrungen des Glaubens selbst oder des Gewissens führen oder
Menschen dazu verleiten, sich einen sogenannten „Do-it-yourself“-Glauben
aufzubauen, der sich nach den eigenen Vorlieben und Präferenzen statt nach der
Lehre der Kirche richtet.
61. Zudem wurde festgestellt, dass die digitale
Kultur dazu neigt, einige grundlegende Denkkategorien wie Raum, Zeit und
Autorität neu zu gestalten, die wesentliche Elemente des
Traditionsverständnisses selbst darstellen. Durch das Verändern der Art , in der
Tradition verstanden wird, wird daher die Weitergabe des Glaubens zwangsläufig
in ihren Grundfesten verändert. Was den Raum betrifft, so würde, wie bereits
angedeutet, das Zugehörigkeitsgefühl zu einem lokalen und konkreten Kontext zwar
nicht vollständig verschwinden, aber doch abgeschwächt werden, weil die Menschen
zugleich in ein globales Netzwerk eingebunden sind, in dem physische
Entfernungen relativiert, wenn nicht gar überwunden erscheinen. Was die Zeit
angeht, so würde sich hingegen die Bedeutung des [geschichtlichen] Gedächtnisses
selbst verändern: Die Tatsache, dass alle ins Netz eingestellten Inhalte auf
unbestimmte Zeit bestehen bleiben, trägt zusammen mit der Schnelligkeit, die den
Austausch zwischen den Menschen kennzeichnet, dazu bei, dass ein authentisches
Gespür für Geschichte und Vergangenheit verloren geht, da alles zu einer Art
ewiger Gegenwart verflacht wird. Dies macht die Internetnutzer besonders
anfällig für momentane Moden.
62. Im Hinblick auf die Autorität, sollte der
Mahnung von Papst Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika
Magnifica humanitas
große Beachtung geschenkt werden: „Mittel, die den Dialog und die Teilhabe fördern könnten, werden oft dazu
genutzt, verzerrte Narrative zu konstruieren und die Grenzen zwischen dem Wahren
und Falschen zu verwischen, indem Tatsachen und Meinungen vermischt werden.
Desinformation hat nicht erst mit der KI begonnen, findet in ihr jedoch einen
wirkungsvollen Verstärker. Die Möglichkeit, Inhalte, Bilder und Videos zu
manipulieren, setzt die Bürger einseitigen oder irreführenden Sichtweisen aus.
Das Problem betrifft sowohl die kulturelle als auch die moralische Dimension,
weil die Qualität der öffentlichen Kommunikation direkt vom sozialen Vertrauen
abhängt und dieses beeinflusst. Wahrheitsgetreue Information entsteht nämlich
nicht durch zentralisierte oder automatisierte Kontrolle. Im öffentlichen
Diskurs hat die Wahrheit von Sachverhalten eine rationale Dimension, weil sie
Verifizierung, Bestätigung der Quellen und verantwortungsvolle Argumentation
erfordert; doch vor allem ist sie relational: Sie entsteht durch vertrauensvolle
Beziehungen und gemeinsames Handeln, in einem ehrlichen Austausch mit den
anderen und mit der Welt.“[60] Daher stellen der allgemeine Zugang zu vielfältigen Wissensquellen und
zugleich das Vorhandensein einer großen Anzahl von Stimmen, die alle auf die
gleiche Ebene gestellt werden und deren einziges Unterscheidungsmerkmal in der
kommunikativen Wirksamkeit besteht, die Glaubwürdigkeit traditioneller
Institutionen ernsthaft in Frage, weil für viele nicht mehr klar ist, wer
tatsächlich in der Lage ist, ein maßgebendes Wort zu den grundlegenden Fragen
des menschlichen Lebens beizutragen.
Neue Grenzen der Evangelisierung
63. Ein realistischer Blick auf diese Situation
darf jedoch nicht dazu führen, dass man an der Zukunft der Kirche verzweifelt.
Zu den Chancen, die der Heilige Geist im gegenwärtigen Kontext des
Epochenwandels bietet, gehört nämlich ein bewussteres und überzeugteres
Bekenntnis zum Glauben, wie die belgischen Bischöfe betonen, handelt es sich um „eine positive Gelegenheit, den Menschen zu ermöglichen,
sich bewusst dafür zu entscheiden, ihren Glauben zu vertiefen“.[61] Eine ähnliche Haltung findet sich auch in einem geografisch weit
entfernten Kontext wie dem von Chile, wo die Bischöfe feststellen, dass „der Glaube nicht mehr als stabiles kulturelles Erbe vorausgesetzt werden
kann oder als spontane Zugehörigkeit zu einem Universum gemeinsamer Symbole.
Vielmehr erscheint der Glaube als Angebot, das in Freiheit angenommen, auf den
verschiedenen Wegen begleitet und auf existenzieller Ebene untermauert werden
muss.“[62] Darüber hinaus darf ein die am stärksten säkularisierten Gebiete Europas
und Amerikas betreffendes Phänomen nicht vergessen werden, nämlich die steigende
Zahl von Konversionen und Rückkehrern zur Kirche, vor allem unter Jugendlichen
und jungen Erwachsenen. Besonders bemerkenswert ist der Fall Frankreichs, wo in
Anbetracht eines allgemeinen Rückgangs der Kindertaufen und der religiösen
Praxis eine außergewöhnliche und stetige Zunahme an Bitten um das Sakrament der
Taufe seitens Jugendlicher und Erwachsener zu verzeichnen ist. Aus den
Ergebnissen einer im Auftrag der Französischen Bischofskonferenz durchgeführten
Umfrage geht hervor, dass im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Erwachsenen, die
2026 die Taufe empfangen haben, um 28% gestiegen ist, sodass sie sich gegenüber
dem Wert von 2016 mehr als verdreifacht hat. Wie bereits erwähnt, betrifft
dieses Phänomen vor allem die jüngeren Generationen. Die große Mehrheit ist
unter 40 Jahre alt, und von diesen gehört etwa die Hälfte zur Altersgruppe
zwischen 18 und 25 Jahren. Den gesammelten Aussagen zufolge gehören zu den
Beweggründen für die Bitte um das Sakrament die Begegnung mit dem Glauben
infolge einer Krisensituation (z. B. eines Trauerfalls oder einer Krankheit),
das Erleben geistlicher und schöner Erfahrungen oder der Kontakt zu anderen
Gläubigen, sowohl auf persönlicher Ebene als auch in sozialen Netzwerken.[63]
64. Statistisch gesehen betrifft dieses Phänomen
noch immer relativ geringe Prozentsätze gemessen an der Gesamtbevölkerung;
dennoch handelt es sich um nicht zu vernachlässigende Ereignisse, die stets
Anlass zur Freude geben. Es ist jedoch anzumerken, dass ein umfassenderer Blick
auf die Situation dazu rät, bei der Bewertung dieser Wirklichkeit Vorsicht
walten zu lassen. Denn einerseits ist in diesen stark säkularisierten Gebieten
tatsächlich ein Anstieg der Nachfrage nach den Initiationssakramenten zu
verzeichnen, doch andererseits zeigen sich gleichzeitig Schwierigkeiten bei der
Standhaftigkeit der Neugetauften, die oft schon kurze Zeit nach dem Empfang der
Taufe in einen Zustand praktischer Gleichgültigkeit zurückfallen. Deshalb darf,
auch wenn triumphalistische Haltungen in dieser Hinsicht zu vermeiden sind,
jedoch nicht geleugnet werden, dass diese Phänomene konkrete Zeichen der
Hoffnung und evangeliumsgemäßer Lebendigkeit darstellen. Zugleich lädt die
beschriebene Lage dazu ein, die Bedeutung der Gemeinschaft beim Auf- und
Annehmen und bei der Begleitung der neuen Gläubigen wiederzuentdecken.
65. Man kann in diesen Fällen feststellen, dass
die Verkündigung des Evangeliums, die auf ganz unterschiedlichste Weise erfolgt
– von der Mund-zu-Mund-Propaganda über die Einladung zu einer Pilgerreise bis
hin zu einer aktiven Präsenz in den neuen Kommunikationsmedien –, die Aufnahme
einer authentischen Sinnsuche ermöglicht,, die wieder auflebt inmitten eines
Erstickens durch die Immanenz. Eine solche Suche kann viele Formen annehmen, die
nicht zu verachten sind, wie die Suche nach einer größeren Herzensweite, das
Bedürfnis nach Frieden und Harmonie mit der Welt, der Wunsch nach Trost und
Heilung, die Erfahrungen von Bruch und Konflikt, die zu einem Neuanfang drängen,
neue Formen der Schönheit, ein gewisses Wiedergewinnen des Alten und der
Traditionen sowie viele weitere Beispiele, die sich noch fortsetzen ließen. Es
handelt sich um Wirklichkeiten, die mit Dankbarkeit betrachtet werden sollten
indem wir in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes erkennen, der weiterhin in
den Herzen der Menschen wirkt.
66. Es zeigt sich also im Wesentlichen erneut die
Notwendigkeit, den Glauben ausgehend vom Kerygma zu vermitteln. Dies gilt
sowohl für säkularisierte Länder mit alter christlicher Tradition als auch für
solche, in denen die Kirche im Allgemeinen eine Minderheit darstellt,
beispielsweise in Asien. Auch viele asiatische Länder sind nämlich von
Säkularisierung und Individualismus berührt, vor allem in den Regionen, die ein
rasantes Wirtschaftswachstum verzeichnen. Die Auswirkungen dieser kulturellen
Einflüsse auf die [christlichen] Glaubensgemeinschaften unterscheiden sich
jedoch von denen, die in Gesellschaften mit christlicher Tradition zu beobachten
sind. Gerade die Tatsache, dass sie auf gesellschaftlicher Ebene oft eine
Minderheit darstellen (mit einigen bedeutenden Ausnahmen wie den Philippinen und
Ost-Timor), hat dazu geführt, dass sich die Kirchen in Asien als soziologisch
klar definierte Gemeinschaften entwickelt haben. Dies hat die Festigung einer
starken Identität begünstigt, die es ihnen ermöglicht hat, die Geschichte trotz
teilweise feindseliger oder von regelrechten Verfolgungen geprägter Umfelder zu
durchlaufen. In der gegenwärtigen Situation eines Epochenwandels hat diese
Tatsache in der Perspektive der Glaubensvermittlung zweierlei Konsequenzen.
Einerseits sind die christlichen Gemeinden nicht immun gegen die oben
beschriebene weit verbreitete säkularisierte Kultur, die daher vor allem bei den
jüngeren Generationen zu einer Erosion der religiösen Praxis führt; andererseits
sind sie aufgerufen, eine lediglich auf der Passivität sozialer Zugehörigkeit
beruhenden Bindung an das Christentum zu überwinden,[64] damit diese zu einer persönlichen und bewussten Entscheidung wird und in
der Lage ist, die eigenen Lebensentscheidungen zu leiten. Dies gilt insbesondere
für sich durch uralte Kulturen auszeichnende Regionen wie Indien oder China, in
denen das Bestreben, die Verkündigung des Evangeliums im Leben der Menschen zu
verleiblichen, sich mit der besonderen Art und Weise auseinanderzusetzen hat,
wie eine bestimmte Kultur zu Themenkreisen wie dem Wahren, Guten und Schönen
steht. Hinzu kommt die Notwendigkeit, die Art und Weise der Verkündigung des
Evangeliums selbst neu zu denken und dabei erzählerischen Formen den Vorzug vor
der bloßen Vermittlung abstrakter Konzepte zu geben. Diese Bemühung ist
unverzichtbar, um den Boden des Herzens jedes Menschen (vgl. Mt 13,3–8)
auf die authentische Begegnung mit der Frohen Botschaft vorzubereiten.
67. Trotz der Vielfalt der Situationen, die diesen
riesigen Kontinent prägen, sieht sich auch Afrika mit dem Problem der
Säkularisierung und des Individualismus westlicher Prägung konfrontiert, die vor
allem städtische Umfelder und die jüngeren Generationen betreffen. In den
afrikanischen Ortskirchen fügt sich die Antwort hinsichtlich jener kulturellen
Einflüsse auf die Weitergabe des Glaubens jedoch in den Rahmen zweier ebenso
anspruchsvoller Herausforderungen ein, auf die bereits hingewiesen wurde: die
Inkulturation des Evangeliums in die lokalen Kulturen und die „Konkurrenz“ durch
den Proselytismus seitens anderer Religionen. Die Bedeutung des ersten Aspekts
wird von den Bischöfen Nigerias belegt: „Die maßgebliche Präsenz von
einheimischen Klerikern hat die Weitergabe des Glaubens innerhalb der lokalen
Kulturen erleichtert, da sie als Vorbilder eine Identifikation ermöglichen und
als geistliche Begleiter dienen und so die Kluft zwischen den traditionellen
nigerianischen Werten und der katholischen Lehre wirksam überbrücken.“[65] Eine weitere wertvolle Initiative sind die „Kleinen christlichen
Gemeinschaften“ (Small Christian Communities), die, wie die Bischöfe
Tansanias berichten, „die grundlegenden Zellen für Gebet, Katechese und
Gemeinschaftsleben sind. Der Glaube wird oft durch einen Ansatz weitergegeben,
der die Gemeinschaft als Familie versteht.“[66]
68. Wie bereits angedeutet, leidet die
Glaubensweitergabe in Afrika (aber auch an anderen Orten) unter den
antagonistischen Aktivitäten religiöser Gruppen, die ein „Wohlstandsevangelium“
propagieren und dabei auf unmittelbare materielle Bedürfnisse setzen.
Beispielsweise ist in Regionen wie der Elfenbeinküste zum einen eine Suche nach
Wohlstand und Glück versprechenden Bewegungen zu beobachten, während zum anderen
viele Getaufte zu traditionellen und esoterischen Praktiken zurückkehren.[67]
69. Es gilt anzuerkennen, dass die Anziehungskraft
eines solchen Angebots oft von objektiven Mängeln in der Art der Verkündigung
des Evangeliums abhängt, die den tatsächlichen und konkreten Bedürfnissen der
Familien nicht immer angemessen Rechnung trägt. Dies bedeutet, dass die
christlichen Gemeinschaften aufgerufen sind, gesunde Wege zu suchen, um das
Evangelium als wirksame Antwort auch auf die greifbarsten Bedürfnisse
vorzulegen, nach dem Vorbild Jesu, der durch das Land Israel zog, dabei „allen
Gutes tat und alle heilte“ (Apg 10,38) und auf diese Weise zeigte, dass
er es nicht nur verstand, auf die letzten, sondern auch auf die „vorletzten“
Fragen zu antworten. Solche Wünsche haben nämlich nicht immer einen
eigennützigen Hintergrund (zum Beispiel die Sorge um das Wohlergehen der Kinder,
die Gesundheitsvorsorge, der Wunsch, familiäre Bindungen wiederherzustellen
usw.). Zu entdecken, dass die Kirche angesichts dieser Sorgen konkrete
geistliche Hilfe anbieten kann, macht das Herz bereit, die kerygmatische
Verkündigung mit neuer Kraft anzunehmen.
70. In anderen afrikanischen Kontexten hingegen,
wie beispielsweise in der Demokratischen Republik Kongo, sind die christlichen
Gemeinschaften neben dem Druck durch fundamentalistische Gruppen auch der
Bedrohung durch eine aggressive Ausbreitung islamistischer Gruppierungen
ausgesetzt.[68] All diese Faktoren wirken sich auf viele Gläubige aus, die keine solide
Glaubenserziehung erhalten haben oder die verwandelnde Wirkung des Kerygmas
nicht ganz persönlich erfahren haben.
71. Schließlich dürfen wir nicht verschweigen,
dass diejenigen, die an Jesus glauben, in vielen Teilen der Welt nach wie vor
Opfer regelrechter Verfolgungen durch extremistische religiöse Gruppen sind. In
diesem Zusammenhang muss dringend bekräftigt werden, dass jede Form von Gewalt,
die aufgrund des eigenen Glaubens ausgeübt wird, eine unzulässige Verletzung der
Menschenwürde darstellt, denn „[d]iejenigen, die den Namen Gottes benutzen, um Terrorismus, Gewalt oder Krieg
zu legitimieren, verraten sein Antlitz: Im Namen der Religion zu kämpfen
bedeutet in Wirklichkeit, die Religion selbst anzugreifen.“[69] Es handelt sich um Verdrehungen der religiösen Botschaft, die offen
angeprangert werden müssen, und die jede politische Autorität ohne Zögern zu
unterbinden aufgerufen ist.
Kapitel IV
Die zentrale Bedeutung des Kerygmas
72. Angesichts der oben beschriebenen Situation
erscheint es ganz natürlich, dass es für die Gläubigen darum geht, von einer
großen Zeit der Verkündigung des Evangeliums aus neu aufzubrechen und damit
endlich dem Aufruf von Papst Franziskus in
Evangelii gaudium
nachzukommen, dass es für die gesamte Kirche dringlich ist, eine neue Etappe der
Evangelisierung einzuleiten. Diese Aufforderung ist von Papst Leo XIV. erneut
bekräftigt worden; er sieht die Notwendigkeit „einer christozentrischen und
kerygmatischen Mission, die aus einer Begegnung mit Christus hervorgeht und
fähig ist, das Leben zu verwandeln und sich eher durch Anziehungskraft als durch
Eroberung verbreitet. Es handelt sich um eine ganzheitliche Mission, die
ausdrückliche Verkündigung, Zeugnis, Engagement und Dialog miteinander
verbindet, ohne der Versuchung des Proselytismus oder einer Logik der bloß
institutionellen Erhaltung oder Expansion nachzugeben.“[70] Wir tun dies nicht in erster Linie als Reaktion auf eine neue epochale
Herausforderung, sondern aus Treue zur christlichen Identität selbst, die die
Selbsthingabe bei der Weitergabe des Lichts Christi zwangsläufig mit
einschließt. Vor diesem Hintergrund ist es angebracht, über das Thema der
Verkündigung des „Kerygmas“ nachzudenken und darüber, wie dieses das Leben und
die Mission der Kirche neu ausrichtet.
73. Wie das Zweite Vatikanische Konzil lehrt, ist
die göttliche Offenbarung weder eine bloße Weitergabe von lehrmäßigen Wahrheiten
noch eine „Unterweisung“ Gottes an die Menschheit, sondern ein Zwiegespräch in
einem Bund: „… der unsichtbare Gott [redet] aus überströmender Liebe die Menschen an wie
Freunde und verkehrt mit ihnen, um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und
aufzunehmen.“[71] Dies hat zur Folge, dass das Kerygma, die grundlegende Verkündigung
des Glaubens, in jenem, der es annimmt, eine Antwort verlangt, die sich
nicht auf die intellektuelle Ebene beschränkt, sondern, die in der Annahme von
Gottes Anruf an den Menschen, an seinem eigenen Leben teilzuhaben, dessen
gesamte Existenz betrifft. Gerade weil diese Antwort nicht auf den rein
kognitiven Bereich beschränkt ist, sondern sozusagen eine existenzielle
Tragweite hat (vgl. Joh 17,3), ist diese ihrem Wesen nach ein
Heilsereignis: „… wenn du mit deinem Mund bekennst: Herr ist Jesus – und in
deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du
gerettet werden“ (Röm 10,9).
74. Die Wahrheit des Evangeliums ist also
heilsbringend, sie ist lebendig, ja, sie ist Person: Christus selbst (vgl.
Joh 14,6). Dies spiegelt sich in der Struktur des Glaubensakts wider, der
sich zugleich durch das „Sich-Überantworten des Menschen als ganzer“[72] an Christus, erleuchtet von seiner Gnade (fides qua) und durch die
„geglaubten Dinge“ (fides quae), die den Inhalt dieses Aktes der Hingabe
deutlich zum Ausdruck bringen, auszeichnet.[73] Die Richtigkeit der Darlegung des Glaubens und die menschliche Suche nach
Sinn, die niemals vollständig erschöpft ist (vgl. 1Kor 15,28), gehören
untrennbar zusammen.
Eine Glaubenserfahrung wecken
75. In diesem Zusammenhang gilt daher nach wie
vor, was wir in
Evangelii gaudium
lesen können: „Auch in der Katechese [spielt] die Erstverkündigung bzw. das ‚Kerygma‘
eine wesentliche Rolle […] Es muss die Mitte der Evangelisierungstätigkeit und
jedes Bemühens um kirchliche Erneuerung bilden. Das Kerygma hat
trinitarischen Charakter. Es ist das Feuer des Geistes, der sich in der Gestalt
von Zungen schenkt und uns an Christus glauben lässt, der uns durch seinen Tod
und seine Auferstehung die unendliche Barmherzigkeit des Vaters offenbart und
mitteilt. Im Mund des Katechisten erklingt immer wieder die erste Verkündigung:
‚Jesus Christus liebt dich, er hat sein Leben hingegeben, um dich zu retten, und
jetzt ist er jeden Tag lebendig an deiner Seite, um dich zu erleuchten, zu
stärken und zu befreien‘. Wenn diese Verkündigung die ‚erste‘ genannt wird, dann
nicht, weil sie am Anfang steht und dann vergessen oder durch andere Inhalte,
die sie übertreffen, ersetzt wird. Sie ist die ‚erste‘ im qualitativen Sinn,
denn sie ist die hauptsächliche Verkündigung, die man immer wieder auf
verschiedene Weisen neu hören muss und die man in der einen oder anderen Form im
Lauf der Katechese auf allen ihren Etappen und in allen ihren Momenten immer
wieder verkünden muss.“[74]
76. Die erste Überlegung, die uns die soeben
gehörten Worte nahelegen, ist, dass die Verkündigung der grundlegenden und
zentralen Wahrheit des Christentums – der lebendige Jesus Christus liebt dich
und hat sein Leben hingegeben, um dich zu retten – derart erfolgen muss,
dass sie eine Glaubenserfahrung hervorruft, die einen Bildungsprozess der
eigenen christlichen Identität in Gang setzen kann. So zeichnet sich ein
dreifacher Weg ab, der eine auf das Kerygma ausgerichtete Weitergabe des
Glaubens kennzeichnen muss: zunächst die zentrale Verkündigung der Gegenwart und
der Liebe des auferstandenen Christus; die innere Erfahrung seiner durch diese
Verkündigung geweckten Gegenwart und seiner Liebe; schließlich der Beginn eines
Weges der Erkenntnis und der Liebe zu Christus, der durch die Annahme der
Verkündigung seitens des Empfängers mit freiem und aufrichtigem Herzen
ermöglicht wird.
77. Es handelt sich also nicht um eine reine
Weitergabe von Inhalten, so wichtig diese auch sein mögen, zumal sie das Heil
jedes einzelnen Menschen betreffen. Es geht um eine „wirkungsstarke“
Verkündigung, die fähig ist, das Herz derer, die sie empfangen, wirklich zu
berühren und ihre Schritte dem Herzen Jesu, des Herrn, entgegenzuführen, wo es
dann möglich wird, jenes Feuer der Liebe, das er auf die Erde geworfen hat (vgl.
Lk 12,49), zu betrachten und ihm zu begegnen. Die Verkündigung des
Kerygmas muss die Herzen derer, an die sie gerichtet ist, entflammen,
nach dem erhabenen Vorbild, das Jesus selbst gegenüber den Jüngern von Emmaus
verwirklicht: „Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als
er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?“ (Lk
24,32).
78. Die Verbindung zwischen Kerygma und
Katechese ist im Kontext des Epochenwandels so eng, dass Letztere „nicht immer
von der Erstverkündigung unterschieden werden kann“, weshalb sie „dazu gerufen
[ist], vor allem Glaubensverkündigung zu sein“.[75] Gerade in diesem Zusammenhang kann es hilfreich sein, auf eine
mittlerweile häufig anzutreffende Situation hinzuweisen. Wie bereits angemerkt,
kommt es immer häufiger vor, dass christliche Eltern nicht mehr in der Lage
sind, ihren Kindern den Glauben weiterzugeben; doch allein die Tatsache, dass
sie um die Taufe für ihre Kinder bitten oder sie zur Katechese begleiten, zeugt
bereits von einer gewissen Präsenz des Glaubens und von einem zwar
zerbrechlichen, aber echten Zeugnis, das nicht verachtet werden darf. In solchen
Fällen ist es sogar möglich, dass die Kinder oder Jugendlichen, die zur
Katechese kommen, noch keine ausdrückliche Erstverkündigung des Evangeliums
erhalten haben. Genau deshalb wird die Katechese zum Ort, an dem diese
Verkündigung erneut angeboten werden kann, was die Notwendigkeit einer
tiefgreifenden kerygmatischen Erneuerung der Katechese selbst bestätigt; nicht
selten gelingt es der Katechese nämlich nicht, eine intensive Erfahrung der
Begegnung mit Christus hervorzurufen, die von Dauer ist.[76]
79. Andererseits ist es eine Tatsache, dass die
hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen, die sich unmittelbar nach dem Abschluss
ihrer Einführung in den christlichen Glauben oder ihrer Zeit an einer
katholischen Schule von der Kirche und den Sakramenten entfernen, darauf
hindeutet, dass die Katechese noch immer Mühe hat, Wege zu finden, die gut
geeignet sind, eine solide und dauerhafte persönliche Begegnung mit Christus zu
fördern.
Die Frage der Sprache
80. Vor dem Hintergrund des Epochenwandels besteht
die eigentliche Herausforderung für die Kirche darin, dass das Wort des
Evangeliums „als lebendiger Maßstab [anerkannt wird], der bei konkreten Entscheidungen
Orientierung gibt, persönliche und gemeinschaftliche Wege der Umkehr inspiriert,
Strukturreformen befördert und neue Formen christlichen Zeugnisses im
öffentlichen Leben begünstigt“.[77] In diesem Sinne erscheint es heute, unter Rückgriff auf die zahlreichen
Dokumente und Hilfsmittel, die das Dikasterium für die Evangelisierung
bereitgestellt hat,[78] dringender denn je, die gängigen Formen der Katechese mit weisem Blick zu
prüfen, damit die Weitergabe des Glaubens nicht auf Sprachformen beschränkt
bleibt, die als „scholastisch“, „dogmatisch“ oder „moralistisch“ abgestempelt
werden können. Allzu oft riskiert eine sich wiederholende und selbstbezogene
Vermittlung der Botschaft des Evangeliums, das Herz der Gläubigen nicht
anzusprechen. Deshalb darf sich die Sprache des Glaubens nicht auf eine kühle
Darlegung von Ideen und Konzepten beschränken; sie muss sicherlich über jene
Klarheit verfügen, die das Verständnis erleichtert, vor allem aber muss sie sich
als ein Auruf des Herzens auszeichnen und uns in Erinnerung rufen, dass „uns der Herr [rettet], indem er aus seinem Heiligsten Herzen zu unserem Herzen
spricht“[79] und „das Programm des Christen […] das ,sehende Herz’ ist“.[80] Nur so wird sie zu einer Sprache, die im Leben der Menschen wirklich etwas
bewirkt, weil sie zum Ausdruck der Stimme des Herrn selbst wird, des Einzigen,
der die Herzen der Menschen wirklich berühren kann: „Rede du wahrhaftig in
meinem Herzen, denn du allein redest so.“[81]
81. Zusammenfassend lässt sich sagen: Damit die
Weitergabe des Glaubens wirklich effektiv ist, muss sie die Gestalt einer
überzeugenden zwischenmenschlichen Beziehung annehmen. Hierzu „muss man der Sprache der Nähe den Vorzug geben, der Sprache der uneigennützigen,
personalen und lebensnotwendigen Liebe, die das Herz berührt, das Leben
erreicht, Hoffnung und Sehnsüchte weckt“.[82] Eine solche Kommunikation erhebt nicht den Anspruch, als Erste zu
sprechen, sondern entwickelt sich vor allem aus dem Zuhören und ermöglicht einen
wirklichen Gabenaustausch zwischen denen, die verkünden, und denjenigen, die die
Verkündigung empfangen, und fördert so die Begegnung mit Christus, der mit uns
auf dem Weg ist.
82. Das bedeutet, dass die Weitergabe des Glaubens
dort zustande kommen kann, wo die Sprache zum Zeugnis und selbst zu einem
Ereignis des Heiligen Geistes wird. Wie der hl. Alberto Hurtado, zitiert im
Apostolischen Schreiben
Christus vivit, sagte: „Apostel sein besteht nicht darin, eine Fackel in der Hand zu halten, im Besitzen
des Lichts, sondern im Licht-Sein […]. Das Evangelium […] ist mehr ein Vorbild
als eine Unterweisung. Die in gelebtes Leben verwandelte Botschaft.“[83] Auf diese Weise hat die Kirche auch heute ein Wort zu bieten, das zugleich
Gedächtnis und Prophetie ist, fähig, die Herzen der Jünger auf dem Weg – in
Begleitung des Meisters – erneut zu entzünden; und zwar indem sie es der Gnade
ermöglicht, jene mystische Verbundenheit mit dem Glauben zu wecken,[84] für die die Worte des Propheten Jeremia unübertroffen bleiben: „so brannte
in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich,
es auszuhalten, vermochte es aber nicht“ (Jer 20,9).
Die christliche Glaubenserziehung
83. Aus dem Gesagten folgt, dass die einzelnen
Gemeinschaften nachdrücklich dazu aufgerufen sind, gelegen oder ungelegen eine
Erneuerung der Verkündigung des Kerygmas voranzutreiben. Im Übrigen wurde
in
Evangelii gaudium in diesem Zusammenhang noch ein weiterer, wirklich
bedeutender Punkt hervorgehoben: „Man darf nicht meinen, dass das Kerygma in der Katechese später zugunsten
einer angeblich ‚solideren‘ Bildung aufgegeben wird. Es gibt nichts Solideres,
nichts Tieferes, nichts Sichereres, nichts Dichteres und nichts Weiseres als
diese Verkündigung. Die ganze christliche Bildung ist in erster Linie Vertiefung
des Kerygmas, das immer mehr und besser assimiliert wird, das nie
aufhört, das katechetische Wirken zu erhellen, und das hilft, jedes Thema, das
in der Katechese entfaltet wird, angemessen zu begreifen. Diese Verkündigung
entspricht dem Verlangen nach dem Unendlichen, das es in jedem menschlichen
Herzen gibt. Die zentrale Stellung des Kerygmas fordert für die
Verkündigung einige Merkmale, die heute überall notwendig sind: Sie muss die
erlösende Liebe Gottes zum Ausdruck bringen, die jeder moralischen und
religiösen Pflicht vorausgeht, sie darf die Wahrheit nicht aufzwingen und muss
an die Freiheit appellieren, sie muss freudig, anspornend und lebendig sein und
eine harmonische Gesamtsicht bieten, in der die Predigt nicht auf ein paar
Lehren manchmal mehr philosophischen als evangeliumsgemäßen Charakters verkürzt
wird.“[85]
84. Hier kommt die große Lehre des Zweiten
Vatikanischen Konzils über die Hierarchie der Wahrheiten unter den christlichen
Glaubensgeheimnissen wieder zum Tragen. So heißt es nämlich in Nummer 11 von
Unitatis redintegratio: „Darüber hinaus müssen beim ökumenischen Dialog die katholischen Theologen, wenn
sie in Treue zur Lehre der Kirche in gemeinsamer Forschungsarbeit mit den
getrennten Brüdern die göttlichen Geheimnisse zu ergründen suchen, mit
Wahrheitsliebe, mit Liebe und Demut vorgehen. Beim Vergleich der Lehren
miteinander soll man nicht vergessen, daß es eine Rangordnung oder ‚Hierarchie‘
der Wahrheiten innerhalb der katholischen Lehre gibt, je nach der verschiedenen
Art ihres Zusammenhangs mit dem Fundament des christlichen Glaubens.“[86] Diese Perspektive wurde durch
Evangelii gaudium
auf den Bereich der
Verkündigung des Evangeliums, der Theologie und der Lehre im Bereich der Moral
ausgeweitet.[87] Aus diesem Grund erscheint es im uns gegebenen Epochenwandel nicht
sinnvoll, sich bei der Weitergabe des Glaubens an die neuen Generationen, an
erwachsene Katechumenen und an die sogenannten „Wiedereinsteiger“ in den vielen
– wenn auch wichtigen – Bereichen der katholischen Lehre zu verlieren und dabei
aus den Augen zu verlieren, dass es darin „nichts Solideres, nichts Tieferes, nichts Sichereres, nichts Dichteres und
nichts Weiseres“[88] gibt als die Liebe Gottes, die wie eine Flamme jedem Menschen wieder
Leben, Freude, Hoffnung und Vertrauen schenken kann. Zu dieser Flamme gelangt
man dank des Wirkens des Heiligen Geistes durch die Begegnung – mit Glauben und
im Glauben – mit Jesus, dem Herrn.
85. Gerade durch die Verkündigung des Kerygmas
auf eine erneuerte und erneuernde, auf eine leidenschaftliche und
mitreißende Weise wird die glaubende Gemeinschaft der Aufgabe gerecht werden
können, das Licht von Generation zu Generation weiterzugeben, das Jesus auf die
Erde gebracht hat.
86. Damit die Verkündigung des Kerygmas
wirklich eine Glaubenserfahrung wecken kann, muss sie tatsächlich einen Stil,
eine Sprache und einen Ton annehmen, die die Menschen dort erreichen, wo sie mit
ihren Sehnsüchten und Träumen, mit ihren Mühen und Nöten stehen. Sie muss daher
in der Lage sein, die frohe Botschaft von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes so
darzustellen, dass diejenigen, die sie empfangen, wirklich begreifen können,
dass diese Liebe und Barmherzigkeit gerade an sie gerichtet sind. Das ist der
Stil, der die Gleichnisse Jesu, des Herrn, auszeichnet, die auch heute noch die
Herzen ihrer Zuhörer ergreifen.
Kapitel V
Die Weitergabe des Glaubens in den Gemeinschaften (Gemeinden)
87. Von dieser allgemeinen Überlegung zur
zentralen Bedeutung des Kerygmas aus lassen sich einige
spezifischere Anmerkungen machen. Die erste und wesentlichste betrifft die
Qualität des Gemeinschaftslebens der Jünger des Herrn. Es muss eine
aufrichtige Liebe unter den Brüdern und Schwestern zum Ausdruck bringen,
gegenseitige Fürsorge, großzügige Hilfsbereitschaft gegenüber allen,
insbesondere gegenüber den Benachteiligten, eine Atmosphäre der Freude und des
Feierns und schließlich das Leben mit „ein[em] Herzen und eine[r] Seele“ (vgl.
Apg 4,32), wie es für eine einladende und gastfreundliche Gemeinschaft
typisch ist, die auch in dieser Zeit eines Epochenwandels fähig ist, die
Aufmerksamkeit eines jeden zu wecken und ihn zur Erfahrung des christlichen
Glaubens hinzuführen. In einer zunehmend zerrissenen Welt, in der die einzigen
Verbindungen zwischen den Menschen, um dazu zu gehören, jene zu sein scheinen,
die durch digitale Infrastrukturen vermittelt werden, zeigt sich bei vielen
Menschen immer deutlicher ein Bedürfnis und ein Verlangen nach echter
Zugehörigkeit. Wir genügen uns nicht selbst und die sozialen Medien
können unseren ursprünglichen Charakter als „soziale Wesen“ nicht erfüllen. Als
Gläubige können wir nicht umhin, unser Herz und unsere Türen für diese neuen
Lebenssituationen der Menschen offen zu halten. Im Übrigen erfolgt die erste
Form der Evangelisierung immer „von Mensch zu Mensch“.[89]
88. In diesem Sinne erscheint es vor allem in den
Ländern mit früher Evangelisierung absolut dringend, auf die Förderung in jeder
kirchlichen Gemeinschaft von Gesprächs-, Meditations-, Gebets- und
Bibelarbeitsgruppen zu bestehen, für deren Zusammenkünfte bestimmte, festgelegte
Zeiten vorgesehen werden sollten, die die sonntägliche Eucharistiefeier
ergänzen. Die Worte von Papst Franziskus mögen uns dabei als Ansporn dienen: „Das beständige regelmäßige Lesen der Heiligen Schrift und die Feier der
Eucharistie ermöglichen es den Menschen zu erkennen, dass sie zueinander
gehören. Als Christen sind wir ein Volk, das in der Geschichte unterwegs
ist, gestärkt durch die Gegenwart des Herrn in unserer Mitte, der zu uns spricht
und uns nährt. […] Wir verspüren nämlich die dringende Notwendigkeit, uns mit
der Heiligen Schrift und dem Auferstandenen eng vertraut zu machen, der nie
aufhört, das Wort und das Brot in der Gemeinschaft der Gläubigen zu brechen. Aus
diesem Grund müssen wir zu einer ständigen Vertrautheit mit der Heiligen Schrift
gelangen, sonst bleibt das Herz kalt und die Augen verschlossen, da wir, wie wir
nun einmal sind, von unzähligen Formen der Blindheit betroffen sind.“[90] Um den Gläubigen eine solche Vertrautheit mit der Heiligen Schrift zu
erleichtern, können in diesen Bibelgruppen die alte Praxis der lectio divina
und moderne narrative Methoden problemlos zur Anwendung kommen.
89. Trotz aller epochalen Veränderungen sind die
wichtigsten Kanäle der Glaubensvermittlung nach wie vor die Begegnungen „von
Person zu Person“. Daher kommt der Freundschaft unter den Bereichen, in denen
der Glaube weitergegeben wird, eine besondere Bedeutung zu, wie auch die
jüngsten Fallbeispiele von Bekehrungen belegen. Die Tradition der Kirche hat
stets den erzieherischen Wert echter geschwisterlicher Beziehungen anerkannt,[91] wie auch das jüngste Lehramt immer wieder betont hat, insbesondere im
Hinblick auf den Glaubensweg der jungen Generationen, wie beispielsweise Papst
Franziskus bekräftigt hat: „Die Freundschaft ist ein Geschenk des Lebens und eine Gabe Gottes. Durch die
Freunde reinigt der Herr uns und lässt uns reifen.“[92] Die Freundschaft bildet nämlich einen privilegierten Raum, in dem das
persönliche Zeugnis, die gegenseitige Hilfe und das Teilen der Freuden und Mühen
des Lebens einen Austausch des Glaubens ermöglichen, der das gesamte Dasein
einbeziehen kann. Zusammen mit der Familie stellt eine gesunde Freundschaft den
Rahmen par excellence für authentische Beziehungen dar und kann durchaus
auch als Schule der Menschlichkeit bezeichnet werden,[93] in der sich Gläubige gegenseitig in der Nachfolge Christi begleiten und
unterstützen können.
Liturgie
90. Die zweite Überlegung im Zusammenhang mit der
Wiederentdeckung der zentralen Bedeutung der Verkündigung des Kerygmas
betrifft die Liturgie. Wenn das Herzstück der christlichen Verkündigung die
Begegnung mit der rettenden Liebe Gottes in Christus ist, dann ist die Liturgie
der bevorzugte Ort, an dem dieses Geheimnis gefeiert und sakramental vermittelt
wird. Gerade deshalb nimmt sie eine zentrale Rolle bei der Weitergabe des
Glaubens ein und erweist sich als das schlagende Herz des kirchlichen Lebens, in
dem sich die Gemeinschaft vom Wort Gottes und vom Brot des ewigen Lebens nährt.
In diesem Zusammenhang gilt es, eine verkürzte Sichtweise zu überwinden, die die
Liturgie lediglich als rituellen Rahmen für das kirchliche Leben betrachtet. Sie
ist nämlich in erster Linie eine Glaubenserfahrung, noch bevor sie Lehre ist, da
sie es den Gläubigen ermöglicht, an Gesten, Worten, Stille und Symbolen Anteil
zu nehmen und so das Geheimnis Christi lebendig zu erfahren. So heißt es in
Evangelii gaudium: „Die Kirche evangelisiert und evangelisiert sich selber mit der Schönheit der
Liturgie“;[94] insbesondere durch ihre symbolische Kraft und ihre Fähigkeit, den Menschen
ganz einzubeziehen, wird die Liturgie zu einem authentischen Ort der
Verkündigung und der Begegnung mit dem Herrn. Im liturgischen Geschehen und
insbesondere in der Eucharistie wird der Mensch immer tiefer in das
Ostergeheimnis eingeführt, während der sakramentale Charakter der Kirche
sichtbar wird, die berufen ist, Zeichen der Liebe Gottes zur Menschheit zu sein.
In diesem sakramentalen Ereignis wird die Begegnung mit dem Auferstandenen zu
einer gemeinsamen und lebendigen Geste, die den Gläubigen nicht nur
„informiert“, sondern ihn von innen heraus formt, damit er am gefeierten
Geheimnis teilhat. Deshalb wird der Glaube in der Liturgie auf performative
Weise weitergegeben. Man spricht nicht nur von Gott, sondern tritt in Beziehung
zu ihm. Die Liturgie ist Gedächtnis und lebendige Tradition, die Christen
hervorbringt und formt, die fähig sind, das erlebte Heil zu bezeugen. Der Mensch
tritt durch die Teilnahme am Gottesdienst der Liturgie nämlich in eine
Geschichte ein, in ein gemeinsames, die Jahrhunderte durchziehendes Gedächtnis.
Gottesdienst zu feiern bedeutet daher in erster Linie, einen Glauben zu
empfangen, der von anderen vor uns geglaubt, gelebt und gebetet wurde.
91. Diese Dynamik verdeutlicht zudem die vorrangig
gemeinschaftliche Dimension der Liturgie. In der Tat wird der Glaube nicht nur
durch die Verkündigung oder den individuellen Unterricht weitergegeben, sondern
innerhalb eines Gottesdienst feiernden Volkes. In der Liturgie ist der Gläubige
niemals isoliert, sondern eingebunden in ein „Wir“, das ihm vorausgeht, ihn
begleitet und ihn übersteigt. Diese gemeinschaftliche Dimension stellt ein
wirksames Gegenmittel gegen die Anziehungskraft eines egoistischen und
individualistischen Lebensstils dar, der heute in vielen Kontexten so weit
verbreitet ist, wie wir bereits gesehen haben. Gerade weil die Liturgie eine
kirchliche und volksnahe Erfahrung ist, ist die Feier des Glaubens eng mit den
Prozessen der Inkulturation verbunden, d. h. mit dem Bestreben, „die Wahrheit des Evangeliums in einem bestimmten Kontext bestmöglich
mitzuteilen, ohne auf die Wahrheit, das Gute und das Licht zu verzichten, die
eingebracht werden können, wenn die Vollkommenheit nicht möglich ist“.[95] Auf die Liturgie angewendet erfordert diese Perspektive, den Reichtum der
symbolischen Tradition der Kirche zu bewahren und sie zugleich für die Männer
und Frauen der jeweiligen Zeit zugänglich und bedeutungsvoll zu machen, in einer
heilsamen und fruchtbaren Spannung zwischen Treue zur Tradition und
Verständlichkeit der gefeierten Botschaft.
92. Aus der Sicht der Weitergabe des Glaubens
kommt der Liturgie daher gemäß dem alten Grundsatz lex orandi, lex credendi[96]eine entscheidende Bedeutung zu. Daraus folgt, dass die liturgische Feier nicht
auf eine bloß formale Ausführung reduziert werden darf, sondern eine Handlung
sein muss, in der die Zeichen wirklich Verstand und Herzen der Gläubigen
ansprechen, den einzigen Glauben der Kirche lebendig und konkret zum Ausdruck
bringen und in jedem Gläubigen das Bewusstsein stärken, ein Glied am Leib
Christi zu sein. Nur durch eine ganz bewusste Teilnahme, die eine angemessene
Bildung in der liturgischen Sprache voraussetzt, kann der Glaube nicht als
abstrakte Lehre weitergegeben werden, sondern als neues Leben, das sich im
Alltag „durch Anziehung“ vermittelt. Von dieser Wirksamkeit der Liturgie wurde
auch der junge Augustinus Zeuge, der Jahre nach jener Erfahrung schreiben
konnte: „Wie habe ich geweint unter deinen Hymnen und Gesängen, tief bewegt von
dem Wohllaut der Stimmen deiner Kirche. Jene Stimmen, sie fluteten in mein Ohr,
und durch sie ward die Wahrheit in mein Herz eingeflößt und fromme Gefühle
wallten in ihm auf, die Tränen strömten und mir war so selig in ihnen zumute.“[97] Durch die Schönheit der Zeichen und die Kraft des Wortes wird die
liturgische Handlung somit zur Ursprungsquelle der Mission der Kirche und
befähigt die Gemeinschaft, Rechenschaft über die Hoffnung abzulegen, die in ihr
wohnt, und zwar durch die Glaubwürdigkeit eines von der Gnade verklärten Lebens.
Aus diesem Grund sind eine besondere Sorgfalt bei den gottesdienstlichen Feiern
und eine mystagogische Begleitung der neuen Generationen erforderlich, damit sie
verstehen und voll und ganz leben können, was sie in der Liturgie feiern.
93. Darüber hinaus kann die Liturgie auf
unterschiedliche Weise gelebt werden. Es gibt nämlich auch eine der
Volksfrömmigkeit eigene Art, liturgische Sensibilität zum Ausdruck zu bringen,
die sich je nach Kultur in unterschiedlichen Formen zeigt. Um dies zu verstehen,
kann man eine schöne Erzählung von Romano Guardini anführen, in der er von
seiner Reise nach Sizilien berichtet: „Etwas sehr Großes haben wir heute
gesehen: Monreale. […] Als wir – am Gründonnerstag – hinkamen, stand das Hochamt
schon nach der Wandlung. […] Was soll ich doch sagen über die Herrlichkeit
dieses Raumes! […] Das Volk saß und schaute […] Kaum jemand las. Alle lebten im
Blick. Da wurde mir klar, was echte liturgische Frömmigkeit voraussetzt: in der
Fähigkeit, im Bild und im Vorgang das Heilige zu erfassen. […] Monreale,
Karsamstag. […] Von Mal zu Mal fiel ein Sonnenstrahl durch das Gewölbe, und dann
ging ein goldenes Lächeln durch den hohen Raum. […] Das Schönste aber war das
Volk. […] Über vier Stunden währte die heilige Handlung, und immer war
lebendiges Dabeisein. Es gibt verschiedene Arten betender Anteilnahme. Die eine
geschieht durch Hören, Reden, Handeln; die andere schaut. Jene ist gut, und wir
kennen fast keine andere. Aber es ist uns etwas verloren gegangen, was hier noch
war: die Fähigkeit, im Blick zu leben; aus Gestalt und Vorgang schauend das
Heilige aufzunehmen.“[98]
94. Besondere Sorgfalt ist darauf zu verwenden,
dass in jeder Diözese die Gläubigen und diejenigen, die sich der
Glaubensgemeinschaft nähern oder wieder annähern, mit den verschiedenen
liturgischen Ausprägungen in der Tradition der katholischen Kirche in Berührung
kommen können. Unter Einhaltung der geltenden liturgischen Vorschriften sind die
Hirten aufgerufen, den Reichtum des katholischen liturgischen Erbes – man denke
beispielsweise an die Vielfalt der musikalischen Stile, die es prägen – so zur
Geltung zu bringen, dass sie die unterschiedlichen Sensibilitäten ihrer
Zeitgenossen ansprechen können. Besondere Aufmerksamkeit muss zudem der
segenspendenden Begleitung der wichtigsten Lebensabschnitte gewidmet werden. Vor
allem im Westen ist ein fortschreitender Verlust des kollektiven Gedächtnisses
bezüglich Riten und ritueller Gebräuche zu Gunsten eines sehr radikalen
Individualismus zu beobachten; dies unterdrückt jedoch nicht das
anthropologische Bedürfnis nach Ritualität, auf das der Mensch seit jeher auf
unterschiedliche Weise zu antworten wusste. Die christliche Gemeinschaft wächst
und baut sich durch rituelle Gebräuche auf, und das reiche geistliche Erbe der
Kirche stellt in diesem Sinne eine wertvolle und unerschöpfliche Ressource dar.
Die Rolle des Zeugnisses
95. Die dritte wesentliche Überlegung betrifft das
Zeugnis der Gläubigen. Es äußert sich in drei grundlegenden Dimensionen: das
Zeugnis der Heiligkeit, jenes der Nähe und jenes der vorrangigen Option für die
Armen. Zu jeder Zeit sind diejenigen, die dem Zeugnis eines vorbildlichen
Christen begegneten, dazu angeregt worden, das Geheimnis dieses so besonderen
Lebens zu ergründen, das sich von dem der meisten seiner Mitmenschen
unterscheidet. Ein Gläubiger, der die Anforderungen der christlichen Botschaft
bis ins Letzte lebt, ist an sich schon ein ständiger Verweis auf das wahre Licht
der Welt, das Jesus Christus ist. So bekräftigt Papst Franziskus: „Die Heiligkeit ist das schönste Gesicht der Kirche.“[99] Es genügt hier, nur an die Gestalten des hl. Franz von Assisi und der hl.
Teresa von Kalkutta zu erinnern. Es gilt nämlich anzuerkennen, dass nichts die
Kirche bei der Verkündigung und Weitergabe des Glaubens glaubwürdiger macht als
die Heiligkeit ihrer Glieder. Aus diesem Grund hat Papst Franziskus, in
Anlehnung an die Botschaft des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Heiligkeit,[100] nachdrücklich bekräftigt, dass die Heiligkeit die alltägliche Berufung
jedes Christen ist: „Um heilig zu sein, muss man nicht unbedingt Bischof, Priester, Ordensmann oder
Ordensfrau sein. Oft sind wir versucht zu meinen, dass die Heiligkeit nur denen
vorbehalten sei, die die Möglichkeit haben, sich von den gewöhnlichen
Beschäftigungen fernzuhalten, um viel Zeit dem Gebet zu widmen. Es ist aber
nicht so. Wir sind alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe leben
und im täglichen Tun unser persönliches Zeugnis ablegen, jeder an dem Platz, an
dem er sich befindet. Bist du ein Gottgeweihter oder eine Gottgeweihte? Sei
heilig, indem du deine Hingabe freudig lebst. Bist du verheiratet? Sei heilig,
indem du deinen Mann oder deine Frau liebst und umsorgst, wie Christus es mit
der Kirche getan hat. Bist du ein Arbeiter? Sei heilig, indem du deine Arbeit im
Dienst an den Brüdern und Schwestern mit Redlichkeit und Sachverstand
verrichtest. Bist du Vater oder Mutter, Großvater oder Großmutter? Sei heilig,
indem du den Kindern geduldig beibringst, Jesus zu folgen. Hast du eine
Verantwortungsposition inne? Sei heilig, indem du für das Gemeinwohl kämpfst und
auf deine persönlichen Interessen verzichtest.“[101]
96. Zusammen mit dem Zeugnis der Heiligkeit sind
die Gläubigen aufgerufen, im Alltag ihres Lebens Zeugnis von ihrer Nähe zu allen
Menschen zu geben. Es handelt sich um eine Nähe, die auf den Grundsteinen der
Gastfreundschaft, der Freundlichkeit, des Zuhörens, der Sanftmut und des
Mitgefühls aufgebaut ist. Nach dem alten Wort des lateinischen Autors Terentius
– „Homo sum, humani nil a me alienum puto“[102] – sollte den Gläubigen nichts fremd sein, was wahrhaft menschlich ist.
Jeder Christ ist dazu aufgerufen, den Menschen zu helfen, ihre eigene Geschichte
im Rahmen der großen Heilsgeschichte neu zu lesen und zu entdecken, dass ihr
Leben selbst Teil der Geschichte Gottes ist. Diese Nähe wird zum Zeugnis, wenn
sie gegenüber Menschen gelebt wird, die unter schwerem körperlichem oder
seelischem Leid stehen. In solchen Fällen kann eine Geste des Zuhörens und des
Mitgefühls, verbunden mit einem Wort des Glaubens, weite Räume für die Aufnahme
jenes wahren Lichts Christi eröffnen, das die Kraft hat, diejenigen aus der
Finsternis zu befreien, die von ihr umhüllt sind. Papst Leo erinnert nämlich
daran: „Wenn die Endlichkeit in Wahrheit angenommen wird, macht sie den Menschen nicht
arm, sondern öffnet ihn für die Erkenntnis des Antlitzes Gottes und des
Nächsten.“[103]
97. So gelangen wir zu jenem konkreten Zeugnis der
Liebe Gottes, das die Gläubigen ablegen, indem sie sich vorrangig um die Armen,
Benachteiligten und Ausgegrenzten kümmern. Wie Papst Leo XIV. in Anlehnung an
seinen Vorgänger betonte, sollten die Gläubigen niemals vergessen „dass alle Christen den tiefen Zusammenhang zwischen der Liebe Christi und seinem
Ruf, den Armen nahe zu sein, erkennen mögen“.[104] In Wahrheit „[dürfen die] Christen [die] Armen nicht bloß als soziales Problem betrachten: Sie
sind eine ‚Familienangelegenheit‘. Sie gehören ‚zu den Unsrigen‘. Die Beziehung
zu ihnen darf nicht auf eine Tätigkeit oder eine amtliche Verpflichtung der
Kirche reduziert werden.“[105] In einer solchen tatkräftigen und aktiven Nähe zu den in Armut lebenden
Brüdern und Schwestern lässt die Kirche jene Flamme der Liebe Gottes zu allen in
herausragender Weise erstrahlen, die Jesus auf die Erde gebracht hat, und
schafft es auch heute noch, oft auf stille Weise, die Herzen so vieler Menschen
zu berühren. Ein besonders wertvolles Zeugnis in diesem Sinne stammt von den
Bischöfen von Myanmar anlässlich ihres Ad-limina-Besuches beim
Dikasterium für die Glaubenslehre am 2. Juni 2026: In jenem Land, das die Wunden
zahlreicher Konflikte trägt, zeigt die Kirche ihre Nähe zu den Ärmsten, auch
einfach im stillen Zuhören, ohne jegliche Unterscheidung nach
Religionszugehörigkeit – es handelt sich nämlich um eine mehrheitlich
buddhistische Nation. Gerade eine solche Nähe weckt bei denen, die den
christlichen Glauben nicht teilen, den Wunsch, die Gründe für diese Art des
Umgangs mit dem Leiden zu ergründen, und bietet den Gläubigen so die
Gelegenheit, ausdrücklich von ihrer Erfahrung mit Jesus zu sprechen. In dieser
Einheit von Nächstenliebe und Verkündigung des Evangeliums zeigt sich die
ganzheitliche Schönheit des christlichen Lebensentwurfs daher noch deutlicher.
Kunst und Schönheit
98. Eine vierte spezifische Anmerkung betrifft
schließlich die Notwendigkeit, im Diskurs über die Weitergabe des Glaubens auch
den vielfältigen Ausdrucksformen menschlicher Kreativität Raum zu geben, durch
die versucht wurde, jenem Streben nach Schönheit, Liebe und Transzendenz Gestalt
zu verleihen, das das menschliche Herz oft in plagender Weise erfüllt. Wie
könnte man in diesem Zusammenhang nicht an die vielen Werke der Literatur und
Poesie denken, die eine überwältigende Faszination auslösen und selbst die von
den modernen Kommunikationstechnologien am meisten abgelenkten Geister in ihren
Bann ziehen können? Gerade auf die Bedeutung der Offenheit für das Schöne hat
Hans Urs von Balthasar besonders hingewiesen: „In der Lichtgestalt des Schönen
wird das Sein des Seienden wie nirgends sonst ansichtig; deshalb muss aller
geistigen Erkenntnis wie allem geistigen Streben ein Moment des Ästhetischen
beigesellt sein.“[106]
99. In dieser Perspektive ist der Musik besondere
Aufmerksamkeit zu widmen, die als bevorzugter Ausdruck der via pulchritudinis
eine wesentliche Sprache für die Weitergabe des Glaubens darstellt, fähig,
die tiefsten Saiten des menschlichen Herzens zu berühren und die Wahrheit des
Evangeliums durch die Schönheit zu vermitteln.[107] Es handelt sich nicht um eine bloß ästhetische Verzierung der Feiern,
sondern um ein missionarisches Instrument, das durch Anziehungskraft wirkt und
die Herrlichkeit des Auferstandenen vor allem dort spürbar macht, wo Worte nur
schwer ankommen. Tatsächlich hat Papst Leo XIV. bemerkt: „Musik ist wie eine Brücke, die uns zu Gott führt. Sie ist in der Lage, Gefühle
und Emotionen bis hin zu den tiefsten Regungen der Seele zu vermitteln, sie nach
oben zu tragen und sie in eine Art von Treppe zu verwandeln, die die Erde und
den Himmel verbindet.“[108] Durch die Musik findet der Glaube besondere Ausdruckswege, die eine reine
Wortverkündigung allein nicht immer erreichen kann. Diese Überlegungen
veranlassen uns, gläubige Künstler und Schriftsteller zu einer besonderen
kreativen Anstrengung zu ermutigen, um die Schönheit des Glaubens und der
christlichen spirituellen Erfahrung zum Ausdruck zu bringen.
Die Lebensphasen
100. Eine letzte Anmerkung betrifft die verschiedenen Lebensphasen jedes
Menschen (Kindheit, Jugend, junges Erwachsenenalter, Erwachsenenalter, Alter).
Sie stellen nämlich eine Art fortwährende „Wiederaneignung“ der Gabe der eigenen
Geburt in die Welt dar und sind, wie diese selbst, zugleich überraschende und
herausfordernde Erfahrungen. Die kirchliche Gemeinschaft muss daher eine
Verkündigung des Evangeliums entwickeln, die den verschiedenen Lebensaltern
besser Rechnung trägt und die unterschiedlichen Situationen des Wachstums und
der Erneuerung, die jede dieser Phasen mit sich bringt, gebührend
berücksichtigt. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass viele Menschen
mit der Kirche nur anlässlich von Feiern in Berührung kommen, die einige
wesentliche Lebensereignisse begleiten, wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen.
Daher ist es unerlässlich anzuerkennen, dass diese Gelegenheiten eine wertvolle
Möglichkeit bieten, diese Menschen mit einer Verkündigung des Kerygmas zu
erreichen, die ihre Herzen berühren kann, wobei Worte vermieden werden sollen,
die es zu keinerlei Begegnung kommen lassen.
101. Besondere Bedeutung kommt der bereits erörterten Frage des
Generationsbruchs bei der Weitergabe des Glaubens zu. In diesem Zusammenhang
findet die Gemeinschaft der Gläubigen in der Seelsorge für Erwachsene – die
zugleich die Eltern der neuen Generationen sind – ein neues Betätigungsfeld und
einen Kontext, der besonders komplexe Herausforderungen birgt. Während sich in
der Vergangenheit, zumindest in Ländern mit alter christlicher Tradition,
die Verkündigung des Kerygmas fast ausschließlich an die Jüngeren
richtete, zeigt sich heute die Notwendigkeit immer dringlicher, Menschen zu
begleiten – auch solche, die bereits im Kindesalter getauft wurden –, die fern
der kirchlichen Gemeinschaft leben und die Schwierigkeiten haben, die Sprache
der Kirche zu verstehen und sich diese zu eigen zu machen, obwohl sie einen
inneren Ruf zu einem Leben nach dem Evangelium verspüren. In diesen Situationen
erfolgt die Weitergabe des Glaubens an die neuen Generationen durch eine
Evangelisierung der Erwachsenen. Denn wie können Erwachsene den Glauben an die
neuen Generationen weitergeben, wenn sie ihn nicht selbst auf persönlicher Ebene
leben? Weitere Schwierigkeiten können zudem aus Situationen entstehen, die von
verschiedenen Formen existenzieller Armut geprägt sind, vor allem in städtischen
Kontexten, die durch eine ausgeprägte Fragmentierung gekennzeichnet sind, oder
in abgelegenen ländlichen Gebieten. All dies fordert die Kirche in ihrer
Gesamtheit heraus und spornt sie dazu an, immer synodaler und missionarischer zu
werden, insbesondere durch die Förderung der Charismen, die der Heilige Geist im
Volk Gottes weckt.
Kapitel VI
Glaube und Kultur
102. Wenn wir nun den Reflexionshorizont hinsichtlich der
Glaubensweitergabe über die eigentliche kirchliche Dimension hinaus weiten, ist
es notwendig, die Frage nach dem Verhältnis zwischen Glaube und Kultur
anzusprechen. Ein erster wichtiger Punkt betrifft die Tatsache, dass viele
Fachleute betonen, dass in unserer Zeit eine allgemeine Krise der Weitergabe von
Wissen und Werten im Gange ist, die auch das umfasst, was den spezifischen
Gegenstand der vorliegenden Überlegungen bildet. Eine zweite Feststellung
lässt sich aus einigen Worten des hl. Johannes Paul II. ableiten, die die
Bedeutung einer Synthese zwischen Glaube und Kultur hinsichtlich der
Glaubensweitergabe unterstreichen: „Die Synthese zwischen Kultur und Glaube ist
nicht nur ein Erfordernis der Kultur, sondern auch des Glaubens. Wie mein
Vorgänger Paul VI. gelehrt hat: ‚Es gilt – und zwar nicht nur dekorativ wie durch einen oberflächlichen Anstrich,
sondern mit vitaler Kraft in der Tiefe und bis zu ihren Wurzeln – die Kultur und
die Kulturen des Menschen im vollen und umfassenden Sinn, […] zu evangelisieren,
wobei man immer von der Person ausgeht und dann stets zu den Beziehungen der
Personen untereinander und mit Gott fortschreitet.‘ Wenn es nämlich wahr ist,
dass der Glaube sich mit keiner Kultur gleichsetzt […], so ist es nicht weniger
wahr, dass der Glaube gerade deshalb dazu berufen ist, jede Kultur zu
inspirieren und zu durchdringen. Es ist der ganze Mensch in der Konkretheit
seines täglichen Daseins, der in Christus gerettet wird, und daher ist es der
ganze Mensch, der sich in Christus verwirklichen muss. Ein Glaube, der nicht zur
Kultur wird, ist ein Glaube, der nicht vollständig angenommen, nicht ganz
durchdacht und nicht treu gelebt wird.“[109]
103. Das Gesagte führt uns zu der Erkenntnis, dass die Weitergabe des
Glaubens in gewisser Weise untrennbar mit dessen Inkulturation in einen
bestimmten Kontext verbunden ist, wobei wir unter „Kultur“ sowohl den weiteren
anthropologischen Sinn verstehen, nämlich als Gesamtheit der Lebensweisen,
Überzeugungen, Werte und Institutionen, die eine bestimmte Gesellschaft prägen,
als auch den engeren Sinn, genauer gesagt als Gesamtheit der vor allem im
akademischen Bereich entwickelten intellektuellen Erkenntnisse.
104. Betrachtet man zunächst die erste Bedeutung von „Kultur“, so ist zu
bedenken, dass die Inkulturation des Glaubens einen notwendigen Schritt bei
seiner Weitergabe darstellt, da die Botschaft des Evangeliums Menschen
verständlich gemacht werden muss, deren Werte und Denkweisen nicht vollständig
mit den hellenistisch-semitischen übereinstimmen, in denen der biblische Text
ursprünglich verfasst wurde. Im Zusammenhang mit der Weitergabe des Glaubens
bedeutet Inkulturation „die Inkarnation des Evangeliums in den einheimischen
Kulturen – wie auch die Eingliederung dieser Kulturen in das Leben der Kirche“.[110] In diesem Fall wird die Inkulturation des Glaubens somit zu einer echten
Evangelisierung, auch wenn sie nicht vollständig und perfekt verwirklicht ist,
denn „die Inkulturation ist ein langsamer Weg, der das gesamte missionarische Leben
begleitet und die verschiedenen Mitarbeiter der Mission ad gentes einbezieht:
die christlichen Gemeinden im Zuge ihrer Entwicklung, die Seelsorger, die
Verantwortung für Beurteilung und Anregung dieses Bemühens tragen“.[111] Dies führt dazu, dass die Kultur selbst wiederum zu einem Mittel der
Glaubensvermittlung wird, denn „wenn in einem Volk das Evangelium inkulturiert worden ist, gibt es in seinem
Prozess der Übermittlung der Kultur auch den Glauben auf immer neue Weise
weiter; daher die Wichtigkeit der als Inkulturation verstandenen Evangelisierung“.[112]
105. Man muss jedoch bedenken, dass man keinen „Ort“ evangelisiert,
sondern immer Menschen, die nicht von ihrem Kontext isoliert werden dürfen: „Es
geht darum, das Evangelium den Menschen näherzubringen, mit denen jeder zu tun
hat, sowohl den Nächsten als auch den Unbekannten.“[113] Hinzu kommt die Aufgabe der Gläubigen – die auch in Ländern mit alter
christlicher Tradition notwendig ist –, die Frohe Botschaft in die verschiedenen
besonderen kulturellen Formen zu übersetzen, die die modernen Gesellschaften
prägen oder in bestimmten sozialen Bereichen entstehen, wie der Welt der
Jugendlichen oder der Armen. Dies erfordert zweifellos eine Wertschätzung der
Charismen, die im gesamten Volk Gottes vorhanden sind, in einem authentischen
Geist der Synodalität, da sie letztendlich das Werk des Heiligen Geistes sind.
In diesem Prozess kann sicherlich auch der Beitrag der Volksfrömmigkeit wertvoll
sein.
106. Die Präsenz verschiedener sozialer Gruppen in unseren Städten mit
spezifischen und oft eigenständigen Kulturen und Sprachen erfordert besondere
Anstrengungen zur Inkulturation des Glaubens. Es besteht also die dringende
Notwendigkeit einer engmaschigen Verkündigung des Evangeliums: Man darf sich
nicht damit begnügen, nur die Kultur einiger Mehrheitsgruppen anzusprechen,
sondern muss lernen, mit den unterschiedlichsten Lebenssituationen und
-bedingungen, die heute bestehen, in einen Dialog zu treten. Es geht also darum,
das zu erreichen, was in der Fachsprache oft als Bereich der Subkulturen
bezeichnet wird (zum Beispiel Jugendliche in städtischen Vororten, die
verschiedenen Migrantengemeinschaften, Saisonarbeiter, Bewohner kleiner Dörfer
usw.). In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Internationale
Theologische Kommission einen Teil ihrer Arbeit in den nächsten fünf Jahren den
kulturellen Formen der Glaubensvermittlung widmen und für die hier nur kurz
angesprochene Arbeit wertvolle Impulse geben wird.
107. Zusammenfassend muss die entscheidende Bedeutung der Inkulturation
des Glaubens in der heutigen Zeit bekräftigt werden. Wo der Glaube die
kulturellen Wurzeln und Ausdrucksformen eines Volkes berührt, wird seine
Weitergabe in der Tat leichter und fruchtbarer.
108. Was hingegen die Kultur im akademisch-intellektuellen Sinne betrifft,
so können wir an die Worte von Papst Franziskus erinnern: „Die Verkündigung an
die Kultur beinhaltet auch eine Verkündigung an die beruflichen,
wissenschaftlichen und akademischen Kulturen. Es geht um die Begegnung zwischen
Glauben, Vernunft und den Wissenschaften, die darauf abzielt, einen neuen
Diskurs über die Glaubwürdigkeit zu entwickeln, eine originelle Apologetik, die
dazu beiträgt, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das Evangelium von
allen gehört wird.“[114] Es stimmt, dass das, was durch die intellektuelle Forschung geleistet
wird, höchstens eine Vorbereitung ist, die in den Glauben einführt,
ähnlich wie das, was traditionell als „praeambula fidei“ bezeichnet
wurde, und keine Weitergabe des Glaubens im eigentlichen Sinne. Dennoch ist
klar, dass eine vernünftige Darstellung der Glaubensinhalte und ihrer
Anforderungen eine unbestreitbare Hilfe für die Verkündigung des Kerygmas
insbesondere dort darstellt, wo sie dazu beiträgt, die großen Fragen im Verstand
und im Herzen der Menschen zu wecken.[115]
109. Ein besonders bedeutendes Beispiel, an dem man sich bei der
Ausarbeitung einer solchen vernünftigen Darstellung des Glaubens orientieren
kann, ist sicherlich die Soziallehre der Kirche, dank der die Gläubigen in einen
offenen Dialog mit der Gesellschaft und auch mit Nichtgläubigen treten. Obwohl
sie im Rahmen des theologischen Wissens verbleibt, bedient sich die Soziallehre
der Kirche in großem Umfang der Kategorien der Politik-, Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften und schafft es oft, die ganze Relevanz des christlichen
Angebots für den Aufbau einer gerechteren und geschwisterlicheren Gesellschaft
aufzuzeigen. In diesem Sinne kann auch die Soziallehre der Kirche eine ähnliche
Funktion wie die „praeambula fidei“ erfüllen. Tatsächlich „gründet die
Soziallehre der Kirche auf der Heiligen Schrift und der Tradition und hilft uns
im Dialog mit den Wissenschaften, die Herausforderungen der Gegenwart klar zu
erkennen und geeignete Wege zu finden, um ein klares christliches Zeugnis zu
geben – mit Freude und im Dienst an der Welt“.[116]
Kapitel VII
Einige besondere Aspekte
110. Eine Gemeinschaft, die sich zutiefst dafür einsetzt, von Generation
zu Generation das Licht und das Feuer der Liebe Gottes weiterzugeben, die Jesus
der Menschheit bringen wollte und die bis in unsere Tage fortbestehen, muss
zusätzlich zu dem bisher Dargelegten einige spezifische Aspekte hinsichtlich des
Themas der vorliegenden Überlegungen berücksichtigen. Was folgt, ist eine
beispielhafte Auflistung, die weiter ergänzt und nach einer anderen
Prioritätenordnung geordnet werden kann.
111. Der erste dieser Schwerpunkte betrifft die Pflege der
Volksfrömmigkeit. In diesem Bereich gibt es bekanntlich auch Aspekte, die einen
Reifungs- und Bereicherungsprozess erfordern; dennoch bleibt die große Kraft
offensichtlich, über die diese Ressource der katholischen Tradition verfügt.
Niemand wird jemals leugnen können, dass gerade die Volksfrömmigkeit auch heute
noch ein wichtiges Mittel zur Weitergabe des Glaubens ist. Deshalb ist es nötig,
ihr gegenüber ein erneutes Engagement mit Verstand und Herz zu fördern. Im
Übrigen ermöglicht ihre große Formbarkeit ihr stets, sich zu erneuern und im
Laufe der Jahrhunderte sehr unterschiedliche Ausdrucksformen anzunehmen, wobei
es ihr sogar gelingt, die Angriffe zu überstehen, die die Kultur – und manchmal
auch die Mitglieder der Kirche selbst – oft gegen sie gerichtet haben.
112. Was die evangelisierende Kraft der Volksfrömmigkeit und damit ihre
wichtige Rolle bei der Weitergabe des Glaubens betrifft, so sind die
Ausführungen in den Nummern 122–126 von
Evangelii gaudium
von großem
Wert. Dort heißt es nämlich: „In der Volksfrömmigkeit lässt sich erkennen, wie
der empfangene Glaube in einer Kultur Gestalt angenommen hat und weiterhin
weitergegeben wird.“[117] Wahrlich, jede authentische Inkulturation des Glaubens bringt stets eine
volkstümliche Ausdrucksweise desselben hervor. Der Mensch lebt von Worten und
Gesten, die den Horizont bilden, innerhalb dessen er sich entfalten und die
Voraussetzungen für die Begegnung mit dem anderen schaffen kann. Jede Kultur
drückt sich in konkreten Praktiken aus, spiegelt sich in ihnen wider und wird
durch sie weitergegeben. Das Gleiche gilt auch für die Glaubenserfahrung. Jede
Inkulturation des Glaubens schafft spezifische religiöse Praktiken, die ihn
widerspiegeln und seine Weitergabe von Generation zu Generation ermöglichen.
Deshalb „liegt der Volksfrömmigkeit, da sie Frucht des inkulturierten
Evangeliums ist, eine aktiv evangelisierende Kraft zugrunde, die wir nicht
unterschätzen dürfen: Das hieße, das Wirken des Heiligen Geistes zu leugnen.
Vielmehr sind wir aufgerufen, sie zu fördern und zu stärken, um den Prozess der
Inkulturation zu vertiefen, der eine niemals abgeschlossene Realität ist. Die
Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit haben uns viel zu lehren, und für
diejenigen, die sie zu deuten vermögen, sind sie ein theologischer Ort,
dem wir Beachtung schenken müssen, insbesondere wenn wir über die
Neuevangelisierung“[118] und die Frage der Weitergabe des Glaubens nachdenken.
113. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, an die Anziehungskraft zu
erinnern, die Pilgerfahrten – sowohl altehrwürdige als auch neu entstandene –
auf die jüngeren Generationen ausüben, sowie an den Wunsch, einer Bruderschaft
anzugehören, wie es beispielsweise in jüngster Zeit in Spanien der Fall ist.[119] Für viele junge Menschen stellen– vor allem im westlichen Kontext– die
Suche nach Sinn in einer Welt, die sich immer mehr in sich selbst verschließt,
und die Suche nach einer religiösen Zugehörigkeit, die ihrem Bedürfnis nach
Identität in einer zunehmend individualisierten Welt Gestalt verleihen kann,
sehr wichtige Bedürfnisse dar. Sie findet dann gerade in der Teilnahme an
Pilgerfahrten und im Wunsch nach Mitgliedschaft in einer Bruderschaft ihren
Ausdruck. Im Zusammenhang mit dem Hauptthema der vorliegenden Überlegungen
drängt sich die Frage auf, wie wir diese Fragen und Bedürfnisse unserer
jüngeren Mitmenschen am besten „nutzen“ können, damit sie zu einem Kanal werden,
durch den das Licht Christi ihr oft von Schwierigkeiten geprägtes Leben erhellen
kann.
114. Ein zweiter Schwerpunkt muss der Homilie gewidmet werden. Papst
Franziskus hat ihr im Apostolischen Schreiben
Evangelii gaudium[120] einen umfangreichen Platz eingeräumt, was ihre Bedeutung für die
Verkündigung und Weitergabe des Glaubens unterstreicht; für eine vertiefende
Auseinandersetzung sei auf dieses Dokument verwiesen. Eine gut vorbereitete
Homilie kann eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Inhalte des Glaubens in
einer erzählerischen Form darzustellen, die es versteht, das Wort Gottes im
Lichte des konkreten Lebens der Menschen neu zu lesen und so eine lebendige
Erfahrung der Begegnung mit Christus zu wecken. Jesus selbst erscheint in den
Evangelien vor allem als großer Erzähler. Selten beginnt er seine Reden mit
abstrakten Begriffen: Stattdessen greift er auf Bilder, Metaphern und
Gleichnisse zurück; oft bezieht er sich auf den Alltag der Menschen und erzählt
Geschichten, die die Vorstellungskraft der Zuhörer anregen, noch bevor sie den
Verstand ansprechen. Die Gleichnisse beschränken sich nämlich nicht darauf, zu
informieren: Sie sind in der Lage, ihre Zuhörer zu formen und zu verwandeln. Die
von Jesus erzählten Geschichten dienen nicht einfach dazu, die Rede
interessanter zu gestalten, sondern bilden den hermeneutischen Schlüssel,
mittels dessen der Zuhörer in das Geheimnis des Reiches Gottes eingeführt wird.
In diesem Fall kann die große homiletische Tradition der Kirchenväter, sowohl
des Ostens als auch des Westens, den Seelsorgern einen wertvollen Beitrag
leisten.
115. Ein dritter Schwerpunkt ergibt sich aus dem Wunsch nach Engagement,
den viele – insbesondere unter den Jüngeren – durch ehrenamtliche Tätigkeiten
zum Ausdruck bringen. Die konkrete Suche nach einem solchen Engagement ist oft
eine Gelegenheit, sich der kirchlichen Wirklichkeit anzunähern. Diese Menschen
verspüren das aufrichtige und tiefe Bedürfnis, anderen etwas zu geben; sie
empfinden daher das dringende Bedürfnis, aus ihrem individuellen Rahmen und aus
der Logik des Besitzes als oberstem Kriterium des Glücks herauszutreten. Es
liegt auf der Hand, dass dies nicht unmittelbar ein Interesse am Glauben
bedeutet, es stellt aber eine gute Gelegenheit dar, den Glauben zu verkünden und
die Freundschaft mit Jesus, dem Herrn, anzubieten, der noch tiefere Beweggründe
für ein solches Engagement bietet. Die ganze Glaubensgemeinschaft ist
aufgerufen, diese „barmherzigen Samariter“ unserer Zeit aufzunehmen und sie mit
Freundlichkeit und Leidenschaft zu jener Begegnung mit dem Feuer der Liebe
Gottes zu begleiten, das sie als den kostbaren Schatz ihres Weges inmitten der
Welt hütet.
116. Ein vierter Schwerpunkt betrifft die Notwendigkeit, den Raum für die
Mitwirkung von Frauen in der Leitung kirchlicher Prozesse zu erweitern.
Allgemein sind in der katholischen Kirche die Gläubigen, die im Leben der
Gemeinden am stärksten präsent und aktiv sind, zum großen Teil Frauen. Indes ist
in den letzten Jahren die Notwendigkeit deutlicher geworden, Frauen den Zugang
zu jenen Orten zu ermöglichen, an denen die wichtigen Entscheidungen für das
Leben der Gemeinschaft getroffen werden. Es handelt sich um ein Thema, das das
Dikasterium ausführlich untersucht hat und dessen Schlussfolgerungen über das
Synodensekretariat dem Heiligen Vater übergeben wurden.
117. Zudem erfordert ein spezifischer Aspekt unserer Zeit Aufmerksamkeit.
Man sollte nämlich das Bedürfnis nicht unterschätzen, das heute sehr viele
Menschen äußern, an Großveranstaltungen (Musikfestivals und Ähnlichem)
teilzunehmen. Dies verdeutlicht auch, dass eine intensive Nutzung digitaler
Technologien nicht ausreicht, um alle Bedürfnisse des Menschen zu erfüllen. So
zeigt sich auch in unserer Zeit das Bedürfnis nach Gesellschaft, die
Notwendigkeit und der Wunsch zu teilen. Auch im Bewusstsein, dass der Glaube
vorrangig von einem „Du“ zu einem „Du“ weitergegeben wird, sollte man dieses
Merkmal der Gegenwart als gute Gelegenheit für die Verkündigung des Evangeliums
begreifen und versuchen, Gelegenheiten für die Vereinigung von Menschen zu
schaffen, wobei man an die großen Themen der Gegenwart anknüpft, wie zum
Beispiel jenes des Friedens.
118. Weitere Denkanstöße bietet das Studium der Kirchengeschichte,
insbesondere jener Momente, in denen es der Kirche gelang, positiv auf die
epochalen Veränderungen zu reagieren, denen sie entlang ihres historischen Weges
begegnete. Hier kann unter anderem die Krise durch den Zusammenbruch der
römischen Institutionen in Westeuropa genannt werden und die daraus folgende
Entvölkerung der Städte, in denen das Christentum am stärksten verwurzelt war.
In diesem Zusammenhang erwies sich das Aufkommen des irischen Mönchtums, das in
der zweiten Hälfte des ersten christlichen Jahrtausends seine Blütezeit erlebte,
als entscheidend: Es bewahrte und vertiefte nicht nur das Verständnis des
Glaubens, sondern brachte auch neue Formen der Evangelisierung hervor und trug
zugleich zu bedeutenden Entwicklungen in der sakramentalen Praxis bei, wie
beispielsweise der Verbreitung der Ohrenbeichte. Ein zweites Beispiel ist die
lehrmäßige und pastorale Krise, die durch die Ausbreitung des Katharertums und
verschiedener, häufig gegen die Kirche gerichteter Armutsbewegungen im
Mittelalter ausgelöst wurde. Als Antwort auf diese Situation verkörperten die
Bettelorden, zu denen auch die vom hl. Dominikus und dem hl. Franziskus
gegründeten Orden zählen, eine erneuerte evangeliumsgemäße Lebendigkeit durch
radikale Armut, Wanderpredigt und theologische Lehre in voller Gemeinschaft mit
der Kirche. Ein weiteres Beispiel ist der Impuls zu einer weitreichenden
katholischen Reform, der durch den tiefgreifenden kirchlichen Bruch ausgelöst
wurde, den die protestantische Reformation mit sich brachte, und an dem
Persönlichkeiten wie die hl. Teresa von Ávila und der hl. Ignatius von Loyola
maßgeblich beteiligt waren. Diese Erneuerung fiel mit der missionarischen
Ausbreitung der Kirche in neu entdeckte Gebiete zusammen, die für die
Verkündigung des Evangeliums offen waren, und trug dazu bei, ihr neuen Schwung
zu verleihen. Schließlich sei an die Reaktion der Kirche im 19. Jahrhundert auf
die tiefgreifenden Veränderungen erinnert, die durch die Arbeiterfrage und die
Folgen der industriellen Revolution ausgelöst wurden und die sie veranlassten,
ihre Soziallehre systematisch neu zu erarbeiten. In jedem dieser Fälle wurde ein
Krisenmoment zur Gelegenheit für kreative Initiativen, die sich für die
Evangelisierung als entscheidend erwiesen und zudem mit einem umfassenderen
Übergang zwischen historischen Epochen zusammenfielen.
119. In der Gegenwart ist eine gezielte Untersuchung des jähen Rückgangs
des Katholizismus in den Ländern erforderlich, in denen er tief verwurzelt war,
um dessen Ursachen zu verstehen und eine angemessene pastorale Antwort zu
erarbeiten.
120. Weitere und maßgebliche Aufmerksamkeit muss der Welt der katholischen
Schulen und Universitäten zugewandt werden sowie jener der anderen katholischen
Einrichtungen, insbesondere jenen, die sich der Nächstenliebe widmen. Wie die
Bischöfe von Ghana bezeugen: „Die Weitergabe des katholischen Glaubens wird
durch die katholische Bildung erheblich gestärkt, die als wichtiger Kanal für
die kontinuierliche Bildung von Kindern, Jugendlichen und sogar Erwachsenen
dient.“[121] In anderen Ländern, wie beispielsweise Venezuela, sieht das Programm
religiöser Erziehung eine Verknüpfung zwischen schulischen und pfarrlichen
Aktivitäten vor, was den auch pastoralen Wert der katholischen Schulen
unterstreicht.[122] Insbesondere in Ländern, in denen der Katholizismus eine Minderheit
darstellt – manchmal eine äußerst kleine –, bilden diese Einrichtungen für einen
Großteil der Bevölkerung oft den einzigen Kontaktpunkt zur katholischen Kirche.
Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass in verschiedenen Regionen Einschränkungen
für den Religionsunterricht an Schulen gelten, weshalb in solchen Kontexten die
Pfarreien die gesamte Last der Katechese tragen müssen.
121. Im Vergleich zu den traditionellen Orten der Seelsorge bieten Schulen
einen eher institutionellen und fast professionellen Kontakt, der jedoch nicht
weniger geeignet ist, zumindest einen kleinen Funken jenes Feuers der Liebe zu
vermitteln, das die Jahrhunderte durchquert hat und von Jesus bis in unsere Tage
reicht. Tatsächlich bietet sich hier ein fast transparentes Zeugnis der
geistigen und materiellen Nächstenliebe, das spontan zur Schönheit des
Evangeliums und zu seiner humanisierenden Kraft hinführt. Dies bezeugen auch die
Bischöfe Frankreichs: „Der katholische Unterricht ist ein grundlegender Ort für
die Erstverkündigung bei Kindern, Jugendlichen und Familien, der junge Menschen,
aber auch ihre Eltern dazu führen kann, die christliche Initiation zu erbitten.“[123] In einem weiteren Kontext sind die Gläubigen daher aufgerufen, stets die
zentrale Rolle der Schule zu verteidigen, als Ort, „an dem die neuen
Generationen lernen können, die Wahrheit zu suchen und zu lieben, sich Fragen
nach dem Sinn des Lebens und der Würde jedes Menschen zu stellen“.[124]
122. Abschließend sei noch das ökumenische Engagement erwähnt, das einen
wesentlichen Bestandteil des Evangelisierungsauftrags der Kirche und damit auch
der Weitergabe des Glaubens darstellt. Wie das Dekret
Unitatis redintegratio
des Zweiten Vatikanischen Konzils feststellt, steht die Spaltung unter den
Christen „nicht nur in offenem Widerspruch zum Willen Christi, sondern ist auch
ein Ärgernis für die Welt und schadet der heiligsten aller Sachen: der
Verkündigung des Evangeliums an alle Geschöpfe“.[125] Der ökumenische Dialog stellt keineswegs eine Alternative zur Verkündigung
dar, sondern ist eine eigene Form derselben, in der die gemeinsame Suche nach
der Wahrheit, das gegenseitige Zuhören und das Zeugnis der Nächstenliebe die
Verkündigung des Kerygmas glaubwürdiger machen in Anbetracht einer
zunehmend säkularisierten und pluralistischen Welt. Denn wie der hl. Johannes
Paul II. betont, „sind die Bemühungen um die Einheit an sich schon ein Zeichen
für das Werk der Versöhnung, das Gott unter uns vollbringt“[126] und zeigen konkret, dass der Vater für immer und für alle Liebe ist. Dies
lädt die Gemeinschaft der Gläubigen ein, sich den zuversichtlichen Aufruf von
Papst Franziskus zu eigen zu machen: „Wenn wir wirklich an das freie und
großzügige Wirken des Heiligen Geistes glauben, wie viel können wir dann
voneinander lernen! Es geht nicht nur darum, Informationen über die anderen zu
erhalten, um sie besser kennenzulernen, sondern darum, das aufzunehmen, was der
Heilige Geist in ihnen gesät hat, als ein Geschenk auch für uns“,[127] um so „entschlossen auf gemeinsame Formen der Verkündigung, des Dienstes
und des Zeugnisses zuzugehen“.[128]
123. In diesem Zusammenhang muss anerkannt werden, dass sich einige
Angehörige anderer Religionen und religiöser Bewegungen dafür einsetzen, den
Glauben an Gott in einem kulturellen Kontext zu bezeugen, der dazu neigt, sich
in völlig leerer Immanenz zu verschließen. Ebenso suchen einige Angehörige
anderer christlicher Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften nach neuen Wegen, um
das Evangelium und die Liebe Christi in unserer Zeit zu verkünden. Auch aus
ihren positiven Erfahrungen und ihren kreativen Bemühungen lässt sich etwas
lernen, damit unser Engagement für die Weitergabe des vollen Reichtums jenes
Glaubensschatzes, den wir als Geschenk empfangen haben, stets fruchtbar sei.
Kapitel VIII
Zeugnisse
124. An dieser Stelle werden, wie bereits in der Einleitung zu den
vorliegenden Überlegungen erwähnt, einige beispielhafte Zeugnisse von
Menschen vorgestellt, die in ihrem Leben die Begegnung mit Christus erfahren
durften oder die Wiederentdeckung einer lebendigen Beziehung zu ihm. Aus Gründen
der Vertraulichkeit werden ihre Namen nicht genannt, sondern lediglich ihre
Herkunft angegeben, wobei versichert wird, dass es sich um authentische
Zeugnisse handelt, die aufrichtig zum Aufbau der Weltkirche geteilt wurden.
Denjenigen, die ihre Geschichte eingebracht, sowie den Bischofskonferenzen, die
dieses Material übermittelt haben, gilt der aufrichtige Dank des Dikasteriums
für die Glaubenslehre. In vielen Fällen werden keine großen Taten oder
wundersamen Ereignisse geschildert, sondern einfache Begebenheiten, in denen
sich das Wirken der Gnade im alltäglichen Leben zeigt und die es jedem
ermöglichen, darin etwas von seinem eigenen Leben wiederzuerkennen. Sie lassen
sichtbar werden, wie jeder Umstand, auch der kleinste und scheinbar
unbedeutendste, zu einer Gelegenheit der Begegnung mit dem Ewigen und zu einer
Etappe jener Heilsgeschichte werden kann, die Gott mit uns und für uns
gestaltet. Aus Platzgründen ist es nicht möglich, alle eingegangenen Zeugnisse
wiederzugeben. Daher war eine Auswahl erforderlich, die sich an den Themen
dieses Dokuments orientiert und Wiederholungen vermeidet. Jedes einzelne davon
stellt jedoch einen Schatz der Gnade dar, der bezeugt, wie der Herr auch im
gegenwärtigen Epochenwandel nicht aufhört, seiner Kirche beizustehen und sie zu
begleiten. Die folgenden Seiten sollen einige der in den vorangegangenen
Kapiteln entwickelten Aspekte in die Sprache des Lebens übersetzen.
Vom Abgrund der Abhängigkeit zur Freiheit der Begegnung mit Christus
125. Das erste Zeugnis[129] stammt aus Kolumbien und zeigt, wie Gott auch in Situationen tiefster
moralischer und existenzieller Verkommenheit nicht aufhört, den Menschen durch
die Stimme des Gewissens zu rufen und ihm durch das Wirken der Geschwister sein
Heil anzubieten: „Im Alter von etwa 13, 14 Jahren begann ich, Drogen zu nehmen,
geriet in Lasterhaftigkeit und schloss mich Banden an; ich war mit den Banden
unterwegs, geriet in Schlägereien, ging mit Waffen um, erpresste, stahl und
verkaufte Drogen. Und das war mein Leben. Meine Familie hatte genug von mir, bis
ich schließlich auf der Straße landete. Ich sagte zu meiner Mutter: ‚Mama, ich
will mich ändern.‘ Sie sagte zu mir: ‚Nein, du bist krank, zuerst musst du
gesund werden.‘ Und ich antwortete ihr: ‚Was redest du da? Ich schaffe es schon
alleine, da rauszukommen.“ Aber ich brauchte Hilfe; mein Stolz, meine
Überheblichkeit ließen das nicht zu. Und ich spürte tief in meinem Herzen den
Wunsch nach etwas Größerem, etwas Wunderbarem, etwas Gutem, nach Liebe und dem
Gefühl, geliebt zu werden. Ich hatte keinen Ort zum Wohnen, zum Duschen, zum
Essen – gar nichts. Durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit [habe ich über meine
Familie ein Rehabilitationszentrum gefunden, das von einer christlichen Stiftung
geleitet wird]; dort gibt es weder Schocktherapien noch werden Medikamente
eingesetzt, dort steht das Gebet im Mittelpunkt: der Rosenkranz, die Lectio
Divina, die Heilige Eucharistie … Dort begann mein Weg der Bekehrung. An
diesem Ort begann der Herr, mein Leben tiefgreifend zu verwandeln, weil ich
erkannte, wie viele Wunden und wie viel Leere in meinem Herzen waren und wie
groß mein Bedürfnis nach Liebe, Vergebung und der Barmherzigkeit Gottes war.
Danach ging ich für zweieinhalb Jahre als Missionar hinaus, bildete mich weiter,
half bei Exerzitien und hielt Treffen ab. Danach kehrte ich zu der Einrichtung
zurück, in der ich zuvor gewesen war. Ich blieb ein Jahr lang dort und
begleitete die Jugendlichen als Erzieher, wobei ich ihnen ein wenig von dem
weitergab, was der Herr in mir gewirkt hatte. Jetzt habe ich eine Arbeitsstelle
und gehöre einer Gemeinschaft an, die sich dem Gebet, der Mission und der
Evangelisierung widmet. Gott hat mein Leben und mein Herz verwandelt und mich zu
einem neuen Menschen gemacht.“
126. Andere Erfahrungsberichte zeigen, dass manchmal schon ein ganz
einfacher Umstand – wie das Scrolling durch die Beiträge in einem
sozialen Netzwerk – ausreichen kann, damit die Gnade eine Begegnung
ermöglicht, die das Leben verändern kann, wie ein junger Mann aus Belgien
erzählt: „Mit etwa 17 Jahren wollte ich mich taufen lassen, wusste aber nicht,
wohin ich mich wenden sollte. Ich habe Liebeskummer erlebt, war alkoholabhängig
und habe Tränen vergossen. Eines Tages stieß ich beim Scrolling auf
TikTok auf ein Gebet. Es war wie ein Elektroschock und zugleich ein Trost. Ich
war nicht gläubig und ging ganz gelassen mit all dem um. Wenn ich heute hier
bin, dann ist dies eine Antwort auf den bedeutendsten Aufruf meines Lebens. Es
handelt sich nicht um eine intellektuelle Überlegung, sondern um eine
persönliche Begegnung, in der Jesus zu mir gesprochen hat. Ich habe mich der
Kirche genähert, ohne wirklich daran zu glauben, insbesondere aus Respekt
gegenüber meinen Großeltern und aus dem Wunsch heraus, die Traditionen zu
bewahren. Seitdem ich den Glauben habe, habe ich wirklich eine andere Sicht auf
die Welt. Ich spüre, dass alles in Ordnung ist, während mein Leben vor der
Begegnung mit Christus kompliziert war.“
127. Um beim Thema Erlösung und Befreiung zu bleiben: Ein bedeutendes
Zeugnis für die befreiende Wirksamkeit des Kerygmas liefert der Bericht
eines Geistlichen, der seinen Dienst in den Gefängnissen einer kanadischen
Diözese ausübt: „Der Gefängniskontext ist oft ein Ort der Krise und der
Neubewertung des Lebens. Der Freiheitsentzug begünstigt eine Auseinandersetzung
mit sich selbst, mit den eigenen Taten und mit dem Sinn der eigenen Existenz. In
diesem Kontext erscheint die Frage nach der Taufe häufig als Suche nach einem
Neuanfang, ja sogar nach Erlösung. Die Menschen, denen ich begegne, bringen oft
eine Suche nach Sinn zum Ausdruck, jenseits ihrer bisherigen Lebensumstände. Die
katechetischen Gespräche eröffnen einen Raum, in dem die großen Fragen – Leid,
Schuld, Vergebung, Hoffnung – strukturiert angegangen werden können. Es zeigt
sich deutlich, dass die Bekehrung nicht allein aus einem Lehrinhalt hervorgeht,
sondern auch aus einer Beziehung des Vertrauens und des Zuhörens. Die über einen
längeren Zeitraum gelebte seelsorgerische Begleitung stellt eine wesentliche
Vermittlung dar, durch die der Glaube denkbar und annehmbar wird. Ein zentrales
Element der beobachteten Bekehrungen ist die Begegnung mit dem Bild eines
Gottes, der vergibt und wieder aufrichtet. Dies ist besonders bedeutsam in einem
von Schuld und Verurteilung geprägten Kontext. So lässt sich ein
wiederauflebendes Interesse an der spirituellen und existenziellen Dimension des
Glaubens beobachten. Die Bekehrung erscheint oft als eine intensive persönliche
Erfahrung.“
Das „Wiedererwachen“ des Kerygmas: Die Rolle der Familie und des Gebets
128. In Familien können nicht nur der Epochenwandel, sondern auch
tragische Ereignisse den persönlichen Glauben auf eine harte Probe stellen. Doch
auch in solchen Situationen lässt der Herr seine Kinder nicht im Stich, wie
diese Geschichte aus Chile bezeugt: „Mein Glaube war so schwach geworden, dass
ich mich schließlich als Atheist bezeichnete. Inmitten dieser Wüste traf mich
ein verheerender Schlag: der Tod meiner Mutter. Fünf Jahre lang trug ich
untröstlichen Kummer; ich beweinte sie jeden Tag, ohne Antworten zu finden. Da
bediente sich Gott des einfachsten Vorwands: des Katechismusunterrichts meiner
jüngsten Tochter. Ich nahm an den Treffen nur aus Pflichtgefühl teil. Und dabei
geschah dann das Unerwartete: Durch die Eucharistie erlebte ich eine persönliche
Begegnung – oder besser, eine erneute persönliche Begegnung – mit Jesus
Christus. Er nahm meinen Schmerz auf sich, trocknete meine Tränen um meine
Mutter und schenkte mir einen Frieden, den die Welt nicht geben kann.“
129. Ein weiteres Zeugnis, das die Hindernisse bei der Weitergabe des
Glaubens in der Familie betrifft, stammt von einer Mutter aus der Slowakei:
„Mein Vater war Alkoholiker. Er hat mich und meine Mutter während meiner
Kindheit zerstört … Wenn er trank, war er aggressiv, fluchte, schimpfte,
zerschlug die Möbel im Haus … alles, was ihm gerade in die Quere kam; oft
mussten wir aus dem Haus fliehen. Im Laufe der Jahre hatte sich in mir ein
Gefühl der Unversöhnlichkeit und vielleicht sogar Hass ihm gegenüber angestaut.
Erst in der Gemeinschaft, durch das Wort Gottes und die Unterweisung, habe ich
verstanden, dass ich meinen Vater dafür verurteilte, was für ein Mensch er war,
und dass ich auch Gott dafür verurteilte, mir einen solchen Vater gegeben zu
haben. Als ich den Mut gefunden hatte, ging ich im Licht des Wortes Gottes zu
meinem Vater und bat ihn um Vergebung. Das war eine sehr intensive Erfahrung für
mich, und auch wenn mein Vater nicht ganz verstehen konnte, was ich ihm sagte,
merkte ich, dass ich endlich inneren Frieden gefunden hatte und sich auch unser
Verhältnis verbessert hatte. Obwohl mein Vater in keiner Weise ein religiöses
Leben führte, ging er mit mir und meiner Mutter versöhnt in die Ewigkeit,
nachdem er gebeichtet hatte,. [Heute] bemühen wir uns gemeinsam mit meinem Mann,
unseren vier Kindern den Glauben weiterzugeben. Wir lehren sie auch, indem wir
von unseren Erfahrungen erzählen, ohne dabei moralisierend zu sein (in dem
Sinne, dass auch du es so sehen oder machen musst). Wir sagen ihnen, dass Gott
auch in ihrem Leben auf besondere Weise wirken wird, dass es wichtig ist, alles
anzunehmen, was die Kirche ihnen als Hilfe anbietet, damit sie ein Leben führen
können, das Sinn hat.“
130. In anderen Fällen ist es der gläubige Partner in einer Beziehung, der
den anderen auf einen Glaubensweg mitnimmt, wie diese Erfahrung aus den
Vereinigten Staaten von Amerika zeigt: „Mein Weg zur katholischen Kirche begann
durch meine Verlobte. Sie ist katholisch erzogen worden, und ihr Glaube war ihr
schon immer wichtig. Als wir uns auf die Hochzeit vorbereiteten, äußerte sie den
Wunsch nach einer katholischen Trauung. Um etwas besser zu verstehen, das für
sie so bedeutend ist, beschloss ich, mich mit dem Glauben auseinanderzusetzen.
Ich traf auf eine einladende Gemeinde und eine Gruppe engagierter Lehrer, die
den Lernprozess spannend und sinnvoll gestalteten. Ich war beeindruckt von der
Pfarrgemeinde und von dem Guten, das sie in der Ortsgemeinde bewirkt. Die
Menschen dort haben mir vermittelt, wie wichtig es ist, den Glauben nicht nur zu
haben, sondern ihn auch zu leben. Während ich darauf warte, in der Osternacht
die Taufe und die Firmung zu empfangen, tue ich dies voller Dankbarkeit und
Vorfreude.“
131. In die gleiche Richtung geht ein Zeugnis aus Japan: „Ein Mann kam
durch die Ehe mit einer katholischen Frau mit der Kirche in Kontakt. Anfangs
besuchte er die Ehevorbereitungskurse lediglich zur Vorbereitung auf die
Hochzeit, doch nach und nach fühlte er sich von der herzlichen Aufnahme durch
die Pfarrgemeinde und der Ruhe der Liturgie angezogen. Nach der Geburt seines
Sohnes begann er sich zu fragen, was er ihm im Leben mitgeben wolle, und nachdem
er sich eingehender mit dem Glauben auseinandergesetzt hatte, ließ er sich
einige Jahre später taufen. Für ihn wurde die Kirche, der er sich ursprünglich
zum Wohle seiner Familie genähert hatte, zu dem Ort, an dem seine eigene
Lebensweise hinterfragt wurde.“
132. Auch das Sakrament der Ehe kann zu einer Gelegenheit werden, den
Glauben neu zu entdecken, wie eine von den Bischöfen Angolas übermittelte
Erfahrung bezeugt: „Ein verlobtes Paar: Sie ist Katholikin und stammt aus einer
Familie, in der der Glaube von Generation zu Generation sehr lebendig
weitergegeben wird; er steht Gott und der Religion gleichgültig gegenüber. Sie
teilte ihm mit, dass die Vertiefung ihrer Beziehung die katholische Trauung als
unabdingbare Voraussetzung haben müsse. [Während eines Familientreffens]
sprach ein Priester, ein Angehöriger der Familie des Verlobten, die katholische
Verlobte auf ihre Absicht an, sich mit einem Mann zu verbinden, der bereit war,
ihr lediglich das Vergnügen der katholischen Trauung zu bereiten, dabei aber den
inneren Wert dieser Ehe verachtete. [Der Priester] sprach den Verlobten in
gleicher Weise an, der sich nur auf den körperlichen Aspekt beschränkte und alle
anderen Teile der Bedeutung der Ehe verachtete. Als er sich besann, schämte sich
der Verlobte seiner Widersprüche … ohne das geringste Maß an christlicher
Bildung, die nun für ihn Sinn zu ergeben begann. Diese beunruhigende Erfahrung
weckte in ihm die Neugier auf den katholischen Glauben; er begann, den
Katechismusunterricht zu besuchen, ließ sich taufen, absolvierte den
Ehevorbereitungskurs, heiratete kirchlich und nahm regelmäßig an der Liturgie
sowie aktiv am pastoralen Leben der Pfarrei teil.“
133. In anderen Fällen entsteht das Wiedererwachen des Glaubens aus
Gebetserfahrungen und dem Austausch mit anderen, wie im Fall einer Gläubigen aus
Polen, die erzählt, dass sie durch eine Initiative der katholischen
charismatischen Bewegung einen lebendigen Glauben wiederentdeckt hat: „Alles
begann mit der Entscheidung, an einer mehrwöchigen Exerzitienreihe des Seminars
zur Erneuerung des Glaubens teilzunehmen. Damals schien mir mein Leben recht
gut, normal und geordnet zu sein. Doch immer öfter spürte ich tief in meinem
Herzen, dass das, worauf ich mein Leben aufbaute, nicht von Dauer war. Die
Leere, die immer öfter in meinem Herzen auftauchte, konnte durch nichts gefüllt
werden. Ich erkannte, dass mein Glaube tot war. Er bestand lediglich aus der
Erfüllung bestimmter religiöser Pflichten und Praktiken, die mir beigebracht
worden waren. Während des Seminars lernte ich einen Gott kennen, der
bedingungslos liebt, der Vater ist, der sich kümmert, der wartet, der die
Verlorenen sucht, um ihnen Liebe, Glück und Freude zu schenken. Es war meine
persönliche Begegnung mit Jesus, der mein Herz konkret ‚berührt‘ hat, um mich
aus der Dunkelheit herauszuziehen, in der ich seit Jahren gelebt hatte. Nach den
reinigenden Tränen kam große Freude, Freiheit, Kraft und Hoffnung, die mein
ganzes Herz und mein ganzes Wesen erfüllten. Mein Glaube ist nicht mehr ein
Zusatz zum Leben, sondern ist zum einzigen Sinn meiner Existenz geworden. Er ist
nicht mehr tot, sondern ist lebendig geworden. Ich habe mich endlich sicher,
frei und gelassen gefühlt. Die Worte des hl. Augustinus: „Das Herz des Menschen
ist unruhig, bis es in Gott ruht“, haben sich in meinem Leben zu 100 % erfüllt.“
134. Ein weiteres besonders eindringliches Zeugnis in diesem Sinne stammt
von einer französischen Studentin: „Als Tochter eines libanesischen schiitischen
Vaters, der Atheist gewordenen war, und einer nicht praktizierenden
französischen katholischen Mutter wuchs ich in einer gewissen spirituellen
Orientierungslosigkeit auf. Meine Eltern wollten uns in unserer religiösen
Entscheidung frei lassen, aber dieses Schweigen war lange Zeit ein Mangel. Doch
schon im Alter von 8 Jahren fand ich eine Bibel … Dieser erste Impuls wurde
durch meine Schulzeit in Chartres genährt, wo ich nach dem Unterricht unter den
Säulen der Kathedrale Zuflucht und Frieden fand. Der eigentliche Wendepunkt
ereignete sich 2004 während meiner Vorbereitungskurse [an der Universität].
Allein, weit weg von meiner Familie und unter dem Druck der Aufnahmeprüfungen,
erlebte ich eine echte Offenbarung. Eines Abends, als ich an meinem Schreibtisch
saß, drängte sich mir die Erkenntnis auf: Gott existierte, er war da, direkt
neben mir, mit einer fast greifbaren Gegenwart. Diese unermessliche
Erleichterung verwandelte meine Einsamkeit in einen Weg in Gemeinschaft. Der
Herr stellte mir dann Zeugen auf meinen Weg … [darunter] einen maronitischen
Christen, [der] einen strahlenden Glauben in sich trug. Als ich eines Tages ein
Bild des Heiligsten Herzens Jesu sah, das er in seiner Brieftasche aufbewahrte,
wurde mir klar: Er war es, Jesus, der mich an jenem Abend in meinem
Studentenzimmer besucht hatte. Dennoch … führte mich der hektische Rhythmus
meiner Arbeit 2019 in den Burnout. In diesem Zusammenbruch hat mich nur
Jesus gerettet. Ich habe daraufhin eine Wallfahrt zur Heilung unternommen … ich
habe mein Leben radikal verändert. Heute ist mein Leben stabil und glücklich,
ich spüre, dass es endlich an der Zeit ist, mein Versprechen einzulösen. Durch
den Empfang der Sakramente der christlichen Initiation möchte ich meinen Bund
mit Christus, der mich nie im Stich gelassen hat, für die Ewigkeit besiegeln.“
135. In anderen Fällen ist es die Kraft des Gebets und der Sakramente, die
in Krisensituationen Halt gibt, wie die Erfahrung einer Frau aus Jamaika
bezeugt: „Ich bin von Kindesbeinen an Katholikin und wuchs bei einer Mutter auf,
die eine gläubige Katholikin war. Als Kind in einer winzigen Stadt in Jamaika
las ich vor und diente sogar am Altar, weil viele Gemeindemitglieder kaum
gebildet waren und viele nicht lesen konnten. Ich gab Gott, was ich ihm geben
wollte. Manchmal waren es 90 %, manchmal nur 20 %. Vor etwa 15 Jahren schien es,
als würde Gott nicht antworten, obwohl ich inständig darum betete, aus [einer
bestimmten] Situation herauszukommen. Ich kam an einen Punkt, an dem ich das
Gefühl hatte, dass Gott einfach nicht zuhörte … Ich kam zu dem Schluss, dass es
keinen Sinn machte, zu beten. Ich hörte ganz auf zu beten … Es folgte eine große
Glaubenskrise. Ich fing an, wirklich alles in Frage zu stellen und an allem zu
zweifeln. Ich fühlte mich regelrecht wie eine Betrügerin. Wahrlich, ich
unterrichtete Kinder im Religionsunterricht, obwohl ich mir nicht einmal sicher
war, ob ich selbst an das glaubte, was ich lehrte. [Aber] Gott weiß immer, wo er
uns finden und wie er uns erreichen kann. Mein Verstand begann, die wahre Kraft
der Sakramente zu begreifen … und vor allem die der Eucharistie: dass Jesus
wirklich dort ist. Die Herausforderungen, mit denen ich zu kämpfen hatte und die
meine Glaubenskrise auslösten, bestehen immer noch, aber was sich geändert hat,
ist meine Art zu beten. Der Fokus meiner Gebete liegt nicht mehr darauf, was
Gott mir geben kann. Stattdessen frage ich, was ich Gott geben kann.“
Das Zeugnis der Nächstenliebe, der Kultur und der Schönheit
136. Wie bereits zuvor erwähnt, ist die Schönheit (via pulchritudinis)
ein wichtiger Weg zum Glauben – jene Schönheit, die die Synthese aus Wahrheit
und Güte darstellt, wie die mittelalterlichen Theologen lehrten. Mit einem Wort:
Es ist die Schönheit der Liebe, die sich in einer Vielzahl von Formen
manifestiert. Gerade vom Thema der Schönheit ausgehend, die in der Lage ist,
intellektuelle Strenge mit ästhetischer Erfahrung zu verbinden, steht das
Zeugnis eines Neurobiologiestudenten aus der Schweiz: „Ich bin in einer
atheistischen Familie aufgewachsen, bei uns lautete das Motto ‚kartesianisch‘;
oft dargestellt als offensichtlicher Gegensatz zum Glauben. Die Gegenwart Gottes
zeigte sich in meinem Leben wie ein leises Rauschen des Windes in der Ferne. Das
erste Mal, dass ich dieses Gefühl der Fülle verspürte, war, als ich einer
außergewöhnlichen Aufführung eines Stücks von Chopin beiwohnte. Dann gab es
jenen Abend, an dem ich vom Gipfel eines Berges auf der Krim aus die Weite des
Schwarzen Meeres und die Berge betrachtete, die sich zu meinen Füßen
ausbreiteten. Ich dachte, ich würde diesen Frieden empfinden, weil ich die
Schönheit der Menschheit betrachtete. [Dann] trat ich eines Tages durch das
Portal der Kathedrale von Chartres. Die Frage stellte sich nicht mehr: Die
Quelle war dort, direkt vor meinen Augen. Ich weiß nicht, wann mein Weg mit Gott
begann, aber ich bin mir sicher, dass ich ihn zum ersten Mal angenommen habe,
als ich mich zum Gebet hinkniete. Es war ein Bad des Friedens, ein Balsam für
die Seele. Als mir bewusst wurde, welchen Weg gerade eingeschlug, beschloss ich,
mich zurückzuhalten. In wissenschaftlichen Kreisen wird jede Andeutung dieses
Themas von langen Debatten, abfälliger Kritik und sogar regelrechten
Gotteslästerungen begleitet. Meine ersten Gebete, meine ersten Rosenkränze,
meine ersten Messen habe ich allein verlebt. Ich dachte, ich würde der Gemeinde
beitreten, sobald ich mir genügend Wissen angeeignet hätte. Zu meiner großen
Überraschung war es die Gemeinde, die mich aufnahm. Ich hatte das Glück, dank
des Beharrens meiner Großeltern mütterlicherseits getauft zu werden. Ich glaube,
dass es an der Zeit ist, das Kapitel der Entdeckung abzuschließen und voll und
ganz in mein Leben als Katholik einzutreten. Deshalb habe ich meinen Weg zur
Firmung eingeschlagen.“
137. Wieder andere Male ist es die Einfachheit der Nächstenliebe, die sich
in Freundlichkeit und gastlicher Aufnahme zeigt, die die Türen zum Glauben
öffnet, wie im Zeugnis eines vietnamesischen Katechumenen, das von den Bischöfen
Malaysias übermittelt wurde: „Ich wurde in einer buddhistischen Familie geboren.
Ich bin aufgewachsen, ohne der Religion große Beachtung zu schenken. Ich kam
nach Malaysia, weil ich Englisch lernen wollte. In Vietnam sind solche Kurse
teuer, aber ich habe einen kostenlosen Englischkurs gefunden, der von
philippinischen Christen geleitet wurde. Ich wurde von allen herzlich
aufgenommen. Sie unterrichteten aufrichtig und boten uns sogar Essen und
Getränke an. Ich konnte ihre Freundlichkeit und Großzügigkeit erleben. Sie
behandelten alle gleich. Während einer der Unterrichtsstunden wurde ein Video
über die Passion und Auferstehung Jesu gezeigt, das mit einer einfachen Frage
endete: ‚Wo ist Gott?‘ Aber ich habe etwas gespürt. Es war nur ein kleines
Gefühl, aber es ist in mir geblieben. Jahre später lernte ich durch meine Arbeit
einen malaysischen [Christen] kennen und begann, mit ihm zur Messe zu gehen. In
der Kirche waren die Menschen freundlich, und die Predigten haben mich berührt.
Doch die alte Frage kehrte zurück: Wer ist Gott? Mit der Hilfe meines Freundes
habe ich mich für den Katechumenatskurs angemeldet und werde dieses Jahr getauft
werden. Ich fühle mich stärker und habe weniger Angst vor den Herausforderungen
des Lebens. Ich bin nicht nur bereit, Katholik zu werden, sondern bereit, Teil
des Wunders Gottes zu werden.“
Schlusswort
138. Das Dikasterium für die Glaubenslehre hat von Papst Franziskus in der
letzten Phase seines Lebens den Auftrag erhalten, der Kirche eine Reflexion über
die Weitergabe des Glaubens zu unterbreiten; diese Bitte ist später von Papst
Leo XIV. bekräftigt worden. Das Dikasterium hat diese Aufgabe im Geist der
missionarischen Erneuerung angenommen, die vom gesamten Volk Gottes,
einschließlich der kurialen Institutionen, gefordert wird. Sein Dienst
beschränkt sich in der Tat nicht auf die Bewahrung eines Schatzes an
Glaubenslehren (credere Deum), sondern umfasst auch die Förderung all
dessen, was die persönliche und aktive Einbindung bei der Annahme des Lichts des
Glaubens begünstigt (credere Deo und credere in Deum). Dies
betrifft insbesondere die Lehrabteilung des Dikasteriums, die dazu berufen ist,
„Studien zu fördern, die darauf abzielen, das Verständnis und die Weitergabe des
Glaubens im Dienst der Evangelisierung zu vertiefen, damit sein Licht zum
Maßstab für das Verständnis des Sinns des Daseins wird“.[130] Die Frage der Weitergabe des Glaubens entfernt uns also weder vom
depositum fidei, noch bedeutet sie eine Reduzierung der Betrachtung auf die
rein subjektive Dimension der fides qua. Es handelt sich schlicht um
einen Aufruf an die Gläubigen, zum Kern des Erbes des christlichen Glaubens
zurückzukehren: Das Kerygma ist nämlich dessen zentraler Inhalt, der sich
wie ein goldener Faden durch die harmonische Hierarchie der „Wahrheiten der
katholischen Lehre“ zieht[131] und alle Inhalte des depositum fidei erhellt, indem es zur
Erfahrung einer persönlichen und gemeinschaftlichen Begegnung mit dem lebendigen
Christus hinführt.
139. Im Rahmen der in diesem Dokument dargelegten Reflexion hat das
Dikasterium für die Glaubenslehre die großzügige Resonanz zahlreicher
Bischofskonferenzen mit Freude aufgenommen, die ihre aufrichtige Besorgnis über
dieses Thema zum Ausdruck gebracht haben. Der Reichtum der eingegangenen
Beiträge sprengt den Rahmen eines einzelnen Dokuments; daher bleibt die in den
vorliegenden Überlegungen behandelte Frage offen für weitere Vertiefungen
und neue Entwicklungen. Dieses Dikasterium erkennt an, dass dieser Bereich in
die Zuständigkeit eines anderen Dikasteriums fällt, nämlich des Dikasteriums für
die Evangelisierung – Sektion für die grundlegenden Fragen der Evangelisierung
in der Welt, das sich seit langem einem Prozess der Forschung und des Dialogs
widmet, nicht nur hinsichtlich der Weitergabe des Glaubens, sondern auch
hinsichtlich anderer damit verbundener Themen: dem Katechumenat, den
verschiedenen Formen der Katechese, der Ausbildung der Gläubigen, den
gemeinschaftlichen Kontexten der Aufnahme neuer Gläubiger und ihres Wachstums
usw.
140. Jetzt wollen wir diese Überlegungen zur Weitergabe des
Glaubens im Kontext des Epochenwandels mit einem Bild zu beschließen, das jedem
Gläubigen sehr am Herzen liegt und das ein Symbol der Hoffnung für die Zukunft
darstellen kann. Es ist das Bild des liturgischen Akts des Entzündens der
Osterkerze und ihrer Aufstellung auf dem Altar nach der Prozession durch das
Kirchenschiff während der feierlichen Osternacht im lateinischen Ritus.
Bekanntlich beginnt nach dem Entzünden der Kerze die Prozession: Mit Ausnahme
des Diakons, der die Kerze trägt, schreiten alle mit noch nicht entzündeten
Kerzen in den Händen voran. Anschließend empfangen zunächst der Zelebrant und
dann die anderen Gläubigen von der Osterkerze oder von daran angezündeten Kerzen
jene Flamme, mit der sie ihre eigene Kerze entzünden und die sie wiederum an
andere weitergeben können.
141. Dreimal verkündet der Diakon mit dem Ruf „Lumen Christi – Christus,
das Licht!“ (oder in bestimmten Ländern mit einer alternativen Formel) der Welt
die Gegenwart des Lichts Christi, das durch das schrittweise Anzünden der Kerzen
sichtbar wird. So werden von der einzigen Flamme der Osterkerze langsam und
geordnet alle Kerzen der Gläubigen entzündet; und am Ende der Prozession werden
auch die Lichter in der Kirche eingeschaltet.
142. So stellen wir uns den Anstoß vor, den diese Überlegungen der
Kirche in der Zeit des Epochenwandels geben möchten. Sie sollen eindringlich
daran erinnern, dass Christus das wahre Licht ist: Er erleuchtet, weil er
von der Finsternis befreit und in die Fülle des Lebens führt, die die Erfüllung
der Annahme der bedingungslosen Liebe Gottes in unserem Herzen darstellt. Uns
Gläubigen ist es bereits geschenkt worden, dem Licht zu begegnen und unser Leben
vom „wahren Licht“ der Welt erleuchten zu lassen (vgl. Joh 1,9). Nun ist
es an uns, dasselbe Geschenk an die Männer und Frauen unserer Zeit
weiterzugeben, die in vielleicht nicht immer bewusster Weise darauf warten, ihr
Leben ebenfalls an derselben Quelle aller Gnade zu entzünden – jenem Licht, das
in der Welt leuchtet.
143. Schlussendlich darf das Zeugnis so vieler Laien nicht unerwähnt
bleiben, die in der Evangelisierung tätig waren und in jüngster Zeit die
Heiligkeit erlangt haben. Viele junge Menschen haben die Leidenschaft für die
Evangelisierung des hl. Carlo Acutis bewundert, ebenso wie das bewundernswerte
Beispiel der hl. María Antonia de Paz y Figueroa, bekannt als „Mama Antula“, auf
ihrem langen Pilgerweg der Evangelisierung. Zahlreiche Laien haben zudem ihr
Leben im Einsatz für die Verbreitung des Lichts Christi hingegeben: der hl.
Sebastian, der hl. Paul Chông Hasang, der hl. Peter To Rot. Zusammen mit ihnen
nähren die kontemplativen Ordensleute das Feuer des Glaubens durch Gebet und
Fürbitte, denn ohne das Wirken des Heiligen Geistes werden alle unsere
Bemühungen vergeblich. Deshalb laden wir alle Gemeinschaften ein, in ihren
Reihen Momente des Gebets und der Fürbitte zu fördern, die die Weitergabe des
Lichts des Glaubens unterstützen.
144. Maria, die sich inmitten der verschiedenen Völker durch die
unterschiedlichsten Formen ihres Glaubens und ihrer Frömmigkeit offenbart hat
und so ihre mütterliche Nähe noch deutlicher gemacht hat, trägt stets das Licht
und die Liebe des Herrn in sich. Das Evangelium berichtet, dass sie dies schon
von Anfang an getan hat, als sie Jesus zu Elisabeth brachte (vgl. Lk
1,39–45). Das tut sie auch heute noch, indem sie die Schönheit des Evangeliums
darbietet. Denn Maria hat alles, was Christus getan und gesagt hat, sorgfältig
bedacht und in ihrem Herzen bewahrt (vgl. Lk 2,19.51). Sie war die große
Zeugin der Menschwerdung und der Geburt des Herrn bis hin zu seinem Tod am Kreuz
und seiner Auferstehung und hat ihn während seines gesamten irdischen Lebens
begleitet. Daher erkennt das gläubige Volk vor dem Antlitz Marias „in diesem mütterlichen Bild alle Geheimnisse des Evangeliums“.[132] Wer den marianischen Glauben der Einfachen mit einer rein intellektuellen
Haltung betrachtet, läuft Gefahr, nicht zu verstehen, dass das Evangelium
Christi oft mystagogisch vermittelt wird – durch Symbole, Erfahrungen, Vertrauen
und Zuneigung. Wir bitten Maria, die Meisterin der Glaubensweitergabe, für uns
Fürsprache einzulegen in unserem erneuerten Engagement, das Licht Christi den
neuen Generationen zu bringen.
Der Heilige Vater, Papst Leo XIV., hat am 21. August 2026, dem liturgischen
Gedenktag des hl. Papstes Pius X., in der dem Präfekten und dem Sekretär der
Lehrabteilung des Dikasteriums für die Glaubenslehre gewährten Audienz das
vorliegende Dokument – das in der Ordentlichen Versammlung dieses Dikasteriums
vom 24. Juni 2026, dem Hochfest der Geburt des hl. Johannes des Täufers,
angenommen worden ist – approbiert und dessen Veröffentlichung angeordnet.
Gegeben zu Rom, am Sitz des Dikasteriums für die Glaubenslehre, am 22. Oktober
2026, dem Gedenktag des hl. Johannes Paul II.
Víctor Manuel Kard. Fernández
Präfekt
Msgr. Armando Matteo
Sekretär der
Lehrabteilung
Ex Audientia Die: 21 Augusti 2026
Leo PP. XIV
[1] Leo XIV.,
Ansprache an die Bischöfe der Italienischen Bischofskonferenz
(17. Juni 2025), in: L’Osservatore Romano, 17. Juni 2025, 2.
[2] Leo XIV.,
Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung des
Dikasteriums für Evangelisierung – Sektion für grundlegende Fragen der
Evangelisierung in der Welt (28. Mai 2026), in: L’Osservatore Romano,
28. Mai 2026, 2. [3] Um dem Leser die Orientierung entlang der verschiedenen Kapitel der
vorliegenden Überlegungen zu erleichtern, kann es hilfreich sein, bereits
jetzt einen kurzen Überblick über die thematische Abfolge zu geben. Die Kapitel
I und II bilden die theologischen Grundlagen ausgehend von der in der Person und
in den Werken Jesu von Nazareth geoffenbarten Botschaft der Liebe des Vaters, um
schließlich zu den wichtigsten Umfeldern ihrer Weitergabe in der Kirche zu
gelangen, nämlich der Familie und der Gemeinschaft. Kapitel III befasst sich mit
den Herausforderungen des Epochenwandels, dessen Kennzeichen eine beispiellose
Schwierigkeit bei der Fortführung der traditionellen Formen der
Glaubensvermittlung ist. Darauf geht Kapitel IV ein, indem es auf das schlagende
Herz dieses Wirkens, nämlich auf die Botschaft des Kerygmas, hinweist.
Kapitel V behandelt verschiedene praktische Überlegungen zur Weitergabe des
Glaubens im Leben der Gemeinschaften in ihren verschiedenen Aspekten, während
die Kapitel VI und VII jeweils das Verhältnis zwischen Glauben und Kultur
vertiefen und auf einige spezifische pastorale Anliegen hinweisen. Kapitel VIII
sammelt schließlich einige konkrete Zeugnisse, die die Weitergabe des Glaubens
im Kontext des Alltagslebens der Menschen veranschaulichen.
[4] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution
Gaudium et spes
(7. Dezember 1965), Nr. 22, in: AAS 58 (1966), 1043.
[5] Franziskus, Nachsyn. Apost. Schreiben
Christus vivit (25. März
2019), Nr. 1, in: AAS 111 (2019), 391.
[6] Benedikt XVI., Enzyklika
Deus caritas est (25. Dezember 2005), Nr.
1, in: AAS 98 (2006), 217.
[7] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 1, in: AAS 105 (2013), 1019.
[8] Franziskus, Enzyklika
Lumen fidei (29. Juni 2013), Nr. 1, in: AAS 105 (2013), 555–556.
[9] Franziskus, Enzyklika
Lumen fidei (29. Juni 2013), Nr. 37, in: AAS 105 (2013), 580.
[10] Franziskus, Enzyklika
Lumen fidei (29. Juni 2013), Nr. 38, in: AAS 105 (2013), 580.
[11] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution
Dei Verbum (18. November 1965), Nr. 8, in: AAS 58 (1966), 821.
[12] Vgl. 13. Ordentliche Versammlung der Bischofssynode,
Instrumentum
laboris (2012), Nr. 105.
[13] Franziskus, Enzyklika
Lumen fidei (29. Juni 2013), Nr. 38, in: AAS 105 (2013), 581.
[14] Benedikt XVI.,
Homilie der Eucharistiefeier zur Eröffnung der V. Generalversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik
(13. Mai 2007), in: Insegnamenti III, 1 (2007), 848–849.
[15] Leo XIV.,
Ansprache anlässlich des außerordentlichen Konsistoriums
(7. Januar 2026), in: L’Osservatore Romano, 8. Januar 2026, 2.
[16] Leo XIV.,
Homilie anlässlich des Jubiläums der Familien, der Großeltern
und der älteren Menschen (1. Juni 2025), in: L’Osservatore Romano, 2.
Juni 2025, 2.
[17] Leo XIV.,
Homilie am Fest der Taufe des Herrn
(11. Januar 2026),
in: L’Osservatore Romano, 12. Januar 2026, 4.
[18] Franziskus, Enzyklika
Lumen fidei (29. Juni 2013), Nr. 43, in: AAS 105 (2013), 584.
[19] Franziskus, Enzyklika
„Lumen fidei“ (29. Juni 2013), Nr. 53, in: AAS 105 (2013), 591.
[20] Zeugnis von P. Aimé Lucien Duval SJ verfügbar unter
http://pierre.aime.duval.free.fr/priere.htm (französisches Original, Übersetzung
durch das Dikasterium).
[21] Franziskus, Homilie zum Fest der Taufe des Herrn und zur Feier der
Taufe einiger Kinder (7. Januar 2018), in: L’Osservatore Romano,
8.–9. Januar 2018, 8.
[22] Leo XIV.,
Homilie anlässlich des Jubiläums der Katechisten
(28.
September 2025), in: L’Osservatore Romano, 29. September 2025, 2.
[23] Vgl. Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November
2013), Nr. 70, in: AAS 105 (2013), 1049–1050.
[24] Franziskus, Enzyklika
Lumen fidei (29. Juni 2013), Nr. 18, in: AAS 105 (2013), 565.
[25] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 14, in: AAS 105 (2013), 1025, er zitiert Benedikt XVI.,
Homilie
der Heiligen Messe zum Abschluss der 13. Ordentlichen Vollversammlung der
Bischofssynode (28. Oktober 2012), in AAS 104 (2012), 890, kursiv im
Original.
[26] Franziskus,
Ansprache an die Römische Kurie anlässlich der
Weihnachtsgrüße (21. Dezember 2019): AAS 112 (2020), 43. Genauer
gesagt tauchte der Ausdruck „Epochenwandel“ nicht zum ersten Mal in dieser
Ansprache auf, sondern wurde von Papst Franziskus anlässlich seines Interviews
vom 29. Juni 2014 für die italienische Tageszeitung Il Messaggero eingeführt.
[27] Lateinamerikanischer Bischofsrat,
Schlussdokument der V.
Generalversammlung des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik (13.–31. Mai
2007), Nr. 44, vgl. Stimmen der Weltkirche 41 (hrsg. vom Sekretariat der
Deutschen Bischofskonferenz – Bonn 2007), S. 47.
[28] Vgl. Franziskus, Enzyklika
Fratelli tutti (3. Oktober 2020), Nr.
30: AAS 112 (2020), 979–980.
[29] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas (15. Mai 2026), Nr. 6.
[30] Leo XIV., Ansprache an die höheren Ordensoberen der Gesellschaft Jesu
(24. Oktober 2025), in: L’Osservatore Romano, 24. Oktober 2025, 5.
[31] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas (15. Mai 2026), Nr. 26.
[32] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 70, in: AAS 105 (2013), 1049.
[33] Katholische Bischofskonferenz der Russischen Föderation,
Bericht über
die Weitergabe des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 30. März 2026,
im Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[34] Vgl. Albanische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe
des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 19. März 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[35] Griechisch-katholische Metropolitankirche von Ungarn,
Bericht und
Zeugnisse zur Weitergabe des Glaubens im Gebiet der Kirche sui iuris, 7.
April 2026, im Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[36] Chilenische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe des
Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 11. April 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[37] Vgl. Bischofskonferenz der Antillen, Hirtenbrief
„Ein Auftrag für das
Reich Gottes: Mission und Evangelisierung in der Karibik“, 9. Januar 2018,
Nr. 30.
[38] Bischofskonferenz von Panama,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe des
Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 14. April 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[39] Vgl. Bischofskonferenz von Kolumbien,
Bericht und Zeugnisse zur
Weitergabe des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 16. April 2026, im
Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[40] Vgl. Peruanische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur
Weitergabe des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 30. März 2026, im
Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[41] Vgl. Koreanische Bischofskonferenz,
Bericht über die Weitergabe des
Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 31. März 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[42] Vgl. Bischofskonferenz von Malaysia, Singapur und Brunei,
Bericht und
Zeugnisse zur Weitergabe des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 3.
April 2026, im Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[43] Vgl. Bischofskonferenz von Bangladesch,
Bericht über die Weitergabe des
Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 15. Mai 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[44] Vgl. Japanische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe
des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 20. April 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[45] Vgl. Zentralasiatische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur
Weitergabe des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 3. April 2026, im
Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[46] Südafrikanische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe
des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 4. Mai 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[47] Vgl. Sambische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe
des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 10. April 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[48] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 73, in: AAS 105 (2013), 1050–1051.
[49] Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten Amerikas,
Bericht und
Zeugnisse zur Weitergabe des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 30.
März 2026, im Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[50] Rumänische Bischofskonferenz,
Bericht über die Weitergabe des Glaubens
im Gebiet der Bischofskonferenz, 14. April 2026, im Archiv des Dikasteriums
für die Glaubenslehre.
[51] Franziskus, Enzyklika
„Fratelli tutti“ (3. Oktober 2020), Nr. 105,
in: AAS 112 (2020), 1005.
[52] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 64, in: AAS 105 (2013), 1047.
[53] Spanische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe des
Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 14. April 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[54] Brasilianische Bischofskonferenz,
Bericht über die Weitergabe des
Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 31. März 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[55] Österreichische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe
des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 31. März 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[56] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas
(15. Mai 2026), Nr. 4.
[57] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas
(15. Mai 2026), Nr. 139.
[58] 16. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode,
Auf dem Weg zu
einer synodalen Kirche in der Sendung (Synthese-Bericht, Erste Sitzung, 28.
Oktober 2023), Nr. 17 a), vgl.
https://www.dbk.de/vatikan/bischofssynoden/bischofssynode-synodale-kirche-2021-2028/offizielle-dokumente-1. Vgl. Leo XIV.,
Ansprache an die Teilnehmer der Konferenz „Artificial
Intelligence and Care of Our Common Home“ (5. Dezember 2025), in: L’Osservatore Romano, 5. Dezember 2025, 2.
[59] Leo XIV.,
Botschaft zum 60. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel
(24. Januar 2026), in: L’Osservatore Romano, 24. Januar 2026, 2.
[60] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas
(15. Mai 2026), Nr. 132.
[61] Belgische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe des
Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 3. April 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[62] Chilenische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe des
Glaubens im Zuständigkeitsbereich der Bischofskonferenz, 11. April 2026, im
Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[63] Einzelheiten zur Untersuchung finden Sie unter
https://eglise.catholique.fr/approfondir-sa-foi/la-celebration-de-la-foi/les-sacrements/le-bapteme/baptemes-adultes.
[64] Vgl. Maronitisches Patriarchat von Antiochia,
Bericht und Zeugnisse zur
Weitergabe des Glaubens im Gebiet des Patriarchats, 1. April 2026, im Archiv
des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[65] Nigerianische Bischofskonferenz,
Bericht über die Weitergabe des
Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 6. Mai 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[66] Tansanische Bischofskonferenz,
Bericht über die Weitergabe des Glaubens
im Gebiet der Bischofskonferenz, 26. März 2026, im Archiv des Dikasteriums
für die Glaubenslehre.
[67] Vgl. Bischofskonferenz der Elfenbeinküste,
Bericht über die Weitergabe
des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 15. April 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[68] Vgl. Kongolesische Bischofskonferenz des Kongo,
Bericht über die
Weitergabe des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 30. März 2026, im
Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[69] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas
(15. Mai 2026), Nr. 223.
[70] Leo XIV., Brief an die Kardinäle
(12. April 2026): L’Osservatore
Romano, 14. April 2026, 7. Vgl. Ders.,
Grußwort anlässlich des Jubiläums
der digitalen Missionare und Influencer (29. Juli 2025), in: L’Osservatore Romano, 29. Juli 2025, 2.
[71] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution
Dei verbum (18. November 1965), Nr. 2, in: AAS 58 (1966), 818.
[72] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution
Dei verbum (18. November 1965), Nr. 5, in: AAS 58 (1966), 819.
[73] Vgl. Internationale Theologische Kommission,
Die Interpretation der
Dogmen (Originalfassung deutsch 1989), B.I.1., vgl.
https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/cti_documents/rc_cti_1989_interpretazione-dogmi_ge.html.
[74] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 164: AAS 105 (2013), 1088–1089.
[75] Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung,
Direktorium für
die Katechese (23. März 2020), Nr. 57, vgl. Verlautbarungen des
Apostolischen Stuhles 224 (hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz,
Bonn 2020), 63.
[76] Vgl. Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung,
Direktorium
für die Katechese (23. März 2020), Nr. 56–57, vgl. Verlautbarungen des
Apostolischen Stuhles 224 (hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz,
Bonn 2020), 62–63.
[77] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas
(15. Mai 2026), Nr. 22.
[78] Vgl.
https://www.evangelizatio.va/content/pcpne/it/attivita/catechesi.html.
[79] Franziskus, Enzyklika
Dilexit nos (24. Oktober 2024), Nr. 26, in:
AAS 116 (2024), 1377.
[80] Benedikt XVI., Enzyklika
Deus caritas est (25. Dezember 2005), Nr.
31b, in: AAS 98 (2006), 245.
[81] Augustinus von Hippo,
Confessionum libri tredecim, XII, 16, 23, in: PL 32, 834.
[82] Franziskus, Nachsyn. Apost. Schreiben
Christus vivit
(25. März
2019), Nr. 211, in: AAS 111 (2019), 450.
[83] A. Hurtado, „Ustedes son la luz del mundo“.
Discurso en El Cerro
San Cristóbal, Cile (1940), zitiert in: Franziskus, Nachsyn. Apost.
Schreiben
Christus vivit (25. März 2019), Nr. 175, in: AAS 111
(2019), 440.
[84] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 70, in: AAS 105 (2013), 1050.
[85] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 165, in: AAS 105 (2013), 1089.
[86] Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über den Ökumenismus
Unitatis redintegratio
(21. November 1964), Nr. 11, in: AAS 57 (1965), 99.
[87] Vgl. Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November
2013), Nr. 36–37, in: AAS 105 (2013), 1035.
[88] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 165, in: AAS 105 (2013), 1089.
[89] Vgl. Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November
2013), Nr. 127–129, in: AAS 105 (2013), 1073.
[90] Franziskus, Apost. Schreiben in Form eines „Motu proprio“
Aperuit illis
(30. September 2019), Nr. 8, in: AAS 111 (2019), 1500.
[91] Vgl. Aelred von Rievaulx,
De spiritali amicitia, in: CCCM,
1, 279–350. [92] Franziskus, Nachsyn. Apost. Schreiben
Christus vivit
(25. März
2019), Nr. 151, in: AAS 111 (2019), 432.
[93] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution
Gaudium et spes
(7. Dezember 1965), Nr. 52, in: AAS 58 (1966), 1073.
[94] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 24, in: AAS 105 (2013), 1030.
[95] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 45, in: AAS 105 (2013), 1039.
[96] Vgl. Prosper von Aquitanien,
Indiculus, Kap. 8: PL 51, 209.
[97] Augustinus von Hippo,
Confessiones, Buch IX, 6, 14: PL
32, 769–770. [98] R. Guardini,
In Spiegel und Gleichnis. Bilder und Gedanken,
Mainz/Paderborn 71990 (unv. Nachdruck der 5. Aufl., Mainz 1953),
158–161. [99] Franziskus, Apost. Schreiben
Gaudete et exsultate (19. März 2018),
Nr. 9, in: AAS 110 (2018), 1113.
[100] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution
Lumen
gentium (21. November 1964), Nr. 11, in: AAS 57 (1965), 15–16.
[101] Franziskus, Apost. Schreiben
Gaudete et exsultate (19. März 2018),
Nr. 14, in: AAS 110 (2018), 1115.
[102] Publius Terentius Afer,
Heautontimorumenos, I, 1, 25.
[103] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas
(15. Mai 2026), Nr. 122.
[104] Leo XIV., Apost. Schreiben
Dilexi te (4. Oktober 2025), Nr. 3, in:
AAS 117 (2025), 1240. [105] Leo XIV., Apost. Schreiben
Dilexi te (4. Oktober 2025), Nr. 104,
in: AAS 117 (2025), 1280–1281.
[106] H.U. von Balthasar,
Herrlichkeit. Eine theologische Ästhetik, Bd. 1.
Schau der Gestalt, Einsiedeln 21967, S. 145. Dazu lässt sich
hinzufügen: „Fehlt dem verum jener splendor, der für Thomas das
Merkmal des Schönen ist, dann bleibt die Wahrheitserkenntnis sowohl pragmatisch
wie formalistisch: […] Fehlt aber dem bonum jene voluptas, die für
Augustinus das Anzeichen seiner Schönheit ist, dann bleibt auch der Bezug zum
Guten sowohl utilitaristisch wie hedonistisch“ (ebd. S. 145 weiter oben).
[107] Vgl. Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November
2013), Nr. 167, in: AAS 105 (2013), 1090.
[108] Leo XIV.,
Grußwort an die Teilnehmer des „Konzerts mit den Armen“
(6. Dezember 2025), in: L’Osservatore Romano, 9. Dezember 2025, 4.
[109] Johannes Paul II.,
Ansprache an die Teilnehmer des Nationalkongresses
der kirchlichen Bewegung für kulturelles Engagement (16. Januar 1982), Nr.
2, in: Insegnamenti V, 1 (1982), 131, unter Berufung auf Paul VI., Apost.
Schreiben
Evangelii nuntiandi (8. Dezember 1975), Nr. 20, in: AAS
68 (1976), 18. Vgl. Päpstlicher Rat für die Kultur,
Für eine Kulturpastoral
(23. Mai 1999), vgl.
https://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/cultr/documents/rc_pc_pccultr_doc_03061999_pastoral_ge.html.
[110] Johannes Paul II., Enzyklika
Slavorum apostoli (2. Juni 1985), Nr.
21, in: AAS 77 (1985), 802. [111] Johannes Paul II., Enzyklika
Redemptoris missio (7. Dezember 1990),
Nr. 52, in: AAS 83 (1991), 300.
[112] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 122, in: AAS 105 (2013), 1071.
[113] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 127, in: AAS 105 (2013), 1073.
[114] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 132, in: AAS 105 (2013), 1075.
[115] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution
„Gaudium et
spes“ (7. Dezember 1965), Kap. I: AAS 58 (1966), 1034–1044.
[116] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas
(15. Mai 2026), Nr. 3.
[117] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 123, in: AAS 105 (2013), 1071.
[118] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 126, in: AAS 105 (2013), 1073.
[119] Es handelt sich um ein Phänomen, bei dem seit einigen Jahren immer mehr
junge Menschen in religiösen Bruderschaften oder in Jugendgruppen mit
katholischem Hintergrund aktiv werden. Neben der Teilnahme am Leben der
Bruderschaften selbst, die auf öffentlicher Ebene in den traditionellen
Prozessionen anlässlich der wichtigsten Festtage gipfelt, sind auch nationale
Versammlungen mit immer mehr Teilnehmern zu verzeichnen, wie bereits 2016 in der
Online-Zeitschrift der Erzdiözese Madrid berichtet wurde: vgl.
https://alfayomega.es/las-cofradias-se-han-convertido-en-puerta-de-entrada-a-la-iglesia-para-muchos-jovenes.
[120] Vgl. Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November
2013), Nr. 135–144, in: AAS 105 (2013), 1076–1080.
[121] Bischofskonferenz von Ghana,
Bericht über die Weitergabe des Glaubens
im Gebiet der Bischofskonferenz, 27. April 2026, im Archiv des Dikasteriums
für die Glaubenslehre. [122] Vgl. Venezolanische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur
Weitergabe des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 2. April 2026, im
Archiv des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[123] Französische Bischofskonferenz,
Bericht und Zeugnisse zur Weitergabe
des Glaubens im Gebiet der Bischofskonferenz, 5. Juni 2026, im Archiv des
Dikasteriums für die Glaubenslehre.
[124] Leo XIV., Enzyklika
Magnifica humanitas
(15. Mai 2026), Nr. 143.
[125] Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret
Unitatis redintegratio
(21.
November 1964), Nr. 1, in: AAS 57 (1965), 90. Vgl. ebd., Dekret
Ad
gentes (7. Dezember 1965), Nr. 6, in: AAS 58 (1966), 954–955.
[126] Johannes Paul II., Enzyklika
Redemptoris missio (7. Dezember 1990),
Nr. 50, in: AAS 83 (1991), 297.
[127] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium
(24. November 2013),
Nr. 246, in: AAS 105 (2013), 1119.
[128] Ebd.
[129] Die folgenden Berichte sind Zusammenfassungen, die anhand von Auszügen aus
den Originaltexten der Zeugnisse erstellt worden sind. Der Einfachheit halber
werden Auslassungen nicht gekennzeichnet. Eventuelle zusammenfassende
Ergänzungen sind in eckigen Klammern angegeben.
[130] Franziskus, Apost. Schreiben in Form eines „Motu proprio“
Fidem servare
(11. Februar 2022), Nr. 2, in: AAS 114 (2022), 288.
[131] Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret
Unitatis redintegratio
(21.
November 1964), Nr. 11, in: AAS 57 (1965), 99.
[132] Franziskus, Apost. Schreiben
Evangelii gaudium (24. November 2013), Nr. 285, in:
AAS 105 (2013), 1135. Vgl. Dikasterium für die Glaubenslehre, Lehrmäßige
Note Mater populi fidelis (4. November 2025), Nr. 77, in: AAS 117
(2025), 1465–1466.
|